# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 09 29_S23 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) * liebte, zu thun haben. Das iſt eben das Element der Altlutheraner, in welchem ſie ſich gefallen, und das einzige Unterſcheidungszeichen zwiſchen uns und ihnen; was aber vor Gott, dem All⸗ liebenden, ein Greuel, und jedem guten Menſchen ein Abſcheu ſein muß.“ Der liebe Leſer ſieht hieraus wohl zur Genüge, was für Herren diejenigen Prediger ſiad, welche durchaus lutheriſch ſein wollen und doch gemiſchte Gemeinden bedienen, und was für ein Geiſt in einer Conferenz und Synode herrſche, welche von ſolchen Predigern gebildet werden. Erſt ſagt man ſcch feierlich los von der falſchen Kirche und ſucht damit den Rechtgläubigen Sand in die Augen zu ſtreuen; wenn aber die Rechtgläubigen auch entſchiedene Reinigung von allem Falſchen ver⸗ langen, ehe ſie in eine kirchliche Gemeinſchaft ein⸗ gehen wollen, dann wirft man ſich wieder mit der alten, „nie roſtenden“ Liebe den Stimmführern der falſchen Kirche in die Bruderarme, und ſpricht den Rechtgläubigen natürlich aus großer Liebe alle Liebe ab und erklärt das Weſen derſelben für greulich und abſcheulich vor Gott und allen „guten Menſchen“. Es will uns bedünken, Hr. F. W. hätte unſere Erklärung, daß die Indiana⸗ polis⸗Synode ſich noch „nicht als rechtgläubig bewieſen habe in Lehre und Praxis“, nicht beſſer ſelbſt rechtfertigen können, als durch dieſes ſein Verhalten; obwohl wir auch dadurch die Ueberzeugung noch nicht verloren haben, daß es einzelne höchſt ehrenwerthe wackere Männer in der Indianapolis⸗Synode gibt, mit welchen wir uns brüderlich verbunden fühlen, die bereits gegen die in der Synode noch fortdauernde Religions⸗ men gerei Zeugniß abgelegt haben. Damit aber Herr F. W. wiſſe, daß er nicht ſowohl gegen uns, als vielmehr gegen die ganze techtgläubige lutheriſche Kirche zu Felde gezogen iſt, ſo höre er, was Luther ſchreibt, den er hoffent⸗ lich für einen echten Lutheraner halten wird. Luther ſchreibt nemlich alſo in, ſeiner Warnungs⸗ ſchrift an die zu Frankfurt: „In Summa, daß ich von dieſem Stücke komme, iſt mirs erſchrecklich zu hören, daß in einerlei Kirchen oder bei einerlei Altar ſollten beider Theil“ (Lutheraner und Re⸗ formirte) „einerlei Sacrament holen und em⸗ pfahen und ein Theil ſollte gläuben, es empfahe eitel Brod und Wein, das andere Theil aber gläuben, es empfahe den wahren Leib und Blut Chriſti. Und oft zweifele ich, ob's zu gläuben ſei, daß ein Prediger oder Seelſorger ſo verſtockt und boshaftig ſein könnie und hiezu ſtillſchweigen und beide Theil alſo laſſen gehen, ein jegliches in ſeinem Wahn, daß ſie einerlei Sacrament em⸗ pfahen, ein jegliches nach ſeinem Glauben ꝛc. Iſt aber etwa einer, der muß ein Herz haben, das da härter iſt, denn kein Stein, Stahl noch De⸗ mant, der muß freilich ein Apoſtel des Zorns ſein.“ Dieſe Worte gelten inſonderheit ſolchen Predigern, welche den lutheriſchen Glauben be⸗ kennen und doch Reformirten in ihrer Gemeinde das heilige Abendmahl reichen. Es gibt aber auch ſolche liebe“ Leute, wie Herr Weyl, welche den lutheriſchen Glauben vom heiligen Abend⸗ mahl verwerfen und die dennoch in großer Duld⸗ 23 ſamkeit ſolchen das heilige Abendmahl zu reichen jeden Augenblick bereit ſind, die für ihre Perſon glauben, daß der wahre Leib und das wahre Blut IEſu Chriſti im heiligen Abendmahl ſei und da mündlich gegeſſen und getrunken werde. Solche ſehen mit großem Selbſtgefühl auf die „greulich und abſcheulich“ intoleranten „Altluthe⸗ raner“ herab. Luther gibt aber ſolchen „lieben Boten“ auch ihr Theil, und zieht an das Tages⸗ licht, welche „Liebe“ ſolche liberale Abendmahls⸗ ſpender ihren lutheriſchen Communicanten eigent⸗ lich erweiſen, indem er in der angeführten Schrift alſo fortfährt: „Türken und Juden ſind viel beſ⸗ ſer, die unſer Sacrament leugnen und frei beken⸗ nen, denn damit bleiben wir unbetrogen von ihnen und fallen in keine Abgötterei. Aber dieſe Geſellen müßten die rechten hohen Erzteufel ſein, die mir eitel Brod und Wein geben, und ließen mich's halten für den Leib und Blut Chriſti, und ſo jämmerlich betrö⸗ gen. Das wäre zu heiß und zu hart; da wird Gott zuſchmeißen in kurzem. Darum, wer ſolche Prediger hat over ſich deß zu ihnen verſiehet, der ſei gewarnet vor ihnen, als vor dem leibhaftigen Teufel ſelbſt.