# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 12 22_S68 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) was ſeine armen Kinder auf Erden bedürfen. Die übrig gebliebenen Häuflein ſammelten ſich zu lutheriſchen Gemeinden, die Gemeinden zu einer lutheriſchen Kirche. Aber ſchwer war die Glaubensprobe, welche die Treugebliebenen zu beſtehen hatten, und groß und erdrückend die Laſt, die damit auf ihre Schultern gelegt ward. Sie mußten ihre kirchlichen Bedürfniſſe aus eignen Mitteln aufbringen. Sie ſollten daneben die unirte Kirche und deren Anſialten und Diener, wie bisher, mit erhalten. Und weil ſie deſſen ſich weigerten, um nicht mittelbar ihre Kirche und deren Rechte zu verleugnen, ſo traten Executionen und Auspfändungen ein, welche viele Familien arm gemacht und Tauſende über das Weltmeer nach Amerika und Auſtralien vertrieben haben. Die kleine Lutziner Gemeinde mußte beiſpiels⸗ weiſe 2000 Thaler an ausgepfändeten Strafgel⸗ dern erlegen, die zu einem Straßenbau verwendet worden ſind. Es gibt Coloniſten in der Ge⸗ meinde Hakenwalde (in Pommern), die durch jene Verfolgungsjahre mit 1000 Thalern verſchul⸗ det worden ſind, denen alles Rindvieh, alle Schafe, ſelbſt das Saatkorn abgepfän— det wurde, ſo daß ſie mit ihren Familien, die ſonſt im Wohlſtand geweſen, endlich geradezu von der Liebe ihrer Glaubensgenoſſen erhalten werden mußten. Dazu nehmt, daß unſere Paſtoren ver⸗ folgt und oft Jahre lang gefangen gehalten wur⸗ den; daß, wenn ſie frei waren, die weiten Reiſen, die ſie machen mußten, um die im ganzen Lande zerſtreut wohnenden Lutheraner zu beſuchen und zu ſtärken, große Koſten verurſachten; daß wir von Jedermann, ſelbſt von Gutgeſinnten, als eigenſinnige Störenfriede und unruhige Köpfe angeſehen und unſere Schriften, in welchen wir uns vertheidigen wollten, verboten wurden, ſo daß wir den Glaubensgenoſſen des Auslandes entweder ganz unbekannt blieben, oder aber durch den Pinſel unſerer Feinde als eine neue Secte und Rotte lutheriſcher Separatiſten abgemalt wurden; daß endlich, wenn auch die Zahl der aus der Union in die Kirche der Väter Zurücktre⸗ tenden von Jahr zu Jahr wuchs, dadurch zwar unſere Freude, aber immer zugleich auch unſere Noth gemehrt wurde, da alle, die zurücktraten, Geiſtliche wie Laien, die von der unirten Kirche in Beſchlag genommenen Kirchen- und Pfarrgüter verlaſſen und opfern mußten, und ihre Zerſtreuung und Vereinzelung die Anſprüche, die an uns ge⸗ macht wurden, um auch ſie mit kirchlicher und gottesdienſtlicher Pflege zu verſorgen, nur ſteigern konnten. Das alles nehmt zuſammen, ſo habt Ihr den ganzen heißen Ofen des Elends, in den uns Gott warf um unſrer Sünden willen, in wel⸗ chen er uns aber nur warf, um uns, wie wir feſtiglich vertrauen, in demſelbigen auserwählt zu machen. Es hat ſich nun freilich ſeit dem Regierungs⸗ antritt unſeres theuren Königs in unſerer Lage vieles geändert und gebeſſert. Wir haben nun wieder freie Religionsübung und können unſere Gemeinden und unſere Kirche in Ruhe und Frie⸗ den erbauen. Unſere Zahl iſt durch Gottes Er⸗ barmen auf 27,000 geſtiegen, und die innere — 68 Geſchichte unſerer Kirche erinnert (wir dürfen es ja in aller Demuth bekennen, da nichts davon unſer Werk iſt, ſondern alles iſt Gottes!) an die blühendſten Zeiten der chriſtlichen Kirche. Auch ſind wir wenigſtens frei von den perſönlichen Pa⸗ rochiallaſten an die Pfarrer der evangeliſchen Landeskirche. Weil aber gleichwohl alle Grund— abgaben an dieſelben nach wie vor von uns ge⸗ tragen werden, und wir alſo außer der eigenen immer auch noch die unirte Kirche erhalten helfen müſſen, weil wir Kirchen und Schulen bauen und dotiren müſſen, weil unſere Pfarrſprengel überaus groß an Flächeninhalt und meiſtens überaus klein an Seelenzahl ſind, weil meiſtens nur die Armen zu uns gehören, weil viele unſerer Gemeinden noch von ſchweren Schulden aus früherer Zeit gedrückt werden: ſo brechen wir unter dieſer Laſt faſt zuſammen. Unſere Her⸗ zen werden oft matt, unſere Kniee ſtraucheln und die Füße wollen nicht mehr laufen. Es fehlt uns oft am Allernothdürftigſten, geſchweige, daß wir hätten Hand anlegen können an das, was uns auch je länger, je nöthiger wird, an Errich⸗ tung von Schullehrer- oder Predigerſeminarien. Es ſtehen in mancher Gegend unſeres Vaterlan⸗ des die Felder weiß zur Ernte, aber es fehlt an neuen Arbeitern, ja oft an Brod für die vorhan⸗ denen. (Schluß ſolgt) (Eingeſandt.) Fortſetzung des Auszugs von dem Protokoll der vierteljährlichen am 26. und 27. Septbr. zu Fort Wayne abgehaltenen Conferenz des Conferenz⸗Diſtriets von Fort Wayne. 