# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 10 27_S34 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) von Anfang an alle ſeine Künſte probirt, auf gröbere oder feinere Weiſe den Leuten dieſen Einen Gott aus dem Herzen zu reißen. Und wie hat er das gemacht? Der Eine wahre Gott hat ſich allenthalben von Anfang an als einen leben⸗ digen, perſönlichen Gott offenbart durch fortlau⸗ fende Lehre und Thaten. Er hat ſein Weſen, ſeine Eigenſchaften, ſeinen Willen, ſein Verhält⸗ niß zu dem Menſchen, die Art und Weiſe, wie man ihn anbeten und ihm dienen ſoll, dies Alles hat er offenbart, ſo daß ſein Volk Ihn kennt nach ſeinem Weſen, ſeinen Eigenſchaften u. ſ. w., und auch in einem lebendigen Umgang mit Ihm ſteht, in dem Er in ihnen, und ſie in Ihm leben. Der Teufel hat nun die Herzen der Menſchen durch ihre Lüſte von dieſem Einen Gott, ſeiner heil⸗ ſamen Erkenntniß, und ſeligem Umgang ab⸗ und auf die äußere Welt hinzulenken geſucht, und das iſt ihm gelungen, und gelingt ihm täglich.“ Da nun aber das Gottesbewußtſein zu tief in ihrem Weſen ruht, ſo daß an einen Gott glauben oder nicht, gar nicht in dem Willen eines Menſchen ſteht, ſo hilft er namentlich denen, die ſich für be⸗ ſonders weiſe halten, ſich eine Gottheit nach ihren eignen Begriffen und eitlen Gedanken aus⸗ zudenken — ein Lügenbild der ſündigen Einbil⸗ dung, das ſie aber nach ihrem unfehlbaren Ver⸗ ſtandeshochmuth für den wahren Gott halten. Solche weiſe, die in alten Zeiten nur einzeln auftraten und ihre Lehre doch immer noch für eine höhere Offenbarung ausgaben, heutzutage aber bei Dutzenden in jeder ſchmierigen Sauf⸗ höhle anzutreffen ſind, finden ja nun leicht ein Publikum bei den weltlichen und von Gott ab⸗ gefallenen Menſchen, denen ja natürlich der Eine rechte Gott in ſeiner heiligen Majeſtät nicht an⸗ ſteht, und bringen ſie zur Annahme ihres Götzen, der nun bald als ein Bild von Stein, oder Holz, oder Gedanken, den Menſchen zur Verehrung vor⸗ geſtellt wird. Die Leute nun, die dieſes Lügen⸗ bild anbeten, beten ja nicht den wahren Gott an, obgleich ſie natürlich meinen, ihn anzubeten, denn ihr Gott iſt ja ein ganz anderes Weſen, hat an⸗ dere Eigenſchaften ꝛc. ꝛc., als der wahre Gott, der ſich offenbaret hat. Ja, ihr Gott exiſtirt gar nicht in der Wirklichkeit, ſie beten in die Luft hinein, zu einem „Nichts“, denn der Götze iſt eben „Nichts“. Wer aber zu dem Götzen betet, ihm dienet und opfert, der dienet und opfert eben dem Teufel, der ſolch Hirngeſpinnſt den Weiſen dieſer Welt und ihren Anhängern zurecht gezimmert hat, 1 Cor. 8, 4. ff., Cap. 10, 19. ff. Doch wohin komme ich? Ihr betet den großen Geiſt an in euern Geſellſchaften, nicht wahr? C. Das heißt: wir nennen Gon ſo; ich denke, auf den Namen kommts eben nicht an. P. Es wundert mich nur, warum Gott ſich in ſeiner Offenbarung immer ſelbſt die Namen bei⸗ gelegt hat, bei denen er will genannt ſein. — Wir Chriſten könnten nach deiner Anſicht auch wohl den HErrn Jupiter oder Merkur nennen? C. Gewiß nicht, das