# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 01 08_S73 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. — „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Heransgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Redigirt von C. F. W. Walther. Jahrgang 6. St. Louis, Mo., den 8. Januar 1850. No. 10. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede ei EeNur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. nzelne Nummer für 5 Cents verkauft. „ den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. Nothruf der evangeliſch⸗lutheriſchen Kirche in Preußen an das glaubensverwandte Deutſchland. (Schluß.) Damit Ihr aber unſere Noth auch im Einzel⸗ nen mehr erkennt, ſo vergönnt uns, in weni⸗ gen Zügen Euch die Lage einiger der bedräng⸗ teſten unter unſern Gemeinden beiſpielsweiſe vorzuſtellen. Die Gemeinde Breslau, etwa 1100 Seelen zählend, ſah ſich im Jahre 1843 genöthigt, wenn ſie ihre Gottesdienſte würdig und ungeſtört feiern wollte, die ehemalige St. Katharinenkirche anzu⸗ kaufen. Die Kaufſumme betrug 28,000 Thaler, zum Ausbau waren ferner 4000 Thaler nöthig. Faſt die ganze Summe mußte angeliehen und die Zinſen von der Gemeinde jährlich aufgebracht werden. Dies wurde ihr nur dadurch möglich, daß ſie das Souterrain der Kirche als Weinkel⸗ ler vermiethete. Dieſe Miethe wird unter den gedrückten Zeitverhältniſſen von Neujahr 1849 ab um 125 Thaler verringert werden, welche Summe dann auch von der Gemeinde aufge— bracht werden ſoll, während ſchon die bisherigen Zinſen kaum erſchwungen werden konnten. Auf den Kopf kommen in dieſer Gemeinde an kirchli⸗ chen Beiträgen durchſchnittlich 3 Thaler. — Die aus 1100 Seelen beſtehende Gemeinde zu Ber⸗ lin hat bisher außer dem Paſtorgehalt noch 1340 Thaler theils für die Schule, theils für Kirchen⸗ miethe und ſonſtige Kirchenbedürfniſſe, theils für ihre Armen aufbringen müſſen, ſo daß auf den Kopf über 2 Thaler kommen. Nun aber gehört zu ihr kein eigentlich Reicher. Nur wenige ſind mittelmäßig wohlhabend, die Mehrzahl arm. Der Nothſtand hat ſich ſeit den Märzereigniſſen, be⸗ ſonders unter den Handwerkern, ſo vergrößert, daß die Auf bringung des zur Erhaltung von Kirche und Schule nöthigen Geldes für die nächſte Zukunft faſt unmöglich erſcheint. — Der Pfarrbezirk Stettin umfaßt in drei Regierungs⸗ bezitken 11 Predigtorte mit 1500 Lutheranern, die in 80 Ortſchaften zerſtreut wohnen und zu zwei Drittel aus armen Coloniſten, Tagelöhnern, Wittwen und Geſellen beſtehen. Alle dieſe haben bisher, beſonders weil viele unter ihnen durch die vorausgegangene Bedrückung verarmt ſind, kaum die zum Paſtorgehalt nöthigen 300 Thaler auf⸗ bringen können. Faſt überall fehlt es an paſſen⸗ den Kirchenlokalen, ſo wie an Schulen, und die Arbeitslaſt iſt zu groß für die Schultern eines Paſtors. — Die lutheriſche Gemeinde in der Stadt Magdeburg — einer Stadt, deren Name in der lutheriſchen Kirche von Alters her einen guten Klang hat, welche wider das unioni⸗ ſtiſche Interim vor 300 Jahren männlich geſtrit⸗ ten und darum auch damals „unſers HErrgottes Kanzelei“ pflegte genannt zu werden, und welche gewiſſermaßen der Geburtsort der tiefſten und reichſten Bekenntnißſchrift unſerer Kirche, der Concordienformel, iſt — dieſe Gemeinde zählt jetzt 165 Seelen, welche allein auf ihren Antheil zun Paſtorgehalt und zur Miethe 350 