# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 05 03_S70 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 70 hat der „Apologet“ selbst unserer Behauptung, daß die Methodisten eine Secte sind, den Stempel aufgedrückt, weil er den wahrhaft antichristischen Grundsatz aufstellt, daß der Wandel der Christen einen höheren Werth habe, als die heiligen Sacramente. O Schmach! O Schande! sich auf jedem Blatt des „Apologeten“ so prahlerisch und marktschreierisch der Ausbreitung des Reiches Christi rühmen, und zugleich beinahe auf jedem Blatte den Ruhm und die Ehre JEsu Christi vernichten durch selbstgefällige Erhebung ihres Thuns und ihrer Werke! Wahrlich, hier übertrifft der Methodist auch den selbstgerechtesten Papisten weit. Welcher rechtschaffene Christ, der von Herzensgrund beten kann: „Nicht uns, HErr, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre, um deine Gnade und Wahrheit,“ muß sich nicht mit Unwillen von solchen Menschen abwenden, die da heucheln, als greulte ihnen vor den Götzen, und rauben Gott, was sein ist! Es sind nun zwar noch viele andere falsche Lehren, deren sich die Methodisten schuldig machen; — sie verspotten uns, daß wir das Verdienst und die Genugthuung Christi nicht nur in seinem Leiden und Sterben suchen, sondern auch in seinem vollkommenen Gehorsam, daß wir uns nicht bloß auf das verlassen, was er für uns gelitten, sondern auch, was er für uns gethan hat, nach Matth. 3, 15. — 5, 17.— Röm. 5, 18. 19. — sie lästern das Amt der Schlüssel, indem sie sagen, „der lutherische Schlüssel wurde in der Esse und Werkstätte der röm. Mutterkirche verfertigt,“ (der lutherische Schlüssel, den wir gründen auf die klaren Worte Christi Matth. 16, 19. — 18, 18. und Joh. 20, 23.) — sie erheben menschliche Satzungen zu Gottes Geboten, indem sie durch Satzungen von Speise und Trank und dergl., die sie selbst erfunden, die Gewissen verbinden, wider Coloss. 2, 16 — 23. Allein wo wollten wir enden, wenn wir alles weitläufig ausführen wollten! Ihre falsche Lehre in den erwähnten Puncten ist so offenbar, daß sie selbst derjenige erkennen kann, der in der Prüfung der Geister noch sehr schwach ist. Ihre falsche Lehre betrifft nicht Nebenpuncte, sondern Hauptstücke des Christenthums; denn Taufe, Abendmahl und das Amt der Schlüssel gehören zu den Hauptstücken des Catechismus, wie jeder weiß; und die Lehre von der Rechtfertigung ist die Sonne, ohne welche wir, wie Luther sagt, eitel höllische Finsterniß haben. Ihre falsche Lehre wird hartnäckig von ihnen vertheidigt, ob sie ihnen gleich schon oftmals aus Gottes Wort klar und deutlich gezeigt worden ist; sie suchen ihre falsche Lehre auf Unkosten der Wahrheit auszubreiten; richten also Zertrennung und Aergerniß an, neben der Lehre, die wir von den Aposteln empfangen haben, und — dennoch leugnen sie, daß sie eine Secte sind! Nun, mögen sie immer sich rühmen, daß ihre Kirche „eben so gut, wie die lutherische, auf den Grund der Propheten und Apostel gebaut sei;“ dieser Ruhm wird ihnen am Tage des Gerichts fehlen. — So viel als Antwort auf den geforderten Beweis, daß die Methodisten eine Secte sind. Es hat aber der „Apologet“ nebenbei auch seine Gedanken von der luther. Kirche an den Tag gegeben, welche ganz besonderer Art sind. Er spricht nämlich: „Luther hatte wohl nie die Absicht, sich von der katholischen Kirche zu trennen, und aus diesem Grunde mochte er wohl so fest auf diesem Puncte (dem h. Abendm.) gehalten haben.“ Hat denn Wesley die Absicht gehabt, sich von der katholischen Kirche zu trennen? Daran hätte er nicht wohl gethan. Luther hat diese Absicht nie gehabt, und die lutherische Kirche hat sie noch jetzt nicht. Wir haben uns von der papistischen Kirche getrennt und trennen uns noch davon, aber Gott bewahre uns, daß wir uns sollten von der katholischen Kirche trennen. Wir danken dem „Apologeten“ für das schöne Zeugniß, daß sich Luther nicht von der katholischen Kirche getrennt hat, eben weil er die erwähnten Artikel so fest und treu geglaubt, wie sie die katholische, d. h. die allgemeine christliche Kirche, zu allen Zeiten geglaubt hat. Daß die Methodisten durch ihre falsche Lehre sich von der allgemeinen, christlichen Kirche getrennt haben, können wir nur schmerzlich bedauern. Sodann kann der „Apologet“ nicht verstehen, wie Jemand behaupten könne, „Luther hätte die Kirche von allem Sauerteig menschlicher Satzungen gereinigt und zu ihrer apostolischen Reinheit wiederhergestellt.“ Als Grund seines diesfalsigen Zweifels führt er an: „weil ja der 24. Artikel der Augsburg. Confession noch Messe halten lehre.