# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 08 31_S182 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſich ſtets widerſpenſtig erzeige und nur da, wo ſie ihren Vortheil ſehe, den in Gottes Wort gegründeten Forderungen des Paſtors nachgebe, ihre, ſogar ſchriftlich gegebenen Verſprechen aber immer wieder breche, ſo⸗ bald ſie des Paſtors nicht mehr zu bedürfen meine, auch ihm dann ſelbſt den Dienſt auf⸗ kündige? Antwort: Ja! eine ſolche Gemeinde mache ſich ſelbſt unwerth, Gottes Wort zu hören. Ite Frage: Wie ſoll ein Prediger verfahren, wenn ein Glied ſeiner Gemeinde ein anderes be⸗ ſchuldigt, daß es ein Verbrechen begangen, und namentlich, wenn der Angeſchuldigte die That leugnet, ſich auf Zeugen beruft? Antwort: Es iſt jedenfalls die Wahrheit zu ermitteln, nimmer aber auf eine bloße Vermu⸗ thung hin ein Urtheil zu fällen, da dies ganz gegen Sacharja 8, 7. ſein würde. Sind darum Zeugen angegeben, ſo ſollen dieſe vernommen werden und nach ihrer Ausſage iſt zu entſcheiden. Der danach Schuldige kommt in Kirchenzucht. — Erweiſ't es ſich aber, daß die Zeugen Urſache der Anklage ſind, wiewohl ſie nichts Gewiſſes aus⸗ ſagen können, ſo müſſen dieſe, als Verleumder, in Kirchenzucht genommen werden, falls ſie nem⸗ lich zur Gemeinde gehören. Ludwig W. Habel, als Secretär. (Eingeſandt.) * Ob die Union, wie man ſie ſo häufig vertheidi⸗ gen hört, recht ſei oder nicht? Und ob die Union überhaupt recht ſei? Es iſt mir begegnet, daß ich mit ſolchen, die für die Union ſich erklärten, zuſammen war, und das Geſpräch ſich auf dieſen Gegenſtand richtete. Ich hatte mich damals ſelbſt noch nicht öffentlich gegen die Union erklärt, weil ich, in Deutſch⸗ land in der unirten Kirche Preußens aufgewach⸗ ſen, noch in dem Widerſpruch mit mir ſelbſt lebte und nicht recht wußte, was ich thun ſollte. Und ich wäre auch wohl in der Union geblieben, wenn ich dieſelbe nicht erkannt hätte als einen Schleier oder Mantel, der über das Gewiſſen ge⸗ breitet iſt. Gewiſſensfrage, iſt meine Meinung, muß es werden, wenn man Gewißheit über dieſe Frage erlangen will. Nach meinem Gewiſſen aber habe ich es nie geleugnet, daß die lutheriſche Lehre die rechte, in Gottes Wort begründete ſei. Erhoben ſich nun Stimmen dagegen, ſo bekannte ich die erkannte Wahrheit. Kam's auf die Union, ſo konnte ich dieſelbe nur als recht zugeben in der Wahrheit; doch gab es auch eine Zeit, wo ich ) Dieſe Einſendung kam uns erſt zwei Tage nach dem Eingehen des Schreibens zu, in welchem uns von des lie⸗ ben Einſenders, des Paſtors Buttermann, ſeligem Tode Nachricht gegeben worden war. Aus dem die Einſendung begleitenden Privatbriefe erſehen wir, daß der theuere Mann Obiges noch zwei Tage vor ſeinem Tode niederzu⸗ ſchreiben ſich gedrungen fühlte. Es freut uns, dasſelbe, als ein Bekenntniß ſeines eigenen Mundes gegen die ſogenannte Union und für die lutheriſche Kirche, unſern Leſern vorlegen zu können. D. Reb. ö 182 mein Gewiſſen durch