# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 29_S157 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) der Präfation geſungen, weil auch der Schluß derſelben mit dem Anfang dieſes Liedes in keinem gehörigen Zuſammenhange ſteht. — Die Vermahnung an die Communi⸗ canten, für welche in allen ältern Agenden Formulare vorhanden ſind, hat ſpäter, aber ganz gegen den Sinn der lutheriſchen Kirche, die Prä— fation verdrängt, da doch dieſer Vermahnung ihre rechte Stelle nach dem Heilig angewieſen war. Die Conſecration, oder Segnung des Brodes und Weines im Abendmahle, wurde durch Abſingen des Vaterunſers und der Sacramentsworte vollzogen und zwar wurde erſteres gewöhn⸗ lich und nach dem Vorbilde der ganzen alten Kirche ohne den ſogenannten Beſchluß „denn dein iſt das Reich“ u. ſ. w. von dem Prediger geſungen und die Gemeinde antwortete nur mit dem Amen. Nach der Conſecration folgte die Distribution oder Austheilung des heiligen Sacraments, während welcher Chor und Gemeinde außer dem kürzeren Agnus oder „Chriſte, du Lamm Gottes“ und „Jeſaia dem Propheten“ namentlich die beiden von Dr. Luther überſetzten Lieder ſangen „IEſus Chriſtus unſer Heiland“ oder „Gott ſei gelobet und gebenedeiet“ und zum Schluſſe, doch vor der Collecte, das größere „Agnus“ oder das von Nie. Decius um das Jahr 1525 verfaßte Lied „O Lamm Gottes unſchuldig“, deſſen drei Verſe dem Inhalte nach einander völlig gleich ſind, nur daß der Schluß des dritten ſo lautet: „gib uns deinen Frieden, o IEſu, o IEſu!“ (Fortſetzung folgt.) (Eingeſandt.) Altlutheriſche Wachskerzen. Sind „hölzerne Kreuze, Cruzifixe und Lichter auf den Altären“ ein Zeichen „ſoge⸗ nannter lutheriſchen Kirchen“, wie Herr Paſtor Weyl unter dem 20. October 1848, in No. 22. des „Lutheriſchen Kirchenboten“ verſichert? Sind dergleichen Dinge „der päbſtlichen Kirche allein zugehörige Ceremonien“, wie eben derſelbe Herr Paſtor behauptet? Zeugniſſe hierüber „aus der preußiſchen Kirche kommen“ Herrn Paſtor Weyl „recht un⸗ gereimt“. Es ſei uns demnach erlaubt, den alten Valerius Herberger, aus dem ehemaligen Groß⸗ polen, über ähnliche Dinge anzuführen. Dieſer ſagt in ſeiner evangeliſchen „Herz-Poſtille“ über die Sonn⸗ und Feſttags⸗Evangelien, in der Ausgabe von J. T. L. Tauſcher, Sorau, 1840. S. 31, von einem treuen Prediger: „Er muß be⸗ denfen, daß er ein Engel und Abgeſandter Gottes ſei, ſo oft er ſein weißes, öſterliches evangeli— ſches Chorhemd anſiehet, und deshalb ſich in Gottes Sachen nichts für ſeine Perſon anmaßen.“ In der Anmerkung darunter heißt es: „In frühe⸗ rer Zeit trugen die evangeliſch-lutheriſchen Pre⸗ diger in Schleſien und Großpolen über der ſchwar⸗ zen Amtskleidung noch ein weißes Chorhemd, die Alba genannt, welches auch noch jetzt (1840) an manchen Orten im Gebrauch iſt.“ — S. 216 in derſelben „Herz⸗Poſtille“ ſagt Valerius Herberger von ſich: „Wenn ich auf der Kanzel ſtehe, ſo bin 157 ich in der Welt niemand ähnlicher als einem Säe⸗ mann; mein weißes Chorhemd iſt mein gebühr⸗ liches Säetuch. Meine Samenkörnlein ſind die tröſtlichen Worte, die herrlichen Wunder, und die ſchönen Geheimniſſe von JIEſu Chriſto. Mein Scheffel, darein dieſe Körnlein gefaſſet werden, iſt die heilige Bibel, die mir allezeit zur rechten Hand liegt, da nehme ich Altes und Neues heraus. Matth. 13, 52.“ Valerius Herberger, ev.-luth. Paſtor zu Frau⸗ ſtadt im ehemaligen Großpolen, wurde geboren am 21. April 1562, alten Stils, und getauft den 23. April desſelben Jahres. Unter anderem, was er über die heilige Taufe ſagt, und was auch für gewiſſe „lutheriſche Chriſten in unſerm freien Amerika“ manches Beherzigenswerthe enthält, ſpricht er Seite 110: „Des Kindleins Bruſt und Stirn wird mit der Form des heiligen Kreuzes bezeichnet. Dabei bedenken wir, daß aller Chri⸗ ſten Herz müſſe des Kreuzes IEſu Chriſti Gräb⸗ lein ſein.“ — Schreiber dieſes ſah noch im Jahre 1836 im Kripplein Chriſti, zu Frauſtadt, an dem Val. Herberger früher Prediger war, ein Cruzi⸗ fir und brennende Wachskerzen auf dem Altar, hörte noch den Wechſelgeſang (ſ. Seite 291) zwiſchen dem Geiſtlichen — dem damaligen Superintendenten Gerlach — und dem Chor oder der Gemeinde; hörte noch in demſelben Jahre die Einſetzungsworte beim heiligen Abendmahl von einem der Geiſtlichen ſingen. — Aber kein Beiſpiel iſt dem Schreiber dieſes bekannt, daß die dortigen, aus alter Zeit her gebräuchlichen Wachs⸗ kerzen und übrigen Ceremonien auch nur Einem zur römiſchen Kirche geleuchtet hätten. Auch zu Her⸗ berger's Zeiten iſt mit Wachskerzen in der luthe⸗ riſchen Kirche niemandem nach Rom geleuchtet worden. Denn er konnte ſagen (Seite 813): „Bis auf dieſe Stunde iſt nicht eine einzige Perſon vom Evangelio abgefallen.