# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 05 03_S69 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 1. St. Louis, Mo., den 3. Mai 1845. No. 18. Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar fünf und zwanzig Cents für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 6¼ Cents verkauft. (Eingesandt von Pastor Schieferdecker.) Abgedrungener Beweis, daß die Methodisten eine Secte sind. Man sollte es kaum glauben, wie ein Blatt, welches sich den ehrenvollen Namen des christlichen Apologeten gibt (d. h. ein Vertheidiger der christlichen Lehre), sein Ziel so ganz vergessen, und anstatt für Christum zu sein, als Feind gegen seine heilige göttliche Wahrheit auftreten kann. Dieses hat der „Apologet,“ wie schon sonst mehrfach, so auch insbesondere in seiner 14. Num. vom 4. April d. J. gezeigt, worin er seine Erbitterung gegen den „Lutheraner“ und in specie gegen einen Aufsatz in demselben zu erkennen gibt, welcher ohne alle feindselige Absicht aus dem herzlichen Verlangen hervorgeflossen war, irrenden Brüdern einen Fingerzeig zur Wahrheit zu geben. Da uns der „Apologet“ zum offenen Kampf herausfordert, so geziemt es uns nicht aus falscher Friedensliebe den Streit des HErrn zu fliehen, sondern freudig zu kämpfen für den Glauben des Evangelii. Der „Apologet“ will zuerst bewiesen haben, daß die Methodisten eine Secte sind, und behauptet, daß diesen Beweis noch Keiner geliefert habe. So ist's also umsonst gewesen, was unter andern der scharfsinnige Herr Dr. Sihler in der luther. Kirchenzeitung so klar und sonnenhell bewiesen hat? Und doch darf der „Apologet“ so dreist behaupten, daß noch Keiner den Beweis geliefert habe, daß die Methodisten eine Secte sind? Damit bezeugt er, wie wenig ihm ein Beweis gilt, der auf Gottes klarem Wort gegründet ist, und wie wenig Neigung er hat, die Wahrheit anzuerkennen, wenn sie die faulen Flecke seiner Kirche berührt. Wie sollte man erwarten, daß er jetzt williger sei, diesen Beweis anzunehmen, wenn wir ihn gleich kurz und summarisch wiederholen! Und dennoch wollen wir es thun, nicht allein um des „Apologeten,“ sondern vornehmlich um solcher willen, die zwar von ihm irregeleitet, aber noch nicht so verblendet sind, daß kein Strahl der Wahrheit mehr die Nebel ihrer Vorurtheile durchdringen könnte. Eine Secte ist nach der heil. Schrift eine Gemeinschaft solcher Menschen, welche von der Lehre der Propheten und Apostel abgewichen und durch ihre falsche Lehre Ursache sind, daß die Kirche Gottes zertrennt und zerrissen wird; die sich auch nicht zurecht weisen lassen, sondern auf ihrem Irrthum beharren, und die rechte Kirche und Lehre anfeinden. Denn Röm. 16, 17. sagt der Apostel: „Ich ermahne aber euch, lieben Brüder, daß ihr aufsehet auf die, die da Zertrennung und Aergerniß anrichten, neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denselbigen. Denn solche dienen nicht dem HErrn JEsu Christo, sondern ihrem Bauche, und durch süße Worte und prächtige Rede verführen sie die unschuldigen Herzen.“ Will nun der „Apologet“ bewiesen haben, daß die Methodisten eine Secte sind, so weisen wir ihn erstlich auf ihre falschen Lehren von der Taufe und vom Abendmahl. Mag es immerhin etwas oft Gesagtes sein, was wir in Ansehung der Sacramente den Methodisten vorwerfen. Allein wir müssen es so oft und so lange wiederholen, so lange dieselben auf dem Ruhm und Namen der rechten Kirche bestehen. Je weniger Gewicht die Secten auf die hochheiligen Stiftungen des HErrn, Taufe und Abendmahl, legen, desto mehr wird die rechtgläubige Kirche in ihrem Gewissen gedrungen, von der Wahrheit zu zeugen. Von der Taufe lehren die Methodisten, laut ihrer Kirchenordnung pag. 17.: „Sie ist nicht nur ein Zeichen des christlichen Bekenntnisses, wodurch sich die Christen von den Ungetauften unterscheiden, sondern sie ist auch ein Zeichen der neuen oder Wiedergeburt.