# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 10 13_S31 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) mehr genügen, nur die Ecken der beſtehenden Confeſſionen abzuſchleifen, wir wollen keine ver⸗ einigte Kirche der Anbequemung aus Höflichkeits⸗ rückſichten, wir wollen keine Indifferenz gegen Glaubensdifferenzen.“ Wie wahr und beher⸗ zigenswerth ſind doch dieſe Worte, aber wie unbe⸗ greiflich iſt es, daß ſie auf den eigenen Verfaſſer ſo wenig Einfluß ausüben! Warum läßt er ſich ſelbſt von dem Geiſte derſelben ſo wenig leiten? Warum? Weil ihm ohne Frage die moderne Schöngeiſterei und ein wiſſenſchaftlich ſein ſollen⸗ des, aber im Grunde gehaltloſes Geſchwätz über Union mehr am Herzen liegt, als die ernſte Sache der Union ſelbſt. Oder weiß er denn nicht, daß wir Lutheraner eben nicht mit gutem Gewiſſen das Wort Gottes, auch nicht einen Buchſtaben desſelben fahren laſſen können? Sollen wir „um des Friedens willen“ aufhören, wider jede Ab⸗ weichung vom Worte Gottes, auch wider den un⸗ gehorſamen, wenn auch noch ſo ſchön redenden Geiſt des „Reformismus“ zu zeugen, was uns allerdings im „innern Herzen Unfrieden ſtiften müßte“. Warum ſtellt der Verfaſſer die jedem Schulkinde bekannten Unterſcheidungslehren von der Perſon IEſu Chriſti, den Sacramenten ꝛc., die allerdings und zwar ganz allein das Lutherthum vom „Reformismus“ trennen, nicht ehrlich und redlich dar und ſucht „dieſe Punkte“ ganz zu be⸗ ſeitigen, da er ja ſelbſt ſagt: „ſind dieſe Punkte ganz beſeitigt, dann iſt das Uniren leicht.“ Er weiß, daß wer dieſes nicht gehörig beherzigt, „ge⸗ radezu Saat zum Unfrieden ausſtreut“. Aber ohne von ſeinen eigenen ſchönen Redensarten ge⸗ rührt zu ſein, ohne jene eigentlichen Differenz⸗ punkte auch nur im geringſten zu berühren, ruft er kühn in den blauen Nebel hinein: „die Geiſter müſſen auf ein neues Ziel hindrängen“! „Soll es zu einer wahren, großartigen Union kommen, ſo heißt das mit andern Worten Eine neue (2) Kirche. Das muß geſchehen durch eine große That einer großen Zeit“! Welches ſind denn nun die Differenzpunkte, mnelche der intereſſante Hr. Verfaſſer ſo großartig ankündigt? Man höre nur: „Luther hat die Sache in ſeiner großartigen Weiſe, worin er ſei⸗ nem über den objectiven Zuſtand der Verhältniſſe ſtets ſo richtigen Gefühl mit einem Schlagwort wieder zu einer Objectivität verhilft, vortrefflich bezeichnet, wenn er dort den Repräſentanten re⸗ formirter Lehrer geradezu ſagt: Ihr habt eben einen andern Geiſt! Damit iſt Alles geſagt, was zur Erklärung der obſchwebenden Differen⸗ zen nöthig iſt.“ (Sechs Seiten weiter ſagt der⸗ ſelbe Verfaſſer: „Hier in dieſen Stammesver⸗ ſchiedenheiten ... da haben wir auch mehr, als anderswo, die tiefen Urſachen der die ganze prote⸗ ſtantiſche Chriſtenheit trennenden Kluft zu ſu⸗ chen.