# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 04 19_S67 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 67 kaiserl. Schwester Constantia auf diese Dame einen großen Einfluß, und brachte sie mehr und mehr zu der Ueberzeugung, daß dem Arius Unrecht geschehen sei. Constantia entdeckte dies ihrem Bruder, dem Kaiser, von dem sie innigst geliebt wurde, und ließ sich noch auf ihrem Todbette das Versprechen von ihm geben, daß er das geschehene Unrecht wieder gut machen wolle. Hätte nun Constantin so einen treuen Seelsorger und väterlichen Rathgeber um sich gehabt, wie späterhin ein Churfürst Johann der Beständige an seinem treuverehrten und geliebten Luther hatte, so würde er ohne Zweifel in dem neuen Sturmwind der Versuchung, welche jetzt über ihn kam, fester gestanden haben. Allein leider war der, in der Prüfung der Geister vielleicht noch wenig erfahrene Kaiser gerade damals von mehreren Semi-arianischen Bischöfen umgeben, worunter auch jener andere Eusebius von Cäsarea gehörte.*) Diese Leute gaben sich alle ersinnliche Mühe, den Kaiser zu überreden, daß der ganze Kampf gegen den Arius im Grunde doch nichts Andres, als ein leerer Wortstreit gewesen sei, wobei Arius selbst die göttliche Würde des HErrn Christi niemals verleugnet habe. *) Diese Semi-, oder halben Arianer lehrten zwar nicht, wie Arius, daß der Sohn eine Creatur sei; sie wollten aber auch nicht mit dem Nicänischen Symbolum bekennen, daß er gleiches Wesens mit dem Vater (homousios), sondern blos ähnlichen Wesens (homoiusios) sei. So schmuggelten sie hinterlistiger Weise mit einem einzigen hinzugesetzten Buchstaben wiederum einen neuen falschen Sauerteig ein, der abermals den ganzen Teig hätte versäuern können. — Wie wenig Christen glauben noch heute, was Galat. 5, 9. ꝛc. geschrieben steht! Und so geschah es, daß der Kaiser schwach wurde, und einen Eusebius von Nikomedien und die andern Verbannten wieder zurückrufen und dieselben, — zwar keineswegs als Arianer, sondern als vermeinte rechtgläubige Trinitarier (das sind solche, die an die göttliche Dreieinigkeit glauben,) in ihre vorigen Aemter wieder einsetzen ließ. Von Arius selbst aber ließ sich Constantin ein Glaubensbekenntniß aufsetzen, welches freilich täuschend genug abgefaßt war, als daß es den Kaiser nicht zu einem andern Urtheil über diesen gefährlichen Menschen hätte stimmen sollen. Doch erst nachdem Arius von einer Anzahl morgenländischer Bischöfe, denen die Sache übertragen wurde, geprüft und dem Kaiser zu Gefallen ebenfalls frei gesprochen worden war, wurde er mit dem kaiserl. Befehl nach Alexandrien geschickt, daß man ihn daselbst in sein Presbyteramt wieder einsetzen sollte. Allein nachdem in Alexandrien schon im fünften Monat nach dem Nicänischen Concil der ehrwürdige Bischof Alexander selig entschlafen und seiner Empfehlung zufolge von der ganzen Gemeinde mit einstimmiger Wahl kein anderer, als Athanasius, zum Nachfolger erwählt worden war, so widersetzte sich dieser der Wiederaufnahme des Arius mit so fester Entschiedenheit, daß der Kaiser auch durch keine Drohungen ihn zu einem andern Entschluß bewegen konnte. Während nun Arius und seine Partei mehr, als jemals, zu den boshaftesten Lügen ihre Zuflucht nahmen, um den Athanasius zu stürzen, so verantwortete sich derselbe zwar beim Kaiser selbst, und ward von ihm mit einem ehrenvollen, rechtfertigenden Zeugniß entlassen; allein um so weniger konnten die rachgierigen Feinde ruhen, und sannen immer auf neue Ränke, wie sie den leichtbeweglichen Kaiser auf ihre Seite ziehen möchten. Darum bestachen sie nicht nur eine lüderliche Weibsperson, daß sie den rechtschaffenen Bischof Eustathius von Antiochien des Ehebruchs beschuldigen sollte, weshalb dieser treue Knecht Gottes sein Leben in der Verbannung beschließen mußte, sondern sie klagten auch den Athanasius mehrerer Mordthaten an, die er begangen habe. Unter Anderem sollte er einen gewissen Bischof Arsenius umgebracht und dessen eine Hand ihm abgehauen haben, um damit Zauberei zu treiben. Und wirklich zeigte man auf einer Synode zu Cyrus im Jahr 335 n. Chr., wo Athanasius wegen aller dieser Anklagen sich verantworten sollte, eine verdorrte Menschenhand vor, die er jenem Arsenius sollte abgeschnitten haben. Gott half aber, daß Athanasius jenen Arsenius nicht nur lebendig, sondern auch noch im Besitz seiner beiden Hände vorstellen und seine Feinde um dieser und aller andern Beschuldigungen willen dermaßen zu Schande machen konnte, daß selbst einige seiner erbittertsten Ankläger ihre schreiende Ungerechtigkeit eingestanden und ihn um Vergebung baten. Allein gleichwohl wurde