# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 11 24_S55 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) als ſolche zum heiligen Abendmahle zuläßt, ohne daß ſie ihrem Irrthum zuvor entſagen. Wir bekennen es auch ungeheuchelt, daß es gegen un⸗ ſere Gewiſſen ſtreitet, wenn eine lutheriſche Sy⸗ node Glieder aufnimmt, nachher zum Redacteur ihres Organs macht, die den 10. Artikel der Augsburgiſchen Confeſſion verwerfen und nur einen geiſtlichen Genuß des heiligen Abendmahls glauben (nicht lehren ?), wie dieſes in Woodville, Ohio, bei einem Miſſionsfeſte geſchah. Wir be⸗ zeugen hier öffentlich, daß wir nun und nimmer⸗ mehr von unſerer Synode und Geſellſchaft ver⸗ langten, irgend welche altlutheriſche Ceremonien, auber den Bekenntniß⸗-Ceremonien der luthe⸗ riſchen Kirche, anzunehmen und den bereits angegebenen Uebelſtänden abzuhelfen, um Gottes und unſeres Gewiſſens willen. Warum ſucht man alſo in jenem ganzen Briefe alle Schuld der Trennung auf uns zu werfen? Wir können nicht umhin, unſerer ehemaligen Geſellſchaft allen Ernſtes das achte Gebot vorzuhalten: „Du ſollſt nicht falſch Zeugniß reden wider deinen Nächſten.“ Damit überlaſſen wir es auch jedem wahrheits⸗ liebenden Leſer zum eigenen Urtheil, ob im Jahre 1846 die Trennung der bairiſchen Brüder von der Michigan⸗-Synode durch „Meinungen un⸗ weſentlicher Art“ herbeigeführt worden iſt, oder nicht. — Endlich möchten wir noch dem ungenannten Herrn, der da meint, daß es „Thorheit“ ſei, einer aus dem Heidenthum geſammelten Gemeinde eine zuvor beſtimmte Form aufzudrängen, weil der Geiſt ſich ſelbſt eine Form ſchaffe ꝛc. —kurz ſagen: daß wir bis jetzt nicht nöthig hatten, un⸗ ſerer Heidengemeinde, die eine chriſtliche durch Gottes Gnade geworden iſt, von der zuvor be⸗ ſtimmten Form“ etwas aufzudrängen; daß dieſe ſich vielmehr herzlich darüber, ſowie über den Katechismus Lutheri, beſonders aber über das reine Wort und Sacrament, das ihr verkündigt und gereicht wird, freut; daß wir ferner die Klugheit, die der geehrte Herr beſitzt und empfiehlt, verſchmähen, weil wir die Formen, die der Geiſt, von dem er (wenn wir nicht irren) redet, ſchafft, durch Gottes Gnade theilweiſe einſehen und ken⸗ nen gelernt haben an den vielen Secten, die ſich dieſes Geiſtes rühmen; beſonders aber an den Methodiſten, die hier unter den Indianern arbei⸗ ten, die ſich, wie wir Augenzeugen waren, eine Form ſchaffen, mit der wir nichts zu thun haben wollen; denn wir glauben, daß, wenn „der Geiſt“ treibt, die Füße über die Kanzel vor der verſammelten Gemeinde hinauszuhängen, ferner, wenn der Geiſt treibt, den Ofen während der Predigt Über den Haufen zu werfen, die Lichter bei nächtlichen Verſammlungen auszublaſen, zwei und drei Mal zu taufen ꝛc. ꝛc. ꝛc., — daß derſelbe „Geiſt zwar ein Geiſt, aber nicht der Geiſt iſt, der in der heiligen Schrift waltet. Schließlich bitten wir den klugen Herrn, einſt⸗ weilen, bis er uns aus der heiligen Schrift und den Symbolen unſerer Kirche überwieſen hat, daß unſere zuvor beſtimmte Form unbibliſch ſei, uns unſere Thorheit zu gut zu halten; kann er aber 55 dieſes nicht, was wir von vorn herein zu bezwei⸗ feln uns erlauben, ſo halten wir ihm das Wort des Apoſtels 1 Tim. 3, 6. vor; bitten ihn auch, er möge Ehrlichkeit halber den lutheriſchen Namen ablegen. J. J. F. Auch, F. Maier Miſſionare. Revivals. Der „Lutheran Standard“ theilt in ſeiner vorletzten Nummer zwei merkwürdige Zeugniſſe mit, das eine aus einem episcopaliſtiſchen, das andere aus einem methodiſtiſchen („New Vork Advocate and Journal“) Blatt, gegen die in den Kirchen dieſes Namens und auch in der ſo⸗ genannten amerikaniſch-⸗lutheriſchen aufgekomme⸗ nen „neuen Maßregeln“. Wir können nicht unterlaſſen, eins derſelben, das Zeugniß des Methodiſten, auch unſeren Leſern mitzuthei⸗ Ien. Es lautet, wie folgt: „Es kann nicht geleugnet werden, daß das Syſtem, für unſere Kirche Recruten anzuwerben (of recruiting our church), durch Revivals (gewaltſame Aufregungen) arg gemißbraucht worden iſt, und daß der Glaube unſerer Prediger und unſeres Volks an die Heilſamkeit ſolcher religiöſer Erregungen gewaltig erſchüttert worden iſt. Der Plan, eine vorübergehende Aufregung zu erzwingen mit Hülfe von Män⸗ nern, die das Aufregen handwerksmäßig betrei⸗ ben, iſt für die Kirche von den unglückſeligſten Folgen geweſen. Es fand ſich, daß fabrikmäßig Bekehrte auch nur ein Eintagsleben hatten und daß die erfolgreichen Arbeiten der Erregungspre⸗ diger die Claſſen mit Probegliedern füllten, die regelmäßigen Prediger aber nur eine deſto größere Mühe und das undankbare Geſchäft hatten, die⸗ ſelben ihrer ſorgloſen und irreligiöſen Glieder zu entledigen. Ebenſo ſind aus verſchiedenen Urſachen die Camp-Meetings völlig unfruchtbar ge⸗ worden und viele unſerer ſcharfſichtigſten Prediger und Glieder haben nöthig gefunden, die Aufmerk⸗ ſamkeit von ihnen abzulenken.