# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 04 05_S61 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 1. St. Louis, Mo., den 5. April 1845. No. 16. Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar fünf und zwanzig Cents für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 6¼ Cents verkauft. (Eingesandt von Pastor Th. Brohm.) Von ordentlicher Berufung zum Predigtamt. Es scheint in diesem Lande besonders Noth zu thun, unter andern auch die Lehre von ordentlicher Berufung zum Predigtamt ins rechte Licht zu stellen und den Christen einzuschärfen. Die meisten Lutheraner, die in dieses Land kommen — wir reden von der bessern Klasse unter ihnen — wissen selten etwas Gründliches vom Beruf zum Predigtamt; da sie in Deutschland unter der Bevormundung der Patrone und weltlichen Obrigkeiten wenig oder nichts damit zu thun hatten; daher ist ihnen dieser Theil der heilsamen Lehre ein ziemlich fremdes Feld. Kein Wunder, wenn in solchen aus ununterrichteten und unerfahrnen Leuten bestehenden Gemeinden bei Berufung eines Predigers manche ärgerliche und schädliche Mißgriffe vorkommen. Hier im Lande kirchlicher Freiheit liegt allerdings auf einer christlichen Gemeinde eine weit größere Verantwortlichkeit, als im alten Vaterlande. Es ist viel in ihre Hände gelegt; sie kann einen großen Segen über sich und ihre Kinder bringen, wenn sie ihre Freiheit recht und göttlich gebraucht, oder auch einen schweren Fluch, wenn sie leichtfertig zu Werke geht, sich Lehrer aufladet, wie ihnen die Ohren jücken, und auch den göttlichen Ordnungen nicht mehr unterthan sein will. Wohlan denn, lieber Leser, weil du vielleicht auch über kurz oder lang in den Fall kommen magst, an dem wichtigen, schweren, verantwortungsreichen Geschäft der Berufung eines Predigers thätigen Antheil zu nehmen, so laß uns aus Gottes Wort lernen, wie wir uns dabei Gott wohlgefällig zu verhalten haben. Vor allen Dingen müssen wir wissen, was das Predigtamt selbst ist. Es gibt jetzt viele, die das Predigtamt für nichts, als eine gute, menschliche Einrichtung und Anstalt ansehen; wie sich eine Gesellschaft ihren Vorsitzer, ihren Sprecher, ihre Secretaire wählt, die ihre Interessen besorgen sollen, also mache es auch eine religiöse Gesellschaft und stelle einen Prediger an, der so lange ihr vorpredigt, als es ihr gefällt. Aber nein, so müssen wir das Predigtamt nicht ansehen, wenn wir lutherische Christen sein wollen; das Predigtamt ist ein heiliger, vom dreieinigen Gott selbst geordneter Stand, in welchen er gewisse Personen aus den Menschen dazu setzt, daß sie an seiner Statt u. in seinem Namen sein Wort den Menschen predigen und die h. Sacramente reichen und sie also zum ewigen Leben erbauen sollen. Diesem Amte hat Gott große Verheißungen gegeben, durch dasselbe will er seinen h. Geist geben, welcher den Glauben in denen, so das Evangelium hören, wirket; wer dieses Amt verachtet, hat keine Verheißung, daß ihm Gott auf außerordentliche Weise seine Gnade werde widerfahren lassen. So weit also die christliche Kirche verschieden ist von weltlichen Gesellschaften und Vereinen, so weit ist auch das Predigtamt zu unterscheiden von den Aemtern, die solche Gesellschaften unter sich ordnen. Die h. Schrift nennt die Prediger Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse 1 Cor. 4, 1., Botschafter an Christi Statt 2 Cor. 5, 20., Gottes Mitarbeiter 1 Cor. 3, 9., das Predigtamt das Amt des Geistes 2 Cor. 3, 6. Diese und andre herrliche Namen gibt Gott selbst seinen Dienern, damit wir ihr Amt hoch halten und ehren sollen gegen alle Ungläubige und Schwärmer, die es