# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 12 08_S58 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſehen wiſſen wollen, und daß es allerdings in ihrem Sinne lag, mit derſelben eine Schutzwehr gegen allerlei Leute aufzurichten, die etwa unter lutheriſchem Namen allerlei „neue“ Lehren in die Kirche würden einſchmuggeln wollen. Man höre jedoch weiter auch die Apologie. In der Vor⸗ rede derſelben heißt es nemlich u. A., es ſei darin Lehre und Gegenlehre alſo gefaſſet, „daß bei hohen und niedern Ständen, bei den jetzigen und unſern Nachkommen, bei allen eingebornen Deutſchen, auch ſonſt aller Welt, allen fremden Nationen ein klar Zeugniß vor Augen ſei und ewig ſtehen bleibe, daß wir rein, gött— lich, recht von dem Evangelio Chriſti gelehret haben“. Ferner ſchreibt Luther in der Vorrede zu den Schmalkaldiſchen Artikeln: „Ward mir befohlen“, nemlich von den evangeliſchen Ständen Augsburgiſcher Confeſſion, „Artikel unſerer Lehre zu ſtellen und zuſammen zu bringen, ob's zur Handlung käme, was und wie ferne wir wollten oder könnten den Papiſten weichen, und auf welchen wir gedächten endlich zu behar— ren und zu bleiben. Demnach habe ich dieſe Artikel zuſammen gebracht und unſerem Theil überantwortet, die ſind auch von den Un⸗ ſern angenommen undeinträchtiglich bekennet, und beſchloſſen, daß man ſie ſolle .. öffentlich überantworten und unſer Glaubens⸗ bekenntniß fürbringen.“ Hieraus iſt klar zu erſehen, daß ſich ſchon un⸗ ſere erſten zu Luthers Zeit aufgezeichneten Sym⸗ bole allerdings als bindend für jedermann an⸗ kündigen, der für ein Glied, viel mehr der für einen Prediger der wahren rechtgläubigen chriſt⸗ lichen oder damals ſchon ſo genannten lutheriſchen Kirche angeſehen ſein wollte. Es iſt aber jedem, welcher mit der Geſchichte des Reformationszeitalters nur ein igermaßen ver⸗ traut iſt, auch aus der Geſchichte bekannt, daß unſere öffentlichen Bekenntniſſe in unſerer Kirche von Anfang an ein nomatives, bindendes An⸗ ſehen gehabt haben. Dies bezeugen jedermännig⸗ lich ſchon die Verfaſſer der Concordienformel: „Wir haben uns“, ſchreiben ſie, „gegen einander mit Herzen und Mund erkläret, daß wir keine ſonderliche oder neue Bekenntniſſe unſers Glau⸗ bens machen oder annehmen wollen: ſondern uns zu den öffentlichen allgemeinen Schriften be⸗ kennen, ſo für ſolche Symbole oder gemeine Bekenntniſſe in allen Kirchen der Augs-⸗ burgiſchen Confeſſion je und allewege, ehe denn der Zwieſpalt unter denen, ſo ſich zur Augsburgiſchen Confeſſion bekannt, entſtanden“ (alſo gerade „bei Lebzeiten Luthers“) „und ſo lange man einhelliglich allenthalben in allen Ar⸗ tikeln bei der reinen Lehre göttlichen Worts (wie ſie Dr. Luther ſeliger erkläret) geblieben, geh al⸗ ten und gebraucht worden.