# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 12 08_S63 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Mund die wiederholte Klage gehört, daß man in der Praxis zum mindeſten unirt ſei ꝛc. Und nun vollends, wie mag doch Herr Paſt. Schmid die Leute glauben machen, daß auch die Brüder der Miſſouri⸗Synode in dieſer Sache von ihm be⸗ gehrt hätten, ſich ihrer Synode anzuſchließen? Wann wäre davon in unſern Verhandlungen auch nur eine Silbe geſprochen worden? Es ſei denn, daß Herr Paſtor Schmid die Aeußerung mißverſtanden habe, da wir am Schluß unſerer Darlegung, wie es die Wahrheitsliebe erfordere, Reformirte, die ſich uns anſchließen wollten, nicht erſt in dem Wahne zu laſſen, als hätten auch ſie die rechte Abendmahlslehre, bemerkten: wenn er übrigens unſere Jugend verachte, ſo möchte er eine baldige Gelegenheit ergreifen, Herrn Paſtor Walther, für den er Verehrung ausſprach, dar⸗ über zu hören, und daß er zufolge dieſes Miß⸗ verſtändniſſes meinte, er ſolle vielleicht auf dieſe Weiſe ins Netz gezogen werden. Doch nein — das kann er unmöglich gemeint haben, da gibt ihm ſein eigenes Gewiſſen Zeugniß, daß wir hitzu viel zu offen und treuherzig gegen ihn wa⸗ ren. Oder vielleicht hat ihm ſein kurzes Gedächt⸗ niß da einen Streich geſpielt. Und wahrlich ein kurzes Gedächtniß muß Herr Paſtor Schmid ha⸗ ben, ſonſt hätte er in demſelben Brief nicht von der Trennung im Jahre 1846 ſchreiben können: ſie ſei wegen gewiſſer Verſchiedenheiten in Mei⸗ nungen unweſentlicher Art, beſonders den Cul⸗ tus betreffend, entſtanden. Liegen doch die Aeten darüber vor (S. Lutheraner, Jahrg. II. Nr. 25.) und lauten gar anders, und hat doch Herr Paſtor Schmid dießmal ſelber zugeſtanden, daß er jene Trennung verſchuldet habe, und daß er jetzt, wenn ers noch einmal zu thun hätte, anders handeln würde. Doch er täuſche ſich nicht ſelbſt. Bei ſo bewandter Herzensverfaſſung würde er auch jetzt nicht anders, wenigſtens nicht beſſer gehandelt haben. Denn ſchmerzlich hat uns dieſer Brief überzeugt, daß Herr Paſtor Schmid nicht etwa bloß in Vorurtheilen befangen, ſondern daß er wirklich unredlich ſei. Das iſt allerdings ein hartes, aber ein wahres Wort. Möge es ihn in ſein Inneres einführen, und der barmherzige Gott, der treue Heiland, ihm Gnade geben, dieſen faulen Fleck zu erkennen und Buße zu thun. Will er aber der, wenn auch unbeugſamen, doch brüderlichen Stimme der Wahrheit nicht gehorchen, nun ſo mag er ſich den unverhohlenern Antiluthe⸗ raner Herrn Weyl zum Meiſter nehmen, der in Nr. 22 ſeines Kirchenboten über dasſelbe Thema noch gar anders und zwar alſo ſchreibet: „Die Michigan⸗Synode hat ihre Miſſions⸗ ſtation Siboying unter den Indianern ſammt Miſſionarien an die Miſſouri-Synode übermacht. „Bei dieſer Gelegenheit machte Miſſionar Auch und Maier folgende Erklärung, welche eben ſo ſteif und bigottiſch iſt, als die dummſten Päbſtler je gemacht haben. Der Paragraph im „Lutheraner“ lautet alſo: „„Miſſionar Auch, der öffentlich und feierlich vor der Committee erklärte, daß er und ſein College, und zwar durch keinerlei menſchliche Ueberredung, ſondern durch 63 treues Studium unſerer ſymboliſchen Bücher zu der Ueberzeugung gekommen ſeien, „daß nur die lutheriſche Kirche den ſeligmachenden Glauben lauter und rein bekenne, während die andern kirchlichen Benennungen wider die Schrift ſeelenverderbliche Irrthümer feſt⸗ hielten, die es, ſo lange ſie feſtgehalten würden, unmöglich machten, mit ihnen in glaubensbrüderlicher Gemeinſchaft zu ſtehen“ — gab hierauf in ſeinem und ſeines Colle⸗ gen Namen den runden Beſcheid, daß er mit den geſtellten Bedingungen, die ganz im Einklang mit unſerer von ihnen bereits geprüften Synodalverfaſſung wären, völlig einverſtanden ſei.““ „Solche Männer ſind Bigotten und Menſchen⸗ knechte, welche nicht ſo ſehr an der Bekehrung der armen Indianer, als um Proſeliten für ihre Partei zu thun iſt. Ein ſcheinbar heiliger Eifer kann ſie beleben, wie wir das an den Päbſtlern und allen Schwärmern ſehen, allein das tiefe, wahre Motiv iſt Sectirerei, und das iſt Gott ein Greuel.