# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 11 13_S44 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Bitten vor, in welchen wir Gott auch darum an⸗ rufen ſollen, daß er ſein Wort auch den Heiden ſenden möge. Darin bitten wir zwar zunächſt, daß der Name Gottes auch bei uns heilig werde, das Reich Gottes auch zu uns komme und Got⸗ tes Wille auch bei uns geſchehe; denn nur dann, wenn Gott uns ſelbſt im wahren Glauben und bei dem reinen Wort und Sacrament erhält, ſind wir geſchickt, auch für die Ausbreitung des Rei⸗ ches Gottes unter den Heiden das Unſere zu thun. Da nun das heilige Vaterunſer ein Gebet iſt, in welchem von Gott Alles zuſammen gefaßt iſt, was ein Chriſtenherz zu flehen hat, ſo haben wir auch in die erſten drei Bitten, als in eben ſo viele Für⸗ bitten, die Heiden mit einzuſchließen. Zum Ge⸗ bete für die Heiden verpflichtet uns ferner das Wort Gottes in den Stellen: „So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen zuerſt thue Bitte, Gebet, Fürbitte und Dankſagung für alle Men⸗ ſchen“, 1 Tim. 2, 1. Ferner: „Bittet den HErrn der Ernte, daß er Arbeiter in ſeine Ernte ſende.“ Dann haben wir auch für unſere Miſſionare fleißig zu beten, daß Gott ihnen in ihrem ſchweren Berufe die rechte Freudigkeit erhalten wolle. Der Apoſtel Paulus ſchreibt an die Epheſer 6, 1820.: „Und betet ſtets in allem Anliegen mit Bitten und Flehen im Geiſt, und wachet dazu mit allem An⸗ halten und Flehen für alle Heiligen, und für mich, auf daß mir gegeben werde das Wort mit freu⸗ digem Aufthun meines Mundes, daß ich möge kund machen das Geheimniß des Evangelit, wel⸗ ches Bote ich bin in der Kette, auf daß ich darin⸗ nen freudig handeln möge und reden, wie ſich's gebührt.“ Der Apoſtel, welcher mit dem Heiligen Geiſte in ſo ausgezeichnetem Maße erfüllt war, deſſen Arbeit ſo wunderbar geſegnet war, daß er Tauſende zu Gott bekehrte und von Jeruſalem an bis Spanien Alles mit dem Evangelio Chriſti erfüllte, wendet ſich doch an die Fürbitte der Gläu⸗ bigen um ein „freudiges Aufthun ſeines Mun⸗ des“, um ein „freudiges Handeln“ in ſeinem Be⸗ rufe, im feſten Vertrauen auf die Erhörung, welche der HErr der Fürbitte der Gläubigen verheißen hat: „Wo zween unter euch eins werden auf Erden, warum es iſt, das ſie bitten wollen, das ſoll ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel“, Matth. 18, 19. Der liebe Leſer weiß, unter welch' entmuthigen⸗ den Verhältniſſen unſere Miſſionare arbeiten. Jahre lang können ſie predigen, ohne die er⸗ wünſchten Früchte zu ſehen. Schwärmer, Ver⸗ führer, Betrüger, das ſchlechte Beiſpiel der Wei⸗ ßen, die lange Gewohnheit des heidniſchen Aber— glaubens und der Sünde: alles ſcheint ſich zu vereinigen, um die Arbeit der Miſſionare zu ver⸗ hindern und zu zerſtören. Daͤbei wird der alte böſe Feind auch nicht müßig ſein, ſondern ihre Seelen mit ſeinen feurigen Pfeilen plagen, um ihnen ihre Freudigkeit und ihren guten Muth zu nehmen und ſie dagegen mit Schwermuth und Verzagtheit zu erfüllen. Denn das Heidenthum iſt ja eine der älteſten Befeſtigungen des Satans auf Erden, weßhalb derſelbe mit dem größten Grimme den Streitern Chriſti begegnet, welche dieſelben mit Gottes Won zu verſtören und die 44 Völker zu Chriſto zu bringen trachten. Darum müſſen wir nach dem Befehl Gottes anhaltend, ernſtlich und brünſtig für die Bekehrung der Hei⸗ den beten, weil wir wiſſen, daß der Teufel ſich derſelben auf das Harmäckigſte widerſetzt. Und das ſollten wir um ſo eifriger thun, um ſo treuer ſollten wir unſere Miſſionare mit unſerer Fürbitte, mit unſern Gaben und mit all den Erweiſungen einer erfinderiſchen Liebe in ihrem Berufe unterſtützen, als es nach den Worten des HErrn: „Gehet hin und lehret alle Völker“, eigentlich unſer aller Pflicht wäre, ſelbſt hinaus⸗ zugehen zu den Heiden und ihnen das Evange⸗ lium zu verkündigen. Uns hat nun Gott durch einen anderweitigen Beruf bereits gebunden; da⸗ gegen hat er aus unſerer Mitte Einzelne erwählt, daß ſie an unſerer Statt ſein herrliches Evange⸗ lium den Heiden verkündigen ſollen. Dieſe haben wir in ihrer Arbeit auf alle Weiſe zu fördern, als ſolche, die das Werk thun, welches wir eigentlich thun ſollten; wir haben ſie zu betrachten als un⸗ ſeren Mund, als unſere Hand, wodurch wir den Heiden das Wort des Lebens mittheilen. Denn wir ſind ja alle durch die heilige Taufe dem Leibe eingepflanzt, an welchem Chriſtus das Haupt iſt, wir ſind Glieder unter einander und ſollen deßhalb für einander ſorgen, und eins dem andern Hand⸗ reichung thun, nach dem Werk eines jeglichen Gliedes in ſeiner Maße, und das alles in der Liebe. Epheſ. 