# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 29_S156 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Göttliche Bewahrung vor der Peſt. Als Dr. Juſtus Jonas, der bekannte Freund Luthers, noch ein Kind war, lag einſtmals ſein Vater, damals Bürgermeiſter in Nordhauſen, an der Peſt tödtlich darnieder. Der Kranke legt eine gebratene Zwiebel auf ſein Peſtgeſchwür, und nachdem dieſelbe ihre Dienſte gethan hat, legt er ſie neben ſich auf eine Bank. Was geſchieht? Einige Augenblicke darauf kommt das Söhnlein an die Bank, nimmt die Zwiebel und, ehe es der Vater abwehren kann, hat er ſie verſchluckt. Je⸗ dermann meint nun, das Kind werde ſicher ein Opfer der ſchon durch Berührung anſteckenden Seuche werden. Aber ſiehe! der Knabe bleibt geſund und wird ſpäter ein wichtiges Werkzeug zur Verbreitung der reinen Lehre. Hier ward erfüllt das Wort Gottes: „Wer unter dem Schirm des Höchſten ſitzet, und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibet, der ſpricht zu dem HErrn: Meine Zuverſicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe, denn er errettet mich vom Strick des Jägers, und von der ſchädlichen Peſtilenz“ ꝛc. Pſalm 91. * * (Eingeſandt von Paſtor Keyl.) Die urſprüngliche Gottesdienſtordnung in den deutſchen Kirchen lutheriſchen Bekenntniſſes. (Fortſetzung.) Das Te Deum oder „HErr Gott, dich loben wir“ iſt das Gegenſtück der Litanei, denn wie dieſe das große allgemeine Bittgebet der Kirche iſt, ſo iſt jenes das große allgemeine Dankgebet derſelben. Von Alters her wird es dem Ambro⸗ ſius zugeſchrieben und heißt deßhalb auch der Ambroſianiſche Lobgeſang. Wahrſcheinlich iſt es in der griechiſchen Kirche entſtanden und von der römiſchen angenommen worden, wo es ſchon um das Jahr 550 vorkommt. Dr. Luther hat es aus dem Lateiniſchen ſo überſetzt, wie es in ſeinen Werken (X, 1756.) vorkommt. In dieſer Form iſt es ein Wechſelgeſang, den entweder zwei Chöre oder die zwei Hälften der Gemeinde, oder Chor und Prediger einestheils und die Gemeinde an⸗ derntheils ausführen, ſo daß einer der Erſtern intonirt und die Letztere reſpondirt. Weiter wird dabei ſo verfahren, daß die beiden Chöre Zeile um Zeile ſiugen; alſo der erſte Chor intonirt: „HErr Gott, dich loben wir“, und der zweite Chor reſpondirt: „HErr Gott, wir danken dir“, und ſo fort, bis auf die Zeile: „Heilig iſt unſer Gott“ beide Chöre zuſammenfallen; dann geht es wieder Zeile um Zeile weiter, bis zum Schluſſe auf die Zeilen: „Auf dich hoffen wir, lieber HErr, in Schanden laß uns nimmermehr, Amen!“ aufs Neue beide Chöre zuſammenfallen. An das TPe Deum ſchließt ſich immer Verſicul und Dank— collecte. Dr. Luther ſagt von dem Te Deum: „Es iſt ein fein Symbolum oder Bekenntniß (wer auch der Meiſter iſt) in Sangesweiſe gemacht, nicht allein den rechten Glauben zu bekennen, ſondern auch darinnen Gott zu loben und zu danken.