“ Hätte der gute Mann, der jenen Aufsatz im „Apologet“ fabrizirt hat, stille geschwiegen, so hätte er sich nicht durch seine grobe Unwissenheit lächerlich gemacht. Aber unverantwortlich ist es von den Herausgebern solcher Zeitungen, die es besser wissen müßten, daß sie solche Zeugnisse beispielloser Ignoranz aufnehmen, um vielleicht das schriftstellerische Ehrgefühl des Einsenders nicht zu kränken. Wenn aber etwa der Einsender die Augsb. Confession nicht hat, wovon er doch sich zu reden getraut, so wollen wir ihm aus jenem 24. Art. nur einige Worte ausschreiben, woraus er hoffentlich sich besser unterrichten wird, was unsere Väter unter der Messe verstehen, nämlich nicht das römische Meßopfer, sondern, nach dem Sprachgebrauch der alten Kirche, das heil. Abendmahl selbst. Augsb. Conf. Art. 24: „Dieweil nun die (wahre christliche) Messe nicht ein Opfer ist für Andere, Lebendige oder Todte, ihre Sünde wegzunehmen, sondern soll eine Communion sein, da der Priester und Andere das Sacrament empfahen für sich (nicht für Andere) so wird auch die Weise bei uns gehalten, daß man an Feiertagen (auch sonst so Communicanten da sind) Messe hält, und etliche, so das begehren, communizirt. Also bleibt die Messe bei uns in ihrem rechten Brauch, wie sie vor Zeiten in der Kirche gehalten, wie man beweisen mag aus St. Paul. 1 Cor. 11., dazu auch vieler Väter Schriften.“*) — Einen andern gewaltigen Luftstreich thut der „Apologet,“ wenn er uns fragt: Wo steht denn in Luther's Katechismus: ich glaube an eine lutherische Kirche. Sind wir denn auf Luther's Namen getauft und confirmirt?“ Kein vernünftiger Mensch wird einsehen, was diese Frage soll. Eben so unverständig würde es Jedermann finden, wenn wir, um den Methodisten zu beweisen, daß sie nicht die rechte Kirche sind, sie anreden wollten: Wo steht denn in eurem Katechismus, ich glaube an eine Methodistenkirche; seid ihr denn auf Wesley's Namen getauft und confirmirt? Solcher sinn- und verstandsloser Beweisführungen schämen wir uns aber, darum lassen wir solche Ungereimtheiten fahren. Daß aber wirklich das Gelübde: ich glaube an eine allgemeine christl. Kirche, das wir bei der Confirmation ablegen, von denen, die zur Methodistenkirche übergehen, gebrochen wird, das brauchen wir nicht noch einmal zu beweisen, weil wir schon oben bewiesen haben, daß die Methodisten eine Secte sind; und in Beziehung auf solche Secten ermahnt der Apostel alle Christen: „Weichet von denselbigen.“ Röm. 16, 17. Wenn uns ferner der „Apologet“ den Rath gibt, unsere Kirche von den Dieben und Mördern zu reinigen, so erklären wir ihm, daß wir mit Dieben und Mördern gar nichts zu schaffen haben; daß aber manche Diebe und Mörder sich den Namen „lutherisch“ beilegen, das kann uns eben so wenig aufgebürdet werden, so wenig es sich wahrscheinlich die Methodisten würden aufbürden lassen, wenn man sie an die vielen von ihnen selbst dafür erkannten Diebe und Mörder erinnerte, die den Namen der Methodisten führen. *) Gott gebe, daß jene verunglückte Polemik eines Mannes, dem auch die Kenntniß der ersten Elemente der christl. Wissenschaft abgeht, eine Warnungstafel werde für Andere, die sich bei gleicher Unwissenheit gelüsten lassen dürften, nach den Lorbeeren schriftstellerischer Fehden zu ringen! — A. d. H. Dann deuten wir dem „Apologeten“ nur ganz beiläufig an, daß er es bei uns nicht getroffen hat, wenn er uns Schuld gibt, wir zögen „das Wohlleben der Stadt einem Leben voll Mühe und Arbeit auf dem Lande“ vor. Daß er aber überhaupt die Städte als ein so unfruchtbares Feld für die Erndte Christi ansieht, dazu findet er wenigstens keine Gründe in der heil. Schrift; denn die Apostel gründeten gerade in den volkreichsten Städten die schönsten und blühendsten Christengemeinden. Daß der „Apologet“ wider die Confirmation ist, „weil man die Kinder nicht durch ein Confirmations-Gelübde binden solle, wenn es nicht ihr innerer feste Wille ist, Gott zu dienen ihr Lebelang,“ das wird er schwerlich vor Gott verantworten können. Das ist eine Rede, die selbst die ehrbare Welt verabscheuen muß; sie wird es z. B. nie einem sterbenden Vater verdenken, wenn er seine Kinder um sich versammelt, und ihnen das Gelübde abnimmt, Gott treu zu sein ihr Lebenlang. Weiter nennt es der „Apologet“ zelotisch, wenn wir redlichen Seelen, die durch Methodisten-Prediger erweckt worden sind, und sich darauf der Methodistenkirche angeschlossen haben, zurufen, die sectirische Gemeinschaft zu verlassen und zur rechten Kirche zurückzukehren. Was wird denn der Methodist zu einem Men-