“ — Wahrlich Herr Weyl iſt unverbeſſerlich, und zwar wie im Schmähen ſo im Lügen und Trü⸗ gen. Denn beſſer i. e. frecher kann ers nicht mehr lügen, daß er noch lutheriſch ſei, als in⸗ dem er auf ſolche Weiſe über ein einfältiges luthe⸗ riſches Bekenntniß ſchreibt. Und ſich beſſern — nun das will er gewißlich nicht, dafür bürgt auch der Aufſatz in Nr. 21 ſeines Kiſchenboten, beti⸗ telt: „Nachträgliche Beleuchtung“ ꝛc., darinnen unſere gerechte Klage über ſeine unredlichejKampf⸗ weiſe durch einige Taſchenſpielerkünſte flugs in eine Apologie der Jeſuiterei umgewandelt wird. Jeder Schlag zu viel auf ein gebrandmarktes Gewiſſen und einen Mann, der ſich alſo ritterlich ſelber zu Boden ſchlägt. Doch wehe, wehe, daß er ſo weit gehen darf in einer Gemeinſchaft, die von lutheriſchen Vorältern abſtammt und ſich annoch lutheriſch nennt. — Auguſt Crämer. Ruſſiſch⸗ Polen. Wieder eine Auflöſung der Union. Die „Neue Preußiſche Zeitung“ enthält, wie der „Freie Deutſche Katholik“ uns in ſeiner letzten Nummer berichtet, die Mittheilung aus dem ruſ⸗ ſiſchen Polen, daß auf Vorſtellung des Fürſten Statthalters Pas kewicz der Kaiſer befohlen habe, die evangeliſche Kirche Augs-⸗ burgiſcher Confeſſion (alſo die evangeliſch⸗ lutheriſche) in ihrer kirchlichen Selbſtſtändigkeit wieder herzuſtellen, ſo zwar, daß ihr ein neues organiſches Statut verliehen, die Vereinigung der früheren evangeliſch-lutheriſchen und refor⸗ mirten Conſiſtorien wieder aufgehoben, und dem lutheriſchen Conſiſtorium die Beaufſichtigung und Leitung des Kirchen- und Schulweſens der Luthe⸗ raner in Polen übertragen werden, während die Synode der reformirten Kirche und ein zu bilden⸗ des reformirtes Conſiſtorium die Angelegenheiten dieſer Kirche ordnen und leiten wird. — Es heißt u. A. daſelbſt ferner: Die Unionsbeſtrebungen in Preußen (vom Jahre 1817 an) äußerten ſpäter auch ihren Einfluß auf die proteſtantiſchen Kir⸗ chen Polens. Von Seiten der reformirten ging hier das Streben nach einer näheren Vereinigung mit der lutheriſchen (reſp. Mitleitung derſelben) aus. Dieſe wehrte ſich aber dagegen. Nach einer vom lutheriſchen Conſiſtorio in Warſchau im Jahre 1838 in einem ſtatiſtiſchen Kalender veröffentlich⸗ ten Angabe betrug damals die Seelenzahl der in 47 Parochien eingetheilten Lutheraner in Polen 199,958; dagegen die der Reformirten in 7 Pa⸗ rochien nur im Ganzen 7886. Die lutheriſche Kirche war alſo reich an Seelen, aber arm an äußeren Mitteln; das Gegentheil war aber der Fall mit der reformirten; aber dieſe war keines⸗ wegs geneigt, die Union, welche ſie anſtrebte, ſo weit auszudehnen, daß ſie ihre irdiſchen Schätze mit der lutheriſchen Kirche theilte. Im Jahre 1828 erſchien ein kaiſerlicher Befehl, begleitet von einem Statut, wodurch die Conſiſtorien beider Kirchen in Polen vereinigt wurden. Aller Wider⸗ ſpruch verſtummte. Von nun an wurde das Princip der angeblichen Union zum allſeitigen Vortheil der kleinen reformirten, aber zum Nach⸗ theil der großen lutheriſchen Kirche immer weiter durchgeführt. Diejenigen Diener der evangeliſch⸗ lutheriſchen Kirche, welche die Selbſtſtändigkeit derſelben möglichſt zu retten ſuchten, wurden durch geheime, beſonders politiſche, Verdächtigungen bei der Regierung auf die eine oder andere Art zum Schweigen gebracht. Doch nach der Revolution von 1830 und 1831 gelangten immer neue Zeugniſſe für Recht und Wahrheit an die Regie⸗ rung und dieſe fand ſich endlich im Jahre 1835 veranlaßt, eine Commiſſion zur gründlichen Er⸗ örterung der Sache niederzuſetzen. Das Reſuitat war, daß dieſe Commiſſion die Nothbendigkeit der Trennung des Conſiſtoriums und der Reor⸗ ganiſation der evangeliſch⸗lutheriſchen Kirche auf Grund des für die evangeliſch-lutheriſche Kirche in Rußland vom Kaiſer gegebenen Kirchenge⸗ ſetzes anerkannte und ausſprach. Die Ausfüh⸗ rung gerieth jedoch durch allerhand Ränke der hö⸗ heren reformirten Beamten ins Stocken. Doch der Nothſchrei ungerechter Unterdrückung gelangte immer wieder an das Ohr und Herz der höheren Behörden. Der commandirende General des 3. ruſſiſchen Armeecorps, v. Rüdiger, dieſer tapfere und ausgezeichnete Krieger, hatte und behielt ein Herz für die Noth der evangeliſch⸗lutheriſchen Kirche und verfocht ihre Sache ſo lange höheren und höͤchſten Orts, bis die Erledigung der Uebel⸗ ſtände unter Gottes Segen in immer höherem Grade erfolgte. Aber auch der Fürſt Paskewicz hat ſich um die Sache vedient gemacht, wenn gleich man von ihm und anderen, der griechiſchen oder römiſchen Kirche angehörenden, hochgeſtellten Perſonen kein reges Intereſſe für die Angelegen⸗ heiten unſerer Kirche erwarten und verlangen kann. Rechte Weihnachtsfeier. Scriver erzählt in ſeinem Seelenſchatz von einer gottſeligen Jungfrau ſeiner Zeit, als elliche ihrer Geſpielinnen, da eben Weihnachten vor der