“ Die Urſache, warum gerade in „unſerm freien Amerika“ einzelne Glieder der „amerikaniſch pro— teſtantiſchen Kirche“ ſich unter das *) neugeſetz⸗ liche Joch der römiſchen Kirche beugen, ſcheint ihm vielmehr in dem Mangel an chriſtlicher Er⸗ ziehung, der Unbekanntſchaft mit Gottes Worte und dem Mangel des Glaubens zu liegen, welchen unſere Väter unter ſo vielen Kämpfen, mit ſo viel Opfern errangen und mit ihrem Blute be⸗ ſiegelten. Einen nicht geringen Antheil der Schuld daran dürfte ferner, in „unſerm freien Amerika“, vielmehr dem Rotten- und Sectengeiſte beizumessen ſein. Gewiß peitſcht dieſe Zerriſſen⸗ heit manche Seele, die mehr bei den äußeren Er⸗ ſcheinungen der ſogenannten „proteſtantiſchen Kirchen“ ſtehen bleibt und welcher die ſcheinbare äußere Einheit und Macht der römiſchen Kirche imponirt, in dieſe hinein eher, als „altlutheriſche Wachskerzen“. C. A. S — — „Irret euch nicht, Gott läßt ſich nicht ſyotten.“ Da hier in unſerem St. Louis ſchon längere Zeit die Cholera graſſirt, ſo hatten mehrere Ge⸗ *) Siehe die evangeliſche und römiſche Kirchenlehre, nach den Grundſätzen und Urkunden, von Dr. H. Richter. Bar⸗ men, 1844. S. 26. meinden unſerer Stadt den Beſchluß gefaßt, am letztvergangenen 17. Mai, als am Tage der Him⸗ melfahrt unſeres HErrn und Heilandes JEſu Chriſti, einen gemeinſchaftlichen Buß- und Bettag anzuſtellen und den erzürnten Gott um Erbar⸗ mung und um baldige gnädige Abwendung des über uns gekommenen großen Strafgerichtes an⸗ zuflehen. Die Herausgeber der deutſchen politi⸗ ſchen Zeitungen unſerer Stadt, wie ſie immer je⸗ des Lautwerden einer Demüthigung vor dem Allmächtigen in ihren Blättern zu verſpotten nicht unterlaſſen können, ſcheuten ſich denn nicht, auch die bezeichnete beabſichtigte kirchliche Feier mit dem bitterſten Spotte öffentlich zu begrüßen. Die hieſige „deutſche Tribüne“, welche inſonderheit ihre Fadheit nicht anders als durch läſterliche Witze den hieſigen Deutſchen würzhaft zu machen verſteht, machte unter anderm in ihrer Nummer vom 17. Mai die höhniſche Bemerkung: „Mor⸗ gen — allgemeiner Raſt⸗ und Ruhetag, auch Feu ertag, aber kein Feiertag. Brennt Pech und vertreibt das Pech, das in Form der Cholera uns anklebt.“ — Lachend las man dies am Mor⸗ gen; lachend der beſchränkten Menſchen, welche an dieſem Tage zur Kirche eilten, um dem HErrn aller Herren zu Füßen zu fallen. Doch was ge⸗ ſchah? Aus dem gottesläſterlichen Scherz machte Gott, der ſich nicht ſpotten läßt, furchtbaren Ernſt. Noch war der Himmelfahrtstag nicht zu Ende, den die Chriſten gefeiert hatten, ſo verwan⸗ delte ſich der Feiertag wirklich in einen Feuertag; aber nicht, wie die Spötter gemeint hatten. Eine verheerende Feuersbrunſt brach aus, wobei in wenig Stunden nicht weniger als 418 Häuſer (die Hintergebäude ungerechnet) in dem belebte⸗ ſten und reichſten Theile unſerer Stadt und 23 Boote in unſerem Hafen in Aſche verwandelt wurden. Der dadurch entſtandene Vermögens⸗ verluſt beträgt mehr denn fünf und eine halbe Million Dollars, der Verluſt an Menſchenleben iſt noch gar nicht völlig ermittelt. Möchten doch unſere deutſchen Landsleute ſich hierdurch warnen laſſen, Läſterer durch Beifallklatſchen nicht immer frecher im Läſtern zu machen und ſo das Gericht, welches Läſterer auf ſich laden, nicht auch auf ſich zu ziehen! Eine Einſendung gegen Paſtor Selle betreffend. No. 8 des „Chriſtlichen Hausfreund“, eines weiland in Cincinnati erſchienenen Blaties unir⸗ ten Glaubens, wurde Herr Paſtor Selle in Chicago hart angegriffen. Paſtor Selle vertheidigte ſich daher dagegen in No. 10 des „Lutheraner“, Jahr⸗ gang 5. Hierauf fabricirten die Herren, welche den erſten Angriff gemacht hatten, einen neuen höchſt ungezogenen Ausfall voll gemeiner Schmäh⸗ reden, ohne irgend Beweiſe für ihre Sache beizu⸗ bringen, nur mit dem großmüthigen Verſprechen, wo es verlangt (0 werden ſollte, die Beweiſe noch nachzuliefern. Man ſchickte uns das ſaubere Product zu und ſtellte an uns das lächerliche An⸗ ſinnen, dasſeibe durch Aufnahme in unſerem „Lutheraner“ zu einem Gemeingute unſerer Leſer zu machen. Wir verweigerten natürlich die Auf⸗