“ Und hierauf werden eben alle bei Luthers Lebzeiten bereits exiſtirenden Symbole, die ökumeniſchen Bekennt⸗ niſſe, die Augsburgiſche Confeſſion, deren Apo⸗ logie, die Schmalkaldiſchen Artikel, und Luthers großer und kleiner Katechismus, namhaft ge⸗ macht. (S. Wiederholung. Von dem ſummar. Begriff, ꝛe. Seite 514 ff. New Norker Ausg.) 58 Es iſt aber auch geſchichtliche Thatſache, daß bereits 1533 auf Veranſtaltung Luthers, Juſtus Jonas' und Bugenhagens die Einrichtung zu Wittenberg beſtand, daß alle, welche hier an der Univerſität oder ſonſt angeſtellt werden ſollten, nicht nur die in der theologiſchen, ſondern auch in den andern Facultäten Promovirenden, eid⸗ lich verſprechen mußten, „daß ſie die un⸗ verfälſchte Lehre des Evangeliums annehmen, und zwar dieſelbe ſo verſtehen wollten, wie ſie im Apoſtoliſchen, Nicäniſchen und Athanaſianiſchen Symbol befaßt, und in dem Bekenntniß aus⸗ einandergelegt, welches dem Kaiſer Karl V. auf dem Reichstage zu Augsburg 1530 übergeben; daß ſie mit Gottes Hülfe bei dieſer Meinung ſtandhaft beharren, und ihr Amt in der Kirche treu verwalten, endlich daß ſie, bei ſich erhebenden neuen Lehrſtreitigkeiten, worüber die klare Ent⸗ ſcheidung der Kirche noch nicht vorlag, mit den Aelteſten in dieſer und verbundenen Kirchen ſich berathen wollten.“ (Siehe: Melanchthonis Oratio, in qua refutatur calumnia Osiandri.) Als daher im Jahre darauf Melanchthon die Statuten der theologiſchen Facultät zu Witten⸗ berg entwarf, wurde dieſe Beſtimmung von ihm in dieſelben aufgenommen. Es ſollte, berichtet Dr. Rudelbach in ſeiner hiſtoriſch⸗kritiſchen Einleitung in die Augsburgiſche Confeſſion, nach dem zweiten Geſetz dieſer Conſtitution „die vor⸗ nehmſte Sorge dieſes Collegii dah in gehen, die reine Lehre des Evangeliums vorzutragen und zu handhaben, welche in den Prophetiſchen und Apo⸗ ſtoliſchen Schriften enthalten, mit welchen die ökumeniſchen Symbole übereinſtimmen; dieſe allein wahre und unwandelbare Lehrart, welche der perpetuus Catholicae ecolesiae Dei con- sensus (der ununterbrochene Conſens der allge⸗ meinen Kirche Gottes) ſei, wolle man gelehrt und vertheidigt wiſſen; es ſei dieſelbe, welche unſere Kirche in dem auf dem Reichstage zu Augsburg übergebenen Bekenntniſſe befaßt habe; daher werde aufs ſtrengſte verboten, irgend welche Mei⸗ nungen auszuſtreuen und zu behaupten, die mit jener Einhelligkeit und dem Augsburgiſchen Be⸗ kenntniſſe ſtreiten.“ Als daher der berüchtigte unruhige Kopf An dr. Oſiander, Prediger und Profeſſor zu Königsberg, die Kirche mit ſei⸗ ner falſchen Lehre von der Rechtfertigung vergiften wollte, dieſer Plan aber daran ſcheitern mußte, daß die ntheriſchen Prediger und Profeſſoren auf die ungeänderte Augsburgiſche Confeſſion eidlich verpflichtet waren, da ſchrieb jener unruhige und hochmüthige Mann gegen Melanchthon: „Der in Wittenberg gemachte Magiſter und Doctor iſt ein armer gefangener Mann, mit Eidespflichten in ſeinem Gewiſſen verſtrickt und verwirrt. Denn er hat Gottes Wort verſchworen, hat ihm den Knebel laſſen ins Maul binden, daß er in wich⸗ tigen Sachen des Glaubens nichts Schließliches reden wolle, er habe es denn zuvor mit den Aelte⸗ ſten, ſo die Confeſſion feſthalten, berathſchlagt, und mit denſelben muß er bei ſeinem Eid bleiben, in der Einhelligkeit der Confeſſion, wenn ſchon die heilige Schrift ein anderes ſagt, oder muß ſich eidbrüchig ſchelten laſſen. Iſt alſo ein heimlicher Bundesgenoſſe einer ſolchen Conſpiration, die mehr auf Menſchen, denn auf Gottes Wort ſieht, und dieſelbe der Chriſtenheit nicht wenig ſchädlich iſt.