# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 29_S153 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Belligirt von C. E. W. Walther. ger Cutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Zahrgang 5. No. 20. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. ES Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. (Eingeſandt von Dr. Sihler.) Herzliche Ermahnung an lutheriſche Väter gottesfürchtiger und begabter Jünglinge und Knaben, ſie dem Dienſte der Kirche und Schule nicht zu entziehen. Es iſt leider eine ebenſo ausgemachte, als be⸗ trübte Thatſache, daß zumal hier mehr im Weſten gar ſo wenig junge Leute, welche Geſinnung und Gaben zur dereinſtigen Uebernahme des heiligen Predigt⸗ oder Schulamts haben, ſich bei den be⸗ treffenden Seminarien melden und daſelbſt Auf⸗ nahme und Unterricht begehren. Hier in unſerm Seminar zu Fort Wayne z. B. hat ſich ſeit dem Zeitpunkte ſeiner Entſtehung, im October 1846, bis jetzt nur ein eingeborner luthe⸗ riſcher Deutſch⸗Amerikaner gemeldet; die andern 26, die theils ſchon in den Dienſt der Kirche getreten ſind, theils noch bei uns ſich befinden, ſind alle, einen ausgenommen, aus Deutſchland von theuren Glaubensbrüdern uns herübergeſandt; nur dieſer eine iſt der Sohn eines vor 12 Jahren eingewanderten, dermalen bereits verſtorbenen, Farmers. Fragen wir nun, woher kommt es wohl, daß z. B. in Ohio, Indiana und anderen Staaten hier im Weſten nicht mehr Jünglinge ſich finden (deren Väter etwa ſchon zehn und mehrere Jahre hier eingewandert oder gar hier geboren und deutſch geblieben ſind), die ſich zum Dienſt der Kirche ſtellen und dafür heranbilden laſſen, ſo können wir mehrerlei Antwort darauf geben. Die eine z. B. lautet alſo: Es iſt hier in unſern noch dünn bevölkerten und ſpärlich angebauten Gegenden noch gar zu viel Raum und Gelegen⸗ heit, das Land zu bauen oder Mühlen, Gerbe—⸗ reien, Stores u. ſ. w. anzulegen, wobei ſich, ohne übermäßige Anſtrengung und bei leidlichem Ge⸗ ſchick und Glück, in nicht gar langer Zeit, manch' artiges Sümmchen erwerben läßt, mit denen man dann ſein Geſchäft noch mehr ausdehnen und noch mehr „Geld machen“ und ein Mann werden kann, der viel „werth“ iſt. Welcher zärtliche Vater alſo, der von Herzen dem großen Gott Mammon dient, dem doch faſt ganz Amerika und der „Weltkreis Gottesdienſt erzeigt“, — welcher zärtliche Vater ſollte nicht all' ſeinen Fleiß dahin richten, daß alle ſeine Söhne ſo zeitig als möglich „gut ab“ und auch Verehrer und Anbeter des⸗ ſelben Gottes würden. Eine andere Antwort iſt dieſe: Das liebe Pre⸗ digtamt hier zu Lande wirft doch gar zu wenig Ehre und Lohn ab; da hat ja — ſpricht dieſer und jener Vater zu ſich und andern — da hat ja jeder Taglöhner mehr Einkommens, als ſo ein armſeliger Buſchpaſtor, und bei all' ſeiner Arbeit und Armuth muß er zudem noch von ſo manchen ungelehrigen und ſtörrigen Köpfen allerlei Grob⸗ heiten und Läſterung in die Taſche ſtecken und hat Stank für Dank zum Lohn. Will er den Mantel nicht nach dem Winde hängen und kein Mieth⸗ ling und Menſchenknecht ſein, ſo wird er mit Thränenbrod reichlich geſpeiſet und mit Galle ge— tränket und iſt, wie Moſes, „ein ſehr geplagter Menſch über alle Menſchen auf Erden“. Solch' betrübtes und mühſeliges Leben aber möchte ich gern meinem Sohne erſparen. Dazu kommt aber noch — fährt ſolcher Vater fort — daß die ſogenannten altlutheriſchen Paſto⸗ ren eine zwiefache Laſt auf dem Halſe haben; denn wollen ſie, wie billig, daß ihre kirchliche Handlungs⸗ weiſe dem kirchlichen Bekenntniſſe gemäß ſei, drin⸗ gen ſie nach vorhergegangener gründlicher Beleh⸗ rung z. B. auf ordentliche Berufung, auf gehörige Anmeldung zum heiligen Abendmahl, wollen ſie dieſes z. B. Reformirten, als ſolchen, nicht reichen, die ſchriftgemäße Kirchenzucht handhaben u. ſ. w., ſo haben ſie Freund und Feind gleich⸗ mäßig auf dem Halſe und werden als die eng⸗ herzigſten, eigenſinnigſten und liebloſeſten Leute ausgeſchrieen, mögen ſie noch ſo geduldig und de⸗ müthig, noch ſo ſelbſtverleugnend und aufopfernd ſein, Kirche und Schule mit allem Fleiße verſor⸗ gen, Jung und Alt mit aller Treue meinen. — Nun, mein lieber Vater, der du vielleicht einen gottes fürchtigen und begabten Sohn haſt und alſo mit dir oder andern von dem heiligen Predigtamte redeſt, was du da ſageſt, das iſt freilich wahr, aber doch haſt du nur fleiſchlich und nicht nach dem Herzen Gottes und aus dem Geiſte und Worte Gottes geredet. Denn, ſiehe! das Reich unſeres HErrn Chriſti, und zwar nicht bloß die triumphi⸗ rende Kirche im Himmel, