# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 01 08_S77 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) oder auch nur als äußerer Reformator oder Vor⸗ fechter der Kirche den Feinden gegenüber auf⸗ treten zu können, dazu gehört mehr als der An⸗ fang einer ſogenannten gläubigen Bußerweckung und eines lebhaften Armenſündergefühls .... nemlich ein Glaube, der nicht nur gegen die Macht und Liſt des frechen Unglaubens, ſondern auch gegen die falſche Heiligkeit und falſche Wiſ⸗ ſenſchaft eines ausgearteten Pietismus und alſo auch ganz beſonders gegen die höchſt gefährlichen Stricke und Verſuchungen ſolcher frommen Schmeichler gewappnet iſt, welche ihre Klauen und Hörner hinter das glänzende Kleid einer falſchen ſogenannten Glaubensvermittelung, d. h. eines ſelbſtklugen, geiſtreich-dummen, kreuzes⸗ ſcheuen Modechriſtenthums verbergen können und deren innerer geiſtlicher Gehalt Pſ. 50, 16—18., vergl. mit V. 9—13., nach dem Leben geſchildert iſt. Genug, wer in unſerer Zeit als ein rechter David und Hiskias im Segen wirken will, der muß nicht bloß die Baals-Altäre des offenbaren antichriſtiſchen Unglaubens, ſondern vor Allem auch die gefährlichen, falſch-frommen Opferhöhen eines weltbekehrungsſüchtigen und dabei weltför⸗ migen Modechriſtenthums in's Auge faſſen. Er muß daher in der überſchwänglichen Erkenntniß Chriſti (Phil. 3, 810.) und ſeines hohenprieſter⸗ lichen Werkes für uns und in uns, folglich auch in der wahren Selbſterkenntniß und Weltverleug⸗ nung bereits ſo weit vorgeſchritten ſein, um den vierfach gefährlichen, nämlich den gelehrten, den geiſtreichen, den modefrommen und den Berliner Dünkel mit dem Schild des Glaubens nicht nur von ſich ſelbſt abhalten, ſon⸗ dern denſelben auch mit dem Schwerte des Geiſtes und mit weltüberwindender Gotteskraft in der nächſten Umgebung ſiegreich bannen zu können. Wer aber ohne dieſe Kreuz⸗-Waffenrüſtung und ohne dieſe vorläufigen Siege im nächſten Kreiſe die Zeit-Dämonen zu beſchwören wagt, an denn dürfte ſich Ap. Geſch. 19, 13—16, vergl. mit Luc. 14, 31—33., vielleicht um ſo großartiger bewahrheiten, je gewaltiger die Mittel ſind, welche bei ſolcher Beſchwörung in Anwendung kommen.“ „Eine dritte Begründung obigen Urtheils liegt darin, daß an hohen Stellen der eigentliche Glau⸗ bensgehalt, folglich auch der chriſtliche Kern, ſo wie der wahrhaft theologiſche, alſo wiſſenſchaft— liche Charakter derjenigen Leute noch gar nicht gekannt wird, welche ſich als die eifrigſten Gehül⸗ fen bei der Ausführung kirchlicher Unions⸗ und Befreiungspläne dargeboten haben. In der That gehört auch eine tiefe Lebenserfahrung, ſo wie ein langes Studium, folglich auch ein gewiſſer Beruf dazu, um das bereits in das innere Lebens⸗ mark der Kirche eingedrungene Lügengift der eben herrſchenden, ſogenannten gläubigen Wiſſenſchaft, d. h. einer eiteln, frömmelnd⸗geiſtreichen Mode⸗ und Toilettentheologie nicht bloß dunkel ahnend, ſondern aus eigener gründlicher Prüfung beur⸗ theilen zu können. Schreiber dieſes hat nun ſeit einer geraumen Zeit keine Mühe geſcheut, ſich ſelbſt ſowohl auf dem Gebiete