# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 09 04_S5 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) * erboten, bis zur Vereinbarung der Verfaſſung die Centralgewalt proviſoriſch zu übernehmen), noch einen Antheil an Verhandlungen zum Behuf einer Vereinbarung über das von ihr ſelbſt für abgeſchloſſen erklärte Verfaſſungswerk nehmen. Wenn daher der Erzherzog Johann trotz dem von Seiten Oeſterreichs ausgeſprochenen Wunſche, die Reichsverweſung beizubehalten, ſich dennoch zur Niederlegung derſelben bewogen fühle, ſo müſſe Oeſterreich entſchiedene Einſprache dagegen er⸗ heben, daß dieſelbe durch eine der deutſchen Regie⸗ rungen allein übernommen und ausgeübt werde, es müßte die fernere Reichsverweſung denn ſo or⸗ ganiſirt?) werden, daß ſämmtlichen Regierungen ihre Vertretung darin geſichert wäre. (Der alte Bundestag!) Aus allen dieſen Gründen ver⸗ möchte dann Oeſterreich auch nicht auf der von Preußen aufgeſtellten Grundlage mit deſſen Be⸗ vollmächtigten, wie mit jenen andern deutſchen Fürſten in Frankfurt zu unterhandeln, und befinde ſich demnach nicht in der Lage, der ergangenen Einladung zu entſprechen und einen Bevollmäch⸗ tigten zu den beabſichtigten Verhandlungen zu entſenden. Es mußte ſich wohl jedes Gemüth von ſolchen Erklärungen Oeſterreichs, denen man deutlich al⸗ len Mangel an gutem Willen zu einer freiern und tröſtlichen Löſung der deutſchen Wirren abfühlte, mit Unwillen erfüllt, wenigſtens ſchmerzlich be⸗ rührt fühlen. Wenn man aber auch über die Weigerung des Königs von Preußen, die Kaiſer⸗ krone (und unter den gegebenen Verhältniſſen mit der fatalen Verfaſſung) unbedingt anzunehmen, von allen Seiten zornig herfuhr, und — weil man merkte, daß die Weigerung hauptſächlich in Ge⸗ wiſſensbedenken ihren Grund hatte, — des „Kö⸗ nigs von Gottes Gnaden“ zu ſpotten nicht genug bekommen konnte: ſo war damit der faule Grund der ganzen Bewegung und unſerer Zuſtände über⸗ haupt für den, der Augen hatte, wieder klar auf⸗ gedeckt, und die Hoffnung, daß man es zu einem leidlichen Ziele bringen würde, konnte ſich nur noch an den Gedanken halten, daß Gottes Barm⸗ herzigkeit ſchon öfter aus dem, was die Menſchen bös gemacht, etwas gutes hervorgehen ließ, — nachdem er einem jeden zuvor die Frucht ſeiner Werte zu eſſen gegeben. Aber auch nur vom politiſchen und weltlichen Standpunkt aus betrachtet, konnte man dem Kö⸗ nige von Preußen ſeine Weigerung nicht verübeln, beſonders wenn man erfuhr, wie die Stimmen⸗ mehrheit für ſeine Wahl zu Stande gekommen war. Die Erbkaiſerlichen und ſelbſt.mehrere der rechten Seite hatten ſich mit der Linken in einen förmlichen Handel eingelaſſen und dieſe hatte ihre Zuſtimmung für den Kaiſer zugeſagt, wenn man auf der andern Seite das ſuspenſive Veio und die unbeſchränkte und geheime Wahl ſtehen laſſe. Man ſchlug gegenſeitig ein, und Vogt äußerte frei, dieſe Verfaſſung ſei nur die Brücke zur Re⸗ publik, darum hätten ſie in den Handel eingewil⸗ ligt. Ja die beiden Simon veröffentlichten eine Erklärung über den abgeſchloſſenen Vertrag, um ſich bei den Leuten ihrer Partei über ihren Schritt *) eingerichtet. D. R. 5 zu rechtfertigen, worin ſie unter anderm ſagten: „Wir nehmen an — und die deutſche Preſſe unter⸗ ſtützt dieſe Anſicht — daß das Volk das, was es im Momente der Revolution nicht gewollt, auch jetzt in ſeiner großen Mehrheit nicht wolle (nem⸗ lich die Republik); daß ein Kaiſer ſomit dieſelbe Berechtigung habe wie 34 andere Fürſten, und daß ein Kaiſer von Volkes Gnaden demo⸗ kratiſcher ſei als jeder der 34 Fürſten von Got⸗ tes Gnaden.“ Ferner: „Wir hatten vor allem gegründete Beſorgniß, uns unbedingt einer großen Partei anzuſchließen, deren politiſcher Richtung wir nicht nur gegenüber ſtanden, ſondern von der wir auch befürchten mußten, daß der erſte gemein⸗ ſchaftliche Schritt uns zu Abänderungen der Ver⸗ faſſung zu Ungunſten der Volksfreiheit führen würde, ſofern die Annahme der Kaiſerkrone an derartige Bedingungen geknüpft werden ſollte, Ab⸗ änderungen, die wir alsdann mit unſerer kleinen Stimmenzahl zu verhindern nicht im Stande ſein konnten, und wir verlangten daher von einer die Majorität ſichernden Anzahl von Mitgliedern jener Partei die Er⸗ klärung, daß ſie ſich nach definitiver“) Feſtſtellung der Verfaſſung zu irgend weſentlichen Abänderungen derſelben nicht herbeilaſſen würde.