# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 09 14_S187 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) wird jedem bußfertigen Sünder und ſo auch Ih⸗ nen angeboten. Beten Sie nur um die Zuver⸗ ſicht, um den Glauben, der es ergreift und feſthält. Doctor: Ach Gott! beten? beten kann ich nicht, ich habe nie gebetet. Paſtor: Und doch irren Sie. Sie können gewiß beten. So gut der Verhungernde nach Speiſe, der Verſchmachtende nach einem Trunke ſchreien kann: eben ſo gut können Sie jetzt aus Ihrer Noth ſchreien, d. h. beten. — Sie meinen doch nicht „nein“?? Was denken Sie denn, daß Sie viele zierliche Worte machen ſollen? Dar⸗ nach iſt Ihnen wohl nicht zu Muthe, iſt auch nicht nöthig. Das können Sie doch rufen: IEſu, lieber Meiſter, erbarme Dich meiner! Gott ſei mir Sünder gnädig! Und wenn Sie das auch noch nicht wagen oder können, ſo können Sie doch ſeufzen, daß Gott ſich Ihrer erbarmen möge! Wollen Sie, ſo beten wir jetzt gleich mit einander! Er willigte ein und nun ſchrieen die Beiden zu Dem, welcher die Verheißung Matth. 18, 19. 20., Marc. 11, 24. gegeben hat, halten Ihm dieſe Verheißungen vor, und Er läßt ſie Seine Gnadengegenwart erfahren. Was der Prediger betet, betet der Kranke laut nach, geht aber bald in ſolch Schluchzen und Weinen über, daß zuletzt der Prediger nur mit ihm weinen kann, aber voll ſeliger Zuverſicht ſein Amen ſpricht. Er empfiehlt beim Weggehen dem Kranken, welcher meint, es ſei ihm, als könne er vor ſeinem Ende doch wohl noch zum Glauben kommen, Gebet und Geduld. Schon am folgenden Morgen ſtellt ſich der Kut⸗ ſcher beim Prediger ein, und kann gar nicht ſatt werden, unter wahren Thränengüſſen zu erzählen, was für eine wunderbare Veränderung mit dem alten Herrn ſeit geſtern vorgegangen ſei. Sonſt habe er ihnen gerade in den Nächten die wenigſte Ruhe gelaſſen, immer geklingelt, geſcholten und geflucht. Geſtern Abend aber habe er ſie ganz freundlich angeſehen und gefordert, ſie ſollten nur zu Bette gehen und ruhig ſchlafen. Die alte Haushälterin ſei aber dennoch aufgeblieben und habe im Nebenzimmer gewacht. Da habe ſie denn gehört, wie der alte Herr bald gebetet, bald laut in der Bibel geleſen, dann auch wieder eine Weile ruhig geſchlafen habe. Morgens habe er ſie freundlich begrüßt und nach dem Prediger zu ſchicken befohlen. Der Prediger findet ihn in einer erfreulichen Stimmung. Er kann glauben, meint aber, daß er noch nicht glaube, und hat noch mancherlei Fragen, welche ihm alle aus der heiligen Schrift beantwortet werden. Da er den Prediger zwei alte Liederverſe ſprechen hört, welche ihn beſonders rühren, bittet er, ihn dieſelben zu lehren, und ſpricht ſie ſo lange nach, bis er ſie weiß. Es waren folgende Verſe: Der Grund, da ich mich gründe, Iſt Chriſtus und ſein Blut; Das machet, daß ich finde Das wahre ew'ge Gut. An mir und meinem Leben Iſt nichts auf dieſer Erd'; Was Chriſtus mir gegeben, Das iſt der Liebe werth. 187⁷ Mein IeEſus hat gelöſchet, Was mit ſich bringt den Tod; Der iſt's, der mich rein wäſchet, Macht ſchneeweiß, was iſt roih. In ihm kann ich mich freuen, Hab' einen Heldenmuth, Darf kein Gerichte ſcheuen, Wie ſonſt ein Sünder thut. (Luth. Geſangbuch, No. 366.) Auch wurde ihm das Lied ſeines Großvaters: „IEſus nimmt die Sünder an“ u. ſ. w., ſehr theuer. Alle ſeine Zeit benutzte er, noch recht in der Er— kenntniß zu wachſen, daß ſein Glaube ja auf dem Worte Gottes ſtehe. Der Prediger mußte ihm beſtändig Abſchnitte der heiligen Schrift und geiſtliche Lieder bezeichnen, welche er nun zu leſen habe. Auch forderte der alte Herr, und nicht um⸗ ſonſt, ſeinen Gehülfen auf, ihm die bezeichneten Stücke vorzuleſen. Stündlich ward ſein Herz ge⸗ tröſtet, und einige Tage nach jener erſten Unter⸗ redung war er ſeines Gnadenſtandes gewiß. Da war ſein Mund voll Rühmens und Preiſens. Leib und Seele freuten ſich in dem lebendigen Gott. Nun ſprach er auch den Wunſch aus, vor ſeinem Ende noch das heilige Abendmahl zu genießen, was ſeit ſeiner Confirmation nicht geſchehen war. Er habe — rechnete er — ungefähr noch 14 Tage zu leben; da möge nun der Pfarrer beſtimmen, wann er ihm das Abendmahl reichen wolle. Der Tag ward feſtgeſetzt; bis dahin verging faſt eine Woche, in welcher der Kranke zuſehends am in⸗ wendigen Menſchen wuchs, und der Prediger eben ſo viel, wenn nicht noch mehr lernte, als ſein den Jahren nach