Thaler aufbringen ſollen, eine bei der großen Armuth ihrer Glieder unerſchwingliche Summe. Es wa⸗ ren dieſer Gemeinde bedeutende Unterſtützungen aus dem Königreiche Sachſen in Ausſicht geſtellt, woraufhin ſie ſich entſchloß, einen eigenen Paſtor zu berufen; unter den eingetretenen Verhältniſſen iſt jedoch dieſe Ausſicht zu Waſſer geworden; nur 60 Thaler hat ſie von dorther einmal empfangen, und ſie weiß nicht, wie ſie den eingegangenen Verpflichlungen für die Zukunft nachkommen ſoll. — Die Gemeinde zu Liegnitz beſteht aus 540 Gliedern, die an Paſtorgehalt, an Zinſen für die durch einen nothwendigen Kirchenbau entſtande⸗ nen Schulden, für Schulzwecke u. A. m. jährlich 600 Thaler aufzubringen haben, die bei der Ar⸗ muth der Gemeinde auch bisher nicht hätten auf⸗ gebracht werden können, wenn nicht der HErr oft wunderbar und plötzlich Abhilfe geſchafft hätte. — Die Gemeinde Bunzlau zählt 7 Predigt⸗ orte mit 457 Seelen, die ſo zerſtreut wohnen, daß hier ſtatt eines, wohl drei Paſtoren genug zu thun finden würden. Die Gemeinde beſteht größtentheils aus Tagelöhnern, armen Webern und Glasſchleifern, die in den Verfolgungsjahren durch Auspfändungen beſonders gelitten, in der letzten Theurung Schulden gemacht haben, und deren Gewerbe bei dieſer unruhigen Zeit faſt ganz ſtill ſteht. Sie haben daher für ihren Paſtor, zu⸗ mal da bei der zerſtreuten Lage der Gemeinde die kirchliche Bedienung mit großen Reiſekoſten ver⸗ knüpft iſt“), auch nur 130 Thaler aufbringen können; die fehlenden 170 Thaler ſollen ihm aus der allgemeinen Kirchenkaſſe in Breslau zu⸗ gelegt werden, und dieſe iſt gleichfalls erſchöpft. — Die Gemeinde Thorn hat bei 1100 Mit⸗ gliedern außer dem Paſtorgehalt noch die Zinſen von 3000 Thaler und für ihre Schule 150 Tha⸗ ler aufzubringen. — Die Gemeinde Militſch, aus 520 Seelen beſtehend, hat außer dem Paſtor⸗ gehalt noch 230 Thaler an Zinſen zu beſtreiten, ſo daß auf den Kopf etwa 1 Thaler kommt, was für eine zumeiſt aus Häuslern beſtehende Ge⸗ meinde eine übermäßige Ausgabe iſt. — So ſtel⸗ len ſich auch in der Gemeinde Frauſtadt die nöthigen Beiträge pro Seele auf 1 Thaler 11 Silbergroſchen, was ohne fremde Beihülfe auf die Länge unausführbar iſt. — Der Pfarrbezirk Freiſtadt zählt ſechs Gemeinden, die in einem Umkreiſe, deſſen Durchmeſſer 12 Meilen beträgt, zerſtreut liegen, und dennoch finden ſich auf die⸗ ſem Flächenraum nur 580 Lutheraner. Sie ha⸗ ben 360 Thaler für ihre verſchiedenen kirchlichen Bedürfniſſe aufzubringen, worunter für den Pa⸗ ſtor nur 200 Thaler ſind, der für den Reſt ſeines Gehaltes an die allgemeine Kirchenkaſſe gewieſen iſt. Auch dieſe Gemeinde gehört zu denen, welche aus der Verfolgungszeit die Malzeichen JIEſu an ihrem Leibe tragen. — Der Pfarrbezirk Ubedel in Hinterpommern zählt 526 Seelen, die in einem Umkreiſe von 19 Meilen Durchmeſſer in 58 Ortſchaften zerſtreut leben, und ſo unbemittelt ſind, daß ſie nicht einmal das für einen unverhei⸗ ratheten Paſtor fixirte Gehalt von 200 Thalern aufbringen können und auch hier die allgemeine Kirchenkaſſe eintreten ſoll. — Der Pfarrbezirk Ratibor zählt 272 Seelen, die in ſieben ver⸗ ſchiedenen landräthlichen Kreiſen verſtreut liegen. Weil dieſe Gemeinde zu entfernt von Schwirz *) Es hat einmal einer unſerer Paſtoren an ſolchen noth⸗ wendigen Reiſekoſten in einem Jahre 119 Thaler verwen⸗ den müſſen.