verachten. Der dreieinige Gott also ist es, der das Predigtamt in seiner Kirche gestiftet hat, er ists auch, der es in der Welt erhält und fortpflanzt, er will auch keinem andern in seiner Kirche das öffentliche Lehramt gestatten, als dem er es selbst aufgetragen hat. Es hat in alter und neuer Zeit Leute gegeben, die aus Schwärmerei und aus Unverstand das Predigtamt vermischt haben mit dem geistlichen Priesterthum aller Christen und den verkehrten Grundsatz aufgestellt, ein jeder Christ könne und solle predigen und lehren, wenn er es nur verstünde oder vom Geiste dazu getrieben würde. Es ist darum nöthig, das rechte Verhältniß des geistlichen Priesterthums zum Predigtamt ins rechte Licht zu setzen. Es ist wahr, und liegt für alle wahre, rechtgläubige Christen ihr höchster Trost darin, daß sie durch Christum geistliche Priester sind vor Gott, daß sie in der h. Taufe das herrliche Gnadenrecht empfangen haben, durch den einzigen Mittler und Hohenpriester, Christum, vor Gott zu erscheinen Röm. 5, 2. Eph. 2, 18. 3, 12., und geistliche Opfer zu opfern, die Gott angenehm sind durch JEsum Christum 1 Petr. 2, 5. Im A. T. durfte niemand das Opfer anrühren, außer den Söhnen Aarons; nachdem aber der ewige Sohn Gottes das Opfer für der Welt Sünde dargebracht, Hoherpriester und Opfer zugleich geworden und damit die vorbildlichen Opfer des A. T. abgethan hat, so hat derselbe, die an ihn wahrhaftig glauben, zu Priestern gemacht, die allesammt ohne Unterschied des Standes, Geschlechts und Alters mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl hinzutreten dürfen und im Namen JEsu Christi alles von Gott erbitten. Hebr. 4, 16. Joh. 16, 23. Dasselbe geistliche Priesterthum legt aber auch einem jeden geistlichen Priester, d. i. einem jeden wahrhaftigen Christen, die Pflicht auf, geistliche Opfer des Lobes und Dankes Gott darzubringen, als da ist, seinen Leib Gott zum Opfer zu ergeben, Röm. 12, 1., sein Fleisch sammt seinen Lüsten und Begierden zu kreuzigen, Gal. 5, 24., den Armen wohl zu thun und mitzutheilen, Heb. 13, 16., besonders auch Gottes Wort und den seligmachenden Glauben zu bekennen und Gottes Ehre auszubreiten, Matth. 10, 32. 33. Coloss. 3, 16., und demnach die Ungezogenen zu vermahnen, die Kleinmüthigen zu trösten, die Schwachen zu tragen, den Sünder vom Irrthum seines Weges zu bekehren, 1 Thess. 5, 14. Jac. 5, 19. 20. Matth. 13, 15.; insonderheit legt es dem christlichen Hausvater auf, seine Kinder und Hausgenossen in Gottes Wort zu unterrichten und unterrichten zu lassen, 5 Mos. 6, 6. 7. Aber obwohl alle wahren Gläubigen geistliche Priester sind, so sind sie doch nicht alle Lehrer, sondern allein diejenigen, welche Christus dazu gesetzt hat. Ephes. 4, 11. 1 Cor. 12, 28. 29. Zu geistlichen Priestern werden wir geboren in der h. Taufe, zu Predigern werden wir berufen; geistliche Priester sind alle wahren Gläubigen, sie seien Mann oder Weib, Jung oder Alt, Knecht oder Freier; Prediger und Lehrer aber sind nur diejenigen unter ihnen, die von Gott dazu berufen sind; ein geistlicher Priester, d. i. ein wahrer Christ, besitzt zwar eine allgemeine Befähigung zum Predigtamt und wir mögen nichts wissen von dem papistischen Unterschied des sogenannten geistlichen und Laienstandes; nach Gottes Willen sollte ein jeder Prediger zugleich ein geistlicher Priester, d. i. ein wahrer Christ sein; aber kein geistlicher Priester, und wenn er des h. Geistes so voll wäre, daß Ströme lebendigen Wassers von ihm flössen, soll sich zum öffentlichen Lehrer in der Kirche aufwerfen, und sich in ein fremdes Amt mischen. Dr. Luther spricht: „Da sehe