der altproteſtanti⸗ ſchen Theologie, als auch in dem Irrgarten der modernen Wiſſenſchaft genau und fleißig umzu⸗ 7 ſehen, und es werden ſeine Schriften unfehlbar davon überzeugen, daß er ſich hiermit keines eitlen Selbſtruhms ſchuldig macht. In dieſen Schriften iſt die Ueberzeugung begründet worden, daß von den dermaligen Stimmführern der ſogenannten gläubigen Wiſſenſchaft für die Wunden unſerer Zeit und namentlich unſerer Kirche nicht nur kein Heil, ſondern im Gegentheil größere Gefahren und größeres Unheil, als von den offenkundigſten Feinden unſeres allerheiligſten Glaubens zu er⸗ warten iſt. Wäre es nun unter ſolchen unleug⸗ baren Umſtänden nicht gerathener, wenn man ſein eigenes Heil mit Furcht und Zittern ſchaffen, ſich auf die im nächſten Lebensberufe zu übende Treue im Kleinen beſchränken und die nach der göttlichen Verheißung als unfehlbar zu erwar⸗ tende wahre Befreiung unſerer armen Kirche dem HErrn ſelbſt überlaſſen würde?“ — Nachdem de Valenti ſo das oben ausgeſpro⸗ chene Urtheil begründet hat, beantwortet er die Frage: „was wohl für die Kirche Preußens bei den ſchreienden Bedürfniſſen und Gefahren un⸗ ſerer Zeit zu rathen ſei?“ „Das Erſte, was hierbei in Betracht kommt“, ſagt er, „iſt die Wiederherſtellung der lutheriſchen Kirche nach ihrem alten geſchichtlichen Rechte, welches durch die gewaltſame Einführung der eben beſtehenden ſogenannten Union zertreten wor⸗ den iſt. Daß die in Preußen vorhandene alt⸗ lutheriſche Gemeinde einſtweilen Duldung erfah⸗ ren hat, iſt allerdings höchlich anzuerkennen; doch iſt dieſes nur ein einſtweiliger, vorübergehender Act (Handlung) der Gerechtigkeit, welcher für ſich allein die an der lutheriſchen Kirche begangene Ungerechtigkeit und den damit geſtifteten Schaden nicht gut machen kann. Um die ſchweren Folgen und Strafen dieſes Gewaltſtreiches abzuwenden, ebenſo um den beſtehenden Alt-Lutheranern aus ihrer dermaligen zwar nicht im eigentlichen Sinne ſeparatiſtiſchen, aber doch von dem allgemeinen Rechtsbeſtande abgeſchnittenen und daher gefähr⸗ lichen Stellung herauszuhelfen, iſt kein anderes Mittel, als eine rechtskräftige Wiederherſtellung der lutheriſchen Kirche in Preußen ſelbſt. In welcher Weiſe dieſes am beſten geſchehen kann, bleibt indeſſen denen überlaſſen, welchen der HErr zuerſt das Wollen und dann auch das Vollbrin⸗ gen ſchenkt.“ Sodann räth er, den Diſſentern eine gewiß höchſt nöthige öffentliche Duldung zu ertheilen. „Was namentlich die Lichtfreunde betrifft“, ſagt er, „ſo iſt dieſer verlorene Sohn ſchwerlich länger im Vaterhauſe zurückzuhalten; man entlaſſe ihn daher im Frieden und geſtatte ihm, in Herzens⸗ luſt ſeine Träber zu eſſen, ſo wird er am erſten wieder klug, d. h. die getrennten Gemeinden keh⸗ ren ihrem beſſeren Theile nach ins Vaterhaus zurück. Doch ſollte dieſen Diſſentergemeinden nicht bloß ein religiöſes, ſondern auch ein poli⸗ tiſches Glaubensbekenntniß abgefordert werden, damit man erfahre, ob ſie das göttliche Recht der Obrigkeit anerkennen oder nicht.