# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 10 27_S37 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) dem Vaterlande dieſer Schriftſteller, noch über⸗ haupt dieſe ihre Anſichten auf- und angenommen und etwa z. B. die Augsburger Confeſſion und die andern Symbole darnach geändert. Viel⸗ mehr haben gerade dieſe Theologen durch ſolche und ähnliche Lehrmeinungen, die ſchon von Luther und ſeinen Mitarbeitern zur Zeit der Reform ation auf das Gründlichſte bekämpft und überwunden wurden, ſich nur ſelber als ſolche kundgegeben, die thatſächlich, wenngleich ſtillſchweigend, aus der lutheriſchen Kirche austreten, mindeſtens ihr nicht von Herzen angehören; denn was hat die Kirche und ihr Bekenntniß mit den abfälligen Privat⸗ meinungen dieſer und jener ſog. lutheriſchen Schriftſteller zu thun? Zum Andern ſollte doch der auf das lutheriſche Bekenniniß eidlich verpflichtete Hr. Dr. Schmucker ſo viel Verſtand beſitzen, dieſen großen Unterſchied zwiſchen dem kirchlichen Bekenntniß und den gegentheiligen Privatmeinungen einzelner Leute, mögen ſie nun große oder kleine Gelehrte ſein, einzuſehen; und ſodann ſollte er billig ſo viel Ehr⸗ lichkeit haben, dieſen Unterſchied ſeinen Leſern klar zu machen, ſtatt ihn zu verdecken, und ſie in den Wahn zu ziehen, als ſei z. B. der Artikel vom heiligen Abendmahl in der Augsburgiſchen Confeſſion durch die abweichenden Privatanſichten dieſer und jener einzelnen Gelehrten weſentlich geändert. Wäre er eben ein verſtändiger und ehrlicher Mann, ſo müßte er, ſtatt ſolch leichtfertiges Gaukelweſen zu erfinden, es vielmehr ernſt ſtra⸗ fen, wo er es fände, und entweder redlich für ſeine Kirche und ihr Bekenntniß, auf das er ſo ernſtlich und feierlich verpflichtet iſt, auch gegen ſeine reformirten und presbyteriſchen Freunde kämpfen, oder ſein Amt am Seminar zu Gettys⸗ burg niederlegen, da eben auch ſeine Zwingliſche oder Calviniſtiſche Privatanſicht vom heili⸗ gen Abendmahl mit dem Bekenntniß der luthe⸗ riſchen Kirche im entſchiedenen Widerſpruch ſteht. Daß aber Herr Dr. Schmucker dieſe reformirte Lehrmeinung wirklich theilt und trotz ſeiner eid⸗ lichen Verpflichtung von der Lehre der lutheri⸗ ſchen Kirche in der Augsburgiſchen Confeſſion und den Katechismen Luthers entſchieden abge⸗ fallen iſt, das beweiſ't ſeine Uebereinſtimmung mit dem Berichte, den die ſog. lutheriſche General⸗ ſynode im Jahre 1845 über ihre Lehre und Praris nach Deutſchland überſendet hat, und der ſonderlich in der Lehre von den heiligen Saera⸗ menten ein entſchiedenes, gleichſam amtliches Ge⸗ ſtändniß des Abfalls von der lutheriſchen Lehre und Kirche iſt. In dieſem Bericht heißt es nemlich alſo: „Luthers beſondere Anſicht“) über die leib⸗ liche Gegenwart des HErrn im Abendmahl iſt von der großen Mehrheit unſerer Prediger längſt aufgegeben, obzwar einige wenige der ältern deutſchen Lehrer und Gemeindeglieder ſie noch behalten.