# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 09 28_S198 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Von dem amerikaniſch-lutheriſchen und refor⸗ mirten Geſangbuch. Dritter Brief. Lieber Jakob! Ich mache mich zum dritten Mal an das un⸗ erquickliche Geſchäft, die ferneren Beweiſe von der Richtigkeit meines Urtheils über das Geſang— buch zu liefern. Der Reihe nach komme ich diesmal an die Lieder von den Sacramenten. Da hab ich aber nach meiner geringen Erkennt⸗, niß nicht viel zu ſagen, nur daß, wie ich ſchon in meinem erſten Briefe geſagt habe, die Hauptlieder fehlen, wie z. B. Luthers Lieder: Chriſt unſer HErr zum Jordan kam ꝛc., IEſus Chriſtus un— ſer Heiland ꝛc., und: Gott ſei gelobet und gebe— nedeiet ꝛc. Die gehören von Rechtswegen in ein lutheriſches Geſangbuch. Was die Lieder aber betrifft, die da ſind, ſo iſt mit wenigen Worten alles geſagt: daß ſie für die reformirte Kirche beſſer paſſen, als für die unſere. — Wenn Du ſie genau durchlieſeſt, ſo wirſt Du es finden. Wenn Du mit mir nun weiter blätterſt, ſo kommſt Du zu No. 197. Da will der Dichter vom „Schöpfer“ belehrt werden, daß er faſſen möge, was rechte Buße ſei. Ich glaube aber, er hat ſich nicht recht vom „Schöpfer“ belehren laſſen, ſon⸗ dern er hats beſſer gewußt als der „Schöpfer“. Denn er fängt gleich an zu zeigen, daß rechte Buße ſei: „Die Sünde haſſen und das Leben beſſern“. Nun, da meine ich, wenn ſich einer zum Lehrer von der rechten Buße aufwerfen will, ſo muß er zuerſt von der Erkenniniß der Sünde reden, von Reue und Leid, ehe der Haß kommt. Nun hat er aber dieſes, ja noch etwas Wichtigeres nicht gethan. Er hat nemlich nicht vom andern Hauptſtück der Buße geredet, vom Glauben an Chriſtum; er ſpringt gleich über zur Beſ⸗ ſerung des Lebens, als könnte man ohne Chriſtum das Leben beſſern. —Man ſieht, daß da alles wie— der auf die eigene Fauſt, d. h. eigene Kräfte ab⸗ geſehen iſt. Denke Dir nun einmal, wenn ſo ein Lied in der Beichte geſungen wird, wie falſch die Leute durch ſolch einen Geſang belehrt werden. Wenn Du aber ſagſt, der Pfarrer wird doch nicht ſo lehren, ſondern der wird doch den Weg Gottes recht lehren; ſo ſage ich Dir: lieber Jakob, welcher Pfarrer'ein ſolches Lied ſingen läßt, der lehrt auch die Leute nicht anders und führt ſie den verkehrten Weg. Und wenn ein Pfarrer von der Buße recht lehrt, ſo leſen doch die Leute ſolche Lieder daheim, und meinen Wunder, wie ſie ſich an einem ſol⸗ chen Lied erbauen, und merkens nicht, wie das alles ſo widerſprechend iſt. Ja, vielleicht faſſen ſie das Geleſene viel beſſer auf, als das Gehörte, und bleiben trotz der richtigen Belehrung auf ver— kehrtem Wege; zumal da die Lehre eines ſolchen Liedes dem natürlichen Menſchen eher zuſagt, als die reine Lehre des Wortes Gottes. Du wirſt mich verſtehen. — Suchſt Du nun wieder weiter, ſo findeſt Du No. 210, das von der Heiligung handelt; aber Du findeſt im ganzen langen Liede nicht, wie Du von Sünden los werden kannſt, und durch 19 will. Wahrlich, wenn wir armen Leute keine andern Wegweiſer hätten, als ſolche Lieder, dann wären wir ſchlecht berathen. Ich kann mir nicht anders denken, als daß dieſe Leute ſelbſt den rechten Weg nicht gewußt haben, und wie kann dann ein Blinder dem andern den Weg weiſen? — Das Lied No. 216 ſcheint dem Apoſtel Pau⸗ lus nachäffen zu wollen, es iſt aber ſchlecht gelun gen. Im 6. Vers redet das Lied gerade, wie alle ſelbſtgerechten Leute reden, die ſich mit dem fal⸗ ſchen Troſte behelfen, daß Gott nur offenbare Sünden ſtrafe, und die haben ſie ja nicht; die „Gebrechen“ und „Schwachheiten“ aber, die haben nichts weiter auf ſich, denn der Vater iſt ja barmherzig. — Von einem glaubensvollen Aus- ruf über Chriſtum, wie Paulus that, iſt nichts zu leſen, ſondern der Verfaſſer probirt (Vers 7) ſein Beſtes, ſo gut er es kann, gerecht zu leben, und damit Punktum. — Man wills ihm aber faſt anmerken, dem armen Mann, daß ſein ſelbſt⸗ gemachter Troſt ſeine Seele nicht ganz zufrieden geſtellt haben mag. Wie könnte es aber anders ſein? — Jetzt wollen wir ein anderes Schubfach auf⸗ machen, wo die „Sittenlehren“ drin ſind, und da kommen Dir gleich in Nro. 229 im Aten Vers ein paar Worte unter die Augen, die aber ganz ver— kehrt ſtehen und ſchnurſtracks gegen die Lehre der Schrift anſtoßen. Da heißts: „Heiligt euch und glaubt.