# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 09 14_S191 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſti, ſo ſollte doch wohl jeder Unbefangene wün⸗ ſchen, daß ein ſolcher Sinn auch unter den hie⸗ ſigen Gemeinden immer allgemeiner werden möchte. * * Daß viele Menſchen auch ohne Buße und Glau⸗ ben ſelig werden, eine im „Apologeten“ jüngſt öffentlich bekannte Lehre. So ſehr wir uns auf der einen Seite über die ungewohnte Mäßigung gefreut haben, mit wel⸗ cher Herr Dr. Naſt über unſern Artikel „Von der Seligkeit ohne Taufe ſterbender Kinder“ Nro. 548 des „Apologeten“ ſpricht, ſo niederſchlagend war es für uns, hierbei folgendes Bekenntniß Hrn. Dr. Naſt's zu leſen: „Was die Seligkeit der getauft oder ungetauft ſterbenden Kinder betrifft, ſo ſchreiben wir ſie dem zu, daß ſie zufolge des von Chriſto für alle Men⸗ ſchen vergoſſenen Blutes freigeſprochen, oder ge⸗ rechtfertigt ſind von der Erbſünde. „„Wie durch Eines Sünde die Verdammniß über alle Menſchen gekommen iſt, alſo iſt auch durch Eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens (das heißt: zum Leben, daß es möglich wird, geiſt— lich lebendig gemacht zu werden) über alle Men⸗ ſchen gekommen.““ Röm. 5, 18. Dieſe über alle Menſchen gekommene Rechtfertigung beſteht darin, daß kein Menſch deßhalb verdammt wird, weil er eine ſündige Natur in die Welt gebracht hat. „Die Kinder, welche ſterben, ehe ſie der Buße gegen Gott und des Glaubens an IEſum Chriſtum fähig ſind, werden dennoch um des Verdienſtes Chriſti willen zu Gnaden ange⸗ nommen und auf einem uns nicht geoffenbarten Wege wiedergeboren und geheiligt. Auch die Heiden, welche nichts von Chriſto gehört haben, und deßhalb nicht an ihn gläubig werden konnten, werden doch von dem Lichte, das alle Menſchen erleuchtet, die in dieſe Welt kommen, von dem Heiligen Geiſte, welcher die Frucht des Leidens und Sterbens Chriſti iſt, ſoweit erleuch⸗ tet, daß ſie um des für ſie vergoſſenen Blutes Jéſu Chriſti willen ſelig werden können, wenn ſie dem ihnen verliehenen Lichte getreu folgen. . . Adam fiel, und durch ſeinen Fall verlor er mit ſeiner ganzen Nachkommenſchaft das geiſtliche Le⸗ ben (das moraliſche Ebenbild Gottes, in dem er erſchaffen war) und wurde dem zeitlichen Tode unterworfen; zufolge des Erlöſungsplanes wurde aber dem Menſchen Gnade und Gnadenzeit an⸗ geboten, und obſchon er in Sünden empfangen und aus ſündlichem Samen erzeuget iſt, wird ihm doch die angeborene Sünde nicht zugerechnet, bis er, zur Verantwortlichkeit herangewachſen, das ihm angebotene Heilmittel im Unglauben ver⸗ wirft und ohne Buße und Glauben in ſeinen Sünden ſtirbt. Stirbt ein Menſchenkind, ehe es ſich wirklicher, bewußter Sünden ſchuldig macht, ſo wird der Heiland, der ſein Blut für dasſelbe vergoſſen und ihm das Reich Gottes zugeſprochen hat, dasſelbe auch tüchtig zu machen wiſſen für die himmliſche Seligkeit.“ Mit wahrem Entſetzen haben wir die Verkün⸗ 19¹ digung dieſer Grundſätze im Apologeten geleſen. Es iſt uns damit ein neues Licht über den eigent⸗ lichen Charakter des Methodismus aufgegangen. Wir hätten nimmer geglaubt, daß derſelbe ſolche Dinge in ſeinem Schooße berge. Solche Grund⸗ ſätze reißen den ganzen Grund der chriſtlichen Lehre um. Dieſelbe lehrt, dah von Gottes Seiten die Rechtfertigung aller Menſchen vollkommen geſchehen ſei, daß aber von Seiten des Men⸗ ſchen der Glaube hinzukommen müſſe, wenn der Menſch in den Genuß dieſer Gnadenwohlthat kommen wolle; Herr Naſt lehrt, daß bei den Kin⸗ dern und Heiden das Letztere wegen des Erſteren nicht nöthig ſei, und eonfundirt ſo Erwerbung des Heils und deſſen Aneignung, die principale verdienſtliche und die inſtrumentale er⸗ faſſende Urſache der Seligkeit. Die heilige Schrift lehrt, daß der von Gott gewirkte Glaube das alleinige Mittel von Seiten des Menſchen ſei, wodurch derſelbe wiedergeboren und geheiliget werde (Apg. 15, 9., Röm. 14, 23.); Herr Naſt lehrt, daß viele Menſchen auch ohne Buße und Glauben wiedergeboren und geheiliget werden. Die heilige Schrift lehrt, daß der Heilige Geiſt nur durch die Predigt vom Glauben empfaͤngen werde (Gal. 3, 2.); Herr Naſt lehrt völlig enthu⸗ ſiaſtiſch, daß die Heiden auch ohne Wort und Sacrament durch den Heiligen Geiſt erleuchtet werden. Die heilige Schrift lehrt (und in dem allgemeinen öffentlichen Bekenntniß der Metho⸗ diſten ſteht es auch), daß der Glaube allein ſelig mache (Marc. 16, 16., Joh. 3, 18. 