# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 09 15_S173 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) nes nicht bedarf. Was nun die Abendmahlsfeier betrifft, ſo ſchloß ſich, da Zwingli mehr als ſonſt ſeine Gewohnheit war, an die Formen der römi⸗ ſchen Meſſe an. Die von ihm herrührende Züricher Kirchenordnung von 1529 hält für die Abend⸗ mahlsfeier ſogar die alten Stücke Gloria, Kyrie, der Lectionenfeſt, wenn gleich ſie die Faſſung, den Gebrauch und die Aufeinanderfolge derſelben mehr⸗ fach verändert. Aber ſchon die Baſeler Kirchen⸗ ordnung von 1529 geht entſchieden einen andern Weg. Sie theilt die Abendmahlsfeier in zwei Theile, in die „Vorbereitung auf das Abend⸗ mahl“, welche der Zeit nach von der Feier ſelbſt getrennt werden kann, und in die Abendmahls⸗ feier ſelbſt, welche ſich dem Predigt⸗Gottesdienſt anſchließen mag. Jene Vorbereitung beſteht in allgemeiner Beichte und Abſolution, Pſalmenge⸗ ſang, gemeinem Gebet für alles Anliegen der Kirche, und einer Lection aus der heiligen Schrift von dem Leiden Chriſti; die Abendmahlsfeier ſelbſt aber beſteht aus einer kurzen Vermahnung an die Communicanten, Vaterunſer, Einſetzungsworte, Austheilung und Dankgebet. Das iſt denn auch der Hauptſachte nach reformirte Ordnung geblie⸗ ben. An anderes, z. B. die Abweichung in der Austheilungsformel, das verſchiedene Verfahren in der Geſtaltung und Austheilung des Brods u. ſ. w. braucht hier nur erinnert zu werden. In „die Mitte zwiſchen die lutheriſche und reformirte Weiſe ſtellen ſich die unirenden Kirchenordnungen, die man in zwei Klaſſen theilen kann, in die erſte gehören die, welche ſich der reformirten Weiſe an⸗ ſchließhen und dieſelbe etwas zu vervollſtändigen bemühet ſind, z. B. die Ulmer Kirchenordnung von 1531, welche im Ganzen mit der oben er⸗ pwähnten Baſeler übereinſtimmen und nur in der Erweiterung gewiſſer einzelner Stücke lutheriſiren, 3. B. darin, daß ſie die Vermahnung an die Com⸗ municanten in eine förmliche Predigt über Brauch und Nutzen des Abendmahls umgeſtalten, daß ſie die Lection paſſender Schriftſtellen anordnen u. ſw. Zu der andern Klaſſe gehören diejenigen Kirchen⸗ ordnungen z. B. die Würtemberger, Badiſchen, Heſſiſchen u. a., welche im Ganzen die lutheriſche Weiſe beibehalten, ſie aber abkürzen. So iſt es bei ihnen durchgängig Regel, daß ſie Introitus, Kyrie und Gloria weglaſſen, und an ihrer Statt nur ein bis zwei deutſche Lieder ſetzen, ſie erſetzen ferner gern das Kyrie nach reformirter Weiſe durch ein Sündenbekenntniß, welchem ſie aber dann nach lutheriſcher Weiſe eine Abſolutionsformel hinzufügen. Ein anderer Punkt des Anſtoßes iſt ihnen die doppelte Lection der Epiſtel und des Evangelii. Sie laſſen daher die eine oder die an⸗ dere und dann nothwendig auch den Zwiſchenge⸗ ſang, zuweilen ſogar die Collecte weg. So kommt es denn, daß die Entſchiedenſten unter ihnen alles weglaſſen, was die lutheriſche Gottesdienſtordnung vor der Predigt vorſchreibt, und daß ſie an deſſen Stelle nur ein oder mehrere Lieder ſetzen, nament⸗ lich „Komm Heiliger Geiſt“. Hinſichtlich der Handlund des Sacraments, kommt bei den uniren⸗ den Kirchenordnungen Präfation, Sanktus nicht häufig vor, und wenn ſie dergleichen haben, ſo laſſen ſie es vom Prediger ſprechen, welchen ſie 173 überhaupt nicht ſingen laſſen. Häufig ordnen ſie nach der Vermahnung an die Communicanten nach reformirter Sitte die Verleſung der allgemei⸗ nen Beichte und Abſolution. Nicht ſelten endlich kommt es vor, daß bei der Con ſecration nicht der Prediger das Vaterunſer ſpricht, ſondern ſtatt deſ⸗ ſen die Gemeinde das Lied „Vaterunſer im Him⸗ melreich“ ſingt. Wir haben nun noch die lutheriſche Ordnung der Nebengottesdinſte darzulegen und zwar zunächſt der, dem Hauptgottesdienſte ſich voranſtellenden, der Sonnabendsvesper und der Sonntagsmette, welche beide aus dem Mittelalter ſtammen. Unter Sonnabends ves per wird jede einem Sonn⸗ oder Feſttage vorangehende Vesper, ſpäter Nachmittagsgottesdienſt genannt, verſtanden. Schon frühe iſt ſie in der griechiſchen Kirche ein⸗ geführt worden und zwar deshalb, weil man ſie geleitet von der jüdiſchen Sitte, den Sabbath mit dem Vorabend zu beginnen, als eine Einleitung zu dem ſonntäglichen Hauptgottesdienſte anſah und darin die ganze Zeit von dem Sündenfalle an bis zur Geburt Chriſti als die Zeit des War⸗ tens auf das zukünftige Heil darzuſtellen ſuchte, um dadurch die Gemeinde auf das in dem Got⸗ tesdienſte des nächſten Tages zu predigende Heil vorzubereiten. Dieſer Gottesdienſt ging bald aus der griechiſchen in die römiſche Kirche über, und wurde hier ſpäter in die Kora vespertina umge⸗ ſtaltet, oder in die ſechste von den ſieben Betſtun⸗ den (Horae canonicae, oder Siebengezeit), welche für jeden Tag vorgeſchrieben waren. Die luthe⸗ riſche Kirche behielt die Sonnabendsvesper und deren Bedeutung, betrachtete aber, durch richtige Grundſätze geleitet, den Beichtgottesdienſt als die eigentliche Vorbereitung zu dem Hauptgottesdienſte des nächſten Tages. Demnach beſteht in der luthe⸗ riſchen Kirche die Sonnabendsvesper aus zwei Theilen, aus der eigentlichen Vesper und dem Beichtgottesdienſte. Ueber den letzteren, welcher nach lutheriſcher Weiſe aus Katechismusverhör, Privatbeichte und Abſolution beſteht, iſt hier nichts weiter zu ſagen. Die Einrichtung der erſtern aber iſt ſo mannigfaltig, daß faſt jede Kirchenordnung darin etwas von der andern abweicht; doch kom⸗ men gewiſſe Stücke faſt in jeder Vesperordnung vor, nemlich dieſe: Geſang von Pſalmen, Bibel⸗ lection, vorzugsweiſe aus dem alten Teſtament und das Magnificat, dann Salutation, Verſikel und Collecte de tempore und das Benedicamus (nicht der Segen); zum Schluſſe etwa noch: „Erhalt uns HErr bei deinem Wort“, und dann beginnt die Beichthandlung. Rückſichtlich der Ausführung jedoch iſt zwiſchen den Kirchenordnungen ein Unterſchied zu machen, indem die meiſten derſelben für die Städte den mehrfachen Gebrauch der lateiniſchen Sprache bei⸗ behalten, während ſie dieſelbe in den Landgemein⸗ den mit der deutſchen vertauſchen; die vollſte Weiſe einer ſolchen Vesper iſt folgende: deutſcher Pſalm, deutſches Lied de tempore, Lection, Mag⸗ nificat, Salutation, Verſikel und Collecte, Bene⸗ dicamus, Verleih uns Frieden u. ſ. w. und dar⸗ nach die Beichthandlung. Die unirenden Kirchenordnungen laſſen, wie einige wenige, ſonſt reine Kirchenordnungen, nur zu Anfang ein Lied ſingen, darnach die von der Kanzel aus an die Confitenten gerichtete Anſprache über Buße und Abendmahl (Beichtrede) und dann die Beichthandluug folgen; etliche unter ihnen laſſen freilich auch nach dieſer Beichtrede noch ein Lied ſingen; dafür laſſen aber Andere auch das Lied vor der Beichtrede weg; immer aber iſt hierbei das Ergebniß dieſes, daß der eigentliche Vespergottesdienſt ganz wegfällt und nur die Beichthandlung bleibt. Die Sonntagsmette hatte in der griechi⸗ ſchen und dann in der römiſchen Kirche die Be⸗ deutung einer Stunde des Lobes und der Dank⸗ ſagung gegen Gott für die Sendung ſeines Soh⸗ nes; die lutheriſche Kirche hat im allgemeinen dieſe Bedeutung feſt gehalten. Die Aufeinander⸗ folge der einzelnen Stücke iſt regelmäßig die, daß der Pſalmgeſang vorangehet, die Lectionen, ge⸗ wöhnlich aus dem Neuen Teſtament, in die Mitte treten und das Tedeum nach folgt. Wenn zwei Lectionen ſtatt finden, ſo folgt auf die erſte und altteſtamentliche das Tedeum und auf die zweite und neuteſtamentliche das Benedictus, dann geht die Mette, wie die Vesper, mit Salutation, Ver⸗ ſikel, Collecte und Benedicamus etwa auch mit „Verleih uns Frieden gnädiglich“ zu Ende. Zu dieſen Stücken tritt in größeren Städten die Frühpredigt hinzu, ſo, daß dann die Sonntags⸗ mette, gleich der Sonnabends⸗Vesper, zwei Ab⸗ theilungen erhält, die Lobpreiſung durch den Ge⸗ ſang der erwähnten Stücke und die Frühpredigt, welche der erſten Abtheilung entweder vorausge⸗ het, oder nachfolgt; geht die Frühpredigt jener Lobpreiſung voraus, ſo bildet die letztere die Ein⸗ leitung zu dem Hauptgottesdienſte. Was die Ordnung für die Landgemein den be⸗ trifft, ſo wurde nicht nur der Gebrauch der latei⸗ niſchen Sprache mit dem der deutſchen vertauſcht, ſondern es traten auch gewiſſe Abkürzungen ein. Die vollſte Form einer ländlichen Sonntagsmette iſt: „deutſcher Pſalm, bibliſche Lection mit Sum⸗ marien, vom Küſter geleſen, Tedeum, zwiſchen Küſter und Gemeinde, oder zwiſchen Prediger und Küſter geſungen, Collecte und Benedicamus. Wenigſtens aber ſoll vom Prediger und Küſter das Tedeum geſungen und mit dem auf dasfelbe gehörigen Verſikel und Collecte geſchloſſen wer⸗ den. — Die unirenden Kirchenordnungen haben nur die Frühpredigt in der Mitie von Kirchenlie⸗ dern, laſſen alſo die eigentliche Mette ganz weg. Die Sonntagsvesper, wie die Kirchenordnun⸗ gen ſie für die größeren Städte ordnen, faßt ein Dreifaches in ſich: Die Lection nebſt den Geſän⸗ gen u. dgl., wie in der Sonnabendsvesper, dann die Predigt, meiſt über die Epiſtel, denn ſehr ſel⸗ ten findet da die Catechiſation ſtatt, welche dann blos als Anhang zu dem erſten Theile der Vesper erſcheint. Endlich der Gebrauch des Tedeum. Demnach iſt in der Regel die Geſtalt der Sonn⸗ tagsvesper folgende: Pſalmgeſang mit Intona⸗ tion, Antiphonie, Reſponſorium, Hymnus oder Lied de tempore, Epiſtelpredigt, Magnificat, Nune dimittis, Collecta, Benedicamus, und ſomit ergibt ſich als Zweck und Sinn der Sonn⸗