“ Die Kinderproreſſion. Am Zten Dezember 1800 Morgens haben die Bewohner in der Gegend St. Wolfgang bei Hohenlinden nicht vermuthen können, daß es Mittags um ihre ruhigen Hütten herum ſo ſtür⸗ miſch hergehen werde zwiſchen den Kaiſerlichen und den Franzoſen; ſie ſchickten daher, wie ge⸗ wöhnlich, ihre Kinder in die Schule zum Küſter, welcher von ihren einſamen Höfen zwei bis drei Stunden Weges entfernt im Walde wohnte. Nach gehaltener Morgenſchule ſaßen die Kinder ganz ruhig in der Stube und verzehrten mit gutem Ap⸗ petit ihr Mittagsbrod, das ſie von Hauſe mitge⸗ nommen hatten, und dachten an nichts. Da hörte man auf einmal den Lärmen des Gewehr⸗ feuers und den Donner der Kanonen. Und der Küſter, der gleich vermuthete, was das bedeute, ging hinaus und ſah und hörte nun zu ſeinem Schrecken, daß das Treffen ſchon nahe ſei, und daß die Kinder nicht mehr in ihre Heimath zurück⸗ kehren könnten. In der Angſt ſeines Herzens faßte er einen Entſchluß, der wohl der beſte war, den er in dieſer bedrängten Lage faſſen konnte. Er holte das Kruzifix aus dem Kirchlein und ſtellte die Kinder Paar um Paar auf, und ſo zog er mit den Kleinen, ein geiſtliches Lied ſingend und das Zeichen des Friedens an der Spitze, über das Schlachtfeld, an den Panduren und Sanscülot⸗ ten vorüber. Und die wilden Menſchen thaten den Kindlein nichts zu Leide, und ließen ſie für⸗ der ziehen in Frieden. Und ſo kamen ſie glücklich in St. Wolfgang an, wo die armen Waislein von den Einwohnern freundlich aufgenommen und verpflegt wurden, bis gegen Abend ihre Eltern kamen und ſie heimführten. Und die Eltern ver⸗ gaßen des Jammers, den ſie hatten, daß ihre Hütten geplündert waren, wegen der Freude, daß Keines von ihren Lieben verloren gegangen ſei. — Wer ſich für einen Narren achtt, Der iſt bald zu ei'm Weiſen gemacht. (Brant, Narrenſchiff.) Zeugniſſe aus Luthers Schriften davon, wie nöthig das Predigtamt ſei und wie ſchwerlich ſich diejenigen verſündigen, welche dasſelbe verachten und die Verachtung der öffentlichen Predigt mit ihrem Hausgottesdienſt entſchul⸗ digen und zudecken wollen. Das ſei ernſtlich geſagt vom Predigtamt, daß man wiſſe, daß wir bekennen, wie es auch ewige unwandelbare Wahrheit iſt, daß das Predigtamt und Dienſt der Sacramente nöthig iſt, und daß die Kirche daran gebunden iſt und daß kein Gottes⸗Volk, keine Auserwählten ſind, ohne allein in dem Haufen, da die Stimme des Evangelii und der Sacramente ſind. (Wittenbergiſche Reformationsurkunde vom Jahre 1545. Siehe: Luthers Werke, Halliſche Ausgabe, Tom. XVII, Seite 1442.) Obgleich Gott vom Himmel mit Paulo redete (Apoſtelg. 9, 4 - 6.), ſo will er doch das Predigt⸗ amt nicht aufheben, noch jemand ein ſonderliches machen; ſondern weiſet ihn hin in die Stadt zum Predigtſtuhl oder Pfarrherrn, da ſoll er hören und lernen, was zu lernen ſei. . . Denn er will, daß wir hingehen, und das Evangelium von denen hören ſollen, die es predigen. Da ſoll man ihn finden und ſonſt nirgends. Die Rottengeiſter laſſen das Predigtamt anſtehen, ſetzen ſich dieweil in einen Winkel, warten daſelbſt des Heiligen Geiſtes. Aber ſie kommen recht an, und finden anſtatt des holdſeligen Täubleins einen ſchwarzen Raben, den Teufel ſelbſt. Denn warum wollen ſie unſern HErrn Gott dahin zwingen, daß er ſie etwas ſonders ſoll ſehen laſſen? Paulus ſelbſt, der des HErrn Chriſti leibliche Stimme und Wort höret, und der höchſte Prediger werden ſoll, muß in die Stadt, und Ananiam hören. Da, ſpricht Chriſtus, „gehe hin“; will ihm kein ſonders machen, noch ihn im Felde ferner lehren und täufen, ſondern weiſet ihn zu Anania in die Stadt, da ſein Wort und Taufe iſt. .. Daß alſo