alter, aber dem Gemüthe nach jugendlicher friſcher Pflegling. Als der beſtimmte Tag gekommen war, und der Prediger in's Zimmer trat, findet er den alten Mann, welcher länger als eine Woche ſchon das Bette nicht verlaſſen hatte, völlig angekleidet am Tiſche ſitzen. Die Freude, das Mahl der Ver⸗ ſöhnung zu feiern, hatte den Greis ſo ſtark ge⸗ macht, daß es ihm keine Beſchwerde war, ſich in ſeine feinſte ſchwarze Kleidung zu ſetzen. Er ent— blößt ſein ſchneeweißes Haupt und nimmt dem Prediger jedes Wort von den Lippen. Als die⸗ ſer zur Liturgie übergeht, erhebt ſich der Greis, ſchiebt ſeinen Stuhl zurück, kniet — als fühle er keine Schwäche — nieder; legt ſein freudeſtrah⸗ lendes Angeſicht gegen den Tiſch; und ehe er ſei⸗ nes HErrn Gnadenpfänder hinnimmt, ergießt er ſein Herz in inbrünſtigem Beten. Von da an lebte der liebe Alte noch 4 Tage. Leiblich ward er immer ſchwächer, aber ſein Friede blieb. Am vierten Adventsſonntage 1823 ging der Prediger ſchon vor dem Gottesdienſte zu ihm, und hörte ihn ſagen: „Heute gehe ich wohl hin⸗ über.“ Noch konnte er den Vers beten: „Der Grund, da ich mich gründe“ u. ſ. w. Nach der Kirche fand ihn der Prediger im Todeskampfe, ſah aber auf ſeinem Angeſichte dieſelbe ſelige Freude, welche es in den letzten Tagen ausge⸗ zeichnet hatte, hörte ihn von ſeinem und zu ſei⸗ nem JEéſus reden, mußte ihm noch ſeine Lieb⸗ lingsverſe vorſprechen, bekam von ihm einen feſten Händedruck und aus dem brechenden Auge einen langen freundlichen Blick. — Der Prediger, welcher am Nachmittage mehrere Amtsgeſchäfte hatte, verſprach ihm, ſo bald wie möglich wieder zu kommen. Als er kam, hörte er, der Greis ſei eben ruhig und ſchmerzlos heim⸗ gegangen. (Eingeſandt von Miſſionar Baierlein.) Einiges über die Ureinwohner dieſes Landes, und was von der evangeliſch⸗lutheriſchen Kirche für ſie gethan wird. J. Bethanien. Wenn du, geliebter Leſer, von Saginaw City, im Norden Michigans, nordweſtlich am Tilipi⸗ waſſifluſſe hinaufgehſt, ſo kommſt du nach einer Reiſe von 21 Meilen zu einem Punkte, wo dieſer Fluß den Chippewa River aufnimmt, und alſo eine Gabel bildet. Ueberſchreiteſt du den Titipi⸗ waſſifluß und gehſt am Chippewa River hinauf, ſo kommſt du in etwa einer Meile zu vier kleinen Blockhäuſern. Ob nun auch dieſe nicht gerade ſehr einladend ausſehen, ſo wirſt du dich doch ſchon zur Einkehr entſchließen müſſen, denn es gibt in der Umgegend keine andere, und wollteſt du dich außer dem Hauſe aufhalten, ſo würden die Moskitos dich gar bald auf andere Gedanken bringen. Brichſt du dann am andern Morgen wieder auf, ſo kommſt du in etwa zwei Meilen zu dem Punkte, wo der Pine River in den Chip⸗ pewa River mündet. Haſt du nun auch den Chippewa River überſchritten, ſo findeſt du am rechten Ufer des Pine River einen Indianerſteig, der ſich, dem Laufe des Fluſſes entgegen, in ſüd⸗ weſtlicher Richtung durch das urwaldliche Dickicht hindurchwindet. Dieſer Weg, oder richtiger Um- weg, wird dich freilich recht müde machen, lieber Leſer, denn er iſt wirklich ſehr ſchlecht, führt unter und über verfaulende Baumſtämme hinweg, durch meilenlange Schwämme hindurch, und gewährt dir keine Abwechſelung; ein Haus oder eine Hütte bekommſt du den ganzen Tag nicht zu ſehen. Haſt du aber Kraft und Muth genug, ihn zu verfolgen, ſo kommſt du in etwa 30 Meilen von den letztge⸗ nannten vier Blockhäuſern zu einer, Anzahl von Baumrindenhütten, die von Indianern bewohnt werden. Außer dieſen Rindenhütten wirſt du aber auch noch ein einzelnes Blockhaus wahr— nehmen, das vor einem Jahre erbaut iſt und von Miſſionar Baierlein bewohnt wird, der den armen blinden Indianern gerne den Weg zu dem Reich⸗ thum der Gnade Gottes in Chriſto JEſu zeigen möchte. Die Indianer nennen dieſen Ort in ihrer Sprache ſchlechtweg Klärung, aber der Miſ⸗ ſionar nennt ihn Bethanien, d. h. zu Deutſch: Armenhaus, weil es nemlich wirklich in jeder Hinſicht ein ſehr armer Ort iſt, inſonderheit aber darum, daß die armen Indianerheiden ohne Gott dahinleben in dieſer Welt. Da nun aber der HErr JeEſus reich iſt über Alle, die Ihn anrufen, ſo werden dieſe armen Heiden eben zu dieſem rei⸗ chen HErrn hingewieſen, als der ſie nur allein reich machen kann und will. Denn wie Er einſt ſo oft und ſo gern in jenem Bethanien des heili⸗ gen Landes in dem Hauſe des Lazarus und der Maria und Martha einkehrte, ſo iſt er ja auch