# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 09 04_S7 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) keine andere Frucht ſchafft, als die, daß Solche das Zeugniß empfangen haben und ſich daher am Tage des Gerichts mit der Trägheit der Luthe⸗ raner des neunzehnten Jahrhunderts nicht wer⸗ den entſchuldigen können, die ſie habe in ihrem Wahn ſchlafen laſſen. ö Glaube der kleinen Kindlein. Wir wollen doch ſehen die Urſache, warum ſie die Kinder nicht gläubig halten. Sie ſprechen, weil ſie noch nicht zur Vernunft ſind komnien, mögen ſie Gottes Wort nicht hören. Wo aber Gottes Wort nicht gehört wird, da kann kein Glaube ſein, Röm. 10.: Der Glaube kommt durchs Hören, das Hören kommt durch Gottes Wort ꝛc. . — Sage mir, iſt das auch chriſtlich geredt, alſo von Gottes Werken urtheilen nach unſerm Dünken? Die Kinder ſind nicht zur Ver⸗ nunft kommen, darum könnten ſie nicht gläuben? Wie? wenn du durch ſolche Vernunft wäreſt ſchon vom Glauben kommen, und die Kinder durch ihre Unvernunft zum Glauben kommen? Lieber, was Gutes thut die Vernunft zum Glauben und Gottes Wort? Iſt's nicht ſie, die dem Glauben und Wort Gottes aufs Höchſte widerſtehet, daß Niemand für ihr zum Glauben kann kommen, noch Gottes Wort leiden will, ſie werde denn geblendet und geſchändet, daß der Menſch muß ihr abſterben und gleich werden ein Narr, und ja ſo unvernünftig und unverſtändig als ein jung Kind, ſoll er anders gläubig werden und Gottes Gnade empfangen. Wie Chriſtus ſpricht Matth. 18.: Es ſei denn, daß ihr euch umkehret, und werdet wie die Kinder, ſo werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wie oft hält uns Chriſtus für, daß wir zu Kindern und Narren werden müſſen, und verdammt die Vernunft. Dazu ſage mir, wo bleibt die Vernunft des Chriſtgläubigen, wenn er ſchläft, ſo doch ſein Glaube und Gottes Gnade ihn nimmer läſſet? Kann hie der Glaube ohne Zuthun der Vernunft bleiben, daß ſie es nicht gewahr wird, warum ſollte er auch nicht anfahen in den Kindern, ehe die Vernunft darum etwas weiß? Item, ſo möcht' ich auch ſagen von allen Ständen, darin ein Chriſte lebt und etwas arbeitet, oder ſonſt zu ſchaffen hat, daß er des Glaubens und Vernunft nicht gewahr wird, und doch darum der Glaub nicht abläſſet. Gottes Werk ſind heimlich und wunderbarlich, wo und wenn er will; wiederum auch offenbarlich genug, wo und wenn er will: daß uns darüber zu urtheilen zu hoch und zu tief iſt. Damit wollen wir aber das Predig tamt nicht haben geſchwächt oder niedergelegt. Denn freilich auch Gott nicht predigen läſſet um des ver⸗ nünftigen Hörens willen, ſintemal da keine Frucht aus kommt; ſondern um des geiſtlichen Hörens willen, welches auch die Kinder haben, ſo wohl und beſſer, denn die Alten. So hören ſie ja auch das Wort. Denn was iſt die Taufe anders, denn das Evangelium, dazu ſie gebracht werden? Wiewohl ſie das einmal nur hören, ſie hörens aber deſlo kräftiger, weil Chriſtus ſie aufnimmt, der ſie hat heißen bringen. Denn die Alten haben 7 hie ein Vortheil, daß ſie oft hören und wieder daran denken mögen. Doch gehet es auch mit den Alten alſo zu im geiſtlichen Hören, daß es nicht durch viel Predigt eingehet; ſondern es mag einmal treffen in einer Predigt, ſo hat ers genug ewiglich. Was er darnach höret, da höret er ent⸗ weder, dasſelbe Erſte zu beſſern, oder wieder zu verderben. Haben ſie (die Kinder) das Wort nicht gehöret, dadurch der Glaube kommt, wie es die Alten hören, ſo hören ſie es aber wie die jungen Kind⸗ lein. Die Alten faſſen's mit Ohren und Ver⸗ nunft, oft ohne Glauben. Sie aber hören's mit Ohren, ohne Vernunft und mit Glauben. Und der Glaube iſt ſo viel näher, ſo viel weniger die Vernunft iſt, und ſtärker der iſt, der ſie herzu bringet, denn der Wille iſt der Alten, die von ihnen ſelbſt kbommen. — (Luthers Kirchenpoſtille Dom. III. p. Epiph.) (Eingeſandt.) Politiſches. Der „Lutheraner“ hat ſeinen Leſern lange keine Nachrichten aus dem Gebiet der Politik gebracht, und ſcheint ſein Verſprechen beinahe vergeſſen zu haben. Wir wollten ihn gelegentlich daran erin⸗ nert haben und freundlich bitten, ſeine Berichte fortzuſetzen; denn wenn wir auch die Begeben⸗ heiten aus politiſchen Blättern erfahren können, ſo liegt uns doch gerade daran das meiſte, wie ſie von einem lutheriſchen Chriſten anzuſehen und zu beurtheilen ſind. Der Lutheraner hat in Beur⸗ theilung der neueſten europäiſchen Ereigniſſe eine viel würdigere, ſolidere und ſchriftgemäßere Stel⸗ lung behauptet, als die meiſten andern Blätter der hieſigen religiöſen Preſſe. Ich kann es nun bei dieſer Gelegenheit nicht unterlaſſen, mit ein paar Worten auf die letzten Ereigniſſe in Rom hinzuweiſen. Dieſe ſeit länger denn einem Jahr⸗ tauſend von geiſtlichem Despotismus geknechtete Stadt, mit dem Thron des Antichriſts in ihrer Mitte, die ihre längſt untergangene Größe und Berühmtheit nur noch ſpärlich mit dem ſchim⸗ mernden Blendwerk päbſtiſcher Hierarchie deckte, dieſe Stadt erwachte plötzlich wie ein Löwe aus dem Schlaf, ſchüttelte die längſt gewohnten Feſ⸗ ſeln ab, verjagte den Pabſt und erklärte ihn ſeiner weltlichen Macht für verluſtig. Wohl waren ſchon manchmal in früheren Zeiten die Päbſte aus ihrer Reſidenz vertrieben worden, allein aus ganz an⸗ dern Gründen, als jetzt. Diesmal war die eigentliche Urſache ſeiner Vertreibung der aller⸗ dings proteſtautiſche Grundſatz, daß geiſtliche und weltliche Macht nicht mit einander verbunden ſein dürfen, daß dem Pabſt, als dem Biſchof zu Rom, wohl zukomme, ſeine Kirche zu regitren, aber nicht den Staat. Dies zeugt von einem ungeheuren Umſchwung in den Ideen des römiſchen Volkes, ſei es nun, daß er durch Einfluß des echten Pro⸗ teſtantismus, oder durch die zerſtörenden Tenden⸗ zen einer Art Deutſch⸗Katholicismus bewirkt wor⸗ den iſt. Kurz alle Proteſtanten waren wohl bei dieſen Ereigniſſen in Rom aufs tiefſte intereſſirt, wie * dieſelben mit den Weiſſagungen der heiligen Schrift vom Pabſtthum in Uebereinſtimmung zu bringen ſein. Die alte lutheriſche Kirchenlehre iſt ganz einfach die: der Pabſt muß bleiben bis ans Ende, bis zur Wiederkunft Chriſti zum Ge⸗ richt, ob er wohl durch die Reformation Lutheri einen tödtlichen Streich empfangen hat, und nun, ſo zu ſagen, immer in Todeskrämpfen liegt; aber bleiben muß er, was er iſt, eine geiſtliche und weltliche Macht, bis zur Wiederkunft Chriſti. Unſere alten Theologen begründeten dieſe Anſicht mit 2 Theſſ. 2, 8.: „Und alsdann wird der Bos⸗ haftige geoffenbaret werden, welchen der HErr umbringen wird mit dem Geiſt ſeines Mundes, und wird ſeiner ein Ende machen, durch die Er⸗ ſcheinung ſeiner Zukunft.“ Hätte nun der Pabſt jetzt wirklich ſeine weltliche Macht auf immer ver⸗ loren, ſo hätte er aufgehört der rechte Antichriſt zu ſein, weil die Vereinigung der geiſtlichen und weltlichen Macht das charakteriſtiſche Merkmal desſelben iſt. Dies wäre offenbar gegen die Weiſ⸗ ſagung der Schrift. Ich ſetze voraus, daß den Leſern bereits bekannt ſein wird, daß Rom nach einem verzweifelten Widerſtand ſich endlich den Franzoſen hat ergeben müſſen, und durch dieſe gezwungen worden iſt, den Pabſt nicht blos als ſeinen geiſtlichen, ſondern auch als ſeinen welt⸗ lichen Herrn anzunehmen. Es iſt ſonach die alt⸗ lutheriſche Kirchenlehre durch dieſe Wendung der Ereigniſſe in Rom aufs neue beſtätigt. Man weiß es, zu wie viel ſchwärmeriſchen Ideen und Schlüſſen von der Entwickelung der in der Of⸗ fenbarung Johannis geweiſſagten Ereigniſſe die zeitweilige Vertreibung und Demüthigung des Pabſtes verleitet hatte. Die lutheriſche Lehre wird auch in ihrer Eſchatologie, (Lehre von den letzten Dingen) das Silber ſein, das eine ſiebenfache Feuerprobe aushält und jedesmal bewährter her⸗ vorgeht. Höchſt merkwürdig iſt nur noch dies, wie wun⸗ derbar die Hand Gottes in dieſes Ereigniß ein⸗ gegriffen hat. Niemand hatte es geglaubt, daß dem Pabſt ſeine weltliche Gewalt durch ein Volk würde zugeſtellt werden, welches ſelbſt kurz vorher das Joch abgeſchüttelt und ſich für ein freies Volk erllärt hatte. Hätte man wohl eher denken ſollen, die Tiber müſſe ihren Lauf ändern und nach Rom zurückgehen, als daß der Pabſt durch die Franzoſen ſollte nach Rom zurückgeführt werden. Es iſt dies ſo etwas unerhörtes, aller menſchlichen Erwartung ſo total widerſprechendes, daß man offenbar die Regierung des höchſten HErrn im Himmel darin ſehen muß. Die Schrift ſollte er⸗ füllt werden, und damit Gott ſeine Macht deſto mehr erzeige, ſo mußte ſie gerade durch die erfüllt werden, von welchen man es zuvor für unmöglich gehalten hätte. Ueberhaupt ſieht man auch aus dem Ausgang der Revolution in Deutſchland recht deutlich, daß die Geſtalt der Dinge zu än⸗ dern, alte Inſtitutionen niederzuwerfen und neue aufzubauen und den Geſchicken der Völker eine andere Wendung zu geben, nicht Sache des Thons, ſondern des Töpfers, nicht des ohnmäch⸗ tigen menſchlichen Willens, ſondern des abſoluten Herrſcheramts Gottes iſt. Die armen Titanen