36., Gal. 3, 28., Ebr. 11, 6.); Herr Naſt lehrt, daß die Heiden auch ohne Glauben durch ihre Folgſamkeit gegen das ihnen verliehene Licht ſelig werden; hierdurch ſagt ſich Herr Naſt ſelbſt von dem jetzt ſo oft genannten materiellen Prin⸗ cipe des Proteſtantismus öffentlich und feierlich los. Endlich lehrt die heilige Schrift, daß alle Menſchen von Natur Kinder des Zornes ſind (Epheſ. 2, 3.) und daß der Zorn Gottes daher über denen, welche nicht glauben, bleibe (Joh. 3, 36.); Herr Naſt lehrt, daß die ange⸗ borne Sünde nicht zugerechnet werde, bis der Menſch zur Verantwortlichkeit erſt heranwachſe und das ihm angebotene Heilmittel im Unglauben verwerfe. Es fehlt uns gegenwärtig die Zeit, dies alles weiter auszuführen. Vielleicht finden wir ſpä⸗ ter dazu die nöthige Muße. Für diesmal mögen dieſe Andeutungen genügen, den lieben Leſer war⸗ nend darauf aufmerkſam zu machen, wie auch der Methodismus beweiſ't, daß die chriſtlichen Lehren wie in Einer Kette zuſammenhängen; nimm Ein Glied hinweg, ſo iſt die Kette zerriſſen und end⸗ lich muß alles verloren gehen. 4* Luther über Jah. 16, 10. Dies Wort: daß ich zum Vater gehe, begreift das ganze Werk unſerer Erlöſung und Seligung, dazu Gottes Sohn vom Himmel geſandt, und das er für uns gethan hat und noch thut bis ans Ende; nemlich, ſein Leiden, Tod und Auferſte⸗ hung, und ganzes Reich in der Kirche. Denn dieſer Gang zum Vater heißt nichts anders, denn daß er ſich dahin gibt zu einem Opfer, durch ſein Blutvergießen und Sterben, damit für die Sünde zu zahlen; und darnach wieder durch ſeine Aufer⸗ ſtehung überwindet und unter ſeine Gewalt bringet Sünde, Tod und Hölle, und ſich lebendig ſetzet zur rechten Hand des Vaters, da er unſichtbar regieret über alles im Himmel und auf Erden, und ſeine Chriſtenheit durch die Predigt des Evan⸗ gelii ſammlet und ausbreitet: und die, ſo da glauben, bei dem Vater als ein ewiger Mittler und Hoherprieſter vertritt und vorbittet, weil ſie noch übrige Schwachheit und Sünde haben; dazu des Heiligen Geiſtes Kraft und Stärke gibt, die Sünde, Teufel und Tod zu überwinden. Siehe, das heißt und iſt nun der Chriſten Ge⸗ rechtigkeit vor Gott, daß Chriſtus zum Vater gehet, das iſt, für uns leidet, auferſtehet, und alſo uns dem Vater verſöhnet, daß wir um ſeinetwillen Vergebung der Sünden und Gnade haben; daß es gar nicht iſt unſers Werks noch Verdienſtes, ſondern allein ſeines Ganges, den er thut um un⸗ ſertwillen. Das heißet eine fremde Gerechtigkeit, darum wir nichts gethan, noch verdienet haben, noch verdienen können, uns geſchenket und zu eigen gegeben, daß ſie ſoll unſere Gerechtigkeit ſein, dadurch wir Gott gefallen, und ſeine liebe Kinder und Erben ſind. 2 Unterhaltung der Chriſten mit der Welt. Chriſtus macht einen Chriſten beredt, daß er nicht nur Antwort gibt, wer ihn fragt, ſondern, daß er auch ſelbſt den Leuten, zu welchen er kommt, wenn ſie nicht anfangen zu reden, Rede abgewinnt. Er macht ihn klug, daß er nach Beſchaffenheit der Leute ſich verhält, nicht gleich unmittelbar von lauter geiſtlichen Dingen anfängt zu reden, wo⸗ durch die meiſten Leute abgeſchreckt werden, und ſich zurückhalten, oder ſich heuchleriſch verſtellen: ſondern er macht, daß ſich der Chriſt in die Leute, wie er ſie vor ſich findet, ſchickt, Allen allerlei wird, auch von gemeinen und zufälligen Dingen mit ihnen anfängt zu ſprechen: was ſind das für Re⸗ den, die ihr zwiſchen euch handelt unterwegs und ſeid traurig? Von was habt ihr geredet? was gibt es Gutes unter den Menſchen? was iſt ge⸗ ſchehen? bis er von der Seite her zu ſeinem Zweck gelangen kann, und etwas aus des Andern Mund in die Hand hineinbekommt, das Geſpräch nun auf etwas Gutes zu leiten, und oft die Leute eher zu fangen, als ſie gemerket haben, daß man ihnen nachſtellete. „Denn es iſt vergebens, das Netz vor den Augen der Vögel auszuwerfen“, Spr. 1, 17., ſie fliegen davon. Man muß ihnen heim⸗ lich nachſtellen, und ſie mit Liſt fangen, wie Paulus ſeine Korinther. Gewiß haben gute Seelen Urſache, dieſes von dem Heilande ſich wohl zeigen zu laſſen. Riegers Herzenspoſtille, Bielefelder Ausgabe, Seite 427.