# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 11 24_S51 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) angefangen, das Herz meiner älteren Kinder mir wieder zuzuwenden. Mein geliebtes Kind Madras, ermüdet vom Drange und Drucke engliſch⸗refor⸗ mirten Joches, hat ſein Herz der Mutter wieder zugewandt und iſt ſchon wieder mein geworden. Nur Eins iſt, was mich in dieſer lieblichen Zeit eines allmählichen Wiederauflebens unter Seinen Flügeln bekümmert. Das iſt, daß immer und immer noch der HErr von fremden weißen Lippen mir muß Sein Wort predigen, von frem⸗ den weißen Händen Seine Sacramente reichen, von fremdem Gelde muß meine Kirchen und Schulen bauen laſſen. Das betrübt mich, daß ich noch ſo gar unbehülflich bin, ein ſelbſtſtändiges Gehen zu verſuchen, und meine Gemeinden zum Theil ſo blutarm, daß ein ſelbſtthätiges Mitwir⸗ ken zum Beſtehen von Kirche und Schule gar ſauer für ſie wird. Doch der HErr, der in Gnaden mich wiederaufgeweckt hat aus dem Staube und Tode und neues Leben und lieblichen Segen ge⸗ geben hat, der wird auch hierin gnädig auf mich niederſehen, daß der Gedanke der alten Väter über mir, der durch die Schuld der Zeiten unaus⸗ geführt blieb, unter der Pflege und kräftigen Mitwirkung unſerer neuen hochgeliebten Väter zu That und Wahrheit werde, und ich als eine ſelbſtſtändige Tamuliſche lutheriſche Kirche dem HErrn mein Hoſianna enigregenſingen kann, wenn Er kommen wird, die Frucht zu ſuchen von aller der vielen Mühe und Erbarmen, das er an Tranquebar gewendet hat. Hilf auch Du mir, geliebte Schweſter, und ſtärke mich durch Deine Liebe, Fürbitte, Brief, Friedensgruß und Zuruf, wie auch ich Dein nicht vergeſſen will vor dem Thron der Gnade.“ So, Du theure Kirche Nord-Amerikas, ſo, Ihr theuren geliebten Brüder Alle, ſo redet zu Dir, zu Euch unſere Tamuliſche Kirche, eine Kirche, die ſchon eine bedeutende Vergangenheit durchlebt hat, deren Gegenwart aber nur gering iſt. Sie um⸗ faßt jetzt ſieben Gemeinden: 1. Tranquebar, die Muttergemeinde mit der Jeruſalemskirche; hier ſteht in dieſem Augenblicke der Miſſionar Appelt. Miſſionar Cordes, der ſeiner Geſundheit wegen ſich kurze Zeit in Deutſch⸗ land aufgehalten, wird baldigſt zurückerwartet und dann die Gemeinde wieder übernehmen. 2. Poreiar, mit der w1746 erbauten Bethleheins⸗ kirche; hier ſteht der Miſſionar Schwarz. 3. und . Puthenur und Tirumeynjanam, zwei Gemein⸗ den, welche im Laufe der letzten 14 Jahre von Poreiar aus aus den Heiden geſammelt ſind. Sie ſtehen beide unter der Pflege des Miſſionars Mylius. 5. Madras, jene Gemeinde, welche, urſprünglich durch lutheriſche Predigt geſammelt, darnach in der Engländer Hände gerathen, von dieſen mannigfach gekränkt und bedrückt, end⸗ lich wieder ſich ihrer Mutter zugewendet hat. Hier arbeitet Miſſionar Kremmer. 6. Mayave⸗ ram, eine früher der engliſch⸗kirchlichen Miſſions⸗ geſellſchaft gehörige Station, von dieſer verkauft, durch Freunde unſrer Miſſion mit allen Baulich⸗ keiten angekauft und uns geſchenkt. Hier arbeitet der Miſſionar Ochs. 7. Puducottah, ein von den Nord⸗Amerikaniſchen Miſſionaren in Ma⸗ 51 dura uns abgetretenes Miſſionsfeld in dem Lande eines noch ziemlich unabhängigen kleinen Fürſten jenſeit Tanjore. Dieſe Gemeinde ſteht unter der Pflege des Bruder Wolff. Außer dieſen ſo in Thätigkeit ſtehenden Miſſionaren iſt kürzlich von Deutſchland ein neuer in dieß Arbeitsfeld ge⸗ kommen, Miſſionar Glaſell, welcher ſich jetzt auf künftige Thätigkeit vorbereitet. Und was nun die Hauptſorge und Hauptithä⸗ tigkeit iſt, die dieſem Arbeitsfelde des HErrn hier gewidmet werden muß, das ſtellt ſich leicht und klar in folgenden drei Stücken dar: Die Heiden zu rufen, die Gekommenen und durch die Taufe Aufgenommenen zu pflegen und auf alle Weiſe da⸗ hin zu trachten, daß die Kirche hier einmal ſelbſt⸗ ſtändig daſtehen könnte, zu welchem Ende auch jetzt drei tüchtige eingeborne Männer von uns zur Ordination vorbereitet werden. Denn die ganze Laſt der Ausgaben für dieſe Miſſion hier ruhet bis jetzt noch auf den Schultern unſers jetzt ſo tief zerriſſenen deutſchen Vaterlandes. Möchten ſich doch Hände finden, die in dieſer