# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 08 31_S177 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ger LCutheraner. „Gottes Mort und Authers Nehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Belligirt von C. F. W. Walther. Zahrgang 5. St. Jouis, Mo., den 10. Zuli 1849. No. 23. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. (Eingeſandt.) Darf ein Chriſt ſich den ſogenannten geheimen Geſellſchaften anſchließen? (Carl. Du kannſt dir doch leicht denken, daß alle dieſe Zeichen und Symbole eine Bedeutung haben, und ich ſehe nicht ein, wie gerade du dar⸗ über ſpotten kannſt, da du doch ſonſt ſo ſehr für Ceremonien biſt.) Paul. Ja, für chriſtliche, durch den kirch⸗ lichen Gebrauch geheiligte, die das chriſtliche Ge⸗ müth auf die tiefen, troſt⸗ und ſegensreichen Ge⸗ heimniſſe unſers Glaubens ſo ſprechend hinweiſen. — Du weißt, in unſerm alten Vaterlande warf man ein großes Tuch mit einem Kreuz über den Sarg, und trug auch wohl das Bild des ge⸗ kreuzigten Erlöſers vor dem Leichenzug her, das waren denn freilich Symbole, die ſich für einen chriſtlichen Leichenzug paßten, und leuchteten auch bei dem traurigen ernſten Gang tröſtlich ins arme Menſchenherz, das ſich da recht bewußt wird, daß der Tod der Sünden Sold, und der Menſch nichts, als Staub und Aſche iſt; aber ſo miſe⸗ rabel ſind wir Deutſche großen Theils geworden, daß wir uns der troſtreichen und erhebenden Ge⸗ bräuche unſerer Kirche ſchämen, woran ſeit Jahr⸗ hunderten unſere Eltern und wir ſelbſt noch im alten Vaterlande uns erbaut haben, und allerlei Alfanzereien, die wir auf der Stroße finden, oder gar von den blinden Heiden borgen, laſſen wir uns aufhängen, und fürchten, wir verlieren an unſerer Ehre und Reputation, wenn wir uns nicht ſo geſchwind als möglich zu Affen und Narren machen. C. Nun wahrlich, du machſt es zu arg, du wirſt anzüglich. P. Wahrheit, gut eingerieben, thut weh, ſcha⸗ det aber nie, wenn ſie nur gehörig applizirt und nach Vorſchrift angewendet wird. Du mußt ja ſelber geſtehen, daß all dieſer Flitter, und was ihr für tiefe, geheimniß⸗ und bedeutungsvolle Symbole ausgebt, nur armes kindiſches Weſen dürftig bedeckt. Ein Chriſt, und nur von Chriſten rede ich, weiß, daß ihm in ſeinem einfältigen Glauben die ganze Höhe und Tiefe aller göttlichen Geheimniſſe gegeben iſt, ſo weit Gott es für gut geachtet, ſie uns zu offenba⸗ ren, und daß alle andere vorgebliche Geheim⸗ niſſe, die durch Symbole ſollen vorgeſtellt werden, entweder Lügen, oder Kindereien ſind, die er bei Heiden und Weltleuten mit einem mitleidigen Lächeln, bei Chriſten mit Widerwillen und Ab⸗ ſcheu anſieht. Hätte ich ſolch Weſen, wie z. B. ihr verbeſſerten Rothmänner habt, bei Studen⸗ ten, oder ſonſtigen jungen Leuten getroffen, ſo hätte ich mir das gefallen laſſen, es wäre eben ein lu⸗ ſtiger Schwank geweſen, eine Verhöhnung der in der That langweiligen und verſchrobenen geſell⸗ ſchaftlichen Verhältniſſe im alten Vaterlande, aber daß verheirathete Männer, Familienväter zu einem ſolchen Grad von Albernheit und kindiſchem Weſen herabſinken können, und im Ernſt ſich in der Nachäffung der Sprache und Ausdrücke und Gebräuche roher Indianer