# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 09 18_S10 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) bekennt und durch Einen heiligen Ruf zu Einem himmliſchen Erbe berufen wird.“ (S. Loci th. De eccles. § 34.) Wenn wir jedoch ſagen, daß die wahre Kirche nur Eine ſei, ſo iſt, wie aus Nr. 1. erhellt, unſere Meinung nicht dieſe, als müſſe es irgend eine ſichtbare Gemeinſchaft irgendwo in der Welt geben, welche dieſe Eine wahre Kirche aus⸗ mache. Nein, wir halten feſt, daß die wahre Kirche, wie ſie durch keine Zeit eingeſchloſſen iſt, ſo auch, inſonderheit jetzt in der Zeit des Neuen Teſtamentes, durch keinen Raum, durch kein Land, keine Nation, keinen Namen u. ſ. w. eingeſchloſſen ſei. Unter anderen ſchreibt Luther in ſeiner Aus⸗ legung des 6. — 8. Cap. des Ev. Johannis: „Dieſelbige (Kirche) läſſet ſich nicht auf einen Haufen zuſammenbringen, ſondern ſie iſt zerſtreuet durch die ganze Welt; ſie gläubet, wie ich gläube, und ich gläube, wie ſie gläubet.“ (Ueber Joh. 7, 40.) Keine der einzelnen ſichtbaren chriſtlichen Gemeinſchaften innerhalb der getauften Chriſten⸗ heit, in welchen die Lehre der wahren Kirche in Predigt und Praxis im Schwange geht, halten wir daher für die Eine heilige allgemeine chriſt⸗ liche Kirche, ſondern für bloße Particularkirchen, d. h. für Theile oder Zweige der Kirche. So gern wir es aber zugeſtehen, daß die Kirche aus vielen verſchiedenen Theilen beſteht, ſo können wir doch nimmer glauben, daß es mehrere Kirchen gebe von verſchiedenem Glauben. Was daher ſolche ein⸗ zelne ſichtbare chriſtliche Gemeinſchaften betrifft, in welchen man zwar das Wort Gottes und die heiligen Sacramente weſentlich behält, welche ſich aber deswegen abgeſondert und abgeſchloſſen haben, weil ſie eine oder mehrere Lehren der wahren all⸗ gemeinen chriſtlichen Kirche nicht annehmen wol⸗ len und hingegen gewiſſe dem allgemeinen chriſt⸗ lichen Glauben widerſtreitende Irrthümer ange⸗ nommen haben und hartnäckig und halsſtarrig trotz aller Vermahnung feſthalten, von ſolchen glauben wir zwar, daß auch ſie mitten in der wahren Kirche ſich befinden, auch daß einige, ja vielleicht viele darin befindliche Seelen Glieder am Leibe IEſu Chriſti ſind, alſo zur wahren Kirche gehören, aber die Gemeinſchaften ſelbſt können wir als ſolche nicht für Particularkirchen, nicht für Theile oder Zweige der wahren Kirche erken⸗ nen, ſondern wir müſſen ſie nach Gottes Wort für irrgläubige Gemeinſchaften oder Seeten in der Kirche anſehen. Denn alſo ſchreibt St. Paulus: „Ich ermahne aber euch, lieben Brüder, daß ihr aufſehet auf die, die da Zertrennung und Aergerniß anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denſelbigen.“ Röm. 16, 17. Ferner ſchreibt Petrus: „Wie auch unter euch ſein werden falſche Lehrer, die neben einführen werden verderbliche Seeten und verleugnen den HErrn, der ſie erkauft hat.