# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 29_S154 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Glanz und die, ſo viele zur Gerechtigkeit weiſen, wie die Sterne immer und ewiglich.“ Was iſt aber gegen ſolchen zwiefachen Gna— denlohn der ganzen Welt Gold, Silber, Perlen, Edelgeſtein, Macht, Pracht und Luſt anders, als Schaum, Spreu, Staub, Koth und Aſche? Doch ich will hier inne halten und einen andern Mann von des heiligen Predigtamts Würdigkeit und Hoheit in Gottes Reiche und vor Seinem Ange— ſicht reden laſſen — einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geiſtes, gegen deſſen lebendige Ge— danken und Worte die meinen nur todte Buchſta⸗ ben ſind. Es ſchreibt nemlich unſer lieber Vater und Lehrer Dr. Martin Luther in der Predigt: „daß man Kinder zur Schule halten ſolle“, fol⸗ gendermaßen: „Du magſt von Herzen dich freuen und fröhlich ſein, wo du dich hierinn findeſt, daß du von GOtt dazu erwählet biſt, mit deinem Gut und Arbeit einen Sohn zu erziehen, der ein frommer, chriſt— licher Pfarrherr, Prediger oder Schulmeiſter wird, und damit GOtt ſelbſt erzogen haſt einen ſonder⸗ lichen Diener; ja, wie droben geſagt iſt, einen Engel GOttes, einen rechten Biſchof vor GOtt, einen Heiland vieler Leute, einen König und Für⸗ ſten in Chriſti Reich, und in GOttes Volk einen Lehrer, ein Licht der Welt. Und wer will oder kann alle Ehre und Tugend erzählen eines rech⸗ ten treuen Pfarrherrns, ſo er vor GOtt hat? Es iſt ja kein theurer Schatz, noch edler Ding auf Erden und in dieſem Leben, denn ein rechter, treuer Pfarrherr oder Prediger. „ „Denn, rechne du ſelbſt, was Nutzens das liebe Predigtamt und die liebe Seelſorge ſchaffet, die— ſelbige ſchaffet gewißlich auch dein Sohn, der ſolch Amt treulich führet: als, daß ſo viel Seelen täg— lich durch ihn gelehret, bekehret, getauft und zu Chriſto gebracht und ſelig gemacht werden, und von Sünden, Tod, Hölle und Teufel erlöſet, zur ewigen Gerechtigkeit, zum ewigen Leben und Himmel durch ihn kommen, daß wohl Daniel am 12ten, Vers 3, ſagt, „„daß die, ſo andere leh— ren, ſollen leuchten, wie der Himmel, und die, ſo viel zur Gerechtigkeit weiſen, ſollen ſein, wie die Sterne in Ewigkeit.““ Denn weil GOttes Wort und Amt, wo es recht gehet, muß ohn Un⸗ terlaß große Dinge thun, und eitel Wunderwerke treiben, ſo muß dein Sohn auch ohne Unterlaß große und eitel Wunder thun vor GOtt, als Todten auferwecken, Teufel austreiben, Blinde ſehend, Taube hörend, Ausſätzige rein, Stumme redend, Lahme gehend machen: obs nicht leiblich geſchieht, ſo geſchiehts doch geiſtlich in der Seele, das es viel größer iſt, wie Chriſtus ſpricht Joh. 14, 12.: „„Wer an mich gläubet, der wird die Werke thun, die ich thue, und noch größere Werke thun.