“ (X, 1199) Darum ebenfalls die lutheriſchen 156 Kirchenordnungen ausdrücklich ermahnen, daß es fand, denn außerdem wurde als allgemeines Kir⸗ oft geſungen werden ſolle, damit es im Gedächt— niß der Gemeinden bleibe; ſo findet ſich der Ge⸗ brauch desſelben durchgängig und über 200 Jahre nicht nur an allen hohen Feſten, ſondern auch an Sonntagen, außerdem noch in den Wochengottes⸗ dienſten, beim Erntedank, am Reformationsfeſte, bei Kirchweihe, bei Ordination und Introduction der Prediger, ja auch bei Hochzeiten und Kind— taufen. Das Benedictus oder der Lobgeſang Zacha— riä, Luc. 1, 68 79., iſt ſchon von der griechi⸗ ſchen, und dann, ſeit dem ſechsten Jahrhundert, von der römiſchen Kirche, und nach dem Vorbild beider auch in der lutheriſchen und namentlich in der Sonntags-Mette gebraucht worden. Dar⸗ aus entſtand ſpäter das Lied: „Gelobt ſei der HErr, der Gott Iſrael.“ Das Magnificat oder der Lobgeſang Mariä, Luc. 1, 46. ff., iſt ebenfalls aus der griechiſchen in die römiſche und aus dieſer in die lutheriſche Kirche übergegangen, wo es durchgängig in der Vesper am Sonnabende und Sonntage gebraucht wurde. Eine Bearbeitung dieſes Magnificat iſt das Lied: „Meine Seele erhebe den HErrn.“ Das Nune Dimittis oder das Loblied Si⸗ meons, Luc. 2, 29 — 32., das ſeinem Urſprunge und früheren Gebrauche nach den beiden erwähn⸗ ten Geſängen gleich geſtellt iſt, hat Dr. Luther in dem Liede: „Mit Fried und Freud ich fahr dahin“ zum Gebrauch der Gemeinde bearbeitet, die es zu⸗ folge der Kirchenordnungen zum Schluſſe der Sonntagsvesper nach dem Magnificat ſangen. Die Predigt wurde bei dem Hauptgottes⸗ dienſte immer nur über die Evangelien gehalten. Urſprünglich und namentlich zu Dr. Luthers Zeit findet ſich in der Regel weder ein beſonderer Ein⸗ gang, noch ein Eingangsgebet, ſondern der Pre⸗ diger beginnt ſogleich mit der nochmaligen Ver⸗ leſung des Evangelii; auch der Gebrauch der Beichte und Abſolution nach der Predigt iſt erſt ſpäter aufgekommen und nur in einzelnen Kirchen⸗ ordnungen zu finden, denn, wie Dr. Kliefoth ſagt, „die lutheriſche Kirche gab nicht viel auf dieſe allgemeine Beichte und Abſolution: was davon nothwendig war, lag im Kyrie und Gloria; auch faßt ſie die Predigt ſelbſt, die Verkündigung des Wortes weſentlich als die allgemeine Beichte und Abſolution auf; und überdem hatte ſie unter den, dem Hauptgottesdienſte vorangehenden Nebengot⸗ tesdienſten einen eignen Beichtgottesdienſt, nemlich die Sonnabendsvesper.“ — An die Stelle des Kirchengebetes wollte Dr. Luther „eine gemeine Form, wie zum Beſchluß der Predigt das Volk zum allgemeinen Gebete ſoll ermahnet werden“, verleſen laſſen, welche am Schluſſe ſeiner Haus⸗ poſtille vom Jahr 1559 zu finden iſt; darin wird zugleich den beſondern Fürbitten ihre Stelle ange⸗ wieſen; ſie ſchließt mit den Worten: „ſolches alles zu erwerben, betet mit Andacht und Glaͤuben ein Vater unſer“; auf dieſes Gebet folgte der apoſto— liſche Segenswunſch „die Gnade unſers HErrn“ u ſw., womit die Handlung des Worts geſchloſ⸗ ſen wurde. Wahrſcheinlich wurde dieſe Ermah— nung dann gebraucht, wenn Communion ſtatt chengebet die Litanei geſungen; jene Anordnung war auf