“ Das heißt mit andern Worten: sie ist nur ein Bild, wodurch die Wiedergeburt vorgestellt wird. Dennoch leugnen die Methodisten, daß durch die Taufe die Wiedergeburt wahrhaftig und wirklich geschieht; denn so viel kann jeder einsehen, daß das Bild einer Sache nicht die Sache selbst ist. Aber hierin widerspricht die Lehre der Methodisten der heil. Schrift geradezu; denn St. Paulus nennt die Taufe mit ausdrücklichen Worten ein Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes. Tit. 3, 5. Eben so schriftwidrig ist die Lehre der Methodisten vom heil. Abendmahl; denn sie sagen laut ihrer Kirchenordnung Pag. 15.; „Das Mittel, wodurch wir den Leib Christi im Abendmahl empfangen und genießen, ist der Glaube,“ und „nur diejenigen haben Theil am Leib und Blut Christi, die das Sacrament auf eine würdige Weise und im Glauben genießen.“ Daß die Methodisten nicht an die wahre, wesentliche Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im Abendmahl glauben, dies haben sie im „Apologeten“ und anderwärts nur zu deutlich ausgesprochen. In diesem aus ihrer Kirchenordnung angeführten Bekenntniß verhüllen sie zwar ihren Unglauben etwas, allein sie verrathen sich dennoch dadurch, daß sie blos einen solchen Genuß des Leibes und Blutes Christi annehmen, der durch den Glauben geschieht. Wer das sacramentliche Essen und Trinken des Leibes und Blutes Christi unter Brod und Wein im heiligen Abendmahl für nichts anderes hält, als das geistliche Essen und Trinken des Leibes und Blutes Christi durch den Glauben; der hebt das Wesentliche des Sacraments auf und behält nicht mehr davon, als was wir auch sonst außer dem Abendmahle haben. Denn Christi Leib und Blut durch den Glauben zu essen, ist: die Wohlthaten und Verdienste Christi sich glaubig zuzueignen. Die Methodisten bekommen also, nach ihrer Lehre, im heil. Abendmahl nichts anderes, als was ein Christ, der im Glauben steht, bei jeder gemeinen Mahlzeit auch genießen kann. Mag nun der „Apologet“ es noch so sehr beklagen, daß Luther in der Lehre vom Abendmahl so fest und unbeugsam gewesen ist; er beweist nur damit, wie gegründet unsere Behauptung ist, daß die Methodisten diese hochheilige Stiftung unseres HErrn JEsu Christi für nichts halten. Das dritte Kennzeichen, daß die Methodisten eine Secte sind, ist ihre falsche Lehre von der Rechtfertigung. Während andere christliche Secten trotz ihrer falschen Lehre vom heil. Abendmahl sich dennoch nie unterstanden haben, dem Wandel der Christen einen höhern Werth beizulegen als den heil. Sacramenten, und es als eine greuliche Hoffart verabscheuen würden, ihre bettelhafte Gerechtigkeit der reinigenden und heiligenden Kraft der Sacramente vorzuziehen; so beweist es die ganze Lehre und Praxis der Methodisten, daß sie ihre Werke und ihren Wandel höher achten, als die Gerechtigkeit, die aus dem Glauben an JEsum Christum kommt und uns im Wort und Sacrament versiegelt wird. Unter andern macht der „Apologet“ der luther. Kirche den spöttischen Vorwurf: „Es scheint, die luther. Kirche lege einen höheren Werth auf die Lehre der Sacramente, als auf den Wandel.“ Ein solcher Vorwurf aus dem Munde eines Christen! — Wer kann es ohne Entrüstung lesen? Hiermit