# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 09 15_S169 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ger LCutheraner. „Gottes Mort und Xuthers Xehr' vergenet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Belligirt von C. F. W. Walther. Zahrgang 5. St. Louis, Mo., den 26. Zuni 1849. No. 2. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. E Minheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. Nur die Briefe, welche auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben welche Geſchäftſiches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛt. (Eingeſandt.) Darf ein Chriſt ſich den ſogenannten geheimen Geſellſchaften anſchließen? Ein Geſpräch. Paul. Guten Tag, Carl! nun wie geht's! Was haſt du denn da für bunte ſeidene Lappen in der Hand? Ei ſieh da! das ſind ja gar die Re⸗ galien, wie ihr's nennt, von den „Verbeſſerten Rothmännern“. Carl. Ja, mein lieber Paul! Wir haben nächſtens einen großen Umzug, und da hab ich ſie mir nun angeſchafft; man muß doch auch ein wenig brilliren bei ſolchen Gelegenheiten, und ſei⸗ nem Stande Ehre machen! Paul. Wollt Gott! wir machten unſerm Chriſtenſtande nur mehr Ehre. Alſo du biſt immer noch bei den „Verbeſſerten?“ Carl. Ja gewiß, und bin ſo ſehr damit zu⸗ frieden, daß ich noch in einige andere Brüderorden eingetreten bin. Ich hoffe, ich werde dich auch noch überreden, dich dieſen trefflichen Orden anzu⸗ ſchließen. P. Ich mich anſchließen? Davor wolle mich der liebe Gott in Gnaden bewahren! Nein, mein lieber Carl; ich gehöre Einem Brurerorden an, ſchon lange. Der hat mein Herz, und dem bin ich ſchuldig mit Leib und Seel und allen Kräften zu dienen; und der HErr möge mir vergeben, daß ich ſo lange in der Blindheit, die man Aufklärung nennt, umhergetappt bin, und habe meinen Tauf⸗ bund ſo ſchändlich gebrochen. Mit Gottes Gnade will ich nun dabei bleiben, da mich der HErr nach ſeiner großen Barmherzigkeit herumgebracht, und mir Buße und Glauben an Seinen heiligen Na⸗ men geſchenkt hat. C. Ich kann es nicht begreifen, was du gegen dieſe wahrhaft heilige Brüderſchaft haſt, die das in der That und Wahrheit üben, wovon die Pfaf⸗ fen nun ſchon ſeit 1800 Jahren predigen und der gemeine Chriſtenhaufen ſchwatzet! Liebe! Liebe! darin beſteht Alles! darin hanget das Geſetz und die Propheten! das iſt das wahre Chriſten⸗ thum, während ja Alles andere nur eitel Geſchwätz iſt! Was kann erhabener ſein und göttlicher; ja worin kann der wahre Chriſt des echten Chri⸗ ſtenthums mehr und wahrhaftiger kund thun, als in der Stiftung ſolcher heiligen Brüderorden, die es ſich zu ihrem höchſten und eigentlichen Ziele geſetzt haben, dem Elend jeglicher Art abzuhelfen, die Kranken zu pflegen, den Armen zu unterſtützen, die Thränen der Wittwen und Waiſen abzu⸗ wiſchen, und allenthalben wie der barmherzige Samariter aufzutreten, und Oel und Wein in die Wunden zu gießen, die die grauſame Hand des Schickſals geſchlagen hat! Du haſt mich immer einen Schwärmer geſcholten! Ja für dieſe heilige Sache ſchäme ich mich nicht zu ſchwärmen. Wahr⸗ lich dieſe göttliche Idee der Liebe nun verwirklicht zu ſehen durch einen Brüderbund, der ſich bald über die ganze Erde ausbreiten, und alle Schran⸗ ken des pfäffiſchen engherzigen Sectengeiſtes