# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 02 05_S94 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) mittlerweiſe das, wie ſie könnten ausharren, daß wenn die rechtſchaffenen gottfürchtigen Prediger ausgeſtorben wären und gottloſe Lehrer wieder an ihre Statt lämen, der Pabſt dann wiederum herr⸗ ſchen und regieren könnte und Chriſtus gar ver⸗ tilget würde. Darum ſo gehe kein Mittel ein. Als ich zu Worms auf dem Reichstage für dem Kaiſer war, da wollt man auch, daß ich ſollte beſſer Einigkeit machen. Da ſaget ich, wohlan, ich bins zufrieden, allein daß Gottes Wort mir frei bleibe. „Ey“, ſageten ſie, „es iſt ungereimet Ding.“ Ja, reime. .. — Wenn es Land und Leute anträf, da könnt man für mitteln, verglei⸗ ſchen, Fried und Einigkeit machen, aber allhie ſind's grobe Eſel, ſie meinen, die Sache ſei eine weltliche Sache. Aber nein, es iſt weit gefeilet, da kannſt du nicht weder zu Gott noch zum ewigen Leben kommen, du höreſt denn Gott allein und ſein Wort. Es wirft das erſte Gebot alle Ketzerei auf Erden hinweg, denn Abgötterei macht und ſchmückt ein fein Deckchen, und gedenkt: ey, das wird Gott gefallen. Aber ſiehe du zu, mache nicht Friede außer dem göttlichen Wort. Iſt nicht Gottes Wort da, ſo thue die Augen zu, und ſprich: hie iſt keine Einigkeit oder Vertrag; es ſind wohl Leute von hohem Verſtande, in der heiligen Schrift, in der lateiniſchen Sprache und in den Hiſtorien beleſen, aber gleichwohl ſind ſie ſo große Narren, daß ſie nicht unterſcheiden kön⸗ nen Chriſtum und den Teufel, unter den ewigen und zeitlichen Dingen. Denn von zeitlichen Sa⸗ chen, da kann man begeben .., ſich vergleichen und nachgeben, aber nicht alſo in ewigen Sachen. Da gilts nicht, oder man iſt verloren. Denn es läßt ſich die Einigkeit nicht theilen. Darum ſo ſage: Wir wollen thun, was wir nur ſollen, es betreffe Leib und Leben, allein daß es nicht wider Gott ſei. Denn das iſt denn nicht unſer, darum ſo kann mans auch nicht verkäufen noch vergeben; darum ſo müſſen wirs auch alleine unſers HErr Gotts bleiben laſſen. (Aus: Dr. Martin Luthers ungedruckte Predigten. Aus den Handſchriften der herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel herausgegeben von Dr. W. Horck. Berlin, 1847. I, 461 ff. vom Jahre 1539.) Auszug aus dem Protokoll der Prediger⸗Confe⸗ renz des Lancaſter Diſtricts, gehalten zu Lan⸗ caſter, O., am 30. September, 1. und 2. Oe⸗ tober 1849. Gegenwärtig waren die Paſtoren F. W. Rich⸗ mann, J. Seidel, P. Baumgart und L. W. Habel. Zum Präſes erwählte man Hrn. P. Seidel; zum Secretär L. Habel, und nahm dann zunächſt die Vorſchläge der Herren Ernſt und Seidel in Ueberlegung, worauf folgende Beſchlüſſe gefaßt wurden: 1. Daß wir ein Actenſtück anlegen, welches a) eine Conſtitution unſerer Conferenz; b) ein Verzeichniß der zu derſelben gehören⸗ den Glieder; 9⁴ c) die jährlichen Verhandlungen und ſon⸗ ſtige wichtige Vorkommenheiten bezüglich unſerer Conferenzmitglieder oder auch in deren Gemeinden, — enthalten ſoll. 2. Daß wir die Fort Wayner Conferenz erſu⸗ chen, auf dem Grabe des ſeligen Bruders Burger (welches ſich dort befindet) einen Stein zu errich⸗ ten und der Secretär beauftragt werde, an dieſelbe zu ſchreiben, ihr dabei auch gleichzeitig unſere Bereitwilligkeit zur Unterſtützung bei Ausführung dieſes Planes zu erklären. Darnach wurden folgende Fragen erörtert: 1) Wie man es mit ſolchen zu halten habe, die aus Leichtſinn oder Bosheit längere Zeit oder für immer die Gottesdienſte meiden, ohne jedoch zu einer audern Gemeinde über⸗ zugehen? 2) Wie man an Kranken-⸗ und Sterbebetten mit Selbſtgerechten und Maulchriſten um⸗ zugehen habe? Geantwortet: ad 1. Daß ſolche Gemeindeglieder nach Matth. 