“ Dasſelbe räth er auch in Beziehung auf den Guſtav-Adolphs⸗ Verein, von welchem er bemerkt: „Eine Geſell⸗ ſchaft, welche bei der dermaligen Begriffs- und Sprachverwirrung weder ein religiöſes, noch ein politiſches Glaubensbekenntniß ablegen kann, iſt als eine blinde, zerſtörende Weltmacht zu betrach⸗ ten, welche über kurz oder lang dem Strome der losgelaſſenen, wilden Zeitelemente widerſtandslos folgen und demſelben dienen wird.“ „Beſonders ernſtlich“, ſagt er weiler, „möge man ſich der Armen annehmen. Dann begnüge man ſich mit ſolchen Verbeſſerungen kirchlicher Mängel, durch welche die eben beſtehende Ver⸗ faſſung und Form nicht weſentlich geändert wird. Man ſtelle mehr Prediger an, ſetze die Irrlehrer ab, und führe eine wohlgeordnete und ſchrift⸗ gemäße Kirchenzucht ein, welcher begreiflicherweiſe der apoſtoliſche Bann nicht fehlen darf. Da⸗ gegen gebrauche man gegen alle bürgerlichen Ruheſtörer mit aller Macht die Schärfe des obrig⸗ keitlichen Schwertes zur Strafe der Uebelthäter und zu Lobe der Frommen. Würde der König und ſeine treuen Diener ſo an aller eigenen Kraft, beſonders an ihrer Weisheit gänzlich verzagen und von aller gefährlichen ſelbſtergötzlichen Re⸗ formirluſt gründlich geheilt, ſo würde der HErr ihnen mächtig beiſtehen.“ Uebrigens bemerkt de Valenti: „Auch die ge⸗ naueſte äußere Befolgung aller hier gegebenen, auf das beſondere Fürſtenamt bezüglichen Rath⸗ ſchläge würde ohne ein vorhergegangenes, gründ⸗ liches Selbſtgericht mit nichten zum Ziele, d. h. zur Verherrlichung Chriſti und zur Beſiegung der Feinde des Kreuzes führen können.“ — „Es wird daher vorausgeſetzt, daß bei ſolchem Selbſt⸗ gericht die Ueberzeugung komme, daß z. B. meine Klagen gegen einen Göſchel, Nitzſch und Andere, ſowie auch gegen den kurzſichtigen und von un⸗ verdautem Vielwiſſen aufgeblähten Hengſtenberg in der Wahrheit begründet ſind.“ — Die Herren Göſchel, Nitzſch und Tholuck beſchuldigt nemlich de Valenti „empörender pantheiſtiſcher Giftmiſche⸗ reien und Liebhabereien, und daß ſie von den Grundartikeln des proteſtantiſchen Glaubens längſt abgefallen ſeien“. Seite 433. Ueberhaupt aber bezeichnet er das Modechriſtenthum unſerer Zeit als eine „fromme Mißgeburt, nemlich einen herz⸗ und markfaulen, die geiſtlichen Gaben und Güter der Vorfahren oder auch eigener früherer Gnadenerfahrungen lüderlich verſchwelgenden oder in's Schweißtuch vergrabenden pietiſtiſchen Schalksknecht“. — —83—— * ö (Eingeſandt.) „Wenn er die Lügen redet, ſo redet er van ſeinen eigenen.“ Joh. 8, 44. In No. 30 der „Proteſtantiſchen Zeitblätter“) hat ein „evangeliſcher Proteſtantiſcher“, welcher für gut fand, ſeinen Namen wegzulaſſen, mit *) Wir haben noch nicht die Ehre gehabt, mit dieſem Blatte perſönliche Bekanntſchaft zu machen; es lüſtet uns auch nicht darnach, denn, nach den wenigen Proben zu ur⸗ theilen, welche der „Lutheraner“ davon gebracht hat, muß dieſe Zeitſchrift, abgeſehen von ihrer läſterlichen Tendenz, eine Erz-Klatſchbude ſein. Wir möchten faſt unſere lie⸗ ben Brüder bitten, fernere derartige Klatſchereien unbe⸗ rückſichtigt zu laſſen; es ſind doch nur verwelkie Blätter, dit der Wind der „Zeit“ von ſelbſt verwehet. D. R.