# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 08 03_S168 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) geſehen und fand es ganz ſo, wie unſer Herr Pfarrer ſagte. Wenn ich Dir's in einer kurzen Summa ſagen ſoll, was dieſes für ein Geſangbuch iſt, ſo kann ich's nicht beſſer ſagen: es iſt ein Buch für allerlei Leute, aber kaum für einen wahren Chriſten, am allerwenigſten für einen gläubigen und treuen Lutheraner.—Da iſt vorn in dem In⸗ haltsverzeichniß eine Maſſe von Abſchnitten oder Rubriken, wie die Gelehrten ſagen, und jede Rubrik hat wieder ihre Fächer und Fächlein, und wenn man ſie aufmacht, d. h. nachſucht, ſo iſt lei⸗ der nichts Werthvolles darin. Ja, manchmal findet man Ausdrücke und ganze Verſe, die einem wirklich, wie unſer Herr Pfarrer ſagt, Seuf⸗ zer auspreſſen. Ich habe mich nie um dieſes In⸗ haltsverzeichniß bekümmert, aber diesmal, als ich das ganze Geſangbuch genau prüfen wollte, von vorn bis hinten, da hab ich natürlich auch da zu⸗ erſt angefangen und hab's angeſehen. Und da fiel mir gleich beim erſten Augenblick unſer alter Herr Pfarrer in Deutſchland ein, der uns confirmirt hat. Du wirſt ſagen, wie denn das? Ei, als ich die vielen Fächer von den Eigenſchaften Goties ſah, dachte ich daran, wie wir damals von unſerm Pfarrer blos von den göttlichen Eigenſchaften un⸗ terrichtet wurden, aber wenig hörten von Chriſto und ſeiner theuren Erlöſung. Nun ſind zwar auch viele Fächer und Fächlein von Chriſto und Seinem Werke da aufgezeichnet; aber wenn man wieder ſucht, ſo iſt alles ſo nackt, ſo kahl und wohl auch falſch, daß man blutwe⸗ nig Geiſt dahinter merken kann. Denn die paar Lieder aus den alten Geſangbüchern ſind ſo ver⸗ ſtümmelt, daß mans nicht mehr kennt, und allen Geiſt der Alten haben ſie mit ihrer neuen Weis⸗ heit ausgetrieben. — Mit den Liedern von den hei⸗ ligen Sacramenten iſt's nicht beſſer. Wo ſind die Lieder, die friſch und frei reden, wie die alten, z. B. IEſus Chriſtus, unſer Heiland ꝛc. und Gott ſei gelobet und gebenedeiet ꝛc. — Wenn man nun weiter die Rubrik von den „Sittenlehren“ anſieht und die Menge der Schubfächer aufmacht, ſo wird's einem vollends anders zu Muthe. Da kommt einem nicht wenig Heiligkeit entgegen, nemlich phariſäiſche Heiligkeit; da ſo viel von eignem Verdienſt und Tugend und Tugend⸗ Lohn die Rede iſt. Mehr denn ſechzigmal kommt das Wort Tugend in dieſem Geſangbuch vor, das hab' ich mir beiläufig ſo gemerkt. Nun iſt zwar „Tugend“ ein ſchönes Wort und dazu noch ein bibliſches; aber dieſe Liedermacher nehmen Tugend in einem ganz andern Sinne; die neh⸗ mens, kurz geſagt, für eignes Verdienſt, welches Gott belohnen muß. — Und wie dieſe Rubriken beſtellt und ausgefüllt ſind, ſo iſt's auch mit dem übrigen Theil des Buchs, mit den Liedern „für beſondere Zeiten und Umſtände“. Du magſt mir für den erſten Augenblick ent⸗ gegnen, das ſei doch zu arg gemacht, und verlangſt vielleicht gar Beweiſe. Nun, die kann und will ich Dir das nächſtemal geben; vielleicht mehr als Dir lieb ſind. Unterſuche unterdeſſen das, was ich Dir im Allgemeinen davon geſagt habe, und bis mein nächſter Brief kommt, brauchſt Du viel⸗ leicht keine Beweiſe mehr. Unterdeſſen ſei Gott befohlen! Dein Andreas. Mittheilung von Welthändeln. Schon 14 Monate lang währen die Zerrüttun⸗ gen des unglücklichen Deutſchlands und noch iſt feine Wendung zum Beſſerwerden zu erſehen, viel⸗ mehr iſt neuſter Zeit wieder ein Sturm entſtan⸗ den, der verheerender zu