4, 16. Der HErr aber wolle uns entzünden durch das Feuer ſeiner göttlichen Liebe, daß wir ſein Werk nicht läſſig thun und uns behüten vor der Kälte dieſer Welt und vor der Lauheit dieſer letzten be⸗ trübten Zeit. Hermann Fick. (Eingeſandt.) Innere Miſſion. Den lieben Leſern des Lutheraners diene es zur fröhlichen Nachricht, daß am 17ten d. M. in Sa⸗ ginaw City, Mich., das heilige Prdigtamt auf⸗ gerichtet worden iſt. Gerade ich fühle mich getrieben, dieſe frohe Kunde allen lieben Brüdern und Gemeinden der lutheriſchen Kirche hieſigen Landes mitzutheilen, da der HErr mich ſeit meiner Ankunft in Amerika (October 1847) berufen hat, bis jetzt den Miſ⸗ ſionsdienſt für Saginaw und Umgegend zu über⸗ nehmen. Ich hatte beinahe zwei Jahre hindurch das liebe Amt, die junge neu hervorgekeimte Pflanze des Glaubens in den anfänglich wenigen lutheriſchen Familien daſelbſt durch die Verkün⸗ digung des Evangeliums zu pflegen und vor zer⸗ ſtörenden Einflüſſen zu ſchützen; ich hatte zu ſu— chen und zu ſammeln, was zerſtreut war; ich hatte zu bitten, daß die wenigen treuen lutheriſchen Seelen ſich zu einer feſten Gemeinde zuſammen⸗ ſchließen und einen Paſtor berufen möchten. Gott Lob, mein ſchwacher Dienſt iſt nicht ver⸗ geblich geweſen! Das heilige Predigtamt iſt auf⸗ gerichtet, der Miſſionsdienſt iſt nicht mehr noth; ein lutheriſcher Paſtor iſt in der Perſon des Herrn Clöter von der Gemeinde berufen. Wer unter Euch, Ihr lieben Leſer, wollte ſich nicht mit mir freuen und fröhlich ſein? Wer wollte Gott nicht preiſen, der des Teufels Werk zerſtört hat? Der böſe Feind hätte auch in Saginaw gern triumphirt, aber der gnädige Gott hat es ihm nicht zugelaſſen; Er hat auch hier Seiner Kirche den Sieg gegeben. So laſſet uns denn zu Ihm, dem Vater aller Barmherzigkeit, beten, daß Er, der bisher geholfen hat, auch ferner hel⸗ fen und die junge Gemeinde in Seine Obhut nehmen wolle. Sie möge wachſen in viel tauſend mal tauſend und ihr Same möge die Thore ſeiner Feinde beſitzen! Der HErr wolle auch hier, wie aller Orten, wo Sein Wort lauter und rein ge⸗ predigt wird, diejenigen Lutheraner herzulocken, die noch ferne ſtehen und noch kein Herz und Ver⸗ trauen gefaßt haben, ſich den Gemeinden des rei⸗ nen Bekenntniſſes anzuſchließen; Er wolle ihnen alle ungegründete Furcht vor den ſogenannten „Altlutheranern“ nehmen, denn es ſoll und wird mit Gottes Hülfe nichts anderes in Saginaw, wie in allen unſern Gemeinden, verkündigt wer⸗ den, als das reine Wort Gottes nach der lautern Auslegung und Darlegung der Bekenntnißſchrif⸗ ten unſerer theuren lutheriſchen Kirche; es ſollen in ihnen die hochwürdigen Sacramente nach der Einſetzung des HErrn treu verwaltet werden. Wo aber ſolches geſchieht, da iſt die Kirche des HErrn. Wohl wird die junge Gemeinde zu Saginaw bei den Bekenntnißceremonieen der lutheriſchen Kirche treu verharren, aber lediglich, um dadurch ein Zeugniß gegen die Feinde der lutheriſchen Kirche und gegen die falſchen Brüder abzulegen; aber ſie erklärt ausdrücklich, daß ſie von keinerlei Ceremonie an ſich die Gemeinſchaft des Glaubens abhängig macht. Und nun, Ihr lieben Brüder nah und fern, helfet mir beten für das Wachsthum der jungen Gemeinde, daß ſie nach Innen und Außen je mehr und mehr erſtarke; helfet auch mit allerlei Handreichung, damit insbeſondere recht bald ein Kirchlein und ein Pfarrhaus in Saginaw erſtehe. Ich weiß es, es dringen in dieſer Zeit viele Bit⸗ ten der Noth an Eure Herzen; aber Ihr wollet deſſen gedenken, daß, je mehr Ihr Euren Glau⸗ ben durch helfende und dienende Liebe bethätigt, deſto mehr leihet Ihr dem HErrn. Es iſt zwar ſchon ein kleines Capital von à70 in und außer der lutheriſchen Gemeinde Sagi⸗ naw's geſammelt worden, wozu namentlich die evangeliſch-lutheriſche Gemeinde von Fort Wayne, Ind., 510, und die zu Addiſon, Ill., 88 bei⸗ ſteuerten, die Freunde in Deutſchland aber 40 herüberſandten; doch iſt damit nur ein geringer! Anfang gemacht, und die Kräfte der Gemeinde ſind noch ſchwach. Daher wage ich es getroſt, die Bitte um Euer aller Hülfe Dem anzuver⸗ trauen, der die Herzen lenket, wie Waſſerbäche. Frankenluſt, den 22. October 1849. Ferdinand Sievers, luth. Paſtor.