# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 09 15_S172 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) nicht. Im Gegentheil kannſt du es nicht leug⸗ nen, daß gerade diejenigen Gemeindeglieder, die zugleich Glieder dieſer Geſellſchaften ſind, ſich im Durchſchnitt wenigſtens am anſtändigſten betra⸗ gen, und allezeit Liebe zur Gemeinde, und Thä⸗ tigkeit und Eifer für ihr Wohl gezeigt haben, und das kann auch nicht anders ſein, da die Geſell⸗ ſchaften ſelbſt auf Anſtand und Ernſt im Betra⸗ gen ſehen, und keinen unmoraliſchen Menſchen zulaſſen. P. Bei Vielen mag das der Fall ſein, weil ſie dieſen Schritt ohne Nachdenken und Prüfen gethan haben, und die werden auch wieder aus⸗ treten, ſobald ſie erſt eingeſehen haben werden, daß es mit dem Chriſtenthum nicht ſtimmt. In⸗ deſſen, daß ein ſehr großer Theil gerade durch die geheimen Geſellſchaften der Gemeinde und dem Chriſtenthum entfremdet werden, lehrt die tägliche Erfahrung leider auch in unſerer Gemeinde, und wenn's einmal zum „Klappen kommen ſollte, ſo wird ſich der Eifer und die Thätigkeit für die Gemeinde“ bald in das Gegentheil verwandeln, denn jetzt ſchon kann man's ohne Betrübniß nicht anſehen, wie den Meiſten ihre Geſellſchaft mehr am Herzen liegt, als die Kirche, die ſie ganz wil⸗ lig und ohne viel Herzeleid fahren laſſen, ja mit übermüthiger Verachtung von ſich ſtoßen werden, wenn man bei ihnen einmal den faulen Fleck anrührt. C. Nun ja, das mag bei Einzelnen der Fall ſein, indeſſen braucht es ja gar nicht, wie du ſagſt, zum Klappen zu kommen. Wir legen ja der Gemeinde nichts in den Weg, ſo mag ſie auch uns gehen laſſen! P. Eine chriſtliche Gemeinde kann nichts offenbar Unchriſtliches gehen laſſen, ſondern muß es, wenn auch langſam, wieder zurechtbringen, oder von ſich thun, oder ſie wird ein dummes Salz, und muß vom HErrn verworfen werden. Indeſſen wir redeten von Aergerniſſen, du kannſt es nicht leugnen, daß Viele euch mit Mißtrauen anſehen und abſcheuliche Dinge hinter euren Heimlichkeiten vermuthen, wozu ſie nach dem Ausſpruch des HErrn ein Recht haben, denn, wer Arges thut, der ſcheuet das Licht, und kommt nicht an das Licht, ſollten ſie daran nicht Anſtoß neh⸗ men, namentlich da ſie ſehen, daß ſo viele unter euch Feinde des Glaubens und der Kirche gewor⸗ den ſind, mit denen ihr, die ihr noch Chriſtum bekennt, die innigſte Gemein-, ja Brüderſchaft eingehet? Seid ihr nicht Schuld, daß Miß⸗ trauen, Argwohn, Hader, Zank und Streit in der Gemeinde entſtehen, die doch auf das Innigſte als der Leib Chriſti in der Liebe ſollte verbunden ſein? Seid ihr nicht Schuld, daß ſo das Werk des HErrn in dem Einzelnen, wie im Ganzen gehindert wird? C. Warum hegen ſie Argwohn und Miß⸗ trauen? das iſt doch wahrlich nicht chriſtlich! ſie haben ja keine Beweiſe, warum warten ſie nicht, bis man ihnen Veranlaſſung dazu gibt? P. Das ihut ihr ja eben durch eure Heim- lichkeiten! Das iſt ja gegen das. Wort Gottes! Selbſt dann, wenn nichts dahinter wäre, ſo wäret ihr doch nicht unſchuldig, ſondern ſchuldig daran, 17² daß euer Bruder in die Sünde fiele. Ihr gebt das Aergerniß, indem ihr nicht thut, wie der Apoſtel befiehlt: Meidet allen böſen Schein, 1 Theſſ. 