“ Vorn iſt es „der Geiſt“, hinten „die Stammesverſchiedenheiten“, das iſt aber einem ſolchen geiſtreichen Periodenbauer alles einerlei.) Und worin beſteht nun dem Verf. „die volle Dif⸗ ferenz“ dieſes Geiſtes? hear! „In beiden ſpie⸗ gelt ſich das eine Licht des Evangeliums“ und dieſes „Eine“ bricht ſich nur in beiden „in ver⸗ ſchiedenem Farbenſtrahle“. — Aber wozu denn da 31 noch Union, iſt denn dem Hrn. W. J. M. das „Eine“ noch nicht vereinigt, unirt genug?! — Doch der Verf. kennt noch eine andere Differenz: „Redet man von Riß in der proteſtantiſchen Kirche, ſo iſt es gewiß verkehrt. ihn aus Perſön⸗ lichkeiten, oder aus dreihundertjährigen Mißver⸗ ſtändniſſen oder aus vorübergehender Vereiferung oder aus entgegengeſetzten gelehrten Meinungen ableiten zu wollen. Wären ſolche Zufälligkeiten die wahre Urſache der Trennung geweſen, ſo wäre die Union längſt vor ſich gegangen. Allein die Gründe derſelben ſind heute noch dieſelben, ſind heute noch vorhanden und wirkſam.“ Und welche Gründe ſind das? die ſchon obengenannte jüdiſch⸗chriſtliche und heidniſch⸗chriſtliche Rich⸗ tung, die dann, von dem Verf. weiter entwickelt, in „die Parole“ ausläuft, für den Reformismus: „Ich ſoll und will“, für das Lutherthum: „ich darf und kann“ (Alſo der Reformirte hat kein Dürfen, kein Adiaphoron, und der Lutheraner kein Sollen, kein Geſetz?). „Aber wer will be⸗ haupten, daß das Eine oder das Andere ein dem echt chriſtlichen Geiſt widerſprechender Ausdruck ſei? Beides hat gleiche Berechtigung auch auf dem Feld der heiligen Schrift.“ Aber wozu denn nun noch, um des Himmels willen, eine Union? Iſt das Feld der heiligen Schrift ein zu weites. zerriſſenes, muß auch das erſt noch unirt werden? — — Iſt das ehrlich gehandelt? Hr. W. J. M. ſchäme ſich ſeines Mangels an Ernſt und lerne erſt die Schuhe der Albernheit ausziehen, ehe er auf heiligen Boden tritt. — Dieſe Andeutungen mögen vor der Hand ge⸗ nügen, obgleich es leicht wäre, noch viel Ober⸗ flächliches und Unbegründetes, ja gänzlich Ver⸗ wirrtes nachzuweiſen. Wir wollen hier nur einige Beiſpiele anführen. Der Verfaſſer ſagt: „Allein dieſe Namen (lutheriſche und reformirte Kirche) an ſich repräſentiren uns der eine eine Perſon, die reformatoriſch ſchuf und wirkte, der andere eine Sache, die Luthers Sache geradezu ſelbſt war.“ Wer iſt nun jene Perſon, die reformato⸗ riſch ſchuf und deſſen Sache ſeine Sache nicht geradezu ſelbſt war? Oder ſoll da etwa ein Ta⸗ del mit gemeint ſein, daß Luthers Sache geradezu ſeine Sache ſelbſt war? ſoll das ſoviel heißen, die lutheriſche Reformation iſt eine ſubjective? — Der Verf. ſagt ferner S. 274: „Buchſtaben an ſich trennen und binden unendlich weniger, als man oft glaubt.“ Das iſt wieder ſchön ge⸗ ſagt, aber doch Unſinn, denn Buchſtaben „an ſich“ trennen und binden nie, ſondern nur der Geiſt, der aus den, von den Buchſtaben gebilde⸗ ten, Worten ſpricht. Aber die Lutheraner und Reformirten trennt ja in der That nichts anders, als jene „Buchſtaben“, unter welchen der Ver⸗ faſſer wohl nur die ſymboliſchen Bücher verſtehen kann. Ferner: „Jeder ſieht nun eben die Sache mit ſeinen Augen an.