18, 15—18. in Kirchenzucht zu nehmen. Doch ſollen unter „Leichtſinnige oder Boshafte“ nicht ſolcht verſtanden werden, die über eine an ſich gleichgültige Sache Gewiſſensſcrupel empfinden; ſolche ſind vielmehr zu belehren und als Schwache mit chriſtlicher Geduld zu tragen, ſo lange ſie nicht ihre Anſicht Anderen als Glaubenswahrheit auf⸗ dringen wollen, oder durch den Anſchluß an Falſch⸗ gläubige offenbaren, weß Geiſtes Kinder ſie ſind. ad 2. Daß es hinſichtlich der Selbſtgerechten am beſten ſei, ihnen, wenn man ihren Wandel genauer kennt, ohne Rückhalt die Sünden vorzu⸗ halten, die man von ihnen weiß, damit ſie von dem Wahne, als wären ſie ſtets tugendhafte Men⸗ ſchen geweſen, ab- und zur Erkenntniß ihrer Ver⸗ dammungswürdigkeit hingebracht werden. Bei den andern, deren Lebenswandel man nicht ge⸗ nauer kennt, müßte man ſich freilich begnügen, das Geſetz im Allgemeinen anzuwenden. Dabei wurde die traurige Erfahrung mitge⸗ theilt, daß ſolche Menſchen auf ihrem Kranken⸗ bette häufig einſchlafen, wenn man von Sünde und Gnade mit ihnen ſpricht, während ſie doch munter bleiben bei weltlichen Geſprächen. Viele ſind nun zwar der Anſicht, dieſes ſei eine Schwäche bei den Kranken, die man entſchuldigen müſſe; wir meinen aber, ſolches ſei vom Teufel, der ſo noch zu guter Letzt der armen Seele das Wort des Lebens zu entreißen trachte. In dieſer Mei⸗ nung wurden wir noch durch die Erfahrung be— ſtärkt, daß auf ernſtliches Gebet zu Gott um Ab⸗ wendung der Liſt und Macht des Satans die Kranken hatten wachend bleiben können. Was die Maulchriſten betrifft, ſo iſt mit ihnen am ſchwerſten zu handeln; man kann ihnen, weil ſie in allen Stücken dem Worte Gottes Recht ge⸗ ben, ſehr wenig beikommen. Alles, was man zu thun vermag, iſt, ſie ernſtlich darauf hinzuweiſen, daß nicht die bloßen HErr⸗HErrſager, ſondern nur diejenigen auf des Himmels Seligkeit ſich freuen könnten, denen IEſus ihr Eins und ihr Alles geworden ſei. Man ſolle ſie auch ernſtlich auf ihr Gewiſſen fragen, weßhalb ſie ſich des Heilandes getröſteten? ob ihr Glaube nicht auf einem falſchen Grunde ruhe? ꝛc. Auch hinſichtlich dieſer Menſchen wurden Er⸗ fahrungen mitgetheilt und hielten wir es nicht für unnütz, hier davon ſo viel zu bemerken, daß einer der Brüder Leute kennen gelernt, die in ihren ge⸗ ſunden Tagen des Heilandes Namen häufig im Munde führten, auf ihrem Sterbebette aber ihn gar nicht kannten. Wäre die Krankheit der Men⸗ ſchen ſo beſchaffen geweſen, daß ſie dabei ihrer Sinne nicht mächtig, dann möchte man den bereg⸗ ten Umſtand entſchuldigen; ſo aber waren ſie in jeder Beziehung vernünftig, und da meinen wir denn allervings, dieß ſei ein Zeugniß dafür, daß der todte Kopf⸗ und Maulglaube ſeine Diener im Sterbeſtündlein verläßt, indem doch ſelbſt der ſchwer Angefochtene wenigſtens ſo viel in ſeinem Leiden weiß, „daß und wer JEſus iſt“. Möchte darum ſich doch ein jeder bei geſunden Tagen unt den Glauben bekümmern, der auch im letzten Stündlein ihm Troſt und Ruhe gewähren kann! 3) Wegen einer dritten Frage, betreffend die Beerdigung ſolcher, die zu einer falſch⸗ gläubigen oder gar keiner Kirche gehört haben, wurde auf das, II. Syn. Ber. S. 22 befindliche Gutachten vewieſen. 4) Darf man in Sterbensnoth einen Er⸗ wachſenen taufen, dem noch kein gründ⸗ licher Unterricht in der Heilslehre ertheilt worden iſt? Antwort: Ja, wenn er ſich als einen Sünder erkennt und wenigſtens weiß, wer IEſus iſt und was er für uns gethan, auch erklärt, daß er durch Ihn allein Vergebung ſeiner Sünden, Leben und Seligkeit hoffe und ſich darum Ihm zum Eigen⸗ thum ergeben wolle. 5) Ob man einem Menſchen, der in ſeiner Kindheit zwar getauft, nicht aber con⸗ firmirt worden — in Sterbensnoth das heilige Abendmahl reichen dürfe? Antwort: Ja, wenn er im Stande iſt, nach dem Worte Gottes ſich ſelbſt zu prüfen, ſeine Sünden erkennt und Chriſtum als ſeinen einigen Heiland annimmt, man ſonſt keine Zeichen eines unbuß⸗ fertigen Herzens an ihm wahrnehmen kann und er⸗ auch über das heilige Sacrament ſelbſt die richtige Erkenniniß hat. 6) Wurde beſchloſſen, daß wir unſere Ge⸗ meinden mit allem Ernſte ermahnen wol⸗ len, das Gebet für die Kirche in ihren Häuſern nicht zu verſäumen, da wir glauben, daß die jetzigen Bedrängniſſe unſerer Kirche, der Mangel an Arbeitern in der⸗ ſelben ꝛc. Heimſuchungen Gottes ſind, die er wegen unſerer Lauheit im Gebete über dieſelbe verhängt. 7) Wurde angefragt: unter welchen Um⸗ ſtänden darf ein Prediger dem Pedigt⸗ amte entſagen? Antwort: 10 wenn er leiblich zur Verwaltung — desſelben unfähig wird; 2) wenn ſein Gewiſſen mit der Lehre der Kirche nicht übereinſtimmt. 8) Wie hat ein Pfarrer zu verfahren, wenn die Gemeinde ſich an dem liturgiſchen Gottesdienſte nicht betheiligen will?