waren eben beſtimmte Götzen der alten Heiden! P. Und der „große Geiſt“ iſt eben der beſtimmte Götze der Indianer, was —4 — iſt denn da für ein Unterſchied? oder ſind etwa die Indianer keine Heiden? Ihr ſeid alſo in eurem gerühmten Fortſchritt ſo glücklich wieder bei dem Heidenthum angekommen, und haltet das jetzt wieder für ungemeine himmliſche Weisheit, was unſere Väter ſchon vor 1000 Jahren als die kraſſeſte Finſterniß, ja als Teufelswerk ver⸗ laſſen und verflucht haben. Ihr müßt natürlich auch den Ruhm der alten Heiden haben: da ſie ſich für Weiſe hielten, ſind ſie zu Narren worden, Röm. 1, 22. Die dort gerühmten Tugenden, die dieſe Weisheit als natürliche Früchte hervor⸗ brachte, glänzen ja auch gar leuchtend in dieſem aufgeklärten Jahrhundert, und ſo wird ja wohl das hohe Ziel, das ihr ſucht, errungen ſein, nem⸗ lich die Seligkeit des Heidenthums! O großer Geiſt! Du haſt zwar deine rothen Männer nicht ſchützen können, daß ſie nicht mit Bluthunden gehetzt, mit Branntwein, Pulver und Blei aus⸗ gerottet ſind, aber du biſt dennoch mächtig, denn die dein Volk verjagt haben, ſind von dir wieder bezwungen! In ihren Wigwams iſt dein Name geehrt, dir zu Ehren wirbelt der Rauch aus der Friedenspfeife, von dir wird der Segen auf die Jagden herabgefleht, deiner Fürſorge empfehlen die „weißen Rothen Männer“ noch die Seelen ihrer abgeſchiedenen Häuptlinge und gemeinen Krieger, gewiß, daß du ſie auf gute Jagdgründe führen wirſt, wo das Mais von ſelber wächſt und die Büffel gebraten umherlaufen. O glückliches Amerika! wo nicht allein die verſchiedenen Völker ihre Zuflucht gefunden, ſondern ihren verſchiedenen Götzen in friedſamer Vereinigung mit dem Ober⸗ Götzen, dem großen Geiſt, in ſeliger Liebes⸗ harmonie dienen! O ſelige Zukunft, wo das finſtere Kreuz in den Staub geſunken ſein wird, und Druiden, Sachems und Prieſter das Fitzli Putzli ihrer heitern Gottesdienſte unter Anrufung des „Großen Geiſtes“ feiern werden. Ich wünſche dir Glück, mein Freund, daß du zu den geſegneten Perſonen gehörſt, die dazu beſtimmt ſind, dieſe ſelige Barbarei ins Land einzuführen! C. O ich bitte dich, ſei ernſt. Mir iſt die Sache nicht klar, wie ſie dir zu ſein ſcheint; wenn in unſern Geſellſchaften Gott „der große Geiſt“ genannt iſt, ſo habe ich natürlich keinen andern Gott darunter verſtanden, als den wahren Gott, den die Chriſten anbeten. P. Würde das die Apoſiel oder erſten Chriſten entſchuldigt haben, wenn ſie dem Götzendienſt der Heiden beigewohnt, und dabei geſagt hätten: ich weiß doch beſtimmt, ich bete den rechten Gott an, der ſich offenbart hat und an den ich glaube? Es kommt gar nicht darauf an, welchen Gott du meinſt und anbeteſt, ſondern welchen Gott die Geſellſchaft als Geſellſchaft anbetet, wovon du ein Mitglied biſt, und zu deren Glauben und Gottes⸗ dienſt du durch einen Eid dich verbunden haſt. C. Du haſt mir aber noch nicht bewieſen, daß die Geſellſchaft als Geſellſchaft einen andern Gott anbetet, als den Chriſtengott, namentlich, da wir