“ 2 Petr. 2, 1. Daher ſchreibt Luther: „Wohlan, der Pabſt ſpricht, er ſei die chriſtliche Kirche; da ſagen wir Nein zu, ob ihr wohl etliche ſind unter dem Pabſtthum, die in die chriſt⸗ liche Kirche gehören, gleichwie auch unter den Türken, in Frankreich und Engelland viel ſind, die zu der chriſtlichen Kirche gehören: ſie ſind getauft, halten das Evangelium, gebrauchen der 10 Sacramente recht, und ſind rechte Chriſten. Daß ſie aber uns jetzt verdammen, und ſagen, unſere Lehre ſei nicht recht, und ſich dagegen weiß bren⸗ nen, und mit ihren Geſetzen, Gedichten, Brüder⸗ ſchaften und guten Werken ſich rechtfertigen und ſagen, wer dieſelbigen halte, der ſei ein rechter Chriſt und ſei die rechte chriſtliche Kirche: da ſpre⸗ chen wir Nein zu. Das laſſen wir wohl und laſ⸗ ſens geſchehen, daß ſie ſind in der chriſtlichen Kirche, aber ſie ſind nicht die rechten Glieder der Kirche; ſie haben wohl den Predigtſtuhl, die Taufe, das Pfarramt, Sacrament, und ſie ſind drinnen in der Kirche, aber nicht rechtſchaffen. So mußt du nun unterſcheiden die rechte chriſtliche Kirche, die in der Wahrheit die Kirche iſt, von der Kirche, die da will die Kirche ſein, und iſts doch nicht. Die falſche Kirche hat alleine den Schein, hat aber gleichwohl die chriſtlichen Aem⸗ ter.“ (Ibidem.) Freilich iſt es nun nicht zu leug⸗ nen, daß es auch keine Particularkirche gibt, die nicht Glieder hätte, welche von Irrthümern und zwar zuweilen von vielen und ſchweren Irrthü⸗ mern gefangen ſind, wie wir dies an den Gemein⸗ den zu Corinth und Galatien im apoſtoliſchen Zeitalter erſehen. Der Apoſtel, der an ſie ſchreibt, beſtraft an denſelben nicht geringe Irrthümer und dennoch nennt er beide „Gemeinden“ (Kirchen), und die zu Corinth ausdrücklich eine „Gemeinde Gottes“. (1 Cor. 1, 2.) Man darf aber daraus nicht den Schluß machen, als ſei ſo nach zwiſchen einer Particularkirche und einer angeblichen Secte kein Unterſchied. Das ſei ferne! Zwiſchen beiden findet derſelbe Unterſchied ſtatt, wie zwiſchen einem aus Schwachheit Irrenden und einem Ketzer. Auch ein Nathanael ohne Falſch (Joh. 1, 47.) kann ſchwer irren, er iſt aber darum kein Hyme⸗ näus und Philetus, von denen es heißt: „Ihr Wort frißt um ſich wie der Krebs, welche der Wahrheit gefehlt haben und haben auch etlicher Glauben verkehret.“ (2 Tim. 2, 17.) Jeder Chriſt hat noch ſein Theil Irrthum, aber er iſt bereit, denſelben fahren zu laſſen, und darum iſt er eben bei ſeinem Irrthum kein Ketzer, denn von den Ketzern heißt es: „Einen ketzeriſchen Menſchen meide, wenn er einmal und abermal ermahnet iſt, und wiſſe, daß ein ſolcher verkehrt iſt und ſündiget, als der ſich ſelbſt verurtheilt hat.“ Tit. 3, 10. 11. Daher ſchreibt Luther: „Wie St. Auguſtinus von ſich ſpricht: Errare potero, haereticus non ero: ich mag irren, aber ein Ketzer will ich nicht werden. Urſach, Ketzer irren nicht allein, ſondern wollen ſich nicht weiſen laſſen, vertheidigen ihren Irrthum für recht und ſtreiten wider die erkannte Wahrheit und wider ihr eigen Gewiſſen. Aber St. Auguſtinus will ſeinen Irrthum gern beken⸗ nen und ihm ſagen laſſen. Darum kann er kein Ketzer ſein, wenn er gleich irrte. Alſo thun alle andere Heilige auch, und geben ihr Heu, Stroh und Holz (1 Cor. 3, 12.) gern von ſich ins Feuer, damit ſie auf dem Grunde der Seligkeit bleiben. Wie wir (Luther) auch gethan haben und noch thun.