durchbrechend, die edelſten der menſchlichen Familie aufs Innigſte und Seligſte einſchließen wird, der Gedanke begeiſtert mich, und muß einen Jeden begeiſtern, dem noch ein warmes Herz im Buſen ſchlägt. P. Papperlappap! hohle Redensarten, und nichts weiter! fühle ungefähr dabei, wenn ich ſie höre, als hätte ich Brechweinſtein einnehmen müſſen; und muß mich nur wundern, wie ein Mann wie du, der doch wahrlich etwas Beſſeres und Reelleres hat kennen lernen in der Schule unſeres Einigen HErrn und Heilandes, von ſol⸗ chem falſchen Flimmer hat können geblendet werden! C. Das iſt Pfaffengeſchwätz! die reden und verdammen ſo ins Blaue hinein. Warum ur⸗ theilſt du über etwas, wovon du nichts verſtehſt? Das iſt Unrecht. Dir iſt doch ſonſt das Geld nicht ſo ans Hetz gewachſen, warum wendeſt Du nicht ein Paar Thaler daran und läßt dich auf⸗ nehmen? Du kannſt ja wieder austreten, wenn dir's nicht gefällt. Ich hörte auch ſo verſchiedene Urtheile über dieſe geheimen Geſellſchaften, und mußte es doch für unrecht halten, daß von Unein⸗ geweihten darüber abgeurtheilt wurde, da ſie gar nichts davon wiſſen. Da habe ich das Geld daran gewandt, und es gereut mich nicht, im Gegentheil, ich bin ſo vollkommen befriedigt, daß mich kein Menſch herausbringt, die Pfaffen mögen ſagen, was ſie wollen. P. Mein Freund, du biſt ja ein gewaltiger Mann geworden! Der Schulmeiſter in eurem Stamm muß ſein Fach verſtehen, da er dir in ſo kurzer Zeit das Schimpfen auf die „Pfaffen“ ſo gut beigebracht! Indeſſen laß dir das geſagt ſein, daß die wahre lutheriſche Kirche keine Pfaffen hat, ſondern das rechte heilige Predigtamt, von Chriſto ſelbſt in ſeiner heiligen Kirche aufgerichtet, wozu die Gemeinden in einer freien Wahl diejenigen berufen, die ſich vorher verpflichtet haben, Gottes Wort und Seine heiligen Saeramente nach Sei⸗ nem Befehl und Ordnung zu handhaben, wie ſolches in den Bekenntnißſchriften, dem Worte Gottes gemäß, nievergelegt iſt! Den Leuten alſo, die nach den kirchlichen Symbolen der Gemeinde treu vorſtehen, und nichts anders thun, als wozu die Gemeinde ſelbſt ſie berufen, und durch den Ruf verpflichtet hat, ſollten wir ihr ſo ſchweres Amt und wahrhaft klägliches Leben nicht noch mehr erſchweren, durch die ſchändliche Behand⸗ lung, die ſie meiſtens in unſern Gemeinden er⸗ fahren müſſen. Die Gemeindeglieder, die das thun, ſchmähen ſich ſelbſt und ziehen den Fluch auf ihr Haupt, den Gott ihnen in ſeinem heiligen und untrüglichen Wort angedrohet hat. Denn das Seufzen dieſer treuen, und oft ſo ſchändlich unter den Deutſchen gequälten Män⸗ nern wird nicht umſonſt zu Dem dringen, der ſie ins Amt eingeſetzt, und ihnen das Wort zum Troſt mitgegeben hat: „Wer euch verachtet, der verachtet mich!“ Ich bitte dich daher, gieb dein Läſtern auf, und hüte dich! C. Ei nun, man kann eben nicht jedes Wort auf die Goldwage legen; man ſlößt wohl mal ein Wort heraus, das man ſo ernſtlich nicht ge⸗ meint hat. P. Der Chriſt weiß, daß er von jeglichem un⸗ nützen Wort muß Rechenſchaft geben; und na⸗ mentlich ſehe ich gar nicht ein, wie ein Glied einer ſolchen heiligen Brüderſchaft, bei der „Liebe, Barmherzigkeit“ immer das dritte Wort iſt, ſo ungerecht und lieblos ſein kann; aber ich ſehe wohl, bei euch Leutlein dreht ſich die Barmherzig⸗