# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 09 04_S6 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) bung, von Zorn oder Gnade Gotites gehört, und am allerwenigſten, in welcher Beziehung die hei⸗ lige Taufe dazu ſtehe. — Kaum eine halbe Stunde ſpäter und eben erſt wieder in mein Haus einge⸗ treten, wurde auch mein lieber kleiner Wilhelm von der Cholera ergriffen. Bei Manchem war ich ſchon während des ganzen Verlaufs der Krankheit bis zum Tode geweſen, aber Keinen hatte ich noch ſo leiden geſehen, als dieſes arme Kind. Als der Kranke gegen ein Uhr in der Nacht etwas ruhiger wurde, mußte ich mich ein kleines Stündchen zu⸗ rückziehen, indem meine Kräfte den übermenſch⸗ lichen Anſtrengungen der letzten Wochen wichen. Hierauf blieb ich eine kurze Zeit allein bei dem Knaben, der jetzt fortwährend laut und deutlich ſprach, als mit Vater, Mutter, ſeinen Geſchwi⸗ ſtern ꝛc. Eine Zeitlang hörte ich ſeinen durchaus zuſammenhängenden Reden zu, worauf ich in an⸗ dere Gedanken verſank, bis ich durch das Wort „getauft“ wieder aufmerkſam auf ihn wurde. Mein Erſtaunen war groß, als ich die Worte von ihm hörte: „— — getauft, nun ſind mir alle meine Sünden vergeben!“ Nach einigen anderen Worten ſagte er wieder: „ich und Davidle und noch mehr (das andere kleine Kind) ſind getauft, nun ſind ſie alle, alle vergeben!“ Kurz darauf traten zwei liebe Glieder meiner Gemeinde, Herr Claus und Herr Steinmann, die mir in Pflege des Kranken Hülfe leiſteten, wieder in das Zimmer. Sie vernahmen von mir mit großer Verwunde⸗ rung das Gehörte. Auf ihre Ermahnung, mei⸗ ner ſelbſt doch etwas zu ſchonen, zog ich mich um 4 Uhr wieder zurück. Allein an Ruhe war wenig zu denken. Um halb nach 5 trat ich wieder zu dem Kranken, der jetzt in dem bei dieſer Krankheit dem Tode faſt immer unmittelbar vorangehenden Schlummer lag. Claus und Steinmann erzähl⸗ ten mir jetzt, wie die letzten Reden des Kindes länger als fünf Minuten ſich faſt einzig auf die durch die heilige Taufe erlangte Gnade Gottes in Chriſto IEſu bezogen hätten. Deutlich entſannen ſie ſich inſonderheit der Worte: „Ich hab' Einen gefunden, der alle meine Sünden weg⸗ genommen hat. Heinrich (der älteſte Bruder — ſoll aber wohl ein anderer geweſen ſein!) will mir es (wahrſcheinlich das geſchenkte Gut der Gerech⸗ tigkeit Chriſti) wieder nehmen; aber nein, nein! ich wills behalten, ich brauchs ſelbſt.“ Der Worte „gefunden“ und „weggenommen“ habe ich mich nie gegen das Kind bedient: ſie ſind ihm durch den Heiligen Geiſt, der ſich zu den von mir ge— redeten Worten Gottes bekannt hat, gepredigt. — Un 6 Uhr ging die Seele des Kindleins über zum Schauen deſſen, was ſie hier, wenn auch erſt ſeit wenigen Stunden, ſo doch in einem feſten Glau⸗ ben erfaßt hatte. Gelobet ſei der HERR, der jetzt noch immer in und durch ſeine Kirche größere Zei⸗ chen und Wunder thut, als Er einſt in der Heilung der Kranken ꝛc. gethan. Ich fühle mich gedrungen, dieſe merkwürdige Erfahrung von der Kraft der heiligen Taufe zur Oeffentlichkeit zu bringen, nicht um der