““ Kann ſolches ein Gläubiger thun, gegen einzelne Perſonen; wie viel mehr wird ſol⸗ ches thun ein öffentlicher Prediger, gegen und in einem ganzen Haufen? Nicht, daß ers thue, als ein Menſch, ſondern ſein Amt, von GOTT dazu geordnet, das thuts, und das Wort GOttes, das er lehret; denn er iſt ja das Werkzeug daſelbſt zu. „Thut er nun ſolche große Werke und Wunder geiſtlich, ſo folget daraus, daß er ſie auch leiblich thut, oder je ein Anfänger und Urſache dazu iſt. Denn woher kömmts, daß die Chriſten am Jüng⸗ ſten Tage von den Todten auferſtehen werden, daß alle Taube, Blinde, Lahme, und was für Plagen am Leibe geweſt ſind, müſſen ablaſſen, und ihre Leichname nicht allein fein hübſch, geſund, ſon⸗ dern auch ſo helle und ſchön leuchten werden als die Sonne, wie Chriſtus ſpricht? Kömmts nicht daher, daß ſie durchs Wort Gottes hie auf Erden ſind bekehret, gläubig, getauft, und Chriſto einge leibet? wie Paulus ſagt Röm. 8, 11., „„daß Gott wird unſere ſterblichen Leichname auferwecken, um ſeines Geiſtes willen, der in uns wohnet““. Wer hilft nun den Menſchen zu ſolchem Glauben und Anfang der leiblichen Auferſtehung, ohne das Predigtamt und Wort Gottes, das dein Sohn führet? Iſt nun das nicht ein unermeßlich größer, herrlicher Werk und Wunder, denn ſo er leiblich oder zeitlich Todte auferweckte wieder zu dieſem Leben, oder Blinden, Tauben, Stummen, Aus⸗ ſätzigen hülfe in der Welt, und in vergänglichem Weſen? „Wenn du gewiß wäreſt, das dein Sohn dieſer Werke eines an einem einigen Menſchen ſollte thun, nemlich daß er nur einen Blinden ſollte ſehend machen, einen Todten auferwecken, eine Seele dem Teufel nehmen, einen Menſchen aus der Hölle erretten; oder welches der eines wäre: ſollteſt du nicht billig mit allen Freuden dein Gut daran wagen, daß er zu ſolchem Amt und Werke möchte erzogen werden, und vor großen Freuden ſpringen, daß du mit deinem Gelde vor Gott ſo ein groß Ding hätteſt geſtiftet? Denn was ſind alle Stifte und Klöſter, wie ſie jetzt ſind und im Brauch gehen, mit ihren eignen Werken, gegen einen ſol⸗ chen Pfarrherrn, Prediger oder Schulmeiſter? Wiewohl ſie vorzeiten und anfänglich von from⸗ men Königen und Herren allzumal zu dieſem theuren Werk geſtiftet ſind, daß man ſolche Predi⸗ ger und Pfarrherren drinnen erziehen ſollte; nun aber, leider! durch den Teufel in den Jammer gerathen, daß es Mördergruben und eitel Vorge— birge der Höllen worden ſind, zum Verderben und Schaden der Chriſtenheit. „Nun ſiehe, dein Sohn thut ſolcher Werke nicht eins allein, ſondern viel, ja alleſammt, dazu täg⸗ lich; und das das allerbeſte iſt, vor Gott thut er ſie; derſelbige ſiehet ſie dafür an, und hält ſie ſo theuer und hoch, wie geſagt iſt, obs gleich die Menſchen nicht erkennen noch achten; ja, wenn ihn die Welt gleich einen Ketzer, Verführer, Lüg— ner, Aufrührer ſchilt, das iſt ſo viel deſto beſſer, und ein gut Zeichen, daß er ein rechtſchaffener Mann iſt, und ſeinem HErrn Chriſto ähnlich. Mußte doch Chriſtus ſelbſt auch ein Aufrühreri— ſcher, Mörder, Verführer ſein, und alſo mit den Mördern gerichtet und gekreuziget werden. Was läge mir daran, wenn ich ein Prediger wäre, daß mich die Welt einen Teufel hieße, wenn ich weiß, daß mich Gott ſeinen Engel heißt? Die Welt heiße mich einen Verführer, wie lange ſie will, in⸗ deß heißt mich Gott ſeinen treuen Diener und Hausknecht, die Engel heißen mich ihien Geſellen, die