# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 05 17_S75 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 75 Daß jedoch Luther sich in dieser Angelegenheit auch nicht im entferntesten als einen schmeichlerischen Fürstenknecht gezeigt habe, erhellt deutlich daraus, wie er sich in derselben Schrift gegen die Fürsten vernehmen läßt. Er spricht darin: „Erstlich mögen wir niemand auf Erden danken solches Unraths und Aufruhrs, denn euch Fürsten und Herren, sonderlich euch blinden Bischöfen, tollen Pfaffen und Mönchen, die ihr noch heutigen Tags verstockt, nicht aufhöret zu toben und wüthen wider das heilige Evangelium, ob ihr gleich wisset, daß es recht ist, und auch nicht widerlegen könnet. Dazu im weltlichen Regiment nicht mehr thut, denn daß ihr schindet und schafft, euren Pracht und Hochmuth zu führen, bis der arme gemeine Mann nicht kann noch mag länger ertragen. Das Schwert ist euch auf dem Halse; noch meinet ihr, ihr sitzt so feste im Sattel, man werde euch nicht mögen ausheben. Solche Sicherheit und verstockte Vermessenheit wird euch den Hals brechen; das werdet ihr sehen. Ich habs euch zuvor vielmal verkündiget, ihr sollt euch hüten vor dem Spruch, Ps. 107, 40.: „„Er schüttet Verachtung auf die Fürsten.““ Ihr ringet darnach, und wollet auf den Kopf geschlagen sein, da hilft kein Warnen noch Vermahnen für. Wohlan, weil ihr denn Ursache seid solches Gottes Zorns, wird's ohne Zweifel auch über euch ausgehen, wo ihr euch noch nicht mit der Zeit bessert. Die Zeichen am Himmel und Wunder auf Erden gelten euch, liebe Herren, kein Gutes deuten sie euch, kein Gutes wird euch auch geschehen. — Denn das sollt ihr wissen, liebe Herren, Gott schafft's also, daß man nicht kann, noch will, noch soll eure Wütherei die Länge dulden. Ihr müsset anders werden und Gottes Wort weichen; thut ihr's nicht durch freundliche, willige Weise, so müsset ihr es thun durch gewaltige und verderbliche Unweise. Thun's diese Bauern nicht, so müssen's andere thun, und ob ihr sie alle schlüget, so sind sie noch ungeschlagen, Gott wird andere erwecken. Denn er will euch schlagen und wird euch schlagen. Es sind nicht Bauern, liebe Herren, die sich wieder euch setzen; Gott ist's selber, der setzt sich wider euch, heimzusuchen eure Wütherei.—Wenn ich Lust hätte, mich an euch zu rächen, so möchte ich jetzt in die Faust lachen, und den Bauern zusehen, oder mich auch zu ihnen schlagen, und die Sachen helfen ärger machen. Aber da soll mich mein Gott vor behüten, wie bisher. Darum, meine lieben Herren, ihr seid Freunde oder Feinde, bitte ich unterthäniglich, verachtet meine Treue nicht, ob ich wohl ein armer Mensch bin. Verachtet diesen Aufruhr auch nicht, das bitte ich. Nicht daß ich achte oder fürchte, daß sie euch zu mächtig sein sollten, will auch nicht, daß ihr euch derhalben vor ihnen fürchten sollet; sondern Gott fürchtet; deß Zorn sehet an: will euch der strafen, wie ihr verdient habt, als ich sorge, so strafet er euch, und wenn der Bauern hundertmal weniger wären: er kann wohl Steine zu Bauern machen, und wiederum; und durch einen Bauern hundert von den Euren erwürgen, daß euch alle eure Harnische und Stärke zu wenig wird.—Fahet nicht Streit mit ihnen an; denn ihr wisset nicht, wo das Ende bleiben wird. Suchet's zuvor gütlich. — Sie haben 12 Artikel gestellet, unter welchen etliche so billig und recht sind, daß sie euch vor Gott und der Welt den Glimpf nehmen, und den 107. Psalm, Vers 40, wahr machen, daß sie Verachtung schütten über die Fürsten.—Den ersten Artikel, da sie begehren, das Evangelium zu hören, und Recht, einen Pfarrherrn zu erwählen, könnet ihr nicht abschlagen mit einigem Schein. Die andern Artikel, so leibliche Beschwerungen anzeigen, als mit dem Leibfall, Aufsätze und dergleichen, sind ja auch billig und recht. Denn Oberkeit nicht darum eingesetzt ist, daß sie ihren Nutz und Muthwillen an den Unterthanen suche, sondern Nutz und das Beste verschaffe bei den Unterthänigen. Nun ist's ja nicht die Länge träglich, so zu schatzen und schinden. Was hilft's, wenn eines Bauern Acker so viel Gülden als Halme und Körner trüge, so die Oberkeit nur desto mehr nähme, und ihren Pracht damit immer größer machte, und das Gut so hinschlauderte mit Kleidern, Fressen, Saufen, Bauen und dergleichen, als wäre es Spreu? Man müßte ja den Pracht einziehen, und das Ausgeben stopfen, daß ein armer Mann auch was behalten könnte.“ (Siehe „Luther's Ermahnung zum Frieden auf die zwölf Artikel der Bauerschaft in Schwaben. 1525.