# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 01 08_S78 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) großer Dreiſtigkeit und ziemlich verwirrt wider mich geſchrieben. Man ſagt, ein proteſtantiſcher Prediger in C. habe es im Auftrage meiner Feinde gethan. Aber ſollte ein Prediger alſo dummdreiſt und verwirrt ſchreiben können? Nun ſei der Verfaſſer, oder ſeien die Verfaſſer des ge⸗ dachten Aufſatzes, wer ſie wollen, ſo viel iſt gewiß, daß ſie Proteſtanten ſind, die wider die Wahrheit proteſtiren. In den oben erwähnten Blättern iſt geſagt: wie eine deutſch⸗evangeliſch-proteſtantiſche Ge⸗ meinde in und bei Wapakonetta unglücklicher Weiſe einen Altlutheraner zu ihrem Seelſorger habe, deſſen Name dem Berichterſtatter entfallen ſei; der durch ſeinen blinden Eifer für die Sache der Alilutheraner die Eintracht in Zwietracht verwandele, indem er die Gemeinde wieder auf den Standpunkt des ſtarren Lutherthums zurück⸗ führen wolle, wozu auch die Ohrenbeichte gehöre, die er ſchon förmlich eingeführt habe. Die das Kirchenmanöver nicht mitmachen wollten, habe er mit dem Interdicte belegt und ihnen die Sacra⸗ mente verweigert. Schwache und Unſelbſtſtändige, welche ewig Kinder am Verſtändniß zu bleiben gedächten, machten ſolchen Dienern der Finſterniß das Spiel leicht. Der Vater des Lichts, fährt der Unbekannte fort, möge die Gemeinde, bei wel⸗ cher der gedachte Eindringling als Prediger ange⸗ ſtellt iſt, erleuchten, daß ſie treu an den Grund⸗ ſätzen der evangeliſch⸗proteſtantiſchen Kirche halte und, ihrer Freiheit gemäß, dem Wolf in Schafs⸗ kleidern die Thür weiſe. Nicht ſollte ſie ſich täu⸗ ſchen laſſen durch den Heiligenſchein, in den ge— hüllt ihr frommer Beichtvater gewiß einhergehe. Daß dies oft nur der Deckmantel der Bosheit ſei, wolle der Ungenannte mit dem Beiſpiele des Oberſten der Altlutheraner, mit dem Stephans darthun. Nun erzählt er zum Schluſſe die Ge⸗ ſchichte des gefallenen Stephan. Als ich am Eingange las, daß dem „Bericht— erſtatter“ mein Name entfallen ſei, wunderte ich mich, wie das doch möglich ſein könne, da dieſer ja nur in vier Buchſtaben beſtünde. Aber ich wunderte mich nicht mehr darüber, als ich weiter fand, daß dem „Berichterſtatter“ auch entfallen war, daß die lutheriſche Kirche, oder das „Luther⸗ thum“, nie etwas mit der „Ohrenbeichte“ zu thun gehabt habe. Es iſt doch höchſt zu beklagen, daß den Gegnern der Wahrheit kein Mittel zu ſchlecht iſt, wenn ſie nur die Kirche, die auf derſelben ruht, damit verdächtigen können. Iſt der „Be⸗ richterſtatter ein ganz unwiſſender Menſch, ſo ſollte er billig ſeinen Mund zuhalten, bis ihm kund würde, was zum „Lutherthum“ gehört, und er wenigſtens den fünfundzwanzigſten Artikel der Augsburger Confeſſion geleſen hätte, und nicht läſtern, da er nichts von weiß. Kennt er aber dieſen Artikel und lügt wiſſentlich wider die Wahrheit, um Andere zu verführen, ſo ſteht es nur um ſo trauriger mit ihm; ſo iſt er