# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 04 19_S68 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 68 1. Arius behauptete einstmals, daß er außer dem einen Artikel, worin er anders lehrte, in allen andern Stücken mit der Kirche zusammenstimme; ja, er meinte, die Lehre von Gott dem Vater, von der Erlösung, von der Rechtfertigung, von den Sacramenten und dergl. noch besser zu glauben, als diejenigen Christen, welche sich die Rechtgläubigen nannten. Allein er irrte sich darin sehr stark; „denn wer den Sohn läugnet, der hat auch den Vater nicht,“ sagt Joh. in seinem ersten Brief Cap. 2, 23. „und wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht,“ Cap. 5, 12. Darum hatte Arius weder die richtige Erkenntniß vom Vater, noch den wahren, lebendig-und seligmachenden Glauben von der Vergebung der Sünden u. s. w. Wenden wir dies zunächst auf die römisch-katholische Kirche an, so bekennt sich dieselbe zwar, wie zu dem apostolischen, so auch zu dem Nicänischen und Athanasianischen Glaubensbekenntniß; aber durch ihre papistischen Irrlehren und längst bekannten groben Ketzereien, ja durch ihre Feindschaft wider alle Bekenner des allein gerecht und seligmachenden Glaubens, — hebt sie jene christl. Glaubensbekenntnisse wieder auf, und widerspricht ihnen dermaßen, daß auch bei ihr ein ganz anderer Christus, und somit ein andrer Vater, ein andrer Tröster, eine andere Vergebung und in Summa ein ganz andrer Glaube herauskommt, als ihn die heil. Schrift allein zur Seligkeit führend gelehrt hat. Mag sich darum Herr Oertel in seinem sogenannten „Wahrheitsfreund“ noch so viele Mühe geben, auch die gräßlichsten Irrthümer, die er einst verabscheut hat, jetzo zu rechtfertigen; mag er das ganze päbstliche Schandleben und die blutgierigen Inquisitionen und Verfolgungen, womit der römische Stuhl sich Jahrhunderte hindurch besudelt hat, jetzt entschuldigen und in Schutz nehmen; mag er dagegen mit namenloser Verblendung alle Schandflecken und Uebel der letzten drei Jahrhunderte nur von dem hochgesegneten Werke der Reformation herleiten und so den wahren Glauben seiner lutherischen Väter treulos verläugnen und verdammen, wir wollen mit Gottes Hülfe diesem lutherischen, als dem eigentlichen altkatholischen, d. h. wahrhaft christlichen Glauben treu bleiben, wie Herr Oertel selbst bei seinem Weggang von Perry County einige Glieder seiner früheren lutherischen Gemeinde ermahnt hat, „daß sie der erkannten Wahrheit treu bleiben möchten, selbst wenn er einst von derselben abfallen sollte.“ (Schluß folgt.) (Eingesandt von Pastor Schieferdecker.) Zur Beurtheilung des Methodismus. In No. 24, Jahrg. 6, des „christl. Apologeten“ schreibt ein gew. Carl Köneke aus Mascoutah, Ill.: „Sechs schlossen sich unsrer (Methodisten-) Gemeinde an, worunter sich ein Israelit befand, ein junger Mann, welcher am 2. Pfingsttag die heil. Taufe erhielt; auch dieses verursachte eine große Feierlichkeit in der Gemeinde. Er hat noch nicht das Zeugniß des hl. Geistes, wiewohl er mit Sehnsucht suchte; ich hoffe aber, der HErr werde sich bald seiner Seele offenbaren und ihm geschehen lassen nach seinem Glauben.“ Dies ist ein schlagender Beweis, welche schwärmerische Ansichten über die Wirkungen des h. Geistes unter den Methodisten herrschen. Nach der Aussage des Refer. hatte jener Jude die Taufe empfangen und doch noch nicht das Zeugniß des heil. Geistes; also ist nach method. Ansicht das Zeugniß des h. Geistes nicht bei der Taufe. Uns lehret die Schrift anders: „Drei sind, die da zeugen auf Erden: der Geist und das Wasser und das Blut; und die drei sind beisammen.“ 1 Joh. 5, 8. Wenn nun unter dem Wasser die hl. Taufe zu verstehen ist, wie es selbst die Methodisten nicht leugnen können, wie dürfen sie denn das Zeugniß des h. Geistes von der Taufe trennen, da die Schrift offenbar das Gegentheil lehrt! Setzt nicht auch Christus Wasser und Geist zusammen? „Warlich, warlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ Joh. 3, 5. Aber der Methodist glaubt nicht, daß der h. Geist durch die Taufe wirkt; darum sucht er noch außerdem ein unmittelbares Zeugniß des h. Geistes. Das ist der schwärmerische Sauerteig, der ihre ganze Lehre, sowie ihre ganze Praxis durchdringt. Sie achten die ordentlichen Gnadenmittel, Wort und Sacrament, gering und suchen die Versicherung der göttlichen Gnade und die Wahrhaftigkeit des göttlichen Gnadenwerkes an ihrer Seele nicht aus dem Wort und Sacrament allein, sondern hauptsächlich aus den Gefühlen ihres Herzens, die sie unmittelbar von Gott herleiten. Man denke sich, was für eine Behandlung oder vielmehr Mißhandlung der Seelen daraus entspringt. Als ein Beispiel unter vielen kann jener, gewiß brave, aber verführte Israelit dienen. Er ließ sich taufen; gewiß aus dem redlichen Verlangen nach Heil und Gnade, denn Referent gibt ihm selbst das Zeugniß, daß er mit Sehnsucht gesucht habe. Wo Sehnsucht nach Guade ist, da ist auch der Mensch der Gnade fähig. Demnach hätte das Fünklein Glaubens in dem redlichen Israeliten sollen erweckt und genährt werden, um mit Freudigkeit die großen Verheißungen Gottes in der Taufe ergreifen zu können. Aber anstatt dessen wird dem armen Täufling erst Zweifel an der Gnade ins Herz geworfen. Weil nämlich der Geist in ihm noch nicht aufspringt oder auflacht oder sonstige methodistische Anzeichen seines Vorhandenseins gibt, so dringt man in ihn, nach dem Zeugniß des h. Geistes zu ringen. Der arme Mensch geräth in Angst und Verwirrung; er wagt es nicht zu glauben, daß er dieses Zeugniß schon mit der Taufe empfangen habe; er bequemt sich in die angenommene Form und bekennt, er habe das Zeugniß noch nicht, aber er suche es. So wird der arme Mensch verführt, mit seinem Vertrauen von den Verheißungen Gottes und den von Gott geordneten Mitteln der Gnade sich abzuwenden und anstatt dessen den Täuschungen seines eignen Herzens sich hinzugeben. Der Trost der hl. Taufe ist für ihn nun ganz verloren, sie ist ihm nichts mehr als eine leere Ceremonie; und was kann ihm noch an dieser Ceremonie liegen, wenn sie ihm das Wichtigste nicht gegeben hat, die Versicherung der Gnade? So zerstört die methodistische, verkehrte Seelenbehandlung alle feste Zuversicht auf das Wort und die Verheißungen Gottes und überläßt den Menschen dem Selbstbetrug seines eignen Herzens. Die durch die Bußpredigten erweckte gute Frucht wird durch die gewissenlose Seelenhantierung bald wieder in ihrem Keime erstickt und anstatt eines gesunden, wohlgestalteten Menschen in Christo wird eine Mißgeburt geboren. N. S. — So eben ersieht der Einsender aus No. 14 des „Apologeten“, daß ihm auf seinen „Zuruf an Lutheraner“ 2c. geantwortet worden ist. Diese Antwort gedenkt der Einsender in der nächsten Nummer des „Lutheraners“ als eine neue Probe des methodistischen Geistes dem gen. Leser darzulegen. Unterricht für diejenigen, welche wegen Schwachheit ihres Glaubens angefochten werden. (Genommen aus Nikol. Selneccers Conc. funeb. I. S. 130.) Wenn unser Glaube sich schwächlich in unserem Herzen fühlen läßt, so sollen wir, wie uns Gottes Wort selbst lehret. darauf Achtung geben: 1. daß der Glaube sei Gottes Werk und Gabe, 1 Thess. 3. Joh. 6. 2. Daß wir uns selbst fragen und prüfen, ob wir gern glauben wollen, und wünschen, daß unser Glaube stärker und kräftiger wäre. Wenn der Wille da ist, so ist Gottes Werk und Kraft da. Denn das winzige Wollen ist Gottes Kraft und Wirkung, wie St. Paulus bezeugt, daß Gott auch das Wollen in uns wirke. Darum auch ein schwacher, geringer Wille ist Gottes Werk. 3. Daß wir ansehen den Grund und das Fundament unseres Glaubens, welches nicht ist unser Fühlen, Beschaffenheit, Stärke, Würdigkeit, Werk oder Verdienst; sondern ist das einige Verdienst, Unschuld, Genugthuung, Gehorsam, Leiden, Wunden und Sterben, und das Blut JEsu Christi, welches wir mit unserem Glauben, als durch ein Mittel, Hand und Instrument, ergreifen und fassen und uns zueignen. Freilich wie ein kleines schwaches Kindlein mit seinem schwachen kleinen Fingerlein einen köstlichen Ring ergreift, nicht weniger, als ein großer, starker Simson mit ganzer Faust diesen Ring ergreifen mag; da es doch eben ein einiger Ring ist, der nicht geringert wird durch die Schwachheit des Kindes und nicht gemehret wird durch die Stärke des starken Simsons. Es ist und bleibt Ein Ring, nehmlich Ein Verdienst, Eine Genugthuung für die Schwachen und für die Starken, ja, mehr für die Schwachen, als für die, so sich stark deuchten lassen. 4. Gehört das liebe Gebet aus demüthigem Herzen hieher, nach dem Exempel des betrübten Mannes, der ein armes besessenes Kind hatte und zu dem der HErr sagte: „Wenn du glauben könntest, so würde dir geholfen; denn alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ „Ach HErr, (spricht der bekümmerte Vater und weinet heiße Zähren), ich glaube, komm Du zu Hülfe meinem Unglauben.“ 5. Wissen wir, daß der h. Geist unser Gebet, Seufzen und Thränen selber wirkt und fortsetzt, erwärmt und aufmuntert, daß es inbrünstig dahergehet und durch die Wolken dringt, und Gott die Ohren füllt; wie Paulus Röm. 8. bezeugt, daß der h. Geist unserer Schwachheit aufhelfe und uns vertrete mit unaussprechlichen Seufzern; und wir rufen durch ihn: „Abba, lieber Vater“; darum er ein Geist des Gebets und der Gnade genennet wird, Sach. 12., der Zeugniß gibt unserm Geiste, daß wir Gottes Kinder sind. 6. Haben wir die tröstliche Verheißung, daß Gott der HErr das zerstoßene Rohr nicht zerbrechen und das glimmende Tocht nicht auslöschen wolle. Matth. 12. Wenn wir diese sechs Pünctlein in unseren Herzen erwägen, so können wir durch Gottes Gnade die Anfechtung, die aus der Schwachheit unseres Glaubens kommt, ausstehen und überwinden, und je länger je mehr durch alle Widerwärtigkeit zu unserer Seligkeit kommen. Und also leben wir, also sterben wir, also werden wir selig. Gedruckt bei Weber und Olshausen.