2. Der Vorſitzer theilte der Conferenz ein Schreiben mit, das unter ſeiner Adreſſe vor Kur⸗ zem, von der Conferenz der lutheriſchen Miſſion und Kirche „im Tamulenlande“ (Oſtindien) an die „lutheriſchen Brüder in Nordamerika“ ge⸗ richtet, an ihn gelangt war. In dieſem Schrei⸗ ben wird das Entſtehen der lutheriſchen Gemein⸗ den in und um Trankebar und Madras, ihr Wachſen und Auf blühen unter mehrerlei Kämpfen und Leiden, darnach ihr Abnehmen und Ermat⸗ ten und ihr neueſter Zuſtand berichtet, der ein für geſunde kirchliche Geſtaltung vielverſprechen⸗ der ſei. Die dortige Schweſterkirche begehrt ſchließlich, daß ihr die hieſige auch Gruß, An— ſprache und Nachricht in einem Briefe möge zu⸗ gehen laſſen, damit auch dadurch ſichtbarlich und zur gegenſeitigen Glaubensſtärkung die Einigkeit im Geiſte zwiſchen beiden möge bezeugt und be⸗ kräftigt werden. Die Conferenz beſchloß, daß dieſer Brief im Lutheraner veröffentlicht und zugleich die St. Louis Conferenz erſucht werde, ihn zu beantwor⸗ ten,“) und ſprach über folgende Punkte ihre herz⸗ liche Freude aus: 1. Daß der HErr in den verſchiedenen Ge— genden der Erde und in mancherlei Völ⸗ kern, Sprachen und Zungen die lutheriſche *) Iſt bereits geſchehen. D. Red. Kirche wieder lebendig mache und zugleich ſie, wie z. B. nach Auſtralien, als Miſ⸗ ſions⸗Gemeinde ausſende; . „daß ſich an ſo mancherlei Orten und En⸗ den das Bedürfniß des lebendigen Zu⸗ ſammentritts und der kirchlichen Gemein⸗ ſchaft in ihr rege; daß es ſich anlaſſe, als ob unter des ge⸗ treuen Gottes gnädiger Leitung und Se⸗ gen eine Zeit in Ausſicht ſtehe, in welcher J. die rechtgläubige Kirche, dermalen luthe— riſch genannt, in allerlei Landen, in dem Schmuck des reinen Wortes und Sacra⸗ ments wieder hell leuchten, die ernſteren Wahrheit ſuchenden Seelen aus beſon⸗ dern Glaubensparteien zu wahrer Union zu ſich ſammeln und in ſich einigen, und die reine Liebe ſowohl im Bezeugen und Vertheidigen der göttlichen Wahrheit, als im Thun gottwohlgefälliger Werke mit der reinen Lehre verbinden werde. — 3. Wie iſt da zu verfahren, wo ſich Leute, trotz aller angewandten „Geduld und Lehre“, doch von einer rechtgläubigen Gemeinde getrennt haben, weil ſie einen Artikel der Gemeinde⸗Ordnung nicht wollen, der wider das zeitweiſe Dingen und Miethen des Predigers gerichtet iſt und auf or⸗ dentliche Berufung, die dem Worte Gottes ge⸗ mäß iſt, beſteht — wie iſt da zu verfahren, iſt die Frage, wenn ſolche Separirte einen ſogenannten licenziirten Predigtamts⸗Candidaten einer andemn Synode annehmen, und dieſer auch Willens dazu iſt, wenn ſein Präſident es erlaubt? Zunächſt hat der Paſtor der betreffenden Ge⸗ meinde eine Zuſammenkunft mit dem Candidaten zu halten, wenn dieſer ehrlich genug iſt, ſie zu begehren oder derſelben ſich nicht zu weigem. Findet es ſich hier nun wie gewöhnlich vor, daß jene Leute den Paſtor noch ſonſtig verdächtigt und verleumdet haben, ſo hat letzterer zuerſt dem Can⸗ didaten den Vorſchlag zu thun, daß eine Dis⸗ putation der Separirten und der Gemeinde nebſt dem Paſtor und dem Candidaten irgendwo und wenn zuſammenkommen, wo ſich ja die Wahrheit herausſtellen werde. Doch iſt der Candidat vorher ſhon zu verwar⸗ nen, ſich uit jenen Leuten einzulaſſen, wenn ſie dieſe Zuſammenkunft ablehnen; denn dann müſſe er billig Mißtrauen in ſie ſetzen und vielmehr annehmen, daß ſie ohne rechtlichen Grund ſich von der Gemeinde getrennt haben. Sei dieſes aber der Fall und er nehme darnach eine Bedie⸗ nung bei ihnen an, ſo mache er ſich ihrer Sünden theilhaftig, ſtärke und beſtätige ihr ſeparatiſtiſches Weſen und ſei ein Rottenprediger; denn Leute, die ſich ohne einen Rechtsgrund, ja wider die heilige Schrift von einer rechtgläubigen Gemeinde getrennt hätten, ſeien keine beſondere Gemeinde, ſondern eine Rotte. Wolle der Candidat, nachdem er in Erfahrung gebracht, daß die Separirten in einer ſchriftwidri⸗ gen Sonderung beharren, als ein Chriſt gegen ſie handeln, ſo könne er nichts anderes thun, als ſie ernſtlich zu ermahnen, Buße zu thun gegen