doch die Bibel auch als Geſellſchaft als Wahrheit anerkennen? P. Das vergrößert eben den Greuel, daß ihr das heilige Buch, das ewige Wort Goltes, ſo ſchändet, daß ihr es in euren Verſammlungen habet, bei euren Prozeſſionen umhertraget, als lehre eben das ewige Wort Gottes nichts anders als euren Naturgötzendienſt. C. Im Gegentheil, wir beweiſen eben damit, daß wir den Gott der Bibel, d. h. den wahren Gott anbeten! P. Dein eigen Gewiſſen muß dich Lügen ſtra⸗ fen. Wenn die Geſellſchaft den Gott der Chri⸗ ſten anbetete, warum geben ſie ihm denn nicht denſelben Namen, den die ganze chriſtliche Kirche ihm gibt? warum rufen ſie ihn an mit dem Na⸗ men eines Götzen? was wiſſet ihr denn von dem großen Geiſt? wer iſt er? Indianer⸗Götze — das iſt Alles, was wir von ihm wiſſen, und den ruft ihr an. Ferner weißt du es recht gut, daß der größte Theil eurer Geſellſchaftsglieder ganz offen und frei bekennen, daß ſie nichts von dem glau⸗ ben, das die Chriſten glauben, alſo auch nicht an den Chriſtengott glauben, den großen Geiſt rufen ſie aber mit an. C. Das beweiſet noch nicht, daß die Geſell⸗ ſchaft als Geſellſchaft nicht den Chriſtengott an⸗ erkennt und anbetet, wenn auch einzelne Glieder das Chriſtenthum verwerfen, wie es ja allent⸗ halben dergleichen Glieder gibt, die ſich einer Ge⸗ ſellſchaft anſchließen, und doch die Grundſäte nicht theilen. P. Dieſe Leute treten in eure Geſellſchaften nur ein, weil ſie wiſſen, daß ihr Gott nicht der Chriſtengott iſt, wie auch nicht das Neue Teſta⸗ ment, ſondern nur ein Theil des Alten Tefta⸗ ments in euren Verſammlungen gebraucht wird, ja ſelbſt eure Zeitrechnung nicht die chriſtliche, ſondern die jüdiſche, oder Gott weiß was für eine iſt, womit ja die Geſellſchaft zur Genüge anzeigt, daß ſie nichts poſitiv Chriſtliches will, ihr Gott alſo auch nicht der Chriſtengott iſt. Willſt du aber dich vielleicht noch mehr überzeugen, ſo kannſt du ja nur den Vorſchlag machen, „da die Geſell⸗ ſchaft eine chriſtliche ſei, ſo ſolle man doch von nun an den dreieinigen Gott beim rechten Namen nennen, da es doch unrecht ſei, den wahren Gott unter dem Namen eines Götzen anzurufen“, da wirſt du ſehen, was für ein Sturm losgeht. Doch will ich verſuchen, dir die Sache noch klarer zu machen. C. Du thäteſt mir einen Gefallen damit. P. Das gebe Gott! Du glaubſt doch, daß der Eine wahre Gott der dreieinige iſt: Gott Vater, Gott Sohn und Gott der Heilige Geiſt? C. Ohne Zweifel! P. Kann auch ein Menſch, der Chriſtus nicht als den wahren Gott anbetet, ſich rühmen, daß er den wahren Gott anbete? C. Gewiß nicht! P. Können nicht Juden und Türken in eurt Geſellſchaft aufgenommen werden, ohne nöthig zu haben, ihrem Glauben abzuſagen, oder öffentlich abgefallene Chriſten, die nichts von der Gottheit — Chriſti wiſſen wollen, ſondern allein von dem Al⸗ ů vater, oder großen Naturgeiſt, oder wie ſie das Ding nennen, kurz einem Gott, der nur Eint Perſon iſt, und von dem ſie nichts wiſſen, als da er die Welt vielleicht erſchaffen, und ſie auch ge⸗