“*“) (A. Oſianders Widerlegung der unge⸗ gründeten Antwort Phil. Melanchthons wider ſein Bekanntnuß. Königsberg, 1552.) Hierauf antwortete Melanchthon, wie uns wiederum Dr. Rudelbach a. a. O. mittheilt, „daß die Freiheit, welche Oſtander in Anſpruch nehme, ein Unding ſei, während die heilige Schrift lehre, Gott ſei nicht ein Gott der Unordnung, ſondem des Friedens, daß man keineswegs unüberlegt oder ohne Veranlaſſung zu jener Maßregel ge⸗ ſchritten ſei, ſondern ſie, theils um die auftau⸗ chenden Schwärmereien zu erſticken, theils um die unruhigen Köpfe zu zügeln, eingeführt habe, end⸗ lich daß man auch in dieſem Stücke treu in den Spuren der alten Kirche gehe, die bekanmlich auch eine ſolche dokimasia (Prüfung der Rein⸗ heit im Glauben und Bekenntniß) nothwendig gefunden habe, und ſich von der Uebereinſtim⸗ mung der Lehrer mit ihrem Grundbekenntmiſſe überzeugt wiſſen wollte“. Hierauf erklärte Me⸗ lanchthon noch von Oſiander: „Er wich von unſeren Kirchen nicht nur in dem Punkte der Gerechtigkeit (vor Gott), ſondern auch in dem vom Opfer ab, und hat noch manche andere Träume gehabt, womit er noch nicht hervorzutre⸗ ten wagte; darum ſuchte er die Augsburgiſche Confeſſion zu untergraben.“ Daß übrigens dieſer Religionseid auch ſpäter blieb, als unter anderen die Wittenberger Uni⸗ verſität mit kryptocalviniſtiſchen Lehrern über⸗ ſchwemmt war, bis zur Abfaſſung der Concor⸗ dienformel, dies ſehen wir aus der Geſchichte des bekannten Conrad Schlüſſelburg. Dieſer - hatte die Wittenberger Herren ſchon als Stu⸗ dent öfters öffentlich entlarvt; als er ſich daher zum Magiſterwerden meldete und, befragt, es un⸗ umwunden den berüchtigten Kryptocalviniſten Peucer, Creuziger und Pezel ins Geſicht ſagte, daß er ſie dafür erkenne, bat ſich nicht nur der ſonſt ſo fromm und heilig thuende Peucer, hoch⸗ roth vor Zorn, unter Schimpfreden von dem Rector Magnificus aus, dem Schlüſſelburg „eine Ohrfeige zu geben“, ſondern die ganze, ſouſt im⸗ mer Liebe und Duldung auf ihren Lippen tra⸗ gende Sippſchaft fertigte auch ſogleich ein Rele⸗ gationsſchreiben aus, in welchem es heißt: Nun thun wir ihn (Schlüſſelburgen) hiermit in den Bann und verfluchen ihn als des Teufels leben⸗ diges Werkzeug von ganzem Herzen.“ (S. An⸗ nalen der Univerſität Wittenberg von Groh⸗ mann. I, 145.) In einer Vertheidigungsſchrift ſagen hierauf dieſe heimlichen Calviniſten: „Da doch auch dieſer Verleumder (Schlüſſelburg) wohl weiß und es weltbekannt iſt, daß alle, welche bei uns zu Magiſtris oder Doctoren ir⸗ gend einer Profeſſion creirt werden, vor dem gan⸗ zen Auditorio auf die Angsburgiſche Con⸗ 3) Iſt's doch, als ob man aus dem Munde dieſes alten Unruhſtifters in der lutheriſchen Kirche einen amerikaniſch⸗ lutheriſchen Profeſſor des erleuchteten und aufgellrmn ö neunzehnten Jahrhunderts reden hörte!