Heiligen heißen mich ihren Bruder, die Gläu⸗ bigen heißen mich ihren Vater, die elenden Seelen heißen mich ihren Heiland, die Unwiſſenden hei⸗ 4 ßen mich ihr Licht, und Gott ſpricht Ja dazu, es ſei alſo; die Engel auch, ſammt allen Creaturen. Ei, wie hübſch hat mich denn die Welt ſammt dem Teufel getäuſcht, mit ihrem Läſtern und Schmähen? Ei, wie groß hat ſie an mir gewon⸗ nen? Wie großen Schaden hat ſie mir gethan? die liebe Traute. „Das iſt nun geſagt von den Werken und Wun⸗ dern, die dein Sohn thut gegen die Seelen, von Sünden, Tod und Teufel zu helfen. Ueber das thut er auch gegen die Welt eitel große, mächtige Werke, nemlich daß er alle Stände berichtet und unterweiſet, wie ſie äußerlich und in ihren Aen⸗ tern und Ständen ſich halten ſollen, damit ſie vor Gott recht thun; kann die Betrübten tröſten, Rath geben, böſe Sachen ſchlichten, irrige Gewiſ⸗ ſen entrichten, Friede helfen halten, ſöhnen, ver⸗ tragen, und der Werke ohne Zahl viel und täglich. Denn ein Prediger beſtätiget, ſtärket und hilft er⸗ halten alle Obrigkeit, allen zeitlichen Frieden, ſteuret den Aufrühreriſchen, lehret Gehorſam, Sitten, Zucht und Ehre, unterrichtet Vateramt, Mutteramt, Kinderamt, Knechtamt, und Summa, alle weltlichen Aemter und Stände. wohl die geringſten guten Werke eines Pfarr⸗ herrns, noch ſind ſie ſo hoch und edel, daß ſie noch nie keine Weiſen unter allen Heiden erkannt noch verſtanden, viel weniger zu thun vermocht “ haben, auch noch nicht kein Juriſt, keine hohe Schule, Stift noch Kloſter ſolche Werke weiß, und weder in geiſtlichem noch weltlichem Recht gelehret werden. Denn da iſt niemand, der ſolche weltliche Aemter Gottes große Gaben oder gnädige Ordnung heiße, ſondern das Wort Got⸗ tes und Predigtamt allein preiſet, und ehret ſie ſo hoch.“ Wie viel aber die Aufrichtung des heiligen Evangeliums und Predigtamtes gekoſtet habe und deßhalb hoch und theuer werth zu achten ſei, darüber ſchreibt Dr. M. Luther in derſelben Schrift alſo: „Daß wir das Evangelium und Predigtamt haben, was iſts anders, denn Blut und Schweiß unſers HErrn? Er hats ja durch ſeinen ängſtli⸗ chen dlutigen Schweiß erworben, durch ſein Blut und Kreuz verdienet und uns geſchenkt, habens gar umſonſt und nichts darum gethan noch gegeben. Ach HErr Gott, wie herzlich bitter und ſauer iſts ihm worden? Wie freundlich und gern hat ers dennoch gethan? Wie viel haben die lieben Apoſtel und alle Heiligen drüber gelitten, auf daß es bis auf uns kommen möchte? Wie viel ſind ihrer zu unſrer Zeit drüber getödtet? „Und daß ich mich auch rühme, wie manchmal habe ich den Tod drüber müſſen leiden, und iſt mir auch ſo herzlich ſauer worden, und noch win, auf daß ich meinen Deutſchen hiermn dienete. Aber alles nichts gegen dem, das Chriſtus, Got⸗ tes Sohn, unſer liebes Herz, dran geleget hat; und ſoll nun nichts anders damit verdienet haben bei uns, denn daß etliche ſolch ſein theuer erwor⸗ ben Amt verfolgen, verdammen, läſtern, unter alle Teufel hinunter. Die andern aber die Hand ab⸗ 1 ziehen, weder Pfarrer noch Prediger nähren, noch Dies ſind