# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 08 31_S183 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) einer Anzahl von Gemeinden ſich für das Ganze halte“. Was den letzten Punkt betrifft, ſo glaube ich nicht, daß dieſer Irrthum wirklich häufig vor⸗ kommt, ich habe ihn noch nirgends beſtimmt zu erkennen Gelegenheit gehabt, halte es aber nament⸗ ülich bei fanatiſchen Secten allerdings für möglich, und vermuthe, daß er z. B. auch bei manchen deutſchen Methodiſten ſich finden mag. Der erſte Irthum mag aber häufiger ſein, vielleicht bei den meiſten fleiſchlich dahinlebenden Chriſten; doch glaube ich auch, daß bei Solchen in der Regel auch gar keine rechte Sorge iſt, ob ſie zu der wah⸗ ren Kirche gehören. Obbwohl nun aber die Anmerkung dieſe Erklä⸗ nung über das Gedicht gibt, ſo ſieht man doch aus dem Gedichte ſelbſt, daß noch etwas Anderes ge⸗ meint iſt. Uns will es ſcheinen, als habe dem Dichter der unirte Gegenſatz gegen das reine Be⸗ kenntniß zu ſeiner Begeiſterung ein gut Theil mit⸗ geholfen. Davon zeugt unter Anderm der erſte Vers, der ſo ſchließt: „Doch der ewige, heilige, göntliche Dom Steht nicht in Wittenberg, Genf und Rom.“ Das iſt ein recht ſonderliches Bekenntniß, ent⸗ weder auf Unkenntniß der Geſchichte beruhend, oder auf einer ſich ſelbſt widerſprechenden Mei⸗ nung. Nach der Anſicht des Dichters ruht der heilige Tempel der Kirche auf ewigen Säulen, und dem iſt gewiß ſo; aber auf Erden iſt er doch auch gewißlich zu finden? Der Dichter ſagt: er erſtreckt ſich über Himmel und Erde. Iſt auch wahr; aber iſt er denn bloß unſichtbar? Der Dichter ſagt: Nur der, der geweiht iſt hineinzu⸗ gehn, könne dieſen Wunderbau ſehn. Abgeſehen davon, daß dieß nicht ganz richtig iſt, denn die Phariſäer und hochmüthigen Schriftgelehrten ha⸗ ben unzweifelhaft jenes erſte kleine Häuflein mit ihrem göttlichen Wandel und göttlicher Freude im Heiligen Geiſte auch geſehen; abgeſehen hier⸗ von, ſo muß der Dichter, wenn er die Geſchichte kennt, doch auch wiſſen, daß man in Wittenberg dieſelbe Kirche hat auch einmal ſehen und hören können (wie der Schuhmacher Hans Sachs ſagt: „Die Wittenbergiſche Nachtigall, Die man jetzt höret überall“); vielleicht mag man ſie auch heut zu Tage noch daſelbſt ſehen können, wenn Einen der HErr grade drauf zu führte. Kann man ſie aber daſelbſt ſehen, ſo ſteht ſie auch in Witten⸗ berg. Doch 's iſt ſchon offenbar genug, daß er bier lediglich ſeinen Gegenſatz gegen das reine Bekenntniß ausſpricht. Daß dieſes „excluſiv“ iſt, das verſteht ſich ganz von ſelbſt. Auch wird ja in derſelben Nummer jenes Blattes von „Häre⸗ tikern“ geſprochen, ſo daß ſie alſo ihr Bekenntniß auch für „excluſiv“ erklären. Wie die deutſchen Methodiſten das Geſetz verkehrt treiben, ſo dieſe Leute die Union, ſo daß ſik keine klaren Augen behalten, ſondern den Wald vor den vielen Bäumen nicht ſehen. — 183 Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Veſte verkündigen ſeiner Hände Werk. Pſ. 19, 2. Athanaſius Kirchner, ein berühmter Aſtronom, überzeugte einen Gottesleugner vom Daſein Got⸗ tes auf folgende Weiſe: Es hatte dieſer nemlich lange gewünſcht, daß ihn jemand davon über⸗ zeugen möchte, und Kirchner hatte es ſchon oft vergeblich verſucht. Endlich kam er auf folgen⸗ den Einfall: Er ſetzte zu der Zeit, da ſein Freund zu ihm kommen wollte, einen ſchönen Globus, der den geſtirnten Himmel vorſtellte, in einen Winkel ſeines Zimmers. Da ſein Freund kam, beſchäftigte er ſich mit aſtronomiſchen Rech⸗ nungen, welches jenen nöthigte, ſich unterdeß im Zimmer umzuſehen. Da bemerkte er nun ſogleich den ſchönen Globus, und fragte Kirchnern, ob er ihm gehöre? Wer ihn gemacht und dahin ge⸗ ſtellt habe? Kirchner antwortete: er ſei nicht ſein, es habe ihn Niemand gemacht, er müſſe etwa von ohngefähr dahin gekommen ſein. „Das kann ich nicht glauben, es iſt unwahrſcheinlich, es iſt ſchlechterdings unmöglich“, erwiderte der Freund, und ſchien unwillig zu werden, daß ihm Kirchner ſo etwas thörichtes überreden wolle. Kirchner ergriff ſogleich dieſe Gelegenheit und ſagte: „Sie wollen nicht glauben, daß dieſer ſchlechte und kleine Körper von ſich ſelbſt entſtan⸗ den ſei? Wie können Sie glauben, daß das viel größere und ſchönere Original von ſich ſelbſt, durch einen bloßen Zufall ſo geworden ſei, wie wirs jetzt ſehen und mit Recht bewundern?