# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 04 05_S64 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 64 schwerden, deren Entscheidung ihm ohnehin nicht zukomme, ihnen selbst überlassen, daß sie einander um Christi willen vergeben und sich in brüderlicher Liebe vereinigen möchten. Als darauf der ehrwürdige Bischof Eustathius von Antiochien im Namen seiner übrigen Amtsbrüder dem Kaiser gedankt und dessen christlichen Sinn und Eifer gebührend anerkannt hatte, fuhr der Kaiser fort, er wünsche nichts sehnlicher, als daß, nachdem ihm Gott über seine weltlichen Feinde den Sieg verliehen und die Tyrannei grausamer Christenverfolger gedämpft hätte, auch die Kirche in seinen Landen zum Frieden kommen, und wider alle Irrgeister und Störer sich auf den rechten Grund des wahren Glaubens in rechter Einigkeit des Geistes verbinden möchte. Darum sollten sie als Vertreter dieser Kirche aus den prophetischen, evangelischen und apostolischen Schriften, die sie ja hier zur Hand hätten, die Arianische Streitigkeit mit einander besehen und sich gegenseitig mit ruhiger Ueberlegung darüber aussprechen, was in der Sache zu strafen und zu verwerfen sei. Hierauf verlas Eusebius von Nicomedien ein schriftliches Bekenntniß, worin die Hauptsache der ganzen arianischen Ketzerei so unumwunden, aber auch so unverschämt ausgesprochen war, daß sich fast alle Versammelten nicht enthalten konnten, ihren gerechten Schauder und Unwillen dagegen auf alle Weise zu erkennen zu geben. Als aber nun ein heftiger Wortwechsel entstand und Einer um den Andern das Lästerliche und Gottlose jener Lehre mit biblischen Gründen darlegte, auch Eusebius selbst in Angst und Bestürzung gerieth, und seine gelesene Schrift endlich vor der ganzen Versammlung in Stücken zerrissen wurde, da ermahnte der Kaiser immer aufs neue zur Sanftmuth und Ruhe, dämpfte durch linde Zusprache das Feuer derjenigen, die sich in zorniger Hitze vergessen hatten, und bestärkte diejenigen, deren Widerspruch zwar mit entschiedenem Ernst, aber doch mit Gelassenheit und Mäßigung verbunden war. Ob Arius selbst in der Versammlung zugegen gewesen, ist nicht mit Deutlichkeit zu erkennen. Er wurde aber durch wenigstens 17 Bischöfe vertreten, die auf seiner Seite standen, während andre Anwesende wohl im Geheimen ihm anhingen. Unter allen Gegnern aber, welche den Arianismus bekämpften, zeichnete sich insonderheit ein junger Mann aus, den Gott mit ebensoviel richtiger Erkenntniß in der Lehre, als mit Muth und heiligem Eifer für die Sache Christi ausgerüstet hatte. Dies war der rechtschaffene und ehrwürdige Athanasius, der damals noch als Alexandrinischer Archidiakonus seinen geliebten Bischof Alexander nach Nicäa begleitet hatte, und ihn bei dessen Altersschwäche im Kampfe kräftig unterstützte. Wir gedenken, so Gott will, in diesen Blättern noch später einmal das ganze Leben dieses großen Kirchenlehrers ausführlicher darzulegen, woraus dann der christliche Leser noch weiter erkennen wird, welche kräftige Stütze und Säule der Kirche dieser Zeuge der Wahrheit in jener Zeit gewesen sei; aber auch wie viel er um der Wahrheit willen von den rachgierigen und boshaften Nachstellungen der Arianer habe leiden müssen. Für jetzt bleiben wir blos bei der Nicänischen Kirchenversammlung stehen und bemerken über den weitern Fortgang und das endliche Ergebniß derselben nur noch Folgendes: Allerdings konnten die Arianischgesinnten dem einstimmigen Zeugniß der großen Mehrzahl nicht lange widerstehen und mußten schriftlich und mündlich zugeben, daß IEsus Christus wahrer Gott sei; aber sie verbanden damit hinterlistig einen andern Begriff, daß Er nehmlich nur insofern Gott sei, als die heil. Schrift auch Engel und heil. Männer oftmals Götter nenne. Entgegnete man ihnen nun noch bestimmter, daß Er der wahre Gott sei, so gaben sie dies wieder nur mit der falschen Clausel zu, daß Er dazu von Gott gemacht worden sei. Wurde ihnen dagegen aus der Schrift bezeugt, daß er von Natur Gott sei, so waren sie dies auch zufrieden; denn sie sagten, auch wir sind von Gott, von welchem alle Dinge sind. So drehte und wendete sich ein Eusebius von Nicomedien mit seiner gleichgesinnten Partei hin und her, um ihren Irrthum, so lange, als möglich, zu behaupten und denselben doch auch möglichst zu verstecken, damit sie nicht abgesetzt und ausgeschlossen werden möchten. *) Selbst der andere Eusebius, der älteste berühmte Kirchengeschichtsschreiber und Bischof zu Cäsarea in Palästina, der wenigstens den Arianern im Herzen nicht abhold war, wünschte nur, daß man bei den allgemeineren Ausdrücken stehen bleiben möchte, worin bisher die Kirche von diesem Artikel geredet habe. Allein man fühlte mit Recht, daß damit die Sache nicht entschieden und der falschen Auslegung dieser biblischen Ausdrucksweise gegen die neue Ketzerei nicht sattsam vorgebeugt werde. Darum sammelte man noch einmal alle biblische Stellen, worin von der wahren Gottheit des Sohnes Gottes geredet wird, und zog daraus den Schluß, daß zwar auch von den Creaturen gesagt werden könne, sie seien von Gott, weil sie, ohne von selbst ein Dasein zu haben, von Gott geschaffen worden seien, daß aber der Sohn noch auf eine ganz andre Weise vom Vater sei, nehmlich „Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftiger Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, und mit dem Vater gleiches Wesens sei.