werden drohet, als einer 168 der vorjährigen. Die drei Könige von Würtem⸗ berg, Hannover und Sachſen ſind aus ihren Re⸗ ſidenzen geflohen, in Rheinbaiern und Sachſen hat ſich eine Art proviſoriſche (natürlich demokra⸗ tiſche) Regierung gebildet, in Leipzig, beſonders aber in Dresden hat ſich ein viertägiger mörde⸗ riſcher Kampf des Volks gegen ſächſiſches und preußiſches Militär entſponnen, bei welchem das Militär ſiegte und die Inſurgenten an 300 Todte hatten. Auch in vielen namhaften Städten Preu⸗ ßens, beſonders in den Rheinländern, waren be⸗ deutende Aufſtände ausgebrochen. Die nächſte Urſache davon war dieſe: Der Frankfurter Reichs⸗ tag, der, obgleich durch die vorjährige Revolution entſtanden, eine Art von Legitimität erlangt hatte durch die freilich erzwungene und verſtellte Zu⸗ ſtimmung der Fürſten, hatte auf dem Papier ſeine deutſche Reichsverfaſſung fertig und forderte im Namen des ſouveränen Volkes unbedingte Unter⸗ werfung der Fürſten unter dieſelbe. Die kleineren Fürſten, ihrer Ohnmacht ſich bewußt und hoffend, am Könige von Preußen, dem unterdeſſen die Kaiſerkrone angetragen worden war, einen Halt⸗ punkt für ihre eigene Exiſtenz zu finden, hatten ihre Unterwerfung erklärt; aber die Könige von Baiern, Hannover, Würtemberg und Sachſen weigerten ſich beharrlich, ihr Jawort zu geben; auch der König von Preußen warf endlich die Maske ab und erklärte, jene Verfaſſung in ihrer gegenwärtigen Geſtalt nicht annehmen zu können, iehnte auch die Kaiſerkrone definitiv ab. Diejenigen Theile der Volksvertretungen in den einzelnen fünf Königreichen, welche ein vorherrſchend demo⸗ kratiſches Element enthielten und auf Durchfüh⸗ rung der Frankfurter Beſchlüſſe drangen, wurden vertagt oder aufgelöſet und es wurden ſelbſt An⸗ ſtalten gemacht, den Frankfurter Reichstag mit Ehren oder Unehren zu begraben. So ſind die Saiten aufs ſchärfſte geſpannt und ſie haben be⸗ reits angefangen zu reißen. Nicht unwahrſchein⸗ lich iſts, daß eine wichtige Entſcheidung nahe iſt: ſollte die republikaniſche Parthei ſiegen, ſo würde ſie ſchwerlich mit den Fürſten capituliren; behal⸗ ten die Fürſten die Oberhand, ſo ſind die Beſtre⸗ bungen der Freiheitsparthei vielleicht auf eine Reihe von Jahren vereitelt; daß aber ein dauern⸗ der Friede wiederkehren werde, iſt bei der zu tief eingewurzelten Zügelloſigkeit, die weder göttliche, noch menſchliche Geſetze achtet und das göttliche Recht beſtehender Obrigkeiten als eine Fabel ver⸗ lacht, ſchon aus vern Unftigen Gründen kaum zu erwarten. Vergebens ſucht ein chriſtliches Auge unter allen diplomatiſchen Noten, Proclamatio⸗ nen, Volksreden u. ſ. w. nach einem Zeugniß, daß Fürſten und Unterthanen Buße thun und Gott die Ehre geben wollten. Der Kaiſer von Oeſterreich erleidet fortwäh⸗ rende Niederlagen von den Ungarn und lehnt ſich auf den Rohrſtab Rußland, Ezech. 29, 6. Schon ſollen auf ſeinen Hülferuf große ruſſiſche Heeres⸗ haufen im Anzuge ſein, um das von den Ungarn bedrohte Wien zu ſchützen. Am 14. April hat der ungariſche Reichstag die Unabhängigkeit Un⸗ garns ausgeſprochen und für ewige Zeiten das öſterreichiſche Kaiſerhaus von der Herrſchaft über Ungarn ausgeſchloſſen. Der däniſche Krieg wird noch immer, wiewohl ohne Eifer, fortgeſetzt. Preußen ſoll die Abſicht haben, einen einſeitigen Frieden mit Dänemark zu ſchließen, und würde ſonach die deutſche Sache im Stiche laſſen. Einen ſonderbaren politiſchen Brudermord hat der Präſident der franzöſiſchen