“ (Opp. XVII, 2446.) * „Was hülfe es dem Menſchen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an ſeiner Secle?“ Matth. 16, 26. T*us, ein reicher Financier in Paris, hatte eine eiſerne Thüre an einem abgelegenen Keller machen laſſen, in welchem er ſeine ungeheuren Schätze anhäufte. Er ſtieg alle Tage in denſel⸗ ben herab, um den Götzen Mammon daſelbſt nach ſeinem Gefallen zu betrachten. Seiner Gemahlin blieb dieſer unterirdiſche Aufenthaltsort ihres Gatten unbekannt, indem er vorgab, er gehe täg⸗ lich eine Stunde allein ſpazieren. Der Schloſſer, der dazu ein beſonderes künſtliches Schloß aus⸗ geſonnen, gab ihm gleich anfangs deshalb fol⸗ gende Warnung: „Nehmen Sie ſich vor dieſer Springfeder ja in Acht, ſie iſt fürchterlich. Wenn dieſelbe hinter Ihnen abſchnappt, ſo fallen Sie unvermeidlich in die Falle, die Sie andern legen wollen.“ — Es floſſen einige Jahre hin, und der unerſättliche Geizhals ſah ſeinen Schatz, den er fleißig beſuchte, mit jeder Woche immer noch größer werden. Er wälzte ſich mit Wolluſt auf den vollen Geldſäcken herum, fand das größte Vergnügen daran, ſie zu zählen und ſie in dent dunkeln Keller in Ordnung zu ſtellen, in welchem er ſeinem Götzen eine Art von Frohndienſt völlig darbrachte. Eines Tages, da er, wie gewöhnlich, in ſeiner Entzückung die Vergnügungen des ſchmutzigen Geizes ſchmeckte, und vou ſeinem häßlichen Götzen ganz bezaubert war, vergaß er die unglückliche Springfeder nach der ihin ertheilten Vorſchrift gehörig feſt zu machen. Sie ſprang ab, und — da war er mit ſeinem Schatze und der Verzweif⸗ lung eingeſchloſſen. Er rief, er ſchrie, wie man ſich leicht vorſtellen kann; aber dieſer Ort war eine Gattung von unterirdiſchem, für Lebende unzugänglichem Grabmal, aus welchem man das Rufen oder wohl gar das Brüllen eines in Ver⸗ zweiflung mit dem Tode Kämpfenden nicht ver⸗ nehmen konnte. Wahrſcheinlich rang er da, von ſeinen Reichthümern umgeben, gefoltert von den Qualen aller Entbehrungen, ſeine Hände — und ſtarb endlich in ängſtlicher Wuth mitten unter ſeinen angehäuften Geldſäcken, die er nun gewiß gern alle für einen Trunk Waſſer oder einen Biſ⸗ ſen Brod hingegeben hätte. Er ſtarb in einer langſamen Todesmarter. — Indeß hatte man ihn vermißt, und an allen Orten vergebens geſucht, weil kein Menſch dieſen Schlupfwinkel kannte. Einige Tage nachher hörte der Schloſſer von dieſem Verſchwinden. Er muthmaßete den ſchreck⸗ lichen Vorfall, ging und zeigte den geheimen Ort an, und man brach ſofort die Kellerthüre mit eiſernen Stangen auf. Welch ein entſetzlicher Anblick! Man fand T*** mit wundgeriebenen Händen auf ſeinen Geldſäcken verhungert daliegen! Gottſelige Natur⸗Betrachtung. Ihr hohen Berg's, ihr lehret mich, Daß meine Augen heben ſich Zum Berg, davon mir Hülfe kömmt, Und meiner ſich mein Gott annimmt. Auf dieſem ſolle ganz allein Beruhen das Vertrauen mein, Und wie ein Berg beſtehen feſt: Denn er die Seinen nicht verläßt. Auch ihr, ihr tiefe rauhe Thal', Warnt mich für allem Sündenfall, Dadurch man in die tiefe Höll Kann hingeworfen werden ſchnell. Ihr Waſſer wallet, daß auch ich Laß Waſſer fließen bitterlich Aus meinen Augen Tag und Nacht, Und meine Miſſethat betracht. Ihr Brunnen weiſet mich zur Quell Für meine abgematt'te Seel, Zu Chriſti Wunden und ſein'm Wort, Mich draus zu laben immerfort. Ihr ſchönen Früchte auf dem Feld Euch mir vor meine Augen ſtellt, Daß ich darum Gott danken ſoll, Und werd der Frücht' des Glaubens voll. Ihr Bäum' im Wald, ihr ſaget mir, Daß, wenn Gott ſtrafte nach Gebühr, Ihr allzuwenig würdet ſein Zu Ruthen für die Sünde mein. Ihr ſtarke Fels und große Stein Dem Fels des Heils mich heißet ſein Ergeben, und in ſeiner Stärk Verrichten meiner Hände Werk. O Berg des Himmels! nimm einmal Zu dir mich in dein'n Freudenſaal, O Fels des Heils! erhalte mich Im Glauben dein beſtändiglich. Joh. Mich. Dilherr (geſt. 1669). Wichtigkeit des heiligen Abendmahls. Luther ſchreibt an einem Ort: „Wenn man nicht für wahr wüßte und gewiß wäre, daß das Sacrament ein groß gewaltig Stück wäre in der chriſtlichen Kirche, ſo könnte oder ſollte man es daran erkennen, daß der Teufel das Saerament ſo ſehr anficht und angefochten hat durch ſo viel Schwärmer, Rotten und Secten; denn der Teu⸗ fel ſicht ja die größten Stücke chriſtlicher Lehr am meiſten an.“