er wegen mehrerer anderer Beschuldigungen, die man durch eine nach Alexandrien geschickte Untersuchungscommission von einigen dortigen Christen mit Keulen und Peitschen herausgepreßt hatte, trotz alles Zeugens und Fürbittens vieler Rechtschaffenen, von der Synode abgesetzt. Der Kaiser aber, der sich noch seiner annehmen wollte, ward zuletzt bloß noch dadurch wider ihn aufgebracht, daß man sagte, Athanasius habe Getraide aufhalten wollen, welches von Alexandrien nach Constantinopel hätte geschafft werden sollen. So wurde Athanasius, — vielleicht um nur des Klagens und Streitens wider ihn ein Ende zu machen, im Jahr 336 nach Gallien verwiesen. Die triumphirenden Feinde aber meinten nun endlich, den glücklichen Augenblick gefunden zu haben, wo Arius, wie es schon vorher in Jerusalem mit ihm geschehen war, ebenso nun auch in der kaiserl. Hauptstadt Constantinopel in die kirchl. Gemeinschaft feierlich und öffentlich wieder aufgenommen, und dann vielleicht auch bald zum Bischofsamt befördert werden könne. Noch einmal nahm der getäuschte Kaiser, als ob ihm doch nichts Gutes ahne, den heuchlerischen Arius vor, um sich von der Rechtgläubigkeit desselben fest und gewiß zu versichern. Auf die Frage, ob Arius die Nicänischen Beschlüsse annehme, unterschrieb sie derselbe ohne Weigerung. Der Kaiser fordert, daß Arius darauf schwören solle. Auch dieses that er. „Hast du richtig geschworen, rief ihm zuletzt der Kaiser zu, wohl Dir! wo nicht, so wirst Du Gottes Strafgericht nicht entgehen.“ — Und siehe, was geschah! — Auch in Constantinopel sollte Arius einen rechtschaffenen Bischof Alexander finden, durch welchen seine Bosheit sollte offenbar werden, wie sie durch jenen ersten Alexander in Egypten zuerst an den Tag gekommen war. — Jenem spätern Bischof dieses Namens befiehlt jetzt der Kaiser, den Arius in die christliche Gemeinschaft wieder aufzunehmen, und die ganze Partei desselben freute sich schon mit lautem Jubel auf den Tag, da dies geschehen sollte. Da wendet sich Alexander, der unter solchen Umständen bei Menschen keine Hülfe mehr zu erwarten hatte, mit heißem Flehen zu dem allmächtigen Helfer im Himmel, begibt sich in die Kirche und verharret daselbst mehrere Tage unter vielen Thränen in Fasten und Beten, während die Gemeinde für sich ein Gleiches thut und mit unablässigem Anrufen Gottes gen Himmel schreit, daß der HErr darein sehen und sich ihrer erbarmen und annehmen wolle. — Indessen rückt der Tag heran, wo Arius wirklich in feierlichem Aufzug in die Kirche eingeführt werden soll. Da geht Alexander mit seinem Freunde Makarius abermals in die Kirche, wirft sich an den Stufen des Altars auf sein Angesicht nieder, und fleht mit großer Inbrunst seiner Seele zu Gott, daß Er den Wolf, der jetzt im Schafskleide komme, nicht unter die rechten Schafe kommen und die Heerde zerreißen lassen möchte; wollte Er aber ja nach seinem unerforschlichen Rathe dies zulassen, so möchte Er ihn, seinen Knecht, noch zuvor aus diesem Leben abrufen. — Hiermit ging er weinend nach Hause. Und als am andern Morgen Arius mit einem langen triumphirenden Gefolge in die Kirche einziehen wollte, überfiel ihn auf einmal in der Nähe des kaiserl. Rathhauses eine heftige Angst und ein solcher Schmerz im Unterleibe, daß er von dem Zuge abtreten und einen Ort suchen mußte, wo er sich Erleichterung verschaffen könne. Indessen wartete die Menge mit Ungeduld, daß Arius wiederkommen möchte; allein — er kam nicht wieder, und ward endlich todt unter dem schauerlich-gräßlichen Anblick gefunden, wie alle seine Eingeweide von ihm gegangen waren. So endete der Irrlehrer Arius, zum warnenden Exempel für Alle, die in seinen Fußtapfen wandeln! — Und ach! wie wenig haben sich doch die damaligen Arianer durch jenes Strafgericht warnen lassen! Der Kaiser Constantin selbst starb kurz darauf, im Jahre 337 n. Chr., und man weiß nicht, was der schreckliche Tod des Arius bei ihm für einen andern Eindruck hervorgebracht hat, als daß er kurz vor seinem Ende von jenem Eusebius in Nikomedien noch die heil. Taufe empfing, ohne jedoch dem eigentlichen Bekenntniß nach ein Arianer geworden zu sein. Aber unter seinen Söhnen und Nachfolgern hat die Arianische Ketzerei, mehr als jemals, wieder um sich gegriffen, so daß neben vielen andern Ketzereien, wodurch die Kirche verwüstet wurde, unter Constantius nur noch 2—3 rechtschaffene Bischöfe übrig waren, welche den Arianismus nicht angenommen hatten. Blicken wir nun aber erst auf die spätere und auf unsere Zeit, so können wir uns nicht enthalten, zu obiger geschichtlicher Darstellung noch folgende Schlußbemerkungen zu machen: