# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 09 18_S13 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Unterſchrift, mit der nun die Bevollmächtigten der Centralgewalt an die einzelnen Regierungen abgingen und überall, wo man nicht vorher ſchon anerkannt hatte, — nichts ausrichteten. Nach Berlin war Baſſermann geſchickt und — zu der Anſicht der dortigen Regierung bekehrt worden. Indeſſen wurde in Berlin die zweite Kammer aufgelöſ't, die erſte vertagt, unter Angabe folgen⸗ der zwei Hauptgründe: weil die zweite Kammer ſich für Annahme der Reichsverfaſſung erklärt und weil ſie Aufhebung des Belagerungsſtandes für Berlin gefordert habe, zwei Maßregeln, die ſich mit dem Wohl des Landes durchaus nicht vertrügen. Auch die ſächſiſche Regierung er⸗ llärte, mit der ganz demokratiſchen und republika⸗ niſchen zweiten Kammer nicht weiter verhandeln zu können, und löste ſie auf. Desgleichen that Hannover. In Bayern wurden die Kammern vertagt und die Vertagung zweimal verlängert. Dazu erklärte das preußiſche Miniſterium nun auf das Beſtimmteſte, daß der König die Kai⸗ ſerwürde und die Frankfurter Verfaſſung nicht annehme, aber geneigt ſei, ſich mit den übrigen Regierungen zu einer deutſchen Verfaſſung zu vereinbaren, der die Frankfurter zu Grund ge⸗ legt werden ſollte. Auch erging wirklich eine Aufforderung hierzu an alle Regierungen. Die Nationalverſammlung aber beſchloß, die Verfaſ⸗ ſung ohne Preußen durchzuführen; ſodann: die Kaiſerkrone dem nächſtmächtigen Fürſten, der die Verfaſſung annehme, zu übertragen. (Damit glaubte man Bayern zu ködern.) Während dem ſchwand die Zahl der Frankfurter Abgeordneten immer mehr; die Oeſterreicher waren von ihrer Regierung abberufen worden, der eine Theil folgte ſogleich, der andere erklärte, ſein Recht zu be⸗ haupten und zu bleiben, aber einer verſchwand nach dem andern. Die Sitzungen wurden nun wieder immer ſtürmiſcher und die Gallerie ſpielte wieder ihr Gemeinheitsrolle wie in den Tagen vor dem Frankfurter Krawall, deſſen Opfer Lich⸗ nowsky und Auerswald geworden. Die Linke beantragte Herſtellung eines Parlamentsheeres und da dies nicht durchging, tobte ſie, und die Männer der Rechten und des Centrums (auch Gagern) konnten die Straße kaum betreten, ohne inſultirt“) zu werden, mitunter auf die ge⸗ meinſte Weiſe. Weil aber die Verſammlung an der Schwindſucht immer mehr zu leiden anfſing (denn auch andere als Oeſterreicher er⸗ klärten immer häufiger ihren Austritt, mitunter in ſtarken Worten gegen den in der Verſammlung jetzt herrſchenden Geiſt), beſchloß man, daß die Verſammlung ſtimmfähig ſein ſollte, wenn auch »nur 150 Mitglieder beiſammen wären, während die volle Zahl über 600 betragen ſollte. Und weil Preußen drei Armeecorps zuſammenzog, eines in der Nähe von Mainz, ſo beſchloß man, aus Furcht, das Parlament möchte geſprengt werden, daß der Präſident das Recht haben ſollte, die Verſammlung zu jeder Zeit und an jeden Ort zuſammenzuberufen. Dabei ging die Agitation für die Verfaſſung in allen Landen fort. In der bayriſchen Rheinpfalz erklärte eine Volksver⸗ *0 angehalten und beſchimpft. D. R. 13 ſammlung die bayriſche Regierung für rebelliſch, weil ſie die Reichsverfaſſung nicht anerkenne, bil⸗ dete einen Landesvertheidigungsausſchuß, und dieſer forderte die Beamten auf, ſchriftlich zu er⸗ klären, daß ſie die Verfaſſung als rechtsgiltig an⸗ erkennten, wo ſie das nicht thäten, ſeien alle ihre amtlichen Handlungen als ungiltig anzu ſehen. In Dresden aber kam es, da der König einen Antrag der Bürgerwehr auf Annahme der Ver⸗ faſſung zurückgewieſen, und als ſie in Parade ausziehen wollte, um die Verfaſſung freiwillig zu beſchwören, ſolches verboten hatte, zu einem Stra⸗ ßenkampf. Der König floh auf den Königſtein, es that ſich eine proviſoriſche Regierung auf, aus den Abgeordneten Tſchirner, Tod und Heubner beſtehend. Preußen zogen der Regierung zu Hilfe und ein ſechstägiger Kampf wüthete in den Straßen Dresdens wir weiland in Saragoſſa. Es waren viele Polen und Franzoſen auf der Eiſenbahn herbeigekommen, ein Ruſſe Bakunin warf ſich zum Dictator auf, die proviſoriſche Re⸗ gierung war nichts mehr und floh; Freiberger Bergleute waren mit kleinen Stücken herbei⸗ gekommen, aus denen ſie nicht mit Kugeln, ſon⸗ dern mit eiſernen Cylindern ſchoſſen; dieſe Leute fingen auch an, gegen das Schloß einen Stollen zu treiben, um dasſelbe in die Luft zu ſprengen, ihr Vorhaben wurde aber dadurch vereitelt, daß man die Keller des Schloſſes ganz unter Waſſer ſetzte. Die werthvolle Kupferſtichſammlung und die koſtbarſten Gemälde wurden vor der Wuth des