# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 09 18_S12 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Verhandlung über das liegende und fahrende Eigenthum, das die Ann⸗Arborer Miſſions⸗Ge⸗ ſellſchaft in Siboying beſitzt, war bald dahin be⸗ endigt, daß uns einſtweilen Gebrauch und Nutz⸗ nießung jenes Eigenthums überlaſſen ſein ſoll, bis die Geſellſchaft etwa anderweitig darüber ver⸗ fügen würde. Ja, es wurde in Ausſicht geſtellt, daß es vielleicht einmal ganz an unſere Synode fallen dürfte, und daß die Gemeinden des Herrn Paſtor Schmidt nicht aufhören würden, die Siboyinger Miſſionsſtation mit ihren Liebes⸗ gaben zu bedenken, die ſie an unſern Caſſirer ein⸗ ſenden würden. Nach ſpäteren Berichten dürfte ſich freilich dies letztere in nächſter Zeit noch nicht beſtätigen, da ein großer Theil der dortigen Ge⸗ meinden mit der nun ſchließlich, formlich und ohne Rückhalt geſchehenen Uebergabe der Miſſions⸗ ſtation Siboying an unſere Synode von Seiten der Ann⸗Arborer Miſſions⸗Committee nicht ſehr zufrieden ſein ſoll. — Das betreffende Colloquium wurde ſeitdem auf einer Conferenz in Siboying durch Bruder Sie⸗ vers mit den Miſſionaren Auch und Mayer ge⸗ halten, hatte die Lehre von der Rechtfertigung zum Gegenſtand und fiel dahin aus, daß uns über die rechtgläubige Geſinnung der benannten Brüder kein Zweifel blieb. Demſelben unterzog ſich auch mit dem gleichen Erfolg der bisherige Miſſions⸗ gehilfe Sinke, der mit Schulhalten und mit ſeiner geſchickten Nadel nach wie vor der dortigen Miſ⸗ ſion treulich und redlich dienen will. Alle drei erklärten förmlich ihren Zutritt zu unſerer Sy⸗ node und ihre freudige Zuſtimmung wie zu unſerer Synodalverfaſſung, ſo zu den ihnen geſtellten Be⸗ dingungen über die Führung der Miſſion. Die von uns bei dieſer Gelegenheit gepflogene Beſichtigung des Siboyinger Miſſionsfeldes er⸗ gab manches Erfreuliche. Die Schule, die von acht hoffnungsvollen Knaben und einigen kleinen Kindern des Dolmetſchers beſucht wird, iſt im guten Zuſtand und mit großer Freude können wir berichten, daß zwei der Knaben ſich wahrſcheinlich zum Studiren eignen werden. Beſonders er⸗ hebend war für uns alle der Beſuch bei einer klei⸗ nen etwa 30 Seelen zählenden Bande, die acht Meilen von dem Miſſionshauſe entfernt wohnt. Sie iſt von Canada eingewandert, woſelbſt ſie eine Beute der Methodiſten geworden war, die ſie, bald nachdem ſie ihre Namen in das lange Verzeichniß ihrer Neubekehrten eingereiht und ihnen auf wilden Camp⸗Meetings ein ſehr ärger⸗ liches Beiſpiel gegeben hatten, gänzlich verſäum⸗ ten und verwahrloſ'ten. Die Siboyinger Miſſio⸗ nare trafen ſie geiſtig und körperlich im erbärm⸗ lichſten Zuſtand. Doch gelang es ihnen durch Gottes Hilfe bald, ihr Vertrauen zu gewinnen, und das von ihnen gepredigte Evangelium wurde von den hungernden Seelen mit großer Freude angenommen. Das ganze Dorf bildete ſich zu einer kleinen Gemeinde, die durch ihren Fleiß und durch willige Befolgung der ihnen von den Miſ⸗ ſionaren gegebenen heilſamen Rathſchläge nun auch im Aeußern