Autorität Anderer habe be⸗ reden laſſen, es ſeien die Differenzpunkte zwiſchen der reformirten und lutheriſchen Lehre nicht fun— damental und könne deßhalb doch eine Union ſtattfinden. Als ich hieran bei ſorgfältiger Prü⸗ fung vor meinem HErrn und Gott grade wieder zweifelhaft wurde, ereignete ſich das oben er⸗ wähnte Geſpräch. Die, mit denen ich ſprach, mochten in meinen Aeußerungen alsbald einen „excluſiven“ Lutheraner merken, und merkte ich ihnen ein ſonderbares Weſen an, das ich aus eigner Erfahrung wohl kannte, als ich nemlich auf ihre Frage, ob ich denn meine, daß die Union nicht von Gott gewollt ſei, antwortete: ja gewiß wolle Gott die Union, aber nur in der Wahrheit. Darauf wurde denn erwidert: ja, ſo ſei es, im Worte Gottes müſſe die Union geſchehen und ſein. Ich erwiderte: man dürfe dann nur nicht außer Acht laſſen, daß bei den verſchiedenen Leh⸗ ren allezeit die Frage ſich zur Entſcheidung auf— drängte: welche iſt recht und welche falſch? Darauf wurde das Geſpräch abgebrochen. Und hier iſt gerade der Punkt, den das Fleiſch fliehet. Im Worte Gottes, in der Wahrheit ſoll unirt werden; 's wird aber nichts daraus, weil man keinen Ernſt macht mit der Sache, ſich lieber auf Autoritäten ſtützt und damit vorgibt ſich be⸗ ruhigen zu können, und iſt doch keine Ruhe und kein Friede. Ich ſagte oben: Ich halte dafür, es müſſe Ge⸗ wiſſensſache werden mit dieſer Frage. Damit meine ich einmal: das Gewiſſen muß frei wer⸗ den von den Banden der verbreiteten Meinung für die Union; denn dieſe Meinung, die da ſagt: „Union iſt recht, iſt etwas Schönes, wie ſollte Gott das nicht wollen!“ dieſe Meinung iſt eben eine Meinung; alle Meinungen aber ſoll man nicht anerkennen als bindend für das Gewiſſen; denn die Sünde hat ja bekanntermaßen nicht allein den Willen verderbet, ſondern auch Denk⸗ kraft und Urtheil. Daß aber jene Meinung häu⸗ ſig ein Gewiſſensband wird, daran wird Niemand zweifeln können. Die rechten Gewiſſensbande legt uns nun aber allezeit Gott ſelbſt auf in ſei⸗ nem Worte. Dieſe Bande ſollen wir lieben und werth halten, und werden wir in denſelben recht frei. So z. B. ſoll mein Gewiſſen ſich von dem Gebote: „Du ſollſt nicht ſtehlen“, feſt binden laſſen. So iſt's auch mit dem ganzen Worte Gottes, daß es unſre Gewiſſen bindet und da⸗ durch recht, köſtlich und himmliſch frei macht. Hiermit ſtimmt aber durchaus nicht überein, wenn es in einer unirten Kirchen-oder Gemeinde⸗ ordnung in St. Louis heißt: Wir bekennen uns zu den reformirten und lutheriſchen ſymboliſchen Schriften, ſo weit dieſelben übereinſtimmen. In den Punkten aber, wo ſie nicht übereinſtimmen, bedienen wir uns der geprieſenen, theuer errunge⸗ nen Gewiſſensfreiheit, daß nemlich ein Jeder nach ſeinem Gewiſſen dabei verfahre. — Das iſt nun recht ſchön, daß Jeder nach ſeinem Gewiſſen verfahren ſoll. Wenn's aber nun ge⸗ ſchieht, daß der Eine die lutheriſche Lehre hat und nach ſeinem Gewiſſen hält, und der Andere die reformirte, und