# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 01 08_S74 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) iſt, von wo aus ſie früher bedient wurde, ſo machte ſie im Jahre 1842 das Anerbieten, allein das ganze Paſtorengehalt aufbringen zu wollen, wenn ſie nur einen eigenen Paſtor erhalten könnte. Sie erhielt einen. Unter ungeheuren Anſtrengungen brachte ſie bis 1847 das Nöthige auf. Doch durch die ſchwere Zeit, die bekannt⸗ lich auf Oberſchleſien in den letzten Jahren ruhte, iſt es dahin gekommen, daß jetzt nur noch dreißig Mitglieder überhaupt beitragsfähig ſind, welche die ganze Laſt allein tragen ſollen, aber nicht kön⸗ nen, wenn der HErr nicht hilft. — Die Gemeinde zu Woiſelwitz, bei Strehlen, aus 567 Seelen beſtehend, ſeufzt unter der enormen Schuldenlaſt von 7500 Thaler, wovon ſie Zinſen bezahlen und daneben auch das Paſtorgehalt und ſonſtige kirchliche Bedürfniſſe decken ſoll. Sie iſt in völ⸗ liger Rathloſigkeit, und da verſchiedene Mieths⸗ Einnahmen, mit denen ſie ſich früher geholfen hat, jetzt weggefallen ſind, ſo weiß ſie nicht, wie ſie für die Zukunft ohne brüderliche Unterſtützung fortbe⸗ ſtehen ſoll. — In ähnlicher Noth ſbefindet ſich die ſchon in den Verfolgungsjahren ausgeſogene Ge⸗ meinde Züllichau, deren 500 Seelen allein an Schulden eine Laſt von 3000 Thalern zu tragen haben. Doch, geliebte Brüder, wir fürchten, durch die trockene Aufzählung von dergleichen Nothſtänden, die ſich bei den meiſten unſerer Gemeinden einför⸗ mig wiederholen, Euch zu ermüden. Wir haben nicht alle Gemeinden und auch rückſichtlich der genannten Gemeinden nicht alle Noth namhaft machen wollen. Nur darauf wollen wir noch aufmerkſam machen, daß die zum öftern genannte allgemeine Kirchenkaſſe, an welche die Paſtoren rückſichtlich ihres Gehaltes gewieſen ſind, aus den Beiträgen ſämmtlicher Gemeinden gebildet wird, und nur dadurch bisher einigermaßen im Stande war, ihren Verpflichtungen zu genügen, daß einige wohlhabende Gemeinden aus Liebe zu ihren ärme⸗ ren Schweſtergemeinden mehr aufbrachten, als die Gehälter ihrer eigenen Paſtoren betrugen. Doch iſt dieſe Beſoldungskaſſe jetzt nicht blos erſchöpft, ſondern ſchon bis auf die Höhe von 500 Thalern verſchuldet. Das wenige aber, was wir erzählt haben, wird hinreichen, Euer brüderliches Mitgefühl zu er⸗ wecken. Daß unſere Kirche in Preußen, die bis auf eine Handvoll Leute zuſammengeſchmolzen war, in ihrem Kampf mit der geſammten Staats⸗ macht — einer Großmacht Europa's — den Sieg davon getragen hat, auch allen ihren un⸗ zähligen Geldverlegenheiten nicht unterlegen, ſon⸗ dern vielmehr unter dieſen für unſere glaubens⸗ matte Zeit außerordentlichen Hemmniſſen und Schwierigkeiten von Jahr zu Jahr gewachſen iſt, ſo daß aus den 14 Pfarrbezirken mit 10,000 Seelen, die wir 1841 zählten, und aus den 17 Pfarrbezirken mit 16,000 Seelen von 1844 nun 35 Pfarrbezirke mit 27,200 Seelen geworden ſind, — das iſt offenbar Gottes Werk, und unſere Geſchichte iſt eins der Zeichen der Zeit, durch welche der verborgene Gott offenbar werden will dieſem argen Geſchlecht, auf welches nur die Heuchler und Ehebrecher nicht merken wollen. 74 Sind wir aber mit unſerer wunderbaren Erret⸗ tung und bisherigen Geſchichte Gottes Werk und Bau in Chriſto IEſu, ſolltet Ihr da nicht Got⸗ tes Mitarbeiter werden wollen? Der HErr lenke Eure Herzen zum thätigen Erbarmen gegen uns, Eure Haus⸗ und Glaubensgenoſſen. Gebt Ihr uns, ſo viel an Euch iſt, dem Untergange preis, ſo dürften auch über Euch bald Tage kommen, in welchen ihr ſeufzen und ſagen werdet: „Das haben wir an unſerm Bruder Joſeph verſchuldet, da er uns flehete, und wir wollten ihn nicht erhören: darum kömmt nun dieſe Trübſal über uns.“ Wiederum aber, thut Ihr Barmherzigkeit an uns, ſo wird an Euch erfüllt werden das Wort: „Wer ſich des Armen erbarmet, der leihet dem HErrn, und der HErr wird es ihm wieder vergelten.