# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 09 14_S185 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) „Gottes Mort und LJuthers Tehr' Belligirt von C. 5. W. Walther. er Cutheraner. vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Hahrgang 5. Ht. JLouis, Mo., den 24. Zuli 1849. No. 24. vorauszu bezahlen und das Poſtgeld ENur die Briefe, welche Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. ittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of CO. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. (Eingeſandt.) „Eine wahre Geſchichte. Vor nicht gar langen Jahren lebte in einem kleinen Orte des nördlichen Deutſchlands ein Arzt, der wegen ſeiner Geſchicklichkeit und Güte gegen Arme und Leidende nicht nur an ſeinem Wohn⸗ orte, ſondern mehrere Meilen weit, bekannt und hoch geehrt war. Eins aber hatte der liebe Alte noch immer nicht erlangt, den Frieden Gottes in dem Gekreuzigten. Seine Jugendjahre waren in die Zeit gefallen, da der Unglaube auf Univer⸗ ſitäten und in den gebildeten Kreiſen zur Herr⸗ ſchaft kam, und ſo war auch er von dem Strome der Aufklärung mit fortgeriſſen. Was er in ſei⸗ ner Kindheit aus dem Munde ſeines frommen Vaters, eines treuen Predigers, von Gottes Wort und Wahrheit gehört, hatte er unbedingt über Bord geworfen, und lebte nun an fünfzig Jahre ohne Gebet, ohne Bibel, ohne Abendmahl, — und, wie er ſelbſt am Ende geſtand, ohne Gott in der Welt. Seine Stellung war die ganze Zeit hin⸗ durch alſo, daß ihm das Evangelium durchaus nicht nahe trat, und er Gottesdienſt, Predigtamt, Gnadenmittel nur als ſittliche und ſtaatskluge Zucht⸗ und Schreckmittel für die dumme rohe Maſſe des Volkes anſah. Sein Grundſatz war einzig: „Thue Recht und ſcheue Niemand!“ wobei er das: „Fürchte Gott“ wegließ, und ſich von der jedesmaligen Stimmung ſeines Gewiſſens vorſchreiben ließ, was recht ſei. So hatte er es bis zu einem Alter von 76 Jah⸗ nen gebracht, und ſeinen Grundſatz: „Thue Recht“ u. ſ. w. nach einem anderen zu regein und mit einem anderen in Einklang zu bringen geſucht, der lautete: „Leben und leben laſſen!“ Die Freu⸗ den der Tafel, des geſelligen Umganges, des Spieles und Tanzes mußten ihm noch gegen ſeine letzte Krankheit hin Zerſtreuung geben und ern⸗ ſtere Gedanken ihm vertreiben. So lange er das Haus verlaſſen konnte, mußte er faſt jeden Abend ſeine Parthie Whiſt (Kartenſpiel) machen, und hatte ſo lange auch noch jeden Abend bei ſich große Abendgeſellſchaft. Als aber zunehmende Schwäche ihn zwang, daheim zu bleiben, und ſeine bisherigen Freunde ihm nicht mehr, dem huſtenden, grämlichen Greiſe, die alten Zeitvertreibe bereiten konnten und mochten, fing er an, ſich ſehr unglücklich zu fühlen und ſeine üble Laune an ſeinen Hausge⸗ noſſen auszulaſſen. Verheirathet war er nie; ein Kutſcher nur und eine Haushälterin waren um ihn, und konnten kaum noch ſeine Verſtimmtheit und Heftigkeit ertragen. Die Nächte, in welchen ihn jetzt der Schlaf floh, pflegte er ſie beſonders mit Klingeln, Vorwürfen, daß ſie nicht wachten, und mancherlei Drohungen zu quälen. Ein Kräf⸗ tigerer war über ihn gekommen mit dem: „Beſtelle dein Haus; du mußt ſterben.