“ — Durch dieſe glückliche Erfindung ward ſein Freund gewonnen, und erkannte die Narrheit eines Got⸗ tesleugners. 2*—— Die Rache iſt mein! Ich will vergelten! ſpricht der HErr. 5 Moſ. 32, 35. Michael, Biſchof zu Salzburg, ein beſſrer Jäger als Prieſter, hielt im Jahr 1537 eine große Jagd, auf welcher ein angeſchoſſener Hirſch die Lappen durchbrach, und im Getraide eines armen Bauers todt niederfiel. Der arme Bauer fand den Hirſch, nahm die Beute mit ſich, weidete das Wild aus, und nährte geraume Zeit ſich und die Seinigen davon. — Das wurde aber verrathen. Der Biſchof ließ ſogleich den armen Mann grei⸗ fen und in ein abſcheuliches Gefängniß werfen, als wäre er der größte Verbrecher geweſen. Seiner Regierung befahl er, dem Bauer den Prozeß zu machen, und ihn zu einem elenden Tode zu ver⸗ dammen. Die Räthe trugen, als ehrliche Leute, Bedenken, eines todten Viehes wegen, einen Men⸗ ſchen umzubringen, und wollten das Urtheil über den Bauer nicht ſelbſt ſprechen. Sogleich beſtieg der Biſchof ſelbſt den Richtſtuhl, und ſprach fol⸗ gendes Urtheil aus: „Weil der Bauer durch Heimſchleppung des Wildes ſich an ſeiner Obrig⸗ keit vergangen hat, ſoll er in die Haut des ge— raubten Thieres eingenäht, und den biſchöflichen Jagdhunden Preis gegeben werden: wird er aber auf Händen und Füßen ſo ſchnell laufen, daß er den Hunden entgehen kann, ſo ſoll ihm das Leben — geſchenkt ſein. — Das Urtheil wurde wirklich an dem armen Mann vollzogen. Er ward eingenäht, und auf einen freien Platz gebracht. Hier ließ der geiſtliche Herr die bewährteſten und größten ſeiner Jagdhunde auf den Unglücklichen los, ſetzte das Jagdhorn ſelbſt recht freudig an den Mund, und nun fielen die Hunde ſogleich über den Bauer wüthend her, und zerriſſen ihn in viele Stücke. Den Tag darauf ritt dieſes Scheuſal auf die Jagd, ſtürzte mit ſeinem Pferde, und brach den Hals! Ergebung in Gottes Willen bei Todesfällen. Gottfried von Häſeler, der im Jahre 1752 als Königlicher Geheimer Rath ſtarb, er⸗ lebte das harte Schickſal, daß er innerhalb ſieben Tagen ſeine vier älteſten, ſehr hoffnungsvollen Söhne an den Blattern verlor. Drei derſelben wurden an Einem Tage zu Grabe getragen. Mit großer Faſſung folgte der weinende Vater ihren Särgen nach. Als der letzte eingeſenkt wurde, kam ihm die Nachricht zu Ohren: ehen ſei der Vierte auch geſtorben. Jetzt fiel er in Ohnmacht; aber ſobald er ſich erholt hatte, ſprach er von die⸗ ſem vielfachen, ſehr ſchmerzlichen Verluſte mit aller Gelaſſenheit eines Chriſten. Sein zärtliches Vaterherz empfand denſelben freilich, ſo lange er lebte; er bezeugte es oft, daß er durch die harte göttliche Schickung ſehr gebeugt worden ſei; aber mit welcher Gemüthsfaſſung er ſolche ertragen habe, können ſeine eigenen Worte, womit er dieſen Trauerfall in ſeinem Tagebuche aufzeichnete, am beſten beweiſen. Es ſind folgende: „Im October 1723 hat uns der HErr über Leben und Tod ein Hartes erzeiget: innerhalb ſieben Tagen ſind un⸗ ſere vier älteſten hoffnungsvollen Söhne uns an den Pocken durch den Tod entriſſen worden. Gott erfreue ihre, durch das Blut Chriſti theuer erkauf⸗ ten Seelen vor dem Throne des Lammes in alle Ewigkeit! Uns arme, ſchmerzlich gebeugte Eltern lehre Er, ſeinen heiligen Rathſchluß erkennen, und bedenken, daß, was Er thut, wohlgethan ſei! — Einſt ſehen wir im Lichte, was hier auf Erden dunkel war, und rufen dann vereint mit unſern Kindern aus: Vater! hier ſind wir und die du uns gegeben haſt.“ Todesnachricht. Mit tiefer Betrübniß machen wir den lieben Leſern, inſonderheit den theuren Brüdern im Amte, hierdurch die Mittheilung, daß nach Gottes un⸗ erforſchlichem Rathſchluſſe Herr C. H. Sieg⸗ mund Buttermann, geweſener Paſtor der deutſchen ev.-lutheriſchen Gemeinde zu Cheſter⸗ Randolph Co., Illinois, von deſſen Eintritt in das heilige Amt wir Nr. 20 dieſes Blattes mit großer Freude Kunde gegeben haben, am 12ten d. M. nach nur ſiebenſtündigem Krankenlager an der Cholera verſtorben iſt. Der Selige war geboren zu Weferlingen in der Provinz Sachſen, woſelbſt ſein Vater Superin⸗