auf blüht und herrliche Mais⸗ und Kartoffelfelder beſitzt. Unſer Beſuch erregte ihnen eine herzliche Freude. Als wir ihnen ſag⸗ 12 ten, daß ſie ſich die erbarmende Liebe ihres Hei⸗ landes ſollten treiben laſſen, ein Licht zu werden unter ihren zum Theil noch heidniſchen, zum Theil von den Methodiſten verführten Brüdern nach dem Fleiſch, da erſchallte aus allen Kehlen ein lautes ah! (ja). Schon ſind die Erforder⸗ niſſe zum Bau eines kleinen Kirchleins angeſchafft, aber ſie bedürfen dazu wenigſtens eines ſachver⸗ ſtändigen Baumeiſters, der demnach aus unſerer Caſſe zu miethen wäre. Und damit die Zu⸗ kunft dieſes vielverſprechenden Poſtens geſichert ſei, iſt der Ankauf von 40 Acker Land, die jedoch nur 550.00 koſten würden, unumgänglich noth⸗ wendig. Etwa ſechs Acker würden für Kirche und Schule reſervirt und darauf ſogleich die Kirche gebaut werden. Das übrige würden die India⸗ ner nach und nach abbezahlen, und zum Eigen⸗ thum bekommen. — Auch jenſeits des Sees an Point au gres haben die Miſſionare noch immer eine offene Thür, wiewohl bisher noch keiner der dortigen Indianer ſich hat ins Netz des Evan⸗ gelii fangen laſſen. — Eine zweite Bande verwahr⸗ loſter Methodiſten⸗Indianer, nur ſechs Meilen von Siboying entfernt, hat bereits gebeten, an den Gottesdienſien der Miſſionare Antheil nehmen zu dürfen, da ihr Prediger (2), einer aus ihrer Mitte, der die Schrift nicht einmal leſen, geſchweige ſie ihnen auslegen kann, zu gar keinem rechten An⸗ ſehen unter ihnen gelangen will. — Endlich ſo fehlt zu Siboying auch das liebe Kreuz nicht. Von den freibeuteriſchen Methodiſten haben ſie dort nicht nur eben ſo viel zu leiden, als wir be⸗ reits zu klagen hatten, ſondern ſie haben auch ihre liebe Noth mit dem Häuptling' der Siboyinger Bande ſelbſt, der ſich immer mehr verſtockt und faſt allen Einfluß der Miſſionare auf ſeine zahl⸗ reiche Bande zu nichte macht, die ihrem größeren Theile nach ihnen zwar freundlich zugethan iſt, aber aus Furcht vor dem Häuptling nicht einmal wagt, ihre Kinder zur Schule zu ſchicken. Der HERR, der treue Gott, wolle es walten, daß auch unter dieſen Verblendeten und Gebundenen Sein ſeligmachendes Wort Eingang finde, und die Starken zur Beute davonführe! — IHM, dem Vater aller Barmherzigkeit, der ſich unſerer abermals ſo gnädig angenommen, unſer Arbeits⸗ feld bedeutend erweitert, die Zahl Seiner Knechte am reinen Wort und Sacrament vermehrt und unſern Wirkungskreis inmitten drohender Ge⸗ fahren ſichtlich befeſtigt hat, ſei Lob, Preis, Ehr und Dank. EgR wolle nun auch die Herzen vie⸗ ler Glieder unſerer Synode erwecken und ihnen die Hände reichlich aufthun, da es wohl einleuch⸗ tet, wie ſehr die Bedürfniſſe unſerer Miſſion durch dieſe erfreuliche Erweiterung vergrößert worden ſind, und da die Zuflüſſe von Außen her, nament⸗ lich von unſerm alten Vaterlande, mehr und mehr ausbleiben dürften. — Wie klein wäre erſt noch der alſo bewieſene Dank im Vergleich zu den großen väterlichen Gnaden und Segnungen, die uns der HERR in immer reicherem Maße zu Theil werden