“ ) Dieſer Ausdruck iſt übrigens falſch; denn die luthe⸗ riſche Kirche in allen einzelnen Bekenntnißſchriften lehrt burchweg auch alſo, obwohl ſie ſonſt nicht alle „beſondern Anſichten Luthers“, die er zumal früher hatte, beſtätigt. 37 Wäre nun der würdige Herr Dr. Schmucker, der keineswegs zu den „ältern deutſchen Lehrern“ gehört, nicht von Herzen in demſelben Abfalle be⸗ griffen: ſo hätte er ſicherlich, zumal als Lehrer der Dogmatik an dem angeſehenſten theologiſchen Seminar ſeiner Synode, ſeinen Einſpruch dawi⸗ der erhoben und billig verlangt, daß dieſer ſein Proteſt in dem Berichte bemerkt würde. Da er nun aber hiebei geſchwiegen hat, ſo muß natür⸗ lich Jedermann annehmen, daß er auch mit obi⸗ ger Stelle des Berichts vollkommen überein⸗ ſtimmt, nach dem weltbekannten Grundſatz: „wer ſchweigt, ſtimmt überein“ (qui tacet, con- sentit). Summa: es bleibt dabei, der Herr Dr. Schmucker iſt ein treuloſer und gewiſſenloſer Mann, der trotz all ſeinem Miſſions- und ander⸗ weitigem Eifer nicht einmal das natürliche Ge⸗ wiſſen eines rechtlichen Juden, Türken oder Hei⸗ den hat, geſchweige ein Chriſt iſt; denn unmög⸗ lich könnte er gegen ſeinen Amtseid lehren und um des Bauchs oder der Ehre willen trotz ſeines Widerſpruchs gegen die Lehre, auf die er feierlich verpflichtet iſt, nach wie vor auf ſeinem Poſten bleiben. Schrecklich aber iſt es, daß die board of di- rectors von dem Seminar alle fünf Jahre die⸗ ſen Mann wiederum auf die Augsburgiſche Con⸗ feſſion und die beiden Katechismen Luthers feierlich verpflichtet und entweder nicht weiß, daß er ſchnurſtracks dawider lehrt — welche Unwiſſen⸗ heit aber doch faſt unmöglich bei allen anzu⸗ nehmen iſt — oder die ſolchen Treubruch und ſolche Gewiſſenloſigkeit für eine unerhebliche Lum⸗ perei hält und aus gottloſer Menſchengefälligkeit und Liebedienerei ſo erſchrecklich wider ihr eigenes Gewiſſen ſündiget und ſich zugleich theilhaftig macht fremder Sünden. Doch, Gott ſei gelobt, auch innerhalb der ſog. Generalſynode ſcheint dennoch in neuerer Zeit, trotz der Hinderungen jener beiden leichtfertigen oder unlautern Stimmführer, der Herren Docto⸗ ren Schmucker und Kurtz, es etwas anders und beſſer zu werden. Einzelne Männer von Gaben, Bildung und Einfluß fangen an, ſich zu regen, die Geſchichte und die Lehre etwas ſorgfältiger und ehrlicher als jene zu befragen, die hohe Wich⸗ ligkeit des einen und reinen Bekenntniſſes auch fürlalles Handeln und Wirken der Kirche immer beſſer zu erkennen und die rechte demüthige und freimüthige Bekenntnißtreue immer höher zu ſchätzen. Zu dieſen gehören vornehmlich der Herausgeber des Evangelical Review, Herr Profeſſor Reynolds in Gettysburg, und Herr Dr. Morris, Paſtor in Baltimore, von denen der würdige Herr Dr. Kurtz, ſicherlich zu ſeinem nicht geringen Verdruſſe, ſchon manchen gegen⸗ theiligen Aufſatz in ſeinen Lutheran Observer hat aufnehmen müſſen. Gott wolle doch ferner in Gnaden dreinſehen und dieſen werthen Män⸗ nern und ihren gleichgeſinnten Freunden immer mehr Licht und Glaubens⸗ und Zeugenmuth ſchenken, daß ſie in dieſen hochwichtigen Sachen