“ Man muß alſo ſich erſt heilig machen und dann glauben. Da kämen wir wohl ewig nicht zum Glauben, aber auch nicht zur Seligkeit, wenn wir uns erſt heiligen müßten! Gott Lob, daß die „Boten“ des Evangelinms nicht ſo lehren, wie der Dichter da ſagt. — Du aber entgegneſt vielleicht: Der Mann hat es gewiß nicht ſo ge— meint, wie Du es ihm auslegſt, er hats eben ſo geſtellt, daß ſichs reimt. Es mag ſein, daß Du Recht haſt; aber ſchlimm genug, wenn man auf Koſten der Ordnung des Heils ſo lang reimt, bis dieſelbe verdreht iſt. Ich verſteh freilich nichts vom Liederdichten, aber ich glaub ſo viel und be— haupte es auch, daß alles, alſo auch die Lieder, dem Glauben ähnlich ſein müſſen. Röm. 12, 7. Uebrigens ſo gerne ich oft möchte Deine Ein— wendungen gelten laſſen und meine Ueberzeugung ändern, ſo bekomme ich doch allemal wieder ſtärkere Beweiſe, daß ich mich nicht irre. Da haſt Du für das Geſagte wieder das Lied Nro. 232. Wenn Du da noch zweifeln kannſt, dann muß ich Dir offen ſagen, lieber Jakob, Du biſt nicht aufrichtig; ja Du ſündigſt, wenn Du noch einen Augenblick dieſes traurige Geſangbuch in Schutz nimmſt. Siehe, da werden der „Tugend Vor— theile im Sterben“ gerühmt. Da muß ich, ob ich will oder nicht, abermals einen tiefen Seuf— zer laſſen. O, Jakob, Jakob! wenn wir einmal auf unſer Sterbebette kommen, da wird uns unſere Tugend ſchlecht zu ſtatten kommen, und wenn wir uns derſelben getröſten wollen, dann wehe uns! wir werden ſammt der Tugend zum Teufel fahren und der wird ſich noch freuen, daß er ſo tugend— hafte Leute hat verblenden können. Du erſchrickſt wen oder was Dich Gott heiligen kann und vor meinen ſtarken Worten; aber erſchrick nur, ich kann nicht anders, es iſt nur zu große Wahr⸗ heit. Wo iſt denn in der ganzen heiligen Schrift die Rede, daß man das „glückſelig zu ſterben, erwerben“ könne, wie der letzte Vers ſagt. Laß Dichs nicht irren, daß auch das Wörtlein „erbe“ da ſteht, das ſteht offenbar nur da, daß ſichs wieder reimt. Das ganze Lied gibt das vollkommenſte Zeugniß dafür. Sag einmal, wenn Du nicht wider Dein Gewiſſen und wider das von Dir erkannte Wort Gottes ſündigen willſt, ob ſolche Lieder nicht gottlos zu nennen ſind und ob ein ehrlicher Pfarrer ein ſolches Buch mit gutem Gewiſſen gebrauchen kann, wo Chriſtus und Belial, Licht und Finſterniß, Wahr⸗ heit und Lüge ſo offenbar gemengt iſt? Ich ge— ſtehe es, daß ich nun wohl einſehe, wie ein armer Pfarrer von ſeinem Gewiſſen geplagt ſein muß, wenn eine Gemeinde darauf beſtehen will, das Geſangbuch ſei gut und ſchön und dürfe des⸗ wegen nicht abgeſchafft werden. Nein, wenn ich Pfarrer wäre, ich würde mein Gewiſſen nicht mit der ſchrecklichen Sünde beflecken können, da durch, daß ich den Leuten ſolche Bücher in den Händen laſſen oder gar ſie noch anpreiſen ſollte, wie viele alſo thun. Ich muß aber nun zum Schluſſe eilen und da will ich Dir aus Nro. 252 abermals eine Probe geben, daß meine Beweiſe richtig ſind. Da wird das „hohe Urbild der Vollkommenheit“ zum Ziel geſetzt und alle die Tugenden genannt, die man üben muß, wenn man dem „hohen Urbild der Vollkommenheit“ ähnlich, ja gleich, werden will (Vers 7), denn das „ſchafft auf Erden ſchon Freuden und im Himmel hohe Seligkeit“! — Willſt Du, Jakob, nun ſo weiſe ſein, wie der Herr Sucro, ſo ſtreb nach dem „hohen Urbild der Vollkommenheit“ und es fehlt Dir die Seligkeit nicht. — — Nicht wahr, das iſt Dir doch ein wenig zu bunt? Auch wird es Dir hoffentlich nicht einfallen, daß dieſe Lieder von „Nebendingen“ handeln, wie die Leute ſo gern ſagen. Nein, ſie handeln von den Grundwahrheiten, die zur Selig⸗ keit nöthig ſind; ſie verkündigen ein falſches Evangelium und wer ein falſches Evangelium verkündiget, der ſei verflucht; das ſag nicht ich, ſondern der Apoſtel Gal. 1,8. Mit blutendem Herzen muß ich ſchließen, wenn ich daran gedenfe, wie unſere Gemeinde ſo lange ein ſo verfluchtes Evangelium unter ſich leiden koönnte, in der Mei⸗ nung, daß es das rechte, das „ſchöne“ ſei, und wie viele Gemeinden noch ſo betrogen werden von ihren Hirtem und ſich betrügen laſſen mit dem Gift der falſchen Lehre. Gott erbarme ſich! Dein Bruder Andreas. (Letzter Brief folgt.) Zweimal zwei und fünfzig auserleſene Bi⸗ bliſche Hiſtorien aus dem Alten und Neuen Teſtamente, der Jugend zum Beſten abgefaſet von Johann Hühnern. Es gereicht uns zu großer Freude, die Erſchei⸗ nung dieſes in der letzten, zwanzigſten Nummer bereits angekündigten Werkchens hierdurch un⸗