# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 29_S155 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) etwas dazu geben, daß doch erhalten würde; über das, die Kinder auch davon abwenden, auf daß ſolch Amt ja bald zu Boden gehe, und Chriſti Blut und Marter umſonſt ſei, und dennoch ſicher dahin gehen, kein Gewiſſen, keine Reu noch Leid für ſolche hölliſche und mehr denn hölliſche Un⸗ dankbarkeit, und viele unausſprechliche Sünde und Laſter haben, keine Furcht noch Scheu vor Gottes Zorn, keine Luſt noch Liebe zu dem lieben Heilande für ſeine ſaure ſchwere Marter erzeigen, ſondern wollen mit ſolchen ſchrecklichen Greueln dazu noch Evangeliſch und Chriſten ſein.“ Nun, ihr lieben Väter in unſerer lutheriſchen Kirche, die ihr durch Gottes Gnade gottesfürch⸗ tige und begabte Söhne habet, aber doch anſiehet, ſie zum Dienſte der Kirche herzugeben, weil ſo viel Schmach und Armuth damit verknüpft ſei — ſeid ihr jetzt nicht vielleicht anders geſinnet, nachdem ihr geleſen habt, was der Mann Gottes zu euch geredet hat? Stehet euer Sinn jetzt nicht viel⸗ mehr dahin, daß eure Söhne „groß werden vor dem HErrn“, denn daß ſie Reichthum und Ehre vor der Welt erlangen? Denn das Weſen dieſer Welt vergehet, jenes „groß ſein aber vor dem HErrn“, da eure Söhne Könige und Prieſter ſonderlich vor Gott ſein und mit Chriſto leben und herrſchen ſollten, — das bleibet ewiglich. Ihr könnet alſo Gott zur Ehre und dem Näch⸗ ſten zu Nutz und Frommen nichts Edleres thun, als dem Geber ſeine Gaben zurückzugeben, als dem dreieinigen Gott, der euch ſammt euren Kin⸗ dern erſchaffen, erlöſet und geheiliget hat, eure Söhne zum heiligſten und herrlichſten Dienſte zu ſtellen, zur Gabe und Opfer und zu einem ſüßen Geruch vor dem HErrn. Und mußten dieſe und jene von euch in unſerm alten Vaterlande alle ihre Söhne eine Zeitlang in das Heer ſtellen, um, wo es Noth war, eines irdiſchen Fürſten Kriege zu führen — ſolltet ihr da nicht hier mit Luſt und Liebe mindeſtens einen eurer Söhne in das Heer des HErrn Chriſti ſtellen, um, dicht zuſam⸗ mengeſchaart mit andern treuen Streitern um das Panier des reinen Bekenntniſſes eurer Kirche, die Kriege des HErrn aller Herren zu führen und durch das Schwert des Geiſtes, das da iſt das »Wort Gottes, die greulichſten und mächtigſten Feinde, als da ſind, Sünde, Welt, Fleiſch, Tod, ö Teufel und Hölle ſiegreich darnieder zu legen? — So ſollen euch alſo, ihr lieben Väter, jene herrlichen Verheißungen, die der HErr ſeinen neuen Dienern zugeſagt hat, billig locken, eure Söhne willig herzugeben zum Dienſte der Kirche, damit auch einſt, ſo ſie treu beharren, jene Ver⸗ heißungen an ihnen zur Erfüllung werden. Aber auf der andern Seite ſoll euch auch ſchrecken der Ernſt Gottes, wenn ihr trotz aller Ermahnung und Bitte, ja vielleicht trotz alles Anliegens und Begehrens eurer Söhne, ſie aus Geiz, Weltſorge, fleiſchlicher Weichlichkeit u. ſ. w. dem Dienſte der Kirche oder Schule entziehet. Denn was meinet ihr wohl, zu welchem Ende und Abſehen hat denn Gott