# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 10 27_S35 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) wiſſermaßen, ſo im Allgemeinen hin regiere, wie ihre Vernunft ſie das gelehrt haben ſoll? C. Ja, wenn ſie ſonſt nur moraliſche Leute ſind. P. Nun wohlan, betet der Jude Chriſtum an als den wahren Gott? Nein, er ſpeit bei ſeinem Namen aus, und verflucht ihn. Betet der Türke Chriſtum an als wahren Gott? Nein, er hält ihn für einen Propheten, und verflucht die Chriſten als Götzendiener. Beten denn nun dieſe den wahren Gott an, oder einen Götzen? C. Da ſie Chriſtum als Gott nicht für Gott annehmen, ſondern verwerfen, ſo beten ſie ja frei⸗ lich den dreieinigen Gott nicht an, ſondern einen Götzen. P. Und doch beten ſie, und du mit ihnen, den „großen Geiſt“, den Gott der Geſellſchaft, an; alſo nicht Chriſtus, den haſſen ſie, oder halten ihn für einen bloßen Menſchen, nicht den dreieinigen Gott, denn den verwerfen ſie: iſt nun der Gott, den ſie und die ganze Geſellſchaft als Ein Körper anbetet, „der große Geiſt“, iſt er der rechte Gott oder iſt er ein Götze, oder das Lügenbild des Sa⸗ tans, von dem wir vorher geredet? Ob man meint, man bete den rechten Gott an, darauf, wie wir früher geſehen, kommts nicht an, ſondern ob er wirklich der rechte Gott iſt. Und wenn du nun auch den Gott anrufſt, den Juden und Türken als ihren Gott anrufen, biſt du dann ein Diener des lebendigen Gottes oder auch ein Götzendiener, oder wenigſtens ein Heuchler, der unter Umſtänden ſeinen HErrn mit kaltem Blute verleugnen, und an falſchem Gottes⸗ dienſt Theil nehmen kann? Als Chriſt kann dir die Antwort nicht zweifelhaft ſein, und zu einem Chriſten rede ich. C. Die Juden beteten doch aber auch nicht den dreieinigen Gott an, waren ſie auch Götzen⸗ diener? P. Die Frage gehört hier eigentlich nicht her, indeſſen da ihr euch oft dahinter verſteckt, ſo will ich ſie beantworten: Gewiß beteten die Juden vor Chriſtus den rechten Gott an, der ſich fortlaufend von den Vätern her durch Lehren und Thaten, durch Gebote und Verheißungen ihnen offenbarte und als den Einigen, lebendigen perſönlichen Gott thatkräftig bezeugt hatte. Beteten ſie den rechten wahren Einigen Ewigen Gott an, außer dem kein Gott iſt, ſo beteten ſie auch den dreieinigen Gott an, denn das iſt der Eine rechte Gott. Nun will ich zugeben, daß Gott im alten Teſtament ſich nicht ſo klar und deutlich als Dreieinig offen⸗ bart haben ſoll (obgleich Hinweiſungen auf die Dreieinigkeit ja ſicherlich nicht fehlen), ſo konnten ſie, ſo lange ihnen dieſe tiefere Erkenntniß ſeines Weſens von Gott ſelbſt vorenthalten war, ihn nicht als Dreieinig anbeten. Indeſſen mußt du zugeben, daß man den rechten offenbarten Gott anbeten kann, wenn gleich die tiefere Erkennt⸗ niß Seines Weſens fehlen mag. Dieſe fehlte auch ihnen, aber damit nicht die rechte An⸗ betung des rechten Gottes. Nachdem nun aber Gott in dem vollbrachten Erlöſungswerk der Menſchheit ſich als dreieinig, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geiſt offenbart hat, die Juden aber Chriſtum, d. h. den wahren Gott verworfen haben, 35 und jetzt noch Gott als Eine Perſon anbeten, ſo beten ſie nun nicht mehr den rechten Gott an, ſon⸗ den das Werk ihrer Hände, oder Gedanken, ſo gut wie die Türken und abgefallenen Chriſten und Heiden. Du aber, als ein Chriſt, kannſt einfältig dabei ſtehen bleiben: wo Chriſtus nicht als der wahre Gott angebetet wird, da wird ja natürlich nicht der wahre Gott angebetet. Eure Geſellſchaft betet als Geſellſchaft offenbar Chriſtum nicht an als den wahren Gott, ſondern einen Gott, den auch Juden und Türken und öffen tlich abgefallene Chri⸗ ſten anbeten, alſo iſt der „große Geiſt“, den ſie anbeten, nicht der wahre Gott. Und da du nun den Gott der Geſellſchaft mit anbeteſt, ihren gan⸗ zen Ceremonienkram mitmachſt, und dich öffentlich zu ihnen bekennſt, vielleicht gar ein Oberprieſter biſt — ſo ſage nun ſelbſt, was du biſt? Ich denke, mein Carl, das iſt des Entſetzlichen genug, um dich Über die Mauer hinüber zu den Füßen deines Heilandes zu treiben! Nun gehe hin, ſuche dir die Flüche aus dem Alten und Neuen Teſtament zu⸗ ſammen, die der heilige Gott auf die Götzendien er und die mit ihnen Gemeinſchaft haben, ausge⸗ ſchüttet! ſammle ſie in dein Gewiſſen, und prüfe, ob du mit der Laſt beladen in die Ewig⸗ keit deinem Richter entgegenziehen kannſt? Ende. (Eingeſandt von Dr. Sihler.) Was iſt Wahrheit? Alſo fragte bekanntlich Pilatus, der vornehme gebildete Heide, der wie andere Römer ſeines Gleichen die Götterfabeln ſeines Volkes verachten gelernt, aber für Aberglauben nur Unglauben ein⸗ getauſcht hatte; und denſelben Ausruf hat ihm auch ſchon mancher katholiſche Römer und Papiſt nachgethan, der die Legenden oder vielmehr Lügen⸗ den von den Heiligen oder den wunderthätigen Bildern derſelben verlachen lernte, ohne zur evan⸗ geliſchen Wahrheit d. i. ſonderlich zu Dem hin⸗ durch zu dringen, der von ſich ſagte: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!