“ (Luthers Schrift von Conciliis und Kir⸗ chen. Werke. Hall. A. XVI, 2664.) Dieſelbe Bewandniß nun, welche es mit dem irrenden Chri⸗ ſten und dem Ketzer hat, hat es, wie geſagt, auch — mit der (rechtgläubigen) Particularkirche und der! Secte. Die erſtere irrt wohl auch, wie die Corin⸗ ther und Galater, aber läßt ſich weiſen; die Setn hingegen irrt hartnäckig und halsſtarrig, läßt ſich nicht weiſen, gerade ihre Irrthümer haben ihr ihr beſonderes von der rechigläubigen Kirche ab⸗ 1 geſchloſſenes Beſtehen gegeben, ſie hat ſich in ihrem Irrthum verhärtet und verſtockt, ſie kämpft darum als um ihr Leben und um ihr Kleinod. Wir können nicht umhin, auch hierüber unſeren Luther reden zu laſſen; derſelbe ſchreibt nemlich: „Wobei ſollte man ſonſt Unterſchied nehmen, welches die 1 rechte Kirche Chriſti und welche des Teufels Kirche ſei, ohne bei dem Gehorſam und Ungehorſam ge⸗ gen Chriſtum; ſonderlich ſo der Ungehorſam öf⸗ fentlich erkannt und verſtanden, ſich frevelich und frechlich entſchuldigt und recht haben will? Denn die heilige Kirche ſündiget und ſtrauchelt oder iret A auch wohl, wie das Vater unſer lehrt; aber ſie vertheidiget, noch entſchuldiget ſich nicht, ſondem bittet demüthiglich um Vergebung, und beſſert ſich, wie ſie immer kann: ſo iſt's ihr vergeben; daß alsdann ihre Sünde nicht mehr Sünde gerechnet wird. Wenn ich nun bei dem Gehorſam und verſtockten Ungehorſam nicht ſoll erkennen, noch unterſcheiden die rechte Kirche von der falſchen,ſo weiß ich von keiner Kirche mehr zu ſagen. So mag man darnach alle Ketzer, alle Rotten und Secten, ſo Chriſto frevelich ungehorſam ſind, mit allen Ehren auch die heilige Kirche heißen; denn ſie nichts ärger ſind, weder des Pabſtes Kirche iſt, ſo anders freveler Ungehorſam wider Gott nichts ſchadet. Wiederum iſt die päbſtliche Kirche nichts beſſer, weil ſie ebenſowohl Gott halsſtarriglich un⸗ gehorſam iſt und ſeine Worte freventlich verkehret und dazu noch recht haben will, als ſonſt keine anderen Notten und Ketzer. Und will zuletzt das die Summa werden, daß auf Erden weder Kirche noch Ketzer mehr ſein mögen. 1 Denn womit wollen wir beweiſen, daß dieſe oder jene Rotte Ketzer ſind? Sagen wir: damit, daß ſie Gott frevelich ungehorſam ſind und ſeine Worte dürſtiglich verkehren; ſo können ſie ſagen: thuts ! doch die päbſtliche Kirche auch und wohl mehr, denn wir, und will dennoch recht haben und die heilige Kirche ſein; iſt's ihr recht, ſo iſt's uns auch recht.“ der Winkelmeſſe vom Jahr 1534. Werke XIX, 1579.) Anderwärts ſchreibt Luther: „Sie unter⸗ ſcheiden nicht, irren und im Irrthum bleiben.! Irren ſchadet der Kirche nichts; aber im Irrthum bleiben, das iſt unmöglich; wie Chriſtus ſpricht (Matth. 24, 23.), daß auch die Auserwählten in Irrthum geführet würden, wo es möglich wäre.“ (Schrift von der Winkelmeſſe und Pfaf⸗ fenweihe vom Jahr 1533. Ib. 1515. ö 3. Nachdem wir nun unſer Glaubensbekennt⸗ niß gethan haben, was wir unter der Kirche, fer⸗ ner unter einer Particularkirche und unter einer Secte verſtehen, und inwiefern wir annehmen, daß die Kirche nur Eine ſei, ſo erklären wir nun weiter, daß wir Lutheraner uns zu keiner an⸗ deren, als eben zu der beſchriebenen alten Einen heiligen chriſtlichen und allgemeinen Kirche beken⸗ nen. Es iſt Luthern nicht eingefallen, eine neue (Luthers Brief wegen ſeines Buchs von