“ Nun, lieben Brüder, wir fürchten nicht, daß Ihr unſer Angeſicht beſchämen und ungerührt vor⸗ überziehen werdet an dieſem Gemälde unſerer Noth und unſeres Mangels. Ihr werdet für uns und mit uns beten; Ihr werdet uns tröſten und rathen; Ihr werdet Eure milde Hand auf⸗ thun und uns helfen. Was Ihr aber an Troſt, Rath und milden Gaben uns darreichen wollt um der Liebe Chriſti willen, das reicht unſerm Ober⸗Kirchen⸗Collegium in Breslau dar; das⸗ ſelbe wird alles dankbar annehmen, gewiſſenhaft verwalten und auch den beſonderen Beſtimmun⸗ gen, welche die theuren Geber rückſichtlich einzel⸗ ner Nothſtände oder Gemeinden treffen möchten, pünktlich nachleben. Zum Voraus ſagen wir für Alles Dank, was Eure Liebe thun wird. Alles deſſen, was Ihr an uns thut, die wir mit Euch unter dem Herzen Einer Mutter gelegen, und aus Einer Mutter Bruſt getrunken haben, deſſen wolle der HErr, welcher ein Vergelter heißt und iſt, um JIEſu willen gedenken. Er wolle und wird es Euch gedenken in allen Nöthen, die auch über Euch und Eure Kinder noch herein— brechen möchten, — gedenken in der letzten Noth, wenn's Euch am allerbängſten wird um das Herze ſein, — gedenken endlich in der Auferſtehung der Gerechten am jüngſten Tage, daß Ihr dann aus JEſu Munde vernehmet das ſüße Gnaden⸗ lob: „Wahrlich, was Ihr gethan habt Einem unter dieſen Meinen geringſten Brüdern, das habt ihr Mir gethan.“ Wir grüßen Euch Alle, die Ihr dieſen unſern Nothbrief leſet, zum Schluſſe mit dem herzlichſten Brudergruß und ſchlagen im Geiſt unſre Hände in Eure zu einem ewigen Bunde auf IEſu Mar⸗ ter, und befehlen Euch Dem, der Euch kann be⸗ hüten ohne Fehl und ſtellen vor das Angeſicht Seiner Herrlichkeit, unſträflich mit Freuden. Ihm, der allein weiſe iſt, unſerm Gott und Hei⸗ lande, ſei Ehre und Majeſtät, Gewalt und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Breslan, den 4. October 1848. Die Generalſynode der evangeliſch-lutheriſchen Kirche in Preußen. Liebesgaben für dieſe armen Glaubensgenoſſen nimmt zur Beförderung an den Ort ihrer Beſtim⸗ mung mit Freuden an der Sonntagsblattſchreiber. (Eingeſandt von Miſſionar Paſtor Baierlein.) Einiges über die Ureinwohner dieſes Landes, und was von der evangeliſch⸗lutheriſchen Kirche für ſie gethan wird. III. Der Herbſt. Wenn der fromme Landmann nach der Ver⸗ ordnung Gottes im Schweiße ſeines Angeſichts den Boden bearbeitet hat, und ihm in ſolcher Be⸗ rufsarbeit die zeitigende und prüfende Sommer⸗ hitze auf den knospen- und hoffnungsreichen Frühling gefolgt iſt und endlich auf beide der be⸗ währende Herbſt, ſo pflegt er wohl zurückzubliken und dem Segen Gottes nachzuſpüren, der aufs Neue ſeine Berufstreue, der Verheißung Gottes gemäß, gekrönt hat. Und findet er auch die Scheuer des Nachbars voller als die ſeinige, ſieht er, daß es Gott gefallen hat, die Arbeit Anderer ſichtbarer und reicher zu ſegnen, als die ſeinige, ſo wird ihm dennoch immerhin Urſache genug verbleiben, ein „Nun danket Alle Gott“ ꝛc. von ganzem Herzen anzuſtimmen. — Auch das Miſ⸗ ſionsgebiet iſt ein Ackerfeld, und ſeine Bebauer haben von der Mühe und dem Schweiße des Landmanns ebenſowohl ihr Theil bekommen, als ſie es, gleich jenen, durch unzeitige Sorge, Furcht und Hoffnung ſich erſchweren. Was nun jener zu thun pflegt, ſei auch dieſem erlaubt, nemlich zurückzublicken, und dem Segen Gottes nachzuſpüren. Das Feld, welches uns zur Bearbeitung ange⸗ wieſen wurde, iſt klein, und hat lange nicht den Umfang, den wir uns gewünſcht hätten. Der HErr des Feldes und der Ernte aber, der einem jeden Arbeiter ſein Tagewerk anweiſet, weiß ge⸗ wiß viel beſſer, als wir ſelbſt, was unſern Kräf⸗ ten, unſerm Fleiße und unſerer Treue angemeſſen iſt; daher wir auch darüber, daß unſer Feld klein iſt, nicht klagen. Daß aber Satanas auch dieſes kleine Feld mit ſeinem Unkraut ſo reichlich heim⸗ geſucht hat, das preßt uns wohl manchmal Seuf⸗ zer und Klagen aus. Wenn wir nun den Blick zuerſt auf unſre Schule in Frankenmuth und Bethanien richten, ſo vermiſſen wir freilich manchen Schüler und Schülerin, die wir liebten und für die wir hofften, und die uns der Vater der Lüge, der nicht zu⸗ geben will, daß die Kindlein zum HErrn IEſus kommen und das Himmelreich ererben, auf man⸗ cherlei Weiſe unter Mitwirkung — der Methodi⸗ ſten entführte. Ob ihnen das hier vielfach ge⸗ hörie Wort des Lebens ein Geruch des Todes zum Tode werden, oder ob es einſt noch, und viel⸗ leicht im bittern Todesſtündlein — deſſen Ernſt gar Manchem die Augen aufthut, den Abgrund erkennen läßt, auf welchen er ſo ſicher baute, und alles ſchwinden macht, was Wahn und Lüge für felſenfeſt ausgaben — hervorbrechen wird unter dem Schutte, der es verbarg, und dem fliehenden Leben zum einzigen Halt, der betenden Seele zum einzigen Troſt und Licht gereichen, und zum ſiche⸗ ren Stabe durch das dunkle Todesthal, zu den Pforten des Paradieſes: das iſt Gott, nicht uns bekannt; hoffen aber dürfen wir und beten.