gefallen, ſogar noch dieſen Unſinn beim Grabe treiben, das über⸗ ſteigt in der That alle Vorſtellung, und wäre dem Chriſten widerlich und anſtößig bei ehr⸗ baren Weltleuten, wie viel mehr bei Chriſten. Und zu ſolchen Dingen verbindeſt du dich ſogar durch einen Eid — du ein Chriſt — mit Leuten allerlei Schlages und Glaubens!! C. Nun ich denke doch, daß ſelbſt, wenn du etwas unangemeſſenes in dieſen äußerlichen Din⸗ gen fändeſt, du ſie doch großmüthig genug über⸗ ſehen müßteſt, wenn du das Ziel und den Zweck ins Auge faſſeſt, den dieſe Geſellſchaften haben. P. Der Chriſt hat nur Ein Ziel: die Ehre des HErrn, der ihn erkauft hat. Dieß Ziel er⸗ reicht er allein, wenn er auf den Wegen recht⸗ ſchaffen und lauter einhergeht, die ihm ſein Glaube nach Gottes offenbartem Willen vor⸗ ſchreibt. Ich habe dir aber bisher aus Gottes Wort bewieſen, daß dein Eintritt in dieſe Geſell⸗ ſchaften wider Gottes Wort, alſo Sünde ſei, und dein Bleiben darin noch mehr, da das Ganze nach allen Seiten hin für einen Chri⸗ ſten ein Aergerniß iſt. Die Geſellſchaften, als Geſellſchaften, können die Ehre des HErrn nicht zum Ziele haben, denn ſie beſtehen aus Gläubigen und offenbar Ungläubigen, und letztere, das weißt du, als ein Chriſt, können den HErrn nicht ehren, indem ſie ſeinen höchſten Ruhm, ſie erlöſet zu haben, ſo viel an ihnen iſt, zu Schanden machen; und wenn du bei deinem Eintritt dieß Ziel vor Augen gehabt haſt, ſo haſt du einen wunderlichen Weg einge⸗ ſchlagen, es zu erreichen, nemlich die Sünde. Oder haſt du nie geleſen, daß wir uns der Welt nicht gleich ſtellen ſollen, oder 2 Cor. 6, 14.: „ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläu⸗ bigen, denn was hat die Gerechtigkeit für Genieß mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinſchaft mit der Finſterniß? Wie ſtimmet Chriſtus mit Belial, oder was für Theil hat der Gläubige mit dem Ungläubigen? Was hat der Tempel Gottes für eine Gleiche mit den Götzen? Ihr aber ſeid der Tempel des lebendigen Gottes, wie denn Gott ſpricht: Ich will in ihnen wohnen, und in ihnen wandeln, und will ihr Gott ſein, und ſie ſollen mein Volk ſein. Darum gehet aus von ihnen, und ſondert euch ab, ſpricht der HErr, und rühret kein Unreines an, ſo will ich euch annehmen, und euer Valer ſein, und ihr ſollt meine Söhne und Töchter ſein, ſpricht der allmächtige HErr“; ich möchte wiſſen, wie du deine Verbrüderung mit Ungläu⸗ bigen mit dieſem Schriftwort in Uebereinſtimmung bringen willſt! C. Nun dann müßte man ganz aus der Welt hinausziehen, und ein Einſiedler werden, denn man kann ja gar nicht umhin, mit der Welt in Berührung zu kommen. P. Nicht äußerlich die Welt mei⸗ den, iſt die Aufgabe des Chriſten, ſondern ſich von der Welt unbefleckt erhalten, und in der Welt Chriſtum zu bekennen, durch Wort und Wan⸗ del; daß dadurch die natürlichen Bande der Verwandtſchaft nicht zerriſſen, noch die Pflichten der Nächſtenliebe aufgehoben, noch endlich der äußere Geſchäftsverkehr verboten werde, leuchtet einem Jeden ein, aber in eine förmliche, und noch dazu geheime Verbrüderung mit offenbar Un⸗ gläubigen und Chriſtusleugnern durch Eid, oder feierliche Verſprechen, und Einweihungsceremo⸗