den echt lutheriſchen Grundſatz gebaut, daß die Gemeinde die allgemeinen Gebete noth⸗ wendig ſelbſt mitbeten müſſe, und nur aus der zu⸗ nehmenden Nichtachtung dieſes Grundſatzes iſt das Aufkommen der immer mehr ſich häufenden Formulare zu ſolchen Gebeten zu erklären, welcht die Gemeinde oft nicht einmal in ihrem Geſang⸗ buche nachleſen, geſchweige denn mitbeten konnte. Ein ſehr löblicher Gebrauch aber, den faſt alle lutheriſchen Kirchenordnungen vorſchreiben, war der, daß jedesmal nach der Predigt alle Hauptſtücke des Katechismus ohne die Auslegung vorgeleſen! wurden, damit ſie der Gemeinde bekannt werden und bleiben möchten.“) ö Die Communion als Euchariſtie oder Danl⸗ ſagung begann urſprünglich mit der Präfation, welche ihrem Namen, ſo wie ihrem Zwecke nach eine Vorrede oder Vorbereitung auf die Abend⸗ mahlsfeier iſt und als ſolche ſchon im zweiten Jahrhundert vorkommt; daran ſchloß ſich das Sanctus oder dreimal Heilig an. Die Einrichtung vieſer Präfationen, wie ſie ſowohl in der ganzen I alten, als auch durchgängig in der ältern luthe⸗ riſchen Kirche vorkommt, iſt dieſe: Nach der Sa⸗ lutation oder Begrüßung (der HErr ſei mit Euch — und mit deinem Geiſte), welche eigentlich nicht zur Präfation gehört, fordert der Prediger die G-— meinde zur Andacht mit den Worten auf: „Die Herzen in die Höhe“ und die Gemeinde bezeigt ihre Willigkeit in der Antwort „erheben wir zum HErrn“; dann ermahnt der Prediger: „laſſet uns dankſagen dem HErrn unſerm Gott“ und die Ge⸗ meinde antwortet: „das iſt würdig und recht“; und nun fährt der Prediger fort: „Wahrhaſt würdig und recht, billig und heilſam iſt es, daß wir dir, HErr, allmächtiger Vater, ewiger Gott, allezeit und allenthalben dankſagen“, an welchen Eingang ſich ein längeres Dankgebet anſchließt, welches immer mit den Worten endigt „mit wel⸗ chen (den Engeln) ſingen wir ohn Ende ſagende“, und hierauf ſtimmt Chor und Gemeinde: „Heilig, heilig, heilig iſt der HErr Zebaoth, alle Lande ſind ſeiner Ehre voll“ aus Jeſaias 6, 3. an. Dit lutheriſche Kirche ging darin zur alten Kirche zu⸗ rück, daß ſie nicht den Chor allein, ſondern auch die Gemeinde reſpondiren ließ; ßen Menge Präfationen aber behielt ſie bloß eine für alle Sonntage und einige für gewiſſe Feſte, um welcher willen auch das Sanctus in der Re⸗ gel durch gewiſſe Zuſätze erweitert wurde. Bald überſetzte man den Text der Präfationen in die deutſche Sprache und nahm ihn mit den dazu ge⸗ hörigen Melodien in die Agenden auf. Dr. Luther ſchenkte auch der Kirche das „deutſche Sanctus“, indem er Jeſ. 6, 1—4. zu dem Kirchenliede „Jeſaia dem Propheten das geſchah“ bea⸗ beitete. Es wurde jedoch ſeltener ſogleich nach *) Herr Dr. Kliefoth erwähnt ſehr oft ſeine Abhandlung „über Predigt und Katecheſe in der Vergangenheit und in der Gegenwart der lutheriſchen Kirche“, (Mecklenburger Kirchenblatt, Heft 1. 2. 3.); ſollte jemand von den Leſemn dieſe Hefte beſizen, der wird freundlichſt gebeten, ſie mir baldigſt zukommen zu laſſen. Der Einſender. von der gro