# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 01 08_S79 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Predigt zu übernehmen. Ich verſprachs, wiewohl ich mich nur für eine kleine Anſprache, die ich am Abend des Feſtes zu halten gedachte, vorbereitet hatte. Ich wunderte mich ſehr, als ich die Kirche ſah. Für die noch junge und kleine Gemeinde hatte ich mir ein kleines Kirchlein vorgeſtellet, aber ich fand ſie ſehr geräumig und beſonders zo⸗ gen die ſchönen, hohen und breiten Fenſter, mehr noch die wohl bekleidete und mit Kränzen lieblich gezierte Kanzel und der Altar meine Aufmerkſam⸗ keit auf ſich. Sehr viele Leute waren gegenwärtig. Der Geſang beim Gottesdienſte war köſtlich, rein und helltönend. Nach der Hauptpredigt wurde das herrliche Lied: „Wachet auf! ruft uns die Stimme“ ꝛc. nach Layritz geſungen. Die Haupipredigt hielt Paſtor Schieferdecker. Er predigte über 2 Moſ. 20, 24. „Von dem Segen des Hauſes Gottes; und zwar: 1. worin dieſer Segen beſtehe, und ſodann 2. wovon er abhauge.“ Er ſtellte hiebei beſonders ins Licht, daß der Segen des Hauſes Gottes ein Segen ſei, der nur da gefunden werden könne, wo Gott ſeines Namens Gedächtniß geſtiftet habe. Weil nun im Hauſe Gottes ſeines Namens Gedächtniß ſei, indem darin ſein Wort, ſeine Werke und Wunder gepredigt würden, ſo ſei auch nur da ſein beſonderer Segen, und ſonſt nirgends zu fin⸗ den. Er wies auch darauf hin, daß man es als ein erfreuliches Zeichen anſehen dürfe, daß die erſte Kirche in Centreville eine Kirche des reinen lutheriſchen Bekenntniſſes ſei; wobei er die Hoff⸗ nung ausſprach, daß Gott wohl im Sinne habe, daſelbſt ſein lutheriſches Zion zu bauen, das Wort ſeiner Wahrheit auf einen Leuchter zu ſtel⸗ len und jenes Haus zu einem Hauſe des Segens zu machen, der ſich auf Kinder und Kindeskinder erſtrecke. Die Nachmittagspredigt hielt ich über Pſalm 84, 2. und 3., wornach ich die Herrlich— keit des Hauſes Gottes vorzuſtellen ſuchte. Die⸗ ſer herrliche Tag wurde damit beſchloſſen, daß von dem Sängerchor noch viele, der Feierlichkeit des Feſtes entſprechende Lieder (mehrſtimmig) im Tone chriſtlicher Heiterkeit geſungen wurden. Am folgenden Tage traf Paſtor Johannes noch bei uns ein, der auf Anſuchen des Paſtors Schiefer⸗ decker und ſeiner Gemeinde eine Predigt zur Nach⸗ feier am Nachmittage zu halten übernahm. Er hielt ſie über das zur Kirchweihe ſehr geeignete Evangelium Matth. 22. des vorigen Tages und ſtellte darin die Einladung zur königlichen Hoch— zeit namentlich für die Diener Gottes recht tröſt⸗ lich und erquickend vor. Gott wolle denn in dieſem neueingeweihten Kirchlein ſein reines Wort immerdar erſchallen laſſen, und geben, daß dadurch ihm viele Kinder geboren werden, die da bei der rechten Lehre un⸗ ſerer lutheriſchen Kirche bleiben und dem HErrn, ihrem Gott, dienen nach ſeinem Willen. —————3— —70 Glaubensprobe. Ich habe, erzählt Luther, einen Tiſchgänger zu Wittenberg gehabt, mit Namen Matthias de Vay, einen Ungar, welcher auch in meinem Hauſe zu Wittenberg gewohnt hat. Dieſer, nachdem 79 er heim in Ungarn kommt und allda ein Prediger- wird, da war er mit einem papiſtiſchen Prediger uneins geworden. Als nun der Papiſt ihn vor dem Mönch Georgen, des Woiwoda Bruder, da⸗ mals Statthalters und Regenten zu Ofen, ver⸗ klagt und in dem Verhör einer den andern hart verdammet hatte, und der Mönch die Parten nicht konnte eines machen, denn es wollte ein jeglicher recht haben; da ſagte Mönch George: „Harret, ich will bald erfahren, welches Theil recht habe oder nicht“; und fähret zu und ſetzet zwo Ton⸗ nen Pulver auf den Markt zu Ofen und ſpricht: „Wer ſeine Lehre vertheidigen will, daß ſie recht ſei und das wahrhaftige Wort Gottes, der ſetze ſich auf der Tonnen eine; ſo will ich Feuer un⸗ terſtoßen, welcher denn lebendig bleibet, wenn das Feuer mit dem Pulver angehet, daß er nicht ver⸗ brennet, des Lehre iſt recht.“ Da ſpringt Mat⸗ thias von Vay flugs auf der Tonnen eine und ſetzt ſich darauf, aber der Papiſt wollte mit ſeinem Beiſtand nicht auf die andere Tonne. Da ſagt der Mönch George: „Nnn ſehe ich, daß der Glaube und die Lehre des Vay recht und euer, der Papiſten, Religion falſch iſt“; ſtrafte den pa⸗ piſtiſchen Pfaffen und ſeinen Beiſtand um 4000 ungariſche Gülden und mußten ihm eine Zeitlang 200 Kriegsknechte beſolden und unterhalten, aber Matthiam de Vay ließ er öffentlich das Evange⸗ lium predigen. (Luthers Werke. Hall. Bd. XXII, 72. 73.) — Guericke ſchreibt in ſeiner Kirchengeſchichte, daß dieſer Matthias „Devay“ der „ungariſche Luther“ genannt werde, ſeit 1531 in Ungarn gewirkt habe und endlich 1549 geſtor⸗ ben ſei. Ein Prediger ahne Zuhörer. In der letzten Nummer des Apologeten leſen wir folgende, wir möchten wohl ſagen poſ⸗ ſierliche, Geſchichte, wenn ſelbige nicht zugleich einen höchſt ſündlichen Mißbrauch des Wortes Gottes enthielte: „Kürzlich laſen wir von einem Methodiſten⸗ prediger, welcher predigte, ohne einen einzigen Zuhörer zu haben, und doch hatte es einen guten Erfolg. Seine Beſtellung war an einem Sams⸗ tag⸗Nachmittag in einem Schulhaus, kein Menſch kam in das Haus, nur einige Kinder ſpielten in der Nähe. Der Prediger ließ ſich aber nicht ab⸗ ſchrecken, ſang, betete und predigte, während die Kinder bisweilen ihren Kopf in die offene Thüre ſteckten.“ (Was mögen dieſe wohl von dem Manne gedacht haben, lieber Leſer?) „Als er fertig war, ſagte er ihnen, er werde in vierzehn Tagen wieder daſelbſt predigen. Und als er zum zweitenmale kam, war das Schulhaus voll.“ Das wundert uns nicht; wer ſollte nicht begierig ſein, einen ſo merkwürdigen Menſchen zu ſehen! — Dieſer Geſchichte gibt Herr Dr. Naſt die Ueberſchrift: „Wie ein Prediger Zuhörer bekom⸗ men kann.“ Vortrefflicher Rath! Das gehört wahrſcheinlich zu den allerneueſten Maßregeln. „Der Friedensbote.“ Unter dieſem Titel iſt in unſerer Stadt jüngſt die erſte Nummer einer religiöſen Zeitſchrift er⸗ ſchienen, welche von nun an als Organ der „Deutſch-Evangeliſchen“ d. i. unirten oder ge⸗ miſchten „Gemeinen Nord⸗Amerika's“ jemonat⸗ lich herauskommen ſoll. Herausgegeben wird das Blatt von dem „Evang. Kirchenverein des Weſtens“. Es ſoll laut des ihm vorangeſtellten Proſpectus „den Zweck haben, zur Erbauung zu dienen. Auf Grund deſſen“, heißt es daher ferner, „kann und wird der Friedensbote niemals in Streit mit andern deutſchen Blättern ſich ein⸗ laſſeu, und wie er nie Angriffe machen wird, ſo wird er dieſelben auch, werden ſie gegen ihn ge⸗ richtet, nie anders als mit Stillſchweigen zurück⸗ weiſen.“ Sähe man nun aus dem Blatte ſelbſt, daß es die Herren Herausgeber mit dieſen Erklärungen ehrlich gemeint hätten, ſo würde gewiß Niemand etwas dagegen einzuwenden haben und es wäre fürwahr grauſam, einen ſolchen harmloſen Frie⸗ densboten nicht ruhig ſeines Weges ziehen zu laſſen. Leider zeigt aber ſchon die erſte Nummer, welche uns dieſer angebliche „Friedensbote“ bringt, daß er kein Buchſtäbler iſt, und daß daher auch ſeine eigenen Worte nicht, wie ſie lauten, ver⸗ ſtanden werden dürfen. Schon dieſe erſte Num⸗ mer nemlich iſt — wer ſollte es erwarten? — in der Geſtalt einer Friedensboten-Taſche nichts anderes, als ein Köcher voll vergällter und ver⸗ gifteter Pfeile, die, wie jedermänniglich alsbald ſieht, vor allen gegen uns arme Lutheraner ge⸗ richtet ſind und allerdings nicht aus offener Schlachtordnung, ſondern heimlich wie aus einem friedlichen Gebüſch auf uns abgeſchoſſen werden. Denn wenn darin nach deujenigen Gliedern der Chriſtenheit, welche ihren Namen von einem Menſchen haben, bei jeder Gelegenheit Seiten⸗ hiebe gethan und dieſelben darin als ſtolze Chri⸗ ſtusfeinde hingeſtellt werden, welche „Parthei⸗ namen, von Menſchen hergenommen, lieber tra⸗ gen, als den Namen Jeſu“, ſo ſind damit ſchwer⸗ lich die Iſraeliten, Muhamedaner, Campbeliten u. a., ſondern jedenfalls wir armen Lutheraner gemeint. Wofür ſollen wir nun aber hiernach die Erklärungen des „Friedensboten“, nie Angriffe machen und nie Angriffe erwidern zu wollen, anſehen? Wir geſtehen es ehrlich, wir ſehen die erſte Erklärung für eine unehrliche, und die andere für eine feige an. Mag man dies Urtheil hart finden: ein echter deuiſcher Lutheraner kann nicht heucheln und hält ſich an das gute, alte deutſche Sprichwort: Ehrlich währt am längſten. Wollte der „Friedensbote“ den Namen „Evangeliſch“ rechtfertigen, ſo war es durchaus nicht nöthig, daß er ſchon bei ſeinem erſten Gange den von ihm äußerlich zur Schau getragenen Charakter aufgab, in die Kriegstrompete ſtieß und ſeinen Namen auf Anderer Unkoſten rühmte. Daß der Name Evangeliſch ein vortrefflicher Name iſt, iſt eine unbeſtrittene Sache; am wenig⸗ ſten wird dies von den Lutheranern, die dieſen Namen von Anfang an in Anſpruch genommen