Beide ſich widerſprechen, was ſie ja doch wirklich thun: liebe Brüder! iſt's da nicht ſo, daß des Einen Gewiſſen ſich irren muß? Nun wollet ihr doch aber nicht ſagen, daß ein irrendes Gewiſſen etwas Gutes und Schönes iſt, auch nicht, daß es im Irrthum bleiben müſſe und ſolle: ſehet, ſo dürfet ihr nicht ſagen, es ſei Gewiſſens⸗ freiheit, und ihr bedienet euch der Gewiſſens⸗ freiheit. Das Einzige, was ihr mit Recht ſagen könntet, wäre das, daß ihr bekennetet: wir haben in dieſem Punkte keine Gewißheit; dann aber würde das Gewiſſen euch drängen, dieſelbe zu ſuchen, und der HErr HErr würde ſie euch ge⸗ ben. Denn das werdet ihr ja nimmermehr ſa⸗ gen, daß es Gewiſſensfreiheit wäre, in einem Punkte der chriſtlichen Heilslehre ungewiß zu ſein und zu bleiben. Es iſt freilich nichts Angeneh⸗ mes, wozu wir uns öffentlich bekannt haben, als etwas Unrechtes einzuſehen und umzuändern; doch aber will's ſcheinen, als ſei es bei euch in dieſem Stücke unbedingt nothwendig. Wenigſtens weiß ich nicht, wie ihr ſonſt wollt ein gutes und freies Gewiſſen haben. Ob ſolche Union nun, wo man's ſo macht, recht ſei oder nicht, braucht nicht mehr geſagt zu wer⸗ den. Wir könnten aber noch zu bedenken anfüh⸗ ren, daß ſolche Union eine Gemeinſchaft ſtiftet, in der nicht einmal das Allerwichtigſte, die Heils⸗ lehre, allen gemein iſt, in welcher Gegenſätze ge⸗ duldet werden. Ob die Union überhaupt recht ſei? — Jeder unterrichtete Chriſt weiß, daß die chriſtliche Kirche eine Union, eine Gemeinſchaft, iſt, und daß es Gottes Wohlgefallen iſt, das dieſe Kirche gemacht hat und noch allezeit erhält, und ihre Glieder ſammlet, erleuchtet, heiliget und bei JEſu Chriſto erhält. Wenn aber von „Union“ geſprochen wird im gemeinen Leben, da verſteht jedermann die obige Union darunter, da der Unterſchied der Lehre nichts ausmachen ſoll. Die iſt aber zu ver⸗ werfen und, wie ſich jeder überzeugen mag, Gott nicht wohlgefällig, ſondern mißfällig und ein Greuel. — Sagt aber trotz dieſem Allen jemand: Sehet da, ſie ſchreien wieder: „wir ſind die rechie Kirche“, dem diene die Verweiſung auf unſre Lehre von der Kirche; und mag er dieſelbe wider⸗ legen oder beſſer geben. S. Buttermann, ev.⸗Iuth. Paſtor. Als ich dieß eber niedergeſchrieben hatte, kam mir das unirte Blatt: „Amerikaniſcher Botſchaf⸗ ter“, No. 7 vom Juli in die Hände. Es iſt ſon⸗ derlich, wie dieſe Leute ſich über die Geſchichte und über die Bekenntniſſe, die doch geſchichtliche Thatſachen von einem Einfluß auf die ganze Zeit ſind, hinwegſetzen können. In jenem Blatte ſteht ein Gedicht, überſchrieben „die allein ſelig machende Kirche“. In der Anmerkung zu die⸗ ſer Ueberſchrift heißt es unter Anderm, es „be⸗ kämpfe dieß Gedicht nur den noch immerfort, ſelbſt unter Proteſtanten, ſo weit verbreiteten In⸗ thum, daß Einer meint, weil er ein Glied iſt einer Kirchengemeinſchaft, ſo ſei er auch ein Glied der wahren Kirche; und daß eine ein⸗ zelne Gemeinde oder ein äußerer Verband