“ Doch ergab er ſich nicht ſo bald. Am Tage wußte er es ſich immer wieder auszureden, daß es bald zu Ende gehen werde. Es mußten oft noch einige Freunde mit ihm ſich zu Tiſche ſetzen und ihm ſagen, daß er friſcher ausſehe als Tags zuvor. Da ſaß nun der alte Mann im großen Lehnſtuhl, Kiſſen in den Seiten und im Rücken; er nahm den Teller immer ſehr voll, damit ſeine Gäſte ſich ſeines Appetits verwundern ſollten, brachte aber nur wenig in den Mund. Größeren Gefallen konn⸗ ten die Tiſchgenoſſen ihm nicht thun, als wenn ſie ihm Vielerlei erzählten und beim Weggehen das Geſpräch auf ſein in wenigen Monaten zu begehendes fünfzigjähriges Amtsjubelfeſt brachten. Er pflegte dann wohl zu ſagen: „das erlebe ich nicht mehr!“ und wie verabredet erwiederten ſeine Freunde: „Was, Herr Phyſikus? Sie wollten doch nicht ſchon an's Sterben denken? So rüſtig wie Sie noch ſind! Nein! mit ſolcher Lebensluſt und ſolchem Appetit ſtirbt man nicht.“ Solch leidige Tröſtungen unterhielten und erheiterten ihn gewöhnlich einige der folgenden einſamen Stunden hindurch, mit der Nacht aber kehrte Un⸗ friede, Unruhe und Heftigkeit zurück. Um dieſe Zeit kam in den Ort auf einige Tage ein alter Prediger, ein Jugendfreund und Stu⸗ diengenoſſe des alten Doctors, ein treuer Schüler der Vernunftweisheit. Er war kaum mit dem Doctor allein, ſo fragte ihn dieſer mit großem Anliegen, ob man wirklich Grund habe, zu glau⸗ ben, daß des Menſchen Geiſt unſterblich ſei? Das Ergebniß dieſer Unterredung war, daß „die Ver⸗ nunftbeweiſe für Unſterblichkeit nicht genügend ſein, man darüber alſo nicht zur Gewißheit kom⸗ men könne, jedoch, wenn man die Seele für un⸗ ſterblich halten könne, man ſich ſehr gut bei dieſem Glauben ſtehe“. Daß dieſe Unterredung den Doctor in große Unruhe verſetzt habe, klagte er einem Manne, welcher der Anfertigung ſeines Teſtamentes bei⸗ wohnte und ſich als wahrer Freund erwieſen hatte. Er äußerte gegen dieſen, wenn ihm nur ſeine Un⸗ ſterblichkeit bewieſen werden könne, ſo werde er gewiß ruhig ſterben. Ihm ward gerathen, er möge ſich einmal an den neuen Prediger wenden, welcher eben damals ſein Amt angetreten hatte. Der Alte ſchüttelte ungläubig den Kopf, und ſagte lächelnd: „Meinen Sie, daß, was mein erfahrner alter Freund mir nicht ſagen konnte, ein junger Menſch wiſſen ſollte, der fünfzig Jahre weniger gelebt und ſtudirt hat?“ Jedoch mußten der Gehülfe des Phyſikus und der junge Paſtor wöchentlich inigemal mit dem Alten eſſen. Vor dem Gehülfen, einem Schul⸗ freunde, hätte der Paſtor keine Scheu haben dür⸗ fen, mit dem alten Manne ernſtlich von Tod und Gericht zu ſprechen. Allein — im eignen Hau ſe eines alten und hochgeſtellten, dabei in der Unter⸗ haltung ſehr gewandten Mannes, dazu ohne alle ſeelſorgeriſche Erfahrung, ſich des Wortes zu be⸗ mächtigen und den Alten feſt zu halten, ſchien dem Prediger unmöglich. Das bekümmerte den Prediger nun wohl genug, und er hoffte von einer Zeit zur andern auf eine paſſende Gelegenheit, zumal, da der Doctor ihn faſt jedesmal mit den Worten entließ: „Nun, Herr Paſtor, Sie kommen doch dann und dann wieder? dann wollen wir ge⸗ wiß ernſtlich mit einander reden; ich habe Vieles zu fragen.“ Der Paſtor dachte hin und her, und kam endlich zu der Ueberzeugung, daß er bei den vielen Arbeiten und Verpflichtungen, die ſein Amt ihm auflegte, mit jeder Stunde ſorgfältig haus⸗ halten müſſe. Als der Doctor ihn daher wieder einſt auf gelegene Zeit verwies, erwiederte er „Lieber Herr Phyſikus, ich bin Ihnen dankbar, daß Sie mich, einen Fremden, ſo freundlich auf⸗