läßt. IM allein ſei Ehre. — Zugleich im Namen der Brüder Sievers und Gräbner Au guſt Crämer, lutheriſcher Paſtor zu Frankenmuth. Nachrichten nus der alten Heimath. U. ö (Schluß.) Die Agitation *) für dieſelbe hatte auch allen⸗ halben begonnen. In Preußen hatte ſich die zweite Kammer ſchon bei der Adreßberathung für dieſelbe ausgeſprochen, desgleichen in Bayern, in Würtemberg erklärte die Ständekammer jeden für einen Hochverräther, der etwas gegen die Verfa⸗⸗- ſung unternehme, in Sachſen ſprach ſich auch die zweite Kammer dafür aus, desgleichen in Han⸗ nover. Petitionen für Annahme der Frankfurter RNeichsverfaſſung liefen an alle Regierungen von allen Seiten her die Menge ein, denn man ſehnte 4 ſich allenthalben nach einem endlichen Abſchluh der Dinge, nach einem Ruhe⸗ und Haltpunlt, man beachtete aber nicht, oder wollte nicht beach⸗J ten, welch gefährlichen, faſt ſelbſtmörderiſchen Schritt man damit den Monarchien zumuthete. So lange ſie ſich jetzt noch der Annahme weiger⸗ ten, hatten ſie noch einen Rechtsgrund für ſich, der ihnen wohl widerſprochen, aber nicht wider⸗ legt werden konnte, nemlich, daß die Reichsvet⸗ ſammlung durch „endgiltige“ Beſchließung der Verfaſſung ihre Vollmacht überſchritten habe, denn die Wahlen zur Nationalverſammlung ſeien zu dem Zweck angeordnet worden, „daß dieſelbt in Verbindung mit den Regierungen eine Verfaſ⸗ ſung für das geſammte Deutſchland zu Stande bringen ſollte“. Nahmen die Fürſten aber die zu Frankfurt beſchloſſene Verfaſſung an, die man in aller Eile, ohne auch nur die Einwendungen und Bedenken der Regierungen in öffentliche Bera⸗ thung zu nehmen, decretirt“) hatte, ſo konnten jene (die Fürſten) in aller Ordnung auf verfaſ⸗ ſungsmäßigem Wege bei ausdauerndem Willen (d. h. wenn man die Wühlereien drei Jahre lang im begonnenen Fortſchritt erhalten konnte) beſti⸗ tigt werden, und wollten ſie ſich dann dagegen wehren, ſo waren ſie die Revolutionäre, denn — ſie hatten die Verfaſſung mit dem ſuspenſiven Veto anerkannt. Darum erklärten ſich denn die Regie⸗ rungen von Preußen, Sachſen, Hannover, Bayern gegen die unbedingte Annahme derſelben, in Wür⸗ temberg anfangs der König auch; aber als die Aufregung im ganzen Lande ſtieg, erklärte er die Reichsverfaſſung zwar annehmen, aber „unter das Haus Hohenzollern“4) ſich nie geben zu wollen. Man könne ihn zwar durch Aufruhr zwingen, daß er ja ſage, aber ein gezwungenes Wort könne ihn unter veränderten Umſtänden nicht binden. Da trat auch das Miniſterium von des Königs auf des Volkes Seite, das ganze Land nahm die drohendſte Haltung an und — der Köniz mußte nachgeben. Die Nationalverſammlung zu Frankfurt aber billigte und belobte die Hal⸗ tung des Würtembergiſchen Volkes. Doch hatte der Reichsverweſer ſeine Unterſchrift zu der Auf⸗ forderung an die „renitenten“ Regierungen ver⸗ weigert, die energiſche Aufforderung mußte in ein freundliches Erſuchen umgewandelt werden, und ſo erhielt die Inſtruction des Reichsverweſers *) das ernſtliche Wirken. D. R. *n) feſtgeſetzt. D. R. 1) d. i. Preußen. D. R.