“ Diesen ihren Verstand am Worte Gottes, wie ihn die Kirche von Alters her nach völliger Uebereinstimmung mit der ganzen heiligen Schrift bekannt und verstanden hat, sprachen sie nun, um das altapostolische Glaubensbekenntniß vor ketzerischem Mißverstand zu verwahren, in demjenigen näher bestimmten Symbolum aus, welches die rechtgläubige Kirche in der Sammlung ihrer Symbole das „Nicänische Glaubensbekenntniß“ genannt, einstimmig angenommen und bis diesen Tag bewahrt hat. Dieses Bekenntniß wurde nun den versammelten Vätern auf kaiserlichen Befehl zur Unterschrift vorgelegt und von Allen, auch den beiden Eusebius (wiewohl sie sich später darüber anders erklärten,) wirklich unterschrieben. Blos zwei arianische Bischöfe, Theonas und Secundus, verweigerten die Unterschrift, und wurden mit ihrem Arius ihrer Aemter entsetzt, als Feinde des Christenthums von der Kirche ausgeschlossen, nach Illyrien verwiesen und alle Schriften des Arius auf das Strengste verpönt. — *) Anmerk. Dieselbe Zweideutigkeit findet man noch jetzt bei unzähligen Predigern, die weder der Wahrheit die Ehre geben, noch ihre Aemter verlieren wollen. Und ach! wie viele Gemeinden lassen sich von solchen täuschen! Was sonst noch auf dem Concilio zu Nicäa zur Beilegung der Streitigkeiten über die Zeit des Osterfestes und über andre kirchliche Gegenstände beschlossen worden ist, das lassen wir jetzt dahingestellt sein und geben im nächsten und letzten Abschnitt blos noch die wichtige und warnende Erzählung von dem schrecklichen Ende des Arius. (Fortsetzung folgt.) Zufällige Gedanken. Gleichgültigkeit dagegen, ob die Lehre rein oder falsch sei, ist meist gefährlicher, als hartes Bestehen auf falscher Lehre. Bei Gleichgültigkeit hört das Suchen nach Wahrheit auf; Eifer für solche falsche Lehre verwandelt sich aber leicht in Eifer für die rechte, wenn Gott die Augen öffnet. Offenb. 3, 15. 16. Sprich nicht: wenn die falschen Lehrer hart angegriffen werden, so werden sie meist anstatt besser nur immer schlimmer! — Sie werden dadurch nicht schlimmer, sondern, wenn es so scheint, werden sie nur offenbarer. Sprich nicht: was hilft alles Kämpfen gegen Irrthümer; die falschen Lehrer bekehren sich doch nicht! — Bekehren sie sich auch nicht, so werden sie doch in die Schrift getrieben; sie werden doch durch die Entgegnung aus ihrem Schlafe aufgeweckt, und zurückgehalten, nicht zu unbesorgt von der heiligen Schrift immer mehr abzuweichen. Das bringt nun zwar dem Kämpfer für Wahrheit nicht die Freude und Ehre eines Siegers, aber es kommt den Gemeinden der falschen Lehrer zu gute, die etwas in Eifer gejagt werden. Das ist Lohn genug für ein wenig Spott und Verleumdung, die dem Zeugniß von der Wahrheit freilich immer folgt. Die falschen Lehrer haben immer das Schafskleid um, aber die Wolfsnatur darunter verborgen; rechte Lehrer hingegen haben manchmal einen rauhen Pelz, aber darunter Lammesart. Beschämtes Vorurtheil. Als Herzog Georg ein Exemplar von dem Buche Luthers: „Ob Kriegsleute auch in einem seligen Stande sein können,“ in die Hände bekam, auf welchem Luthers Name weggelassen war, gefiel ihm dasselbe so sehr, daß er zu Lucas Cranach, der für ihn damals zu Dresden arbeitete, sagte: „Siehe, Lucas, du rühmst immer deinen Mönch zu Wittenberg, den Luther, wie der allein so gelahrt sei und allein gut Deutsch reden und allein gute Bücher schreiben könne; aber du irrst hierin sowohl, als auch in anderen Stücken mehr. Siehe, da habe ich auch ein Büchlein, das ist ja gut und besser, denn es der Luther nimmermehr machen könnte.“ Der Maler besieht das Buch und ein anderes Exemplar desselben Buches aus der Tasche ziehend, spricht er: „Gnädiger Fürst und Herr, dies Büchlein hat Luther gemacht, nur daß sein Name nicht darauf steht. Hier ist eins, das er mir selbst gegeben, darauf sein Name gedruckt ist.“ Der Herzog sah ein, daß dem so sei; wurde zornig, fluchte und sprach: Ist's doch Schade, daß ein so heilloser Mönch ein so gut Büchlein hat machen sollen! Gedruckt bei Weber und Olshausen.