5, 22. Und nun bedenke doch den ſchweren Ernſt unſeres HErrn JEſu Chriſti, Matth. 18, 6—9.: „Wer aber ärgert der Ge⸗ ringſten Einen, die an mich gläuben, dem wäre beſſer, daß ihm ein Mühlſtein an ſeinen Hals ge⸗ hängt würde, und er erſäuft würde im Meer, da es am tiefſten iſt! Wehe der Welt um der Aerger⸗ niß halben! Es muß ja Aergerniß kommen, doch wehe dem Menſchen, durch welchen Aergerniß kommt!“ Wahrlich, ich möchte dieß „Wehe“ nicht über mir ſchweben haben, ich würde fürchten, es drücke mich hinunter in die Hölle; und wenn ich auch mit den ſtärkſten Banden an die Geſell⸗ ſchaften gebunden wäre, ich wollte ſie zerreißen nach dem Ausſpruch des HErrn, B. 8.: „So aber dein Fuß oder deine Hand dich ärgert, ſo haue ſie ab, und wirf ſie von dir“ u. ſ. w., denn wenn du trotzdem, daß du ſieheſt, wie dein Bru⸗ der ſich an dir ärgert, dennoch in den Geſellſchaf— ten bleibſt, ſo werden ſie dir ſelbſt zum Anſtoß und Aergerniß, worüber du in's Verderben fällſt. C. Du nimmſt das Alles viel zu ernſt! Wenn's ſo genau ginge, ſo könnte man ja nichts thun, aus bloßer Furcht, Aergerniß zu geben! P. Es iſt Alles ſehr ernſt im Chriſtenthum. Es war ein ſehr großer Ernſt, als Chriſtlus für uns ein Fluch ward, und ſein theures, heiliges Blut für uns Sünder vergoß. Lieber „verdirb denn nicht mit deiner Geſellſchaft, um welches willen Chriſtus geſtorben iſt“L. Röm. 14, 15. C. Nun, dann ſollte man ſich lieber ſtill hin⸗ tern Ofen ſetzen, und weder Hand noch Fuß regen, damit man nur ja den Scheinheiligen und Frömmlern keinen Anſtoß gäbe, die eben ihre ganze Heiligkeit und Frömmigkeit darein ſetzen, andere zu bemäkeln und zu richten. P. Da würdeſt du erſt ein rechtes Aergerniß aufrichten für alle wahrhaft Fromme und Gläu⸗ bige, denn ſolche faule Bäuche und Ofenhocker ſind vom lieben ſeligen Dr. Luther dermaßen durchgeſtriegelt, daß ſie wenigſtens einem jeden tüchtigen Lutheraner ein wahrer Ekel ſind. Nein, mein lieber Carl, tritt du nur ganz friſch und fröhlich daher in einem einfältig chriſtlichen Wan⸗ del, und beweiſe dich nach den heiligen zehn Ge⸗ boten als einen rechtſchaffenen Chriſten gegen Gott, deinen Nächſten und dich ſelbſt, dann ärgere ſich an dir, wer's nicht laſſen kann. Nun aber ärgerſt du die Gemeinde und Andere mit unchriſtlichem Weſen, und ſolchen gehört, nach dem Ausſpruch unſers HErrn, der Mühlſtein und die Tiefe des Meeres. C. Du biſt wahrlich ein harter, gefühlloſer Doctor. P. Auf wild Fleiſch gehört Höllenſtein, und der beißt immer, wenn das Herz und die Hand des Doctors auch noch ſo weich iſt. C. Du ſtößt dich auch wohl gar an der Muſik, Fahnen und Regalien? P. Die Lappere ien ſind mir zu kleinlich, und die andern Dinge zu wichtig, als daß ich