Un⸗ gläubigen und Taufperächter willen, die ja mit ſehenden Augen doch nicht ſehen, und mit hören⸗ den Ohren doch nicht hören; ſondern um dei 6 Gläubigen willen, die durch Gottes Gnade auf das bloße Wort Gottes hin glauben, auch ohne zu ſehen, die aber wohl alleſammt täglich Urſache haben, über die Schwachheit ihres Glaubens zu klagen. Sie möchte ich dadurch reizen, ihre klei⸗ nen Kindlein ſo viel freudiger im Gehorſam des göttlichen Wortes zur Taufe zu bringen mit brün⸗ ſtigen Gebeten, die erlangte Taufgnade, trotz allen Einſprüchen der menſchlichen Vernunft, vom zar⸗ teſten Alter an durch das Wort unſeres Gottes in den Kindlein zu nähren, ſowie auch in allen eignen Anfechtungen und großen Seelennöthen deß ſich zu getröſten: Ich bin ja getauft! Da habe ich den HErrn Chriſtum angezogen! Da iſt Ver⸗ gebung der Sünden, Erlöſung von dem Tod und Teufel, und die ewige Seligkeit gewirket und ge⸗ geben mir, mir, der ich glaube den Worten und Verheißungen Gottes! Auguſt Selle, Paſtor. Zur Beſtätigung des Obigen haben auch wir gern unſere Namen unterzeichnen wollen, der Hoffnung, daß Gottes unſeres Heilandes Ehre dadurch gefördert werde. Auguſt Claus. Chriſtian Steinmann. Chicago, den 16. Auguſt, A. D. 1849. (Eingeſandt von P. Röbbelen.) Gottloſe Lehre kann nicht beſtehen, wenn ſie bei der Menge keinen Beifall findet, wie Pf. 73, 10. bezeugt; das Zeugniß der Wahrheit bedarf aber ſolches Beifalls nicht, weil es einen ewigen Grund hat in Gott dem §ERRN. Der „Lutheraner“ geht ein halbes Jahrzehend zu den Gliedern der Kirche Chriſti, welche Eine iſt zu allen Zeiten, grüßend aus, um ſie zu ſtärken nach dem Befehl des HERRN in dieſen letzten böſen Zeiten gegen die Verführung zum Un⸗ und Irrglauben, die namentlich in einem Lande, wo auch der Satan die allgemeine Freiheit zu ſeinem Nutzen und der Seelen Schaden reichlich aus⸗ beutet, mehr oder weniger an allen, auch den ent⸗ legenern Wohnplätzen von dieſem Feinde des Frie⸗ dens in Gott und Seiner ewig gleichen, unge— theilten und unvermiſchten Wahrheit bereitet wird. Es iſt dies wahrlich ein Beweis von großem Glau⸗ ben; denn wenn man an die Zeit denkt, wo das kleine Häuflein der redlichen Bekenner ihres HErrn mit dieſem Gruß zuerſt hervortrat, ſo wäre es der berechnenden Vernunft noch nicht ſo unge⸗ reimt, mitten unter dem von Demetrius erregten Haufen zu Epheſus (Ap. Geſch. 19, 28.) während ſeines götzendieneriſchen Geſchreis zu Worte zu kommen und den Apoſtel Paulus zu vertheidigen, als da, wo die Vermengung verſchiedener Lehren unter dem ſchrecklich gemißbrauchten Namen Union freilich nicht durch Staatsgeſetze geboten, aber durch die weit größere Tyrannei der Mode und Anklänge an hochgefeierte politiſche Verhält⸗ niſſe in dem Gemeingeiſte einer mächtigen Nation herrſchend geworden war, die Vertretung der reinen lutheriſchen Lehre, d. h. der unverkümmerten und unvermengten Einen Rede von Chriſto (vergleiche 1 Cor. 1, 10.), zu unternehmen. Weil es aber im Glauben geſchehen iſt, ſo hat der HERR, der Seiner niemals ſpotten läßt, auch