“ Eine ſolche Erklärung verſichern ſie dann auch von achtzig Abgeordneten erhalten zu haben, worunter ſich bedeutende Mitglieder der rechten Seite und des Centrums befänden, namentlich der Miniſterprä⸗ ſident H. v. Gagern und der Juſtizminiſter Ro⸗ bert Mohl. „Außerdem (ſagen ſie) gaben 114 Mitglieder derſelben Partei uns die ſchriftliche Erklärung für das ſus— penſive Veto und das Wahlgeſetz, wie dieß in erſter Leſung von der National⸗ verſammlung angenommen worden, ſtimmen zu wollen.“ Zuletzt ſagen ſie dann noch: „Sollte die Entſcheidung der Nationalver⸗ ſammlung dem deutſchen Volk widerſtreben, ſo hat dieß nunmehr die Mittel, ſich auf verfaſſungsmäßigem Weg auch die Spitze ſeiner Verfaſſung nach ſeinem Willen zu geſtalten; es hat durch ein freie⸗ ſtes Wahlgeſetz die Macht, ſeinen wahren Willen auszuſprechen, und kein abſolutes Veto hindert den ernſten, andauernden Wil⸗ len zur Geltung zu kommen.“ — So hatte ſich alſo eine bedeutende Anzahl der Rechten und des Centrums der Linken verſchrieben, und ſo kam es, daß die Minderzahl fortan die Mehrzahl ins Schlepptau nehmen konnte, was ſie denn auch redlich that. Es ward beſchloſſen, daß die Wahl des Reichsoberhaupts von der Annahme der Ver⸗ faſſung unzertrennlich ſei, daß die Verfaſſung in ganz Deutſchland fortan zur Geltung gebracht und die „renitenten“ (widerſtrebenden) Regierun⸗ gen durch die Reichsgewalt aufgefordert werden ſollten, ſie in ihren Staaten ſofort bekannt zu machen und in Wirkſamkeit zu ſetzen. (Schluß folgt.) *) Nicht rückgängig zu machen. D. R. * * (Eingeſandt.) Merkwürdige Erfahrung von der Kraft der heiligen Taufe. Am letzten Montag⸗Morgen um 6 Uhr verſtarb in meinem Hauſe ein Knabe von ſieben Jahren an der Cholera. Seine Eltern hatten bis wenige Tage vor ihrem Erkranken und Sterben ein Leben gänzlicher Entfremdung von Gott, ohne Gottes Wort und Sacrament, in allerlei greulichen La⸗ ſtern geführt. Die armen Kinder, ſechs an der Zahl, von denen drei noch nicht getauft waren, ſahen und hörten täglich nichts, als Werke der Finſterniß. Der gnädige Gott fügte es, daß in dieſer ernſten Zeit inſonderheit der Vater zu einer gründlichen Erkenntniß ſeines Elendes und zum Verlangen nach der Gnade Gottes in Chriſto kam, und ſich in Wort und Saerament den Troſt der Vergebung zueignen konnte. Am nächſten Mittwoch⸗Morgen wurde er von der Cholera be⸗ fallen, und entſchlief noch an demſelben Tage ſanft und, wie ich zuverſichtlich hoffe, ſelig in dem HERRN. Seiner eigenen Beſtimmung zufolge verabredeten die Mutter und ich am Tage ſeiner Beerdigung, daß die betreffenden Kinder am näch⸗ ſten Sonntage in der Kirche getauft werden ſoll⸗ ten. Allein ſchon am nächſten (Freitag) Morgen wurde ich in aller Frühe zur Ertheilung der Noth⸗ taufe für das mittlere der Kinder, das gleichfalls von der ſchrecklichen Seuche ergriffen war, ge⸗ rufen. Nachdem ich kaum eine halbe Stunde im Hauſe, erkrankte auch ſie, und mußte, trotz aller ihr geleiſteten Hülfe, am Abend desſelben Tages ſterben. Zu ihrer Beruhigung mußte ich ihr meine Hand darauf geben, daß ich mich ihrer Kinder annehmen, die zwei ungetauften taufen, und für die chriſtliche Erziehung aller nach beſten Kräften ſorgen wolle. Nachdem am Sonnabend auch ſie beerdigt war und ich das noch immer ſehr krauke Kind ins Hospital hatte bringen laſſen, nahm ich die andern fünf armen Waiſen vorläufig in mein Haus auf. Sonntag nach beendigtem Goties⸗ dienſte wurden die beiden Knaben, Wilhelm, ſieben Jahre alt, und David, zwei einviertel Jahre alt, nebſt einem andern Kinde aus der Gemeinde ge⸗ tauft, unter der herzlichſten Theilnahme und den brünſtigſten Gebeten gottſeliger Pathen und einer beträchtlichen Anzahl Gläubiger meiner Gemeinde. Nur einmal vor der heiligen Handlung konnte ich, ſo weit ich mich entſinne, Zeit und Gelegeyheit nehmen, dem Kinde zu ſagen, wie es nun, ein armes Waiſenkind, ohne Vater und Mutter auf Erden, durch die heilige Taufe einen Vater im Himmel erhalte, der es durch das Blut Chriſti vonlallen Sünden waſche. Unmittelbar nach der Taufhandlung küßte ich das liebe Kind und ſagte: „Nun haſt du einen gnädigen Gott, der dir durch Chriſti Blut alle deine Sünden vergeben hat.“ Zu meiner eignen großen Schande muß ich ge⸗ ſtehen, daß ich in dem Unglauben meines verderb⸗ ten Herzens dabei dachte, ich könne eben ſo gut ſchweigen, da das Kind, erſt ſieben Jahre alt, doch nicht den Verſtand habe, um das ihm Geſagte zu begreifen, zumal es im elterli⸗ chen Hauſe ſchwerlich jemals von Sünde, ge⸗ ſchweige von eigner Sünde, oder von Verge⸗