mich gerade daran ſtoßen ſollte, obgleich ich nicht leug⸗ nen kann, daß es mich anekelt, wenn ich erwach⸗ ſene Leute, oft mit grauen Haaren, die ſich Chri⸗ ſten nennen, an ſolchen Poſſen und weltlichem Spektakel Gefallen finden ſehe, und dergleichen Dinge für einen Chriſten namentlich bei Begräb⸗ niſſen für unanſtändig halte. Ich denke, der Gang zum Grabe iſt doch zu ernſt, als daß man an ſolchen weltlichen Aufzug denken ſollte. Ich für meinen Theil wenigſtens würde mich ſchämen, mit ſolchen bunten Lappen behängt, durch die Straßen zu ziehen; doch die Geſchmäcker ſind verſchieden, wie jener ſagte. C. Du kannſt dir doch leicht denken, daß alle dieſe Zeichen und Symbole eine Bedeutung ha⸗ ben, und ich ſehe nicht ein, wie dir das zuwider ſein kann, da du doch ſonſt ſo für Ceremonien biſt. (Fortſetzung folgt.) * (Eingeſandt von Paſtor Keyl.) Die urſprüngliche Gottesdienſtordnung in den deutſchen Kirchen lutheriſchen Bekenntniſſes. (Fortſetzung.) In Bezug auf die Verſchiedenheit zwiſchen dem Gottesdienſte in Städten und auf dem Lande iſt Folgendes zu bemerken. Im Allgemeinen geben dafür die Kirchen⸗Ordnungen gleichförmige Vor⸗ ſchriften; nur laſſen ſie auf dem Lande anſtatt der lateiniſchen Stücke die entſprechenden deutſchen ſingen, wobei freilich der Küſter den ganzen ſtäd⸗ tiſchen Chor zu erſetzen hat. Die Abweichungen des Gottesdienſtes in Städten und auf dem Lande beziehen ſich — mit Ausnahme anderer, nicht hier⸗ her gehörige Punkte z. B. der Bibellection mit Summarien — mehr auf die Zahl als auf die Form der Gottesdienſte und mehr auf die Neben⸗ als auf die Hauptgottesdienſte. Dieſem großartigen Reichthum der lutheriſchen Kirche ſtellt ſich der Gottesdienſt der reformirten Kirche als eine ebenſo großartige Armuth gegen⸗ über; denn da die reformirte Kirche nicht in dem Sinne, wie die lutheriſche einen Haupt-Gottes⸗ dienſt hat und mithin ſtreng genommen demſelben nichts in der reformirten Kirche verglichen werden kann, ſo können wir ihm nur den Predigtgottes⸗ dienſt und die Abendmahlsfeier, welche aber nach. der Anſicht und dem Verfahren der Reformirten als getrennt anzuſehen ſind, gegenüber ſtellen. Der Predigtgottesdienſt nun beginnt nach der von Calvin entworfenen Genfer Gottesdienſtordnung von 1543, mit dem vom Prediger vom Abend⸗ mahlstiſch aus geſprochenen Sündenbekenntniß, von welchem überhaupt die reformirte Kirche einen unerſchöpflichen Gebrauch macht, weil es in ihr, weder im Wort noch im Sacrament, jemals zu einer recht vollgültigen Abſolution kommt; auf das Sündenbekenntniß folgt Pſalmgeſang der Gemeinde, an deſſen Schluſſe der Previger die Kamel beſteigt; die Predigt hebt mit einem in das Vaterunſer ausgehendem Gebete an und ſchließt damit, daß der Prediger Glaubensbekenntniß, Gebet, Vaterunſer und Segen ſpricht; und Pſalmgeſang der Gemeinde ſchließt alsdann den Gottesdienſt. Dieſe ganze Ansſtattung iſt freilich ſo durchſichtig, daß es einer Erklärung ihres Sin⸗