des reinen Er⸗ und Bekenntniſſes, da es ſich ſo nahe um Gottes Wort und Ehre und der Men⸗ ſchen Heil und Seligkeit handelt, alle frühere Menſchenrückſicht gründlich darniedertreten und immer entſchiedener und beſtimmter auch bei ihren Synodalverſammlungen wider den bis⸗ herigen Abfall kräftiges und mannhaftes Zeug⸗ niß erheben. Freilich müſſen ſie zunächſt, wenn ſie de⸗ müthig und ehrlich ſein wollen, ihre frühere Ver⸗ blendung aufrichtig eingeſtehen und billig Leid darüber tragen, daß ſie durch ihren ehemaligen Mitabfall von der reinen Lehre die rechtgläubi⸗ gen Lutheraner, ſonderlich hier zu Lande, geärgert und bekümmert und die böſe Sache der jetzigen falſchen Glaubens- und Kirchenmengerei geſtärkt haben. Sodann aber müſſen ſie, wenn ſie gründlich mit Gott, ihrem Gewiſſen und der lutheriſchen Kirche ins Reine kommen wollen, ihre ehemalige Verleugnung der Wahrheit widerrufen, die ſchwer⸗ lich doch aus einer ganz unverſchuldeten Unwiſ⸗ ſenheit, wenngleich nicht aus böſem Willen, her⸗ gefloſſen iſt. ö Zum Dritten endlich liegt es ihnen ſicherlich ob, durch offenes, gerades Zeugniß für die reine Lehre und gründliche Nachweiſung der Fälſchung, ob Gott will, ihre ganze Synode, und wenn die⸗ ſes auch ſchwerlich gedenkbaͤr iſt, doch wenigſtens die Aufrichtigen und Wahrheitsliebenden wieder⸗ zubringen, von den andern aber, welche den Irr⸗ thum hartnäckig feſthalten, nach Tit. 3, 10. und Röm. 16, 17. ſich zu ſcheiden, dagegen mit den rechtgläubigen lutheriſchen Körperſchaften in le⸗ bendige Glaubens⸗ und Kirchengemeinſchaft zu treten. Das walte Gott, Amen! — Mittheilung von Welthändeln. Die wichtigſte und folgenreichſte Begebenheit iſt die Unterwerfung Ungarns, die durch ruſſiſche Waffen vollendet wowen iſt. Die ungariſche Hauptarmee, von ruſſiſchen und öſterreichiſchen Heeren von allen Seiten umgarnt, hat vor den Ruſſen die Waffen niedergelegt, die ungariſche Regierung iſt aufgelöſet, die Häupter der Auf⸗ ſtändiſchen ſind geflohen oder gefangen und haben zum Theil ſchon mit dem Leben ihr Vornehmen büßen müſſen. Somit iſt, nachdem auch Vene⸗ dig den Oeſterreichern ſich hat ergeben müſſen, auch der letzte Funke des Revolutionsfeuers in Europa ausgelöſcht und die Gewalt der Fürſten, wie es ſcheint, feſter als je gegründet. Der ruſ⸗ ſiſche Kaiſer, welcher ſich berufen zu ſein dünkt, das monarchiſche Princip in Europa aufrecht zu erhalten, und deſſen ſtarkem Arm das öſterreichiſche Kaiſerhaus diesmal ſeine Rettung dankt, wird ſicherlich ſeine Siege zu benutzen wiſſen und ſein eiſernes Scepter immer weiter nach dem Weſten Europas hin ausſtrecken. Merkwürdig iſt's auch, mit welcher. Theilnahme er ſich des päbſtlichen Stuhles in Rom annimmt, daß er ſelbſt für eine Anleihe des Pabſtes die Bürgſchaft unternommen haben ſoll. Wie, wenn die römiſche und grie⸗ chiſche Kirche eine großartige Union machten, was in frühern Jahrhunderten öfters vergeblich verſucht worden iſt, und der ruſſiſche Kaiſer ſich zum Schirmherrn der Chriſtenheit aufwürfe?