# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 10 26_S201 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Mort und Kuthers Tehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Belligirt von C. 6. W. Walther. Zahrgang 5. Ht. Jouis, Mo., den 21. Juguſt 1849. No. 26. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. 1 Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enihalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. 2 (Eingeſandt.) Luther und der Graf von Erbach. (Nach einer Sage.) Noch immer ſprudelt friſch und hell Aus deutſcher Volksgeſchichte Grund Herrn Doctor Luthers Freudenquell, Und ſtetig noch wird Neues kund, Das er in ſeinen Glaubensjahren Von ſeines Gottes Hand erfahren. Was gebt ihr mir? ſo meld ich euch Von einer edeln Segensfrucht, Die wohl an weltlichem Geſträuch Zeitlebens wird umſonſt geſucht, Die aber wohl ſich von den Zweigen „Des Lutherbaumes konnte neigen. — Einſt war's, daß unſer Doctor weit Auf eine Reiſe ſich begab; Zum Main-Gebiet voll Rüſtigkein Ging ſeiner Rößlein Wanderirab, Worauf er wohlgemuth im Bogen Zum Städtlein Miltenberg gezogen. Das hört ein ſcharfer Katholik, Graf Erbach, ſtreng dem Pabſt verlobt, Dem ſtieg der Eifer ins Genick, Daß er in ſtillem Zorn getobt: „Der Erzfeind, der verfehmte Ketzer! Diesmal bin ich des Wolfes Hetzer! „Er ziehet wohl durch mein Gebiet, — Da lauſcht mein reiſ'ger Zeug auf ihn, Und wenn er ſicher fürbaß zieht, Werf ich ihn auf die Straße hin, Daß er im tiefen Burgverließe Den Ketzerhonig recht genieße.“ — Im Harniſch reitet er ſofort Gen Miltenberg, nach ihm zu ſpäh'n, Sagt erſtlich keiner Seel ein Wort, Bis er die Beute ſich erſehn; Und in der Herberg ſtill verborgen, Erwartet er den andern Morgen. Der Morgen kommt mit goldnem Glanzz; Der Graf iſt zeitig au fgewacht Da fühlt er ſich ergriffen ganz Von einer ſüßen Liebesmacht: Er hört, als obs vom Himmel klänge, Von Nahem liebliche Geſänge. So tief, ſo rein, ſo ſeelenvoll Durchathmet ihn der Pſalmenton; — Er weiß nicht, wo er bleiben ſoll, Sein ganz Gemüth wird voll davon, — Bald wirds ihm helle, bald wirds trüber, Und ſeine Augen ſließen über. Er tritt zum Fenſter, — ſiehe da: Grad gegenüber in dem Haus Iſt ihm der fremde Sänger nah, — Ein Mann, ehrwürdig überaus, Der ſingend auf dem Boden knieet, Die Hände faltend, aufwärts ſiehet. — Ein lieber, ach ein frommer Mann, Der Gott hinlegt des Lebens Müh', Und ſich ſo ſelig ſingen kann In dieſer heil'gen Morgenfrüh', Und kindlich, ſeinem HErrn verſöhnet, Ihm mit der Lerch' ein Opfer tönet! — In ſtiller Andacht ſteht der Graf, Sieht, hört dem Sänger liebreich zu; — Sein Herz jedweder Pſalmſpruch traf, — Es ſpricht: „O theure Seele du!“ Und endlich fängt es an zu brennen: „O Mann, dich muß ich lernen kennen!“ — Er ſchreitet mit geſporntem Lauf Ins enge Nachbarhaus hinein, — Klopft, reißt die Thüre freundlich auf: „Ach, Herr! wollt nicht erzürnet ſein, Daß Ihr ſo frühe ſeid geſtöret: Ich hab Eu'r Morgenlied gehöret! „Zum Herzen iſt's gedrungen mir, Daß ich Euch zärtlich liebgewann. Gefällts Euch, nun, ſo ſagt auch Ihr, Wie nennt Ihr Euch, ehrwürd'ger Mann? Denn gar mit Freuden wollt ich dienen Euch, der ſo ſegnend mir erſchienen.“ Da ſchaut mit hellem Angeſicht Der fremde Gaſt den Ritter an. „„Ich heiße Luther, hab nach Pflicht Die Morgenandacht juſt gethan.““ Der Ritter eilt ihn zu umfangen, Sein Ketzerhaß iſt ganz vergangen. „Ach liebſter Vater, ach verzeiht! Noch geſtern hab ich's ſchlimm gemeint; Nun biet ich heut Euch mein Geleit, — Zum Freund geworden iſt der Feind! Wollt Ihr mich nur gewähren laſſen. Ich führ Euch fröhlich Eure Straßen!“ — Herr Luther gab zurück den Kuß, Den ihm der edle Ritter bot. Hin zogen mit des Friedens Gruß Die Beiden nun im Morgenroth, Und bald war in dem Strahl der Sonnen Für Chriſtum unſer Graf gewonnen. (Chriſtoterpe 1846.) (Eingeſandt von Paſtor Selle.) Kirchliche Nachrichten. Lieber Bruder Walther! Am 28. Juni letzthin trafen die lieben Herren Volkert und Stubnatzy, welche bei der Synode in Fort Wayne ihr Candidaten⸗Examen machten und für den Dienſt der Kirche in dieſer Gegend beſtimmt wurden, bei mir ein. Einem Manne in der Niederlaſſung an Coopers Grove er⸗ theilte ich alsbald Nachricht, daß ich am 5. Juli mit letzterem Herren bei ihnen ſein und ſodann Gottesdienſt ſtattfinden werde. Ebenſo erſuchte ich Herrn P. Brauer von Addiſon, auf die be⸗ ſtimmte Zeit dort mit uns einzutreffen. Leider war dieſer durch Unwohlſein, beſonders aber durch das Eindringen von Methodiſten in ſeine Ge⸗ meinde abgehalten, den jungen Bruder an ſeinen Beſtimmungsort zu begleiten. So mußten denn wir zwei uns am Nachmittag des 4. Juli mit einem Leibkutſcher allein auf den Weg machen. Unſer erſter Empfang in der betreffenden Nieder⸗ laſſung, 23 Meilen von hier, war eben kein ſehr ermuthigender. Eine Beſchreibung des in der dortigen Prairie einzuſchlagenden Weges mißver⸗ ſtehend, waren wir in ein eingefriedigtes Feld ge⸗ fahren. Als wir nun eben, unſern Irrthum ge⸗ wahrend, rathſchlagten, wie wir am andern Ende des Grundſtücks durch die Fenz kommen wollten, hörten wir in unſerm Rücken ein ſtarkes Geſchrei, mit fürchterlichen Flüchen, wie ſie wohl lange nicht mehr unſer Ohr getroffen. Zwei Männer ſtürmten hinter uns drein, und der eine, kirſch⸗ braun vor Zorn, riß eine gewaltige Stange, die mit zu einer Vogelſcheuche hatte dienen müſſen, aus dem Boden, nichts geringeres im Sinne, als uns damit zu züchtigen. Schlecht wäre es uns wahrlich gegangen, wenn nicht der Engel des HErrn ſich noch immer um die lagerte, die Ihn fürchten, und ihnen aushälfe! Ein gutes Wort fand eine gute Statt: eine freundliche Bitte um Vergebung unſeres Unrechtes, ſchon in der Entfer⸗ nung ihm zugerufen, beſänftigte den armen Mann in etwas, ſonderlich da er hörte, daß wir Deutſche ſeien. So waren wir denn unter unſeres Gottes