dieſe That über den Spott der auf ihre Maſſen trotzenden Diener der Zeit und Gefangenen des Zeitgeiſtes ſiegen laſſen, wenn auch nicht durch große Zahl (denn Zahlen entſcheiden nicht im Reiche Got⸗ tes), doch um ſo herrlicher durch ein volles Maß geiſtlicher Gaben und innerer Kräftigung der in Seinem Namen berufenen Gemeinen. Freilich dauern deſſenungeachtet die Anfeindungen der Wahrheit fort; aber bleiben ihre Bekenner nur eingedenk der ernſten Mahnung des Heiligen Gei⸗ ſtes 2 Joh. 10., ſuchen ſie ſich nur auch darin von der Welt unbefleckt zu behalten, daß ſie mit Sol⸗ chen, welche Menſchen zu gefallen je nach Maß⸗ gabe der Umſtände die Lehre von Chriſto weiter und enger ſpannen und in der Auffaſſung deut⸗ * licher Ausſprüche der heiligen Schrift eine ſolche unchriſtliche Freiheit einräumen, daß ſie dieſelben eben ſo gleichgültig leugnen wie annehmen laſſen, die Glaubensgemeinſchaft aufheben: ſo hat es mit allem Widerſpruch keine Noth, mag er noch ſo fein und gewandt und im Namen eines noch ſo großen Haufens erhoben werden. So wenig es ja Jeden, der ſich im Glauben zu den Apoſtern geſellt, befremden kann, daß er wie ſie nicht bloß Juden und Heiden zu Gegnern hat, ſondern auch ſolche, die unter dem Namen Chriſti gegen die apoſtoliſche, unter dem Namen Pauli gegen die Petriniſche und unter dem Namen Petri gegen die Pauliniſche Predigt mit dem falſchen Vor⸗ geben ſtreiten, daß Paulus und ſeine Mitapoſiel untereinander, und die Apoſtel von dem HErrn Chriſto in ihrer Predigt abweichen, mit einem Wort: falſche Brüder, d. h. ſolche, die ſich Chri⸗ ſten nennen, ohne es zu ſein, Chriſtum bekennen, ohne ſein Wort dann gelten zu laſſen, wenn es in ihren Kopf und Kram nicht paßt, — daß er ſichs gefallen laſſen muß, außer den Papiſten, den Erz⸗ feinden der Kirche Chriſti, auch diejenigen, welche er als Proteſtanten ſo gern mit der Kirche eben ſo kräftig für jedes Wort Gottes wie gegen das Pabſt⸗ thum zeugen hörte, unter den Feinden zu ſehen; ſo wenig braucht er ſich dadurch in dem Frieden ſtören zu laſſen, den er im Glauben hat, weil er weiß, daß nicht ſein Glaube und Bekenntniß, noch weniger die Menge derer, welche glauben und be⸗ kennen, ſondern daß die Verheißung des HERRN die Kirche und ihn in und mit der Kirche trägt, daß auch er nicht ſtreitet, wenn er für die Kirche das Schwert des Wortes zieht, ſondern der Joſua, welcher die Mauern ſtürzt ohne Hand, der Gideon, welcher die Feinde jagt ohne die Vielen, welche von ihm weichen, der Simſon, welcher die Phi⸗ liſter ſchlägt mit einem Eſelskinnbacken, und der David, welcher den Gewappneten ohne Helm und Panzer im Namen Gottes darniederſtreckt. Am allerwenigſten iſt es für das Beſtehen der lutheriſchen Kirche von irgend einer Bedeutung, daß ſie trotz der ruhigſten und ſchlagendſten Ver⸗ theidigung ihrer Lehre, wie ſie fort und fort duuch den „Lutheraner“ geſchieht, bei denen, welche ent⸗ weder aus Vorurtheil oder Fleiſchesliebe oder böſem Hochmuth und Widerſtreben gegen dit Wahrheit von ihren Irrthümern nicht abſiehen,!