“ Iſt das nicht wie Pila⸗ tus in alter und Ronge und Uhlich und Conſor⸗ ten in neuerer Zeit geſprochen? — Auch möchten wir uns gern den Nachweis darüber ausbitten, daß „die Gemeinſchaft der Heiligen etwas ande⸗ res iſt als Eine, heilige allgemeine Kirche“. — Nun noch eine Bitte: in Zukunft etwas mehr Wolle und etwas weniger Geſchrei und wenn es Hrn. W. J. M. möglich ſein ſollte, aus der Trun⸗ kenheit der Schöngeiſterei nüchtern zu werden, einen klareren, einfacheren, ſolideren Styl. Ueber Californien und die Landenge von Panama läßt man ſich ſchon einige intereſſante Luftſprünge ge⸗ fallen, indeſſen bei einer ſo wichtigen Sache, als die vorliegende, ſollte man dergleichen Quakeleien vermeiden. (Eingeſandt.) Reſultat der Wahl für die Profeſſur an der theulogiſchen Lehranſtalt, zur Zeit in Altenburg, Mo. Es hat dem HErrn nach ſeinem unerforſch⸗ lichen Rathſchluſſe gefallen, zwei theuere Glieder unſeres Wahlcollegiums unter die Zahl der vollendeten Gerechten zu verſetzen und aus der Arbeit in die ſelige Ruhe des Himmels, den hoch⸗ verehrten Senior unſerer Synode, Herrn Paſtor Löber, und unſern geliebten Bruder, den Herrn Profeſſor Paſtor Wolter. Der Letztere hat noch kurz vor ſeinem Tode am 17. Auguſt ſeine Wahl⸗ ſtimme abgegeben. Die Glieder unſeres Wahlcollegiums ſtimmen nach den mir gewordenen brieflichen Mittheilun⸗ gen folgendermaßen: 1. Für Herrn Paſtor Walther ſtimmen der ſe⸗ lige Profeſſor Paſt. Wolter, Hr. Piepenbrink, Hr. Paſt. Wyneken, Hr. Paſt. Keyl, Hr. Paſt. Crä⸗ mer, Hr. Tſchirpe, Hr. Paſt. Schieferdecker und der Unterzeichnete. 2. Für Herrn Paſtor Brohm ſtimmt Hr. Paſt. Walther. Es fehlt nur die Wahlſtimme des Herrn Doc⸗ tor Paſt. Sihler, deſſen Brief bei der Unſicherheit der hieſigen Poſtverbindungen verloren gegangen ſein dürfte. So weit nun die bisher abgegebenen Wahl⸗ ſtimmen in Betracht kommen, iſt Herr Paſtor Walther nicht bloß mit Stimmen-Mehrheit, ſondern mit völliger Stimmen⸗Einheit zum erſten Profeſſor unſerer theologiſchen Lehranſtalt erwählt. Herman Fick, pr. t. Secretär des Wahlcollegiums. Aufleben des Lutherthums in Elſaß. Durch Freundes Hand iſt uns eine Parthie kleiner in Straßburg gedruckter Tractate zugeſandt worden, die zu einem höchſt erfreulichen thatſäch⸗ lichen Belege dienen, daß gegenwärtig nun auch in dem ſchönen Elſaß der alte lutheriſche Glaube erwacht iſt und daß demzufolge viele, welche vor⸗ mals, obwohl dem Namen nach Lutheraner, die reformirten und unirten Miſſionen unterſtützten, nun ihre Beiträge den neu entſtandenen ausſchließ⸗ lich lutheriſchen Miſſionen zuwenden. Unter an⸗ derm heißt es in einer Nota zu einem jener Trac⸗ tate: „In unſerm Elſaß und angrenzenden Lan⸗ den, ſind durch Gebet und Handreichung Viele ſchon thätig, die Miſſionen der evangeliſch⸗refor⸗ mirten Kirche zu Paris, Baſel und Barmen zu unterſtützen. Wir ſind der getroſten Zuverſicht,