“ Doch kann es vorkommen, daß auch Gläubige ſolche Frage: Was iſt Wahrheit? thun müſſen, wenn ſie nemlich z. B. aus einem Brunnen wirklich ſüßes und bitteres Waſſer hintereinander quillen ſehen; wenn dieſelbe Hand und Feder kurz auf einander Worte des Bekenntniſſes und der Verleugnung, ja des Glaubens und Unglaubens ſchreibt; und zudem, wenn dieſe Hand und Feder einem Manne angehört, der ein Haupiſtimmfüh⸗ rer der ſogen annten lutheriſchen Generalſynode und von ältern und jüngern Unkundigen wohl gar für eine Säule der lutheriſchen Kirche in Amerika angeſehen wird. Dieſer Mann nun iſt kein an⸗ derer als der Dr. Benjamin Kurtz, Herausgeber des Lutheran Observer, der zugleich auch die Zeitſchrift jener Synode iſt. Dieſer Mann nemlich that vor einiger Zeit dem Lutheran Standard, einer beſſer geſinnten eng⸗ liſch-lutheriſchen Zeitſchrift, die Verſicherung, daß er immer eine faſt an Abgötterei grenzende Ehr⸗ furcht vor der Augsburgiſchen Confeſſion gehabt habe“. Wie ſoll nun ein unpartheiiſcher Leſer ſolche Worte verſtehen? Läßt er das Uebertreibende im Ausdruck fahren, ſo muß er doch jedenfalls das herausleſen, der Schreiber wolle damit ſagen, er habe deshalb eine tiefe Ehrerbietung vor jenem kirchlichen Symbol, weil es durchaus mit Got⸗ tes Wort übereinſtimme; denn unmöglich könnte er dieſe Achtung davor haben, wenn es auch nur in einem Stücke dem Worte Gottes nicht gemäß, ſondern zuwider wäre. Folglich muß derſelbe un⸗ partheiiſche Leſer, der den Worten des Herrn Ben⸗ jamin Kurtz aufrichtig glaubet, wie ſie lauten, dafür halten, daß er auch vor dem 10ten Artikel jener Confeſſion eine ungeheuchelte Ehrfurcht habe. Und iſt beſagter Leſer zudem ein Lutheraner ohne Falſch, der auch von bisherigen Gegnern der rei⸗ nen Lehre alles glaubt und alles hofft, ſo muß er ſich von Herzen über jene Worte freuen. Aber ſo leid es mir thut, ich kann dem Leſer die Freude nicht laſſen, muß ſie, Gott ſei es ge⸗ klagt, vielmehr in Trauer und Beſtürzung, ja in gerechte Entrüſtung über die ſchreckliche Unlauter⸗ leit oder den bodenloſen Leichtſinn jenes Mannes verwandeln. Die Sache nemlich iſt dieſe. Ein gewiſſer Herr Brenneſſel (natürlich ein angen om⸗ mener Name) behauptete vor einiger Zeit im Lutheran Observer, daß „die körperliche Ge⸗ genwart Chriſti im Sacrament immer die Lehre der lutheriſchen Kirche geweſen und bis auf den heutigen Tag noch ſei“. Zugleich verſichert er, daß dieſe Lehre (von der bekanntlich die ſogenannte Generalſynode ganz abgefallen iſt) wieder raſch auf⸗ komme unter Predigern und Hörern und ſicherlich in etwa fünf Jahren wieder allgemeine Geltung werde gewonnen haben. Darüber iſt nun der Herr Dr. B. Kurtz ſehr in Harniſch gerathen; jene „faſt an Abgötterei grenzende Ehrfurcht vor der Augsburgiſchen Con⸗ feſſion“ iſt ihm jetzt gänzlich abhanden gekommen und wie Schaum zerronnen; denn er leugnet nicht nur in der Nummer v. 8. Juni aufs Entſchiedenſte die von Brenneſſel behauptete Thatſache, ſondern ſtellt vielmehr die gegentheilige Behauptung auf, daß z. B. unter den 60 lutheriſchen Gemeinden im Staat Maryland kaum 30 hier geborne Glieder ſein möchten, die auch nur wüßten, was unter „körperlicher Gegenwart“ gemeint ſei, geſchweige daran glaubten. An einen völligen Sieg aber dieſer veral⸗ teten Lehre ſei endlich gar nicht zu denken. „Im Gegentheil, je mehr ſie bekannt werde, deſto weniger Gunſt finde ſie unter dem frei⸗ denkenden, praktiſchen und mit geſundem Men⸗ ſchenverſtand begabten Volke der Vereinigten Staaten.“ Ebenſo halte es ſich auch mit einer andern veralteten Lehre, nemlich von der Wieder⸗ geburt durch die Taufe. „Kann es“, — ſo ruft der Ehrwürdige Dr. B. Kurtz aus, — „kann es nur einen Augenblick angenommen werden, daß amerikaniſche Lutheraner für eine ſolche Lehre be⸗ reitet ſind?“ Was wird nun der unpartheiiſche Leſer zu ſol⸗ chem Widerſpruche gegen jene ſelbſtgerühmte „Ehr⸗ furcht vor der Augsburgiſchen Confeſſion“ ſagen? — Muß er nicht ganz irre werden an der Geſin⸗ nung des Mannes, der auf gut methodiſtiſch ſo