Republik an der römiſchen Republik begangen, indem er eine Armee gegen Rom ſchickt, vorgeblich, um einer Ein⸗ miſchung der Oeſterreicher zuvorzukommen, im Grunde aber, um die päbſtliche Herrſchaft über Rom wieder herzuſtellen. Die Römer jedoch, ſehr für die freundſchaftliche Abſicht ihrer Miſſon ſich bedankend, haben die Franzoſen mit blutigen Köpfen zurückgewieſen. Ob es dem L. Napoleon gelingen wird, ſich über Rom den Weg zum Kai⸗ ſerthrone zu bahnen, oder ob Rom ſein, wenig⸗ ſtens politiſches, Grab werden wird, das wird dit vächſte Zukunft lehren. Erſchrecklicher Ausgang eines Scherzes über die Cholera. Wir leſen folgende Geſchichte in dem „Lu- theran Observer“: Dan. Marble, der berühmte Schauſpieler, ſtarb an der Cholera, den 10. Mai, zu Louisville. Die Theaterzettel hatten deſſen Auftreten mit der ſpöttiſchen Ueberſchrift angezeigt: „Eine Cur gegen die Cholera.“ Wer hätte es denken ſollen, daß, als dieſe Anzeige gemacht wor⸗ den war, gerade zu der Zeit, da die Comödie auf⸗ geführt werden ſollte, jener Hauptſpieler eine Beute der Cholera ſein würde? Und es geſchah.) In weniger als vierundzwanzig Stunden war Dan. Marble dahin. Möchte ſich Jeder warnen laſſen, Gottes Straf⸗ gerichte nicht zu verſpotten! Bücher und Pamphlets zu haben in der Expedition des Lutheraner um die beigeſetzten Preiſe. Dr. Martin Luthers kleiner Katechismus, un⸗ veränderter Abdruck..——— 50.10 Das Dutzend P1.00. Hundert Stück §7.00. Merkwürdiger Brief einer Dame, welche im Jahre 1703 der ev.-lutheriſchen Religion halber mit ſechs meiſt unerzogenen Kindern ihr Vater⸗ land und all' ihr Hab und Gut verlaſſen hat. Das Dutzend 50 Cis. 25 Stück P1.00. Dr. Luthers Sermon von „Bereitung zum Sterben.I II. Die Verfaſſung der deutſchen ev.⸗luth. Synode von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten nebſt einer Einleitung und erläuternden Be⸗ merkungen.. Das Dutzend 50 Cts. 25 Stück P1.00. Erſter Synodalbericht der deutſchen ev.⸗luth. Synode von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten v. J. 18⁴⁷ · Zweiter Synodalbericht derſelben Synode v. J. 1848 Dritter Jahrgang des Lutheraner 1847. No. 826...—.— ‚ 0.50 Vierter do. v. 18147—1848 (vollſt.). 0.50 (Der 1. und 2. Jahrgang ſind vergriffen.) Chriſtliches Concordien buch, d. i. Symbol. Bücher der ev.-Iuth. Kirche, New Norker Aus⸗ gabe, in gepreßtem Leder gebunden Geſpräche zwiſchen zwei Lutheranern über den Methodismus, (in Pamphlet⸗ form) 2 Sück Dr. M. Luthers Tractat von der wahren Kirche (aus No. 9. des Lutheraner beſonders abgedruckt), 2 Stück Dr. Luthers Hauspoſtille, oder Predigten über die Evangelien auf die Sonn⸗ und Feſt⸗ tage des ganzen Jahres, New Norker Ausgabe, gebunden in Kalbleder... Kirchengeſangbuch für ev.⸗luth. Gemein⸗ den, verlegt v. d. hieſ. ev.⸗Iluth. Gemeinde U. A. C., gebunden das Stück 100 Suler 662.50 gegen Baarzahlung. A B C Buch, New Aorker Ausgabe, das Stück.. 0. Im Dutzend. 1 Der Hirtenbrief des Herrn Paſtors Grabau zu Buffalo (in No. 17. des Lutheraner ausführ⸗ licher angezeigt) 0.0⁵ 0.10 0.10 . ..... . — 1.2⁵ 0.05 GGGᷓ„ 0.0⁵ j.ä .Rk......... 5* .ſ 4... Der Druck von dem Spruchbuch zum kleinen Katechismus Lutheri. Im Auftrage der Synode von Miſ⸗ ſouri ꝛc. zuſammen getragen von Fr. Wyneken, Paſtor an der zweiten deutſchen ev.⸗luth. Kirche in Baltimore, 112 S. in 12., iſt beendigt und bei! dem Verfaſſer das Dutzend zu §1.80 zu haben. Gedruckt bei Arthur Olshauſen, derausgeber des Auzeiger des Weſtens.