freilich kein „Kind“ mehr, ſondern bereits ein Mann — in der Bosheit geworden. Was er die „Ohren⸗ beichte“ heißt, iſt die ordentliche Anmeldung zum heiligen Abendmahle, die ich in meinen Gemein⸗ den eingeführt habe. Dieſe iſt freilich Denen, 78— welche ihre Lieblingsſünden nicht fahren laſſen wollen, und doch zum heiligen Abendmahl gehen möchten, weil man es eben ſo gewohnt iſt, ein Dorn im Auge. Die „Einſichtsvolleren“ haben einſehen gelernt, daß ſie, ſo wie ſie ſind, von mir zum Tiſche des HErrn nicht zugelaſſen werden können; deßhalb ſagen ſie: ſie ſeien „mit dem Interdicte belegt“; natürlich unſchuldiger Weiſe; denn, wie der „Berichterſtatter“ ſagt, beten ſie ja „Gott im Geiſte und in der Wahrheit an“; daß er aber darunter nicht ein Beten im Glauben verſteht, iſt klar. Er meint, wie der Herausgeber der „proteſtantiſchen Zeitblätter“, den Götzen des Zeitgeiſtes. Der „Berichterſtatter“ redet vornehm⸗ lich viel, um den Leuten anſchaulich zu machen, wie mir die „Liebe“ ſo ganz und gar fehle. Ich möchte ihn fragen: ob das Liebe iſt und „Tole⸗ ranz“ heißt, einem Menſchen, den man vielleicht nie geſehen hat, ſolche Dinge aufzudichten? ihn fälſchlich beſchuldigen, er habe ſich in die Gemeinde „eingeſchmuggelt“; ja, ihn einen „Eindringling“, einen „blinden Eiferer“, einen „Wolf in Schafs⸗ kleidern“ zu ſchelten? Da ſucht man gewiß um⸗ ſonſt nach Liebe. Es ſcheint, als ob der „Be— richterſtatter“ beim Schreiben dieſer Worte ſelbſt gedacht hätte, man möchte an ſeiner Nächſtenliebe zweifeln, von der er kurz zuvor den Mund noch ſo voll nahm; deßhalb ſucht er durch das Beiſpiel „des Oberſten der Altlutheraner“, Stephans, zu beweiſen, „daß fanatiſcher Glaubenseifer oft nur der Deckmantel der Bosheit ſei“. Sollte denn der „Berichterſtatter“, welcher gewiß nicht der Letzte von den „Einſichtsvolleren“ ſein will, nicht wiſſen, daß die eilf Jünger des HErrn außer Schuld waren, wenn ein Judas unter ihnen ſich fand? Wir meinen, ſchon jeder „denkgläubige Chriſt“ ſollte daran denken. Aber er wollte eben nur ſein Ziel erreichen, nemlich nur ſagen: ſehet, ſo ſind die Altlutheraner. Doch er hat ſein Vor⸗ haben ſchlecht hinausgeführt. Man höre, wie gewaltig er durch Folgendes ſelbſt beweiſ't, daß ſein Beweis wider die Altlutheraner nichts be— weiſ't. Er hat gehört oder geleſen, daß die Stelle, an der Stephan in Illinois ausgeſetzt wurde, „Teufelsbackofen“ heiße; darüber hätte er nun gar zu gerne noch ein paar Worte geſagt; wie konnte dieſes aber anders geſchehen, als daß er den Ausgang der Sache erzählte? Nachdem er daher erzählt hat, wie Stephans Sünde offenbar geworden, fährt er fort: „Hierauf wurde er auf einer Verſammlung der übrigen Herren Prediger der Anſiedelung ſeines Amtes entſetzt, alsdann auf einem Kahne an das jenſeitige Ufer des Miſ⸗ ſiſſippi gebracht und dort ſeinem Schickſale über— laſſen. Sehr bezeichnend heißt die Stelle, an welcher er ausgeſetzt wurde, Teufelsbackofen“.