“ Werke. Halle. XVI. 58.) Doch nicht nur schriftlich suchte Luther den Sturm zu beschwichtigen, er reiste auch persönlich nach Thüringen und suchte hier durch Predigten das Ausbrechen des drohenden Gewitters aufzuhalten; allein es gelang ihm nur hier und da, und auf eine kurze Zeit. Die Bauern wurden gegen ihn selbst, da er nicht alles gutheißen wollte, so wüthend, daß er zwei Mal in Lebensgefahr gerieth. Durch keine Ermahnungen ließen sie sich zur Besinnung bringen, vielmehr rissen sie einander zu allen möglichen Gewaltthaten nur immer weiter fort. Sie setzten ohne weiteres, wo sie Macht bekamen, die Obrigkeit ab, raubten, plünderten, sengten und brannten, wohin sie kamen, und zerstörten über 200 Schlösser u. viele Klöster. Nun ließ Luther die äußerst strenge Schrift ausgehen: „Wider die räuberischen und mörderischen Bauern,“ und befahl die Sache Gott. Die Fürsten, deren gütliche Vorstellungen ebenfalls alle vergeblich waren und die Münzer auf das pöbelhafteste schmähte, vereinigten sich endlich, um dem hereinbrechenden Unglück mit Gewalt der Waffen zu steuern. So wurde denn der ganze Haufen aufrührerischer Bauern, 8000 Mann stark, am 5. Mai 1525 bei Frankenhausen theils aufgerieben, theils gefangen, und Münzer selbst bald darauf enthauptet. Obgleich Luther diesen Ausgang geahnt hatte, so trägt er doch nicht die Schuld der auf der einen oder andern Seite begangenen Grausamkeiten und des vergossenen Blutes, denn der Aufruhr entstand nicht aus Luthers, sondern aus Münzers Lehre; nicht an lutherischen, sondern an papistischen Orten; nicht sowohl wegen religiöser als wegen bürgerlicher Bedrückungen; auch hat Luther anfänglich beiden Parteien gütlichen Vergleich auf das ernstlichste angerathen, und das Unrecht beider Parteien freimüthig gestraft. Luther hat sich auch hierbei als ein Knecht Gottes bewiesen in dem Worte der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken, durch Ehre und Schande, durch böse und gute Gerüchte, als ein Verführer und doch wahrhaftig. 2 Cor. 6, 7. 8. (Fortsetzung folgt.) Am Kinderglauben fehlt's, wenn man die hohen Geheimnisse der christl. Lehre nicht gläubig aufnehmen will. (Genommen aus Luthers Predigten über 1 Cor. 15, 35. u. s. w. S. L. Werke. Hall. VIII. 1420. ꝛc.) Wer glaubet, daß Gott ist ein allmächtiger Schöpfer Himmels und der Erde; der glaubt auch, daß er die Todten auferwecken könne. Wenn wir aber zweifeln, so ist es ein Zeichen, daß es uns noch fehlet am Kinderglauben. Denn wer da disputirt und zweifelt an dem Artikel der Auferstehung, der glaubt nicht, daß Gott allmächtiger Schöpfer aller Creaturen sei; ja, er glaubt gar nichts. Denn weil er Gottes Werk nicht glaubet, daß Gott die Todten auferwecken könne und wolle laut seines Wortes; so glaubt er auch nichts von Gottes Kraft, Macht, Majestät und Herrlichkeit, und verleugnet also Gott ganz und gar in der Wahrheit, weil er seine Werke verleugnet. Was fehlt heutiges Tages unsern Schwärmern und Rottengeistern, den Wiedertäufern und Sacramentschändern, denn daß sie nicht wissen, noch wissen wollen den Kinderglauben: Ich glaube an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde? „Ach, was ist Wasser?“ sprechen die Wiedertäufer; „Wasser ist Wasser: wie ist das möglich, daß Wasser den Menschen sollte abwaschen von Sünden, und erretten vom Tode?“ Diese glauben nicht, daß ein Gott sei, denn sie leugnen sein Werk. Sie hören wohl mit Ohren, und sprechen mit dem Munde die Worte: Ich glaube an Gott, den allmächtigen Schöpfer; aber im Herzen glauben sie es nicht. Denn weil er selbst sagt: Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig, Marc. 16, 16., und ihm alle Dinge möglich sind, als dem einigen, allmächtigen Schöpfer aller Dinge; wie sollte es denn nicht möglich sein, daß das Wasser im Wort den Menschen von Sünden reinigen und selig machen sollte? Ist doch bei Gott kein Ding unmöglich; wie der Engel Gabriel zu Maria sagt. Luc. 1, 37. Carlstadt fehlte es auch an diesem Stück. „Ich werde mich nimmermehr bereden lassen,“ sprach er, „daß ich glaube, daß Gott den Himmel aufthue, und seinen Sohn herunterlasse, und denselben in das Brod schließe, so man im Sacrament austheilet.“ Das thut aber der leidige Unglaube. Was ist aber die Ursache solches Unglaubens? Das ist die Ursach, daß man Gott nicht für allmächtig hält; denn solches kann auch die Vernunft erkennen: Wenn man zuläßt, daß Gott allmächtig ist, so müsse man auch zulassen, daß alles geschehen kann und muß, was Gott sagt. So nun Gott allmächtig ist, Himmel und Erde