Feuers und vor den Geſchoſſen nur durch die Entſchloſſenheit des Hofrath Schulz gerettet, der ſein Leben daran wagte. Einzelne Häuſer, wie der römiſche Hof, mußten faſt ganz zuſammen⸗ geſchoſſen werden, dann drang das Militär in den Häuſern vor und umging ſo die Barrikaden. Am 9. Mai hatte man endlich die Aufſtändiſchen von allen Seiten zuſammen und ſo in wilde Flucht gedrängt; ſie warfen ſich nach Freiberg und Chemnitz. In Leipzig hatte es in den erſten Tagen des Mai auch wüſt geſpukt, aber die rei⸗ chen Kaufherrn und wohlhäbigen Bürger daſelbſt merkten bald, worauf es hinaus wolle, und jagten die Wühler davon. So hatte denn auch Dres⸗ den aus Erfahrung lernen müſſen, wie ſichs unter der Herrſchaft des ſüßen Pöbels lebt. Aber in Frankfurt hatte man es dem Könige von Preußen ſehr übel genommen, daß er dem von Sachſen auf deſſen Bitten zu Hülfe gekommen war, und er⸗ klärte ſeine Hilfleiſtung für — Reichsfriedens⸗ bruch. So hatte das Reichsminiſterium auch den zweiten Präſidenten der Nationalverſammlung. Eiſenſtuck, nach der Pfalz geſandt, um den Lan⸗ desvertheidigungsausſchuß dortſelbſt aufzulöſen und zu annulliren, und dieſer — erkannte jenen Ausſchuß unter Bedingungen an und modelte ihn nun in einen „Landesausſchuß zur Vertheidigung der Reichsverfaſſung“ um. Den zum Schutz der Feſtung Landau herbeiziehenden preußiſchen „Reichstruppen“, die von der Centralgewalt ab⸗ geſandt waren, gebot er an der Grenze Wiederum⸗ kehr, weil die Pfälzer großen Zorn über deren Ankunft empfanden, und ſo mußte dieſer Com⸗ miſſär vom Reichsminiſterium wieder ſchleunigſt abberufen werden. Eiſenſtuck ſuchte ſein Ver⸗ halten vor der Nationalverſammlung zu rechtfer⸗ tigen, und dieſe beſchloß, nach wiederholten ver⸗ geblichen Verſuchen des Dreißigerausſchuſſes, doch zuletzt noch die Vereidigung des Reichsheers auf die Verfaſſung, worauf die conſervativen Mit⸗ glieder aus dieſem Ausſchuß und immer mehrere aus der Verſammlung ſchieden. Eine Deputa⸗ tion des Nürnberger Märzvereins hatte eine Reichscommiſſion für Franken verbeten, was zwar verweigert wurde (Vogt ging auf eigene Fauſt hin und rieth Mäßigung, während die berufene Volksverſammlung ſich ſelbſt auf die Verfaſſung beeidigte); aber die Pfälzer Bewegung unter den Schutz der Nationalverſammlung zu nehmen, ward beantragt, als eben die amtliche Zurück⸗ berufung der preußiſchen Mitglieder in Frankfurt eintraf. Mehrere erklärten auch jetzt noch, der Aufforderung nicht zu folgen, allein es ver⸗ ſchwand auch hier wieder einer nach dem andern. Die preußiſche Regierung aber hatte erklärt, daß ſie alles gethan und vieles überſehen habe, um eine Vereinbarung mit der Nationalverſamm⸗ lung zu erzwecken, nun dieſe aber durch jenen Beſchluß, daß Preußen wegen Leiſtung angerufe⸗ ner Hilfleiſtung an eine von der rothen Republik bedrängte Regierung des Reichsfriedensbruchs ſchuldig ſei, ſich in offenbar feindſelige Stellung geſetzt, und alle Schranken ihrer Befugniß über⸗ ſchritten habe, könne man ſie nicht weiter anerlen⸗ nen noch mit ihr verhandeln. Da nun ſpäter die Reichsverſammlung den Pfälzer Aufſtand wirklich unter ihren Schutz nehmen und einen Reichsſtatthalter ernennen will, tritt das ganze Centrum, 90 Mann, auf einmal aus, und die Linke bringt zur Noth noch eine Verſammlung von 150 Gliedern zuſammen, um zu beſchließen, daß das Parlament auch bei einer Anzahl von 100 Gliedern noch beſchlußfähig ſein ſoll. Un⸗ terdeſſen hatte der Reichsverweſer den bisherigen Abgeordneten Gräwell zum Miniſterpräſidenten erwählt, da das Miniſterium Gagern wegen Nicht⸗ annahme ſeines Programms von Seiten des Reichsverweſers ſeine Entlaſſung zum zweitenmal genommen hatte. Das Miniſterium Gräwell aber erhielt bald nach ſeinem Amtsantritt, der mit Gelächter gefeiert ward, ein Mißtrauens⸗ votum von dem Rumpfparlament, erklärte aber, davon nicht berührt zu werden. Während dem war man in der Pfalz immer weiter gekommen, hatte eine proviſoriſche Regie⸗ rung aufgeworfen, die Beſatzungen der Reichs⸗ feſtungen Landau und Germersheim eidbrüchig gemacht und zum „Volk“ herübergezogen, ſo daß in Landau nur 1000 Mann blieben und die wankende Artillerie, von einem Lieutenant Függer verführt, mit Mühe bei ihrer Pflicht erhalten wurde, während die Offiziere ſelbſt den Wacht⸗ dienſt in der Feſtung mit den Soldaten theilten, der Commandant aber die Kanonen auf das Städtchen richtete, und bei einem Angriff eher ſich mit der Feſtung in die Luft zu ſprengen drohte, als daß er ſich ergeben würde. Die Bür⸗ gerſchaft in Landau aber hielt im Ganzen treu⸗ lich zu der Beſatzung. Die Pfalz aber ging eine