euren Söhnen ſolche Gaben und auch die Luſt und Neigung zum heiligen Predigtamt in's Herz gegeben? Etwa dazu, daß ihr ſie abhaltet, dieſe Fähigkeiten und Kräfte nach des Gebers 15⁵ Rath und Willen anzuwenden, und ſie vielmehr anleitet, ja vielleicht durch Lehre und Exempel antreibet, dem großen Gott Mammon, und durch ihn dem Teufel, nicht aber dem dreieinigen Gotte, dem Eigenthumsherrn unſer Aller, zu dienen? Iſt dies euer Vornehmen nicht der ſchändlichſte Kirchenraub und Seelenmord zugleich, und iſt es nicht genug, daß ihr durch ſolchen ſchrecklichen Unglauben ſelber zur Hölle fahret? Müſſet ihr denn euer Fleiſch und Blut nicht auch mit hinab⸗ ziehen, falls nicht Gottes Gnade wunderbarlich dazwiſchen kommt, und euch dadurch die ewige Höllenpein und Feuersgluth zwiefach heißer und ſchrecklicher machen? O wehe über euch ſogenannte Chriſten, die ihr hinausgehet über die Greuel der Heiden; denn indeß dieſe ihre Kinder dem Moloch leiblich opfer⸗ ten und ſie ließen durch's Feuer gehen, in dem Wahne, dadurch den Zorn Gottes zu ſtillen, deſ⸗ ſen Brennen ſie als Sünder in ihrem Gewiſſen fühlten, ſo opfert ihr die Seelen eurer Kinder dem Teufel mit Lieb und Luſt und ſtürzet euch mit ihnen muthwillig dem hölliſchen Wolfe in den Rachen. Aber auch ihr Väter, die ihr nicht ſo ſchlechthin widerlutheriſch, d. i. mammoniſch geſinnt ſeid, die ihr aber doch träge und läſſig dahinlebet, ohne an eurem Theile auch für das Beſte der Kirche zu ſorgen, wiſſet ihr nicht, daß eure von Gott nach Herz und Kopf wohlausgerüſtete Söhne auch Pfunde ſind, die der HErr euch anvertrauet hat, damit ihr in Fleiß und Eifer damit werbet und andere Pfunde damit gewinnet? aber natürlich nicht auf jene obgemeldete fleiſchliche Weiſe, wie die Söhne der Mammonsknechte, die ihren Vä⸗ tern nur ſollen helfen den Beutel füllen, ſondern auf geiſtliche Weiſe, nemlich daß eure Söhne, nachdem ihr die Koſten an ſie gewagt und ſie zum Dienſte der Kirche geſtellet, darnach auch als Rüſtzeuge des Heiligen Geiſtes viele Seelen aus der Gewalt des Satans erretten und ſie zu dem HErrn Chriſto bekehren? Wenn ihr aber nun ſolches unterlaſſet und eure Pfunde vergrabet, — was, meinet ihr, wird Gott der HErr mit euch thun, wenn euer Todesſtünd⸗ lein herzuſchlägt und der Tag der Rechenſchaft kommt, da auch ihr über die Anwendung dieſer Pfunde dem gerechten und geſtrengen Richter wer⸗ det Antwort geben müſſen? Werdet ihr dann nicht offenbar in der Schande eurer Blöße? Müſſet ihr da nicht mit Schrecken verſtummen und wird dann nicht auch an euch der Spruch vollzogen: „den unnützen Knecht werfet in die äußerſte Finſterniß hinaus, da wird ſein Heulen und Zähnklappen.“ (Matth. 25, 30. Aber auch ihr bedenklichen Väter, die ihr ſo gar unnütz um das leibliche Wohlergehen eurer Söhne beſorgt ſeid, falls ſie dereinſt arme Buſch⸗ paſtoren werden ſollten, — ihr ſolltet euch doch billig eures Unglaubens ſchämen; denn wiſſet ihr nicht oder glaubet ihr es nicht von Herzen, daß der noch lebet und daß dem alle Gewalt gegeben iſt im Himmel und auf Erden, der einſt zu ſeinen Jüngern ſprach, da er in Niedrigkeit und Knechtsgeſtalt auf Erden wandelte: „Habt ihr auch je Mangel gehabt?