be⸗ trübten Zeit mit tragen hülfen, während unſere Sorgfalt und Bemühung hier es ſein ſoll, mit Ernſt und Dringlichkeit darauf hinzuarbeiten, daß die Gemeinden mehr und mehr und endlich völlig zu kirchlicher Selbſtthätigkeit erwachen. Helft auch Ihr, geliebte Brüder, uns und den Ge⸗ meinden hier mit Gebet, Fürbitte, Brief, Gruß und Zuruf, und was Eure Liebe Euch ſonſt gebietet zu thun, und nehmt auf Euer Herz zu andern Laſten auch uns noch mit unſern Ge⸗ meinden. Die Gnade unſers HErrn IEſu Chriſti, die Liebe Gottes des Vaters und die Gemeinſchaft des Heiligen Geiſtes ſei mit Euch und uns Allen! Die Conferenz der ev.⸗lutheriſchen Miſſion und Kirche im Tamulenlande. A. F. Wolff. E. Appelt. A. Mylius. Derſelbe im Na⸗ men der abweſenden Rl. Glaſell, C. F. Kremmer und C. Ochs. J. M. N. Schwarz. NB. Nebſt meinem nachträglichen nochmaligen herzlichen Friedensgruß an alle Brüder, be⸗ ſonders an die von mir perſönlich gekann⸗ ten Brüder, Herrn Dr. Sihler, Br. Hatt⸗ ſtädt, Ernſt, Burger, Trautmann, Detzer und Saupert, bitte ich, Sie, geliebte Brü⸗ der, möchten Ihre lieben Briefe unter fol⸗ gender Adreſſe an uns befördern: Rev'd M. Schwarz, Tranquebar, East Indlies. In herzlicher Liebe im HErrn Ihr treuer und geringer Bruder und Fürbitter J. M. N. Schwarz. Beiſpiele von Chriſten, die von dem Zweifel angefochten und befreit wurden, ob ſie auch bis ans Ende beharren würden. Als Einer, ſchreibt Thomas von Kem⸗ pen, tief bekümmert, oft zwiſchen Furcht und Hoffnung ſchwebte, und einſt, von bangem Leid verzehrt, in einer Kirche vor dem Altar betend ſich niederwarf, dacht' er ſo bei ſich und ſprach: „O, daß ich wüßte, ob ich noch beſtändig bleiben werde!“ Alsbald vernahm er im Innerſten die göttliche Antwort: „Und wenn du nun das wüß⸗ teſt, was wollteſt du denn thun? Thu' jetzt, was du dann thun wollteſt, und du wirſt recht ſicher ſein.“ Zur Stund getrö⸗ ſtet und geſtärkt ergab er ſich dem göttlichen Willen, und ſein bekümmertes Zweifeln verließ ihn. Nun wollt' er nicht mehr vorlaut fragen, und erforſchen, was künftig ihm begegnen möchte; ſondern eifriger bemühte er ſich, zu ergründen, was Gottes wohlgefälliger und vollkommner Wille ſei, alles Gute anzufangen und zu vollen⸗ den. (Vier Bücher von der Nachfolge Chriſti, L., 25.) Ich erinnere mich, ſchreibt ferner Luther, daß zu Torgau ein armes Weiblein zu mir ge⸗ komnien, und mit bitteren Thränen darüber, da ß ſie nichtglauben könnte, geklagt hat. Da ich nun die Artikel des Glaubens nach einander herſagte, und ſie um einen jeglichen Artikel fragete: Ob ſie es auch dafür hielte, daß dies alles wahr und alſo auch geſchehen wäre, oder nicht? antwortete ſie mir und ſagte: „Ich halte es eigentlich dafür, daß es alles wahr ſei; ich kann es aber ja nicht gläuben.“ Das war ein teufliſcher Betrug. Darum ſagte ich zu ihr: Wenn du dies alles für wahr hältſt, ſo darfſt du dich deines Unglaubens halben nicht beklagen; denn wo du daran nicht zweifelſt, daß der Sohn Gottes für dich geſtorben iſt, ſo gläubeſt du ja gewißlich. Denn gläuben iſt anders nichts, als daß man dies für die gewiſſe ungezweifelte Wahr⸗ heit halte, nemlich, daß der Sohn Gottes für uns geſtorben ſei. Gott ſaget zu dir: Siehe, da haſt du meinen Sohn, den höre, und nimm ihn an; wenn du das thuſt, ſo biſt du jetzt ſchon deines Glaubens und deiner Seligkeit gewiß. Ja, ſageſt du, ich weiß aber nicht, ob ich im Glauben bleiben kann? Ey, ſo nimm doch gleichwohl die gegenwärtige Verheißung und Verſehung *) an, und hüte dich, daß du nicht fürwitzig oder zu genau nach den heimlichen Rathſchlüſſen Gottes forſcheſt. Wenn du an den geoffenbarten Gott gläubeſt und ſein Wort annimmſt, ſo wird dir allgemach auch der ver⸗ borgene Gott geoffenbaret werden. Denn „wer mich ſiehet“, ſpricht Chriſtus Joh. 14, 9., „der ſiehet auch den Vater“. Wer aber den Sohn verwirft, der verliert mit dem geoffenbarten Gott auch den verborgenen Gott, der ſich geoffenbaret hat. Wirſt du aber mit ſtarkem Glauben dem geoffenbarten Gott anhangen, alſo: daß du in deinem Herzen geſinnet ſeiſt, du wolleſt *) Unter „Verſehung“ verſtehen die Alten eigentlich Gottes ewige Vorherbeſtimmung.