“ Was ſagt er nun damit wieder an⸗ ders, als: daß die Altlutheraner Kei⸗ nen, deſſen Sünde ihnen offenbar ge⸗ worden iſt, und der nicht Buße thun will, unter ſich dulden, und wenn ſie ihn auch kurz zuvor erſt „vergöttert“ hätten? Der geehrte Leſer des „Lutheraner“ lernt auch hieraus zur Genüge kennen, daß die Feinde der Wahrheit, als wilde Wellen des Meeres, nur ihre eigene Schande ausſchäumen. „Wenn ſie die Lügen reden, ſo reden ſie von ihren eigenen.“ Aber Gott Lob, daß man ſie erkennen kann. Wir wollen getroſt mit dem ſeligen Luther ſingen: „Die laß man lügen immerhin, Sie habens keinen Frommen; Wir ſollen danken Gott darin, Sein Wort iſt wiederkommen: Der Sommer iſt hart für der Thür, Der Winter iſt vergangen, Die zarten Blümlein gehn herfür; Der das hat angefangen, Der wird es wohl vollenden.“ Paulus Heid. Wir, die Unterzeichneten, erilären hiermit, daß unſer Herr Pfarrer P. Heid 1. ſich nicht bei uns „eingeſchmuggelt“ hat, ſondern einem ordentlichen Berufe zufolge zu uns gekommen iſt; 2. iſt es eben ſo falſch, wenn geſagt wird, daß er die „Ohrenbeichte“ eingeführt habe; 3. „verweigert“ er das heilige Abendmahl nur denen, die ihren Unglauben durch gottloſes Leben, oder Feſthalten an gottloſer Lehre an den Tag legen und nicht Buße thun wollen. Diejenigen, welche uns „Kin⸗ der am Verſtändniß“ heißen, weil wir am Bekeunt⸗ niſſe unſerer Kirche feſtzuhalten gedenken, ſagen auch, wir „behaupten das kirchliche Vermögen“. Noch nie aber hat man ihnen ihren Theil ſtreitig zu machen geſucht, obſchon eben ſie es waren, welche die Kirche nicht nur verſperrten, ſondern auch vernagelten, und als die Kinder der Ge⸗ meinde confirmirt werden ſollten, nur durch den Conſtabler zum Oeffnen der Kirche bewegt werden konnten. Schließlich danken wir den „Einſichts⸗ vollern“ noch für die Ermahnung, „unſere Freiheit zu gebrauchen“; dieſem gemäß erinnern wir ſie, daß ſie das achte Gebot noch nicht gelernt haben. Georg Koch. Georg Hofm ann. Chriſtian Häußler. Friederich Hüdepohl. Lorenz Sammetinger. Kirchenrath der deutſchen ev.⸗lutheriſchen St. Johannis⸗Gemeinde bei Wa⸗ pakonetta, Auglaize Co., O. Den 17. December 1849. 4+ (Eingeſandt von Paſt. Schliepſiek.) Die Einweihung der Kirche zu Centreville, St. Clair Co., Ill. Eine herrliche, freudenvolle Kirchweih, der ich kürzlich in Centreville beiwohnte, fordert mich auf, meinen Freunden und Amtsbrüdern Einiges von dieſem Feſte mitzutheilen. In aller Frühe (am Sonntage den 21. October) fuhr ich ſammt mei⸗ ner lieben Frau mit einer lieben chriſtlichen Far⸗ merfamilie aus meiner Gemeinde durch Wald und Prairien jenem Städtchen zu. Schon ſahen wir von allen Seiten fröhliche Gäſte auf Wagen und Roſſen herbei eilen. Bruder Schieferdecker hielt bei unſerer Ankunft bereits mit den Communi⸗ canten in der Kirche die allgemeine Beichtt. Seine Freude war ſehr groß, als er mich nach abgehaltener Beichte in ſeinem Hauſe erblickte. Er bat mich nun ſogleich, die Nachmittags⸗