“ und ſie mußten, der Wahrheit gemäß, antworten: „Nein, HErr, nie keinen.“ Ja, wiſſet ihr nicht, daß der Vater im Himmel ſeine Sonne aufgehen und regnen läßt ſelbſt über die Böſen und Ungerechten, daß er gütig iſt ſogar über die Undankbaren und Bos⸗ haftigen? — wie ſollte er denn ſolche verlaſſen und verſäumen, die durch den rechten Glauben an den HErrn Chriſtum ſeine lieben Kinder ſind, denen er ſeinen einigen und geliebten Sohn zu eigen gegeben hat, die da Tempel des Heiligen Geiſtes ſind, ja, in denen der dreieinige Gott ſel⸗ ber wohnet und wandelt und denen er zudem das heilige Amt befohlen hat, an ſeiner Statt die Menſchen zu Chriſto zu laden und zu vermahnen und zu verbitten: „laſſet euch verſöhnen mit Gott“? Da müßten fürwahr eher von Neuem die Raben Fleiſch bringen oder Manna vom Him⸗ mel regnen oder dieſe und jene Handvoll Mehl nicht verzehret werden, ehe eure Söhne, ſo ſie treue Knechte des HErrn ſind, ſollten Mangel leiden. Was aber über die Abhülfe des Man⸗ gels, über die Befriedigung der Nahrung und Nothdurft hinausgeht, da ſoll freilich kein gläu⸗ biger Chriſt und am wenigſten ein Prediger irgendwie ſorgen. Denn Niemand lebet davon, daß er viele Güter hat; die Reichen können ſich auch nur nähren und kleiden, und haben, ſo ſie fleiſchlich geſinnet ſind, vor den Aermeren nichts weiter voraus, als daß ſie viele Sorge, Unruhe und Plage haben, ſchwerer durch die enge Pforte hindurchkommen und leichter zur Hölle fahren. Darum wollen wir armen Buſchpaſtoren im Weſten vielmehr Gott loben und preiſen, daß wir ſo ziemlich aus der Hand in den Mund leben und gewürdiget ſind, auch in unſerm äußerlichen An⸗ ſehen dem HErrn Chriſto ähnlich zu ſein und ihm mit Luſt und Liebe nachzufolgen, der nicht hatte, wo er ſein Haupt hinlegte. Ja, wir wol⸗ len von Herzen Gott danken, daß wir bei unſerm beſcheidenen Theile ſo mancherlei Verſuchungen und Stricken des Satans enthoben ſind, in denen vielleicht gar mancher reiche Paſtor im Oſten ge⸗ fangen iſt, der in zunehmender Verweltlichung erſchrecklichen Schaden nimmt an ſeiner Seele und in ſo großer Gefahr ſchwebt, mit dem größten Theil ſeiner Kirchkinder, deren Mammonsdienſt er durch ſein Exempel beſtärkt und beſtätigt, ewig verloren zu gehen. — So hätte ich euch denn, ihr geizigen, oder läf⸗ ſigen, oder bedenklichen Väter, die ihr gläubige und begabte Söhne habet, herzlich ermahnt, die⸗ ſelben zum Dienſte der Kirche willig und fröhlich herzugeben. Ahmet der Hanna nach, die ſogar ihren einzigen Samuel dem HErrn zu ſeinem Dienſte im Tempel wiedergab; tretet in die Fuß⸗ tapfen Davids, der das erbeutete Gold und Sil⸗ ber dem HErrn heiligte. Opfert auch auf dieſe Weiſe Gott Dank, der auch für euch ſeinen eini⸗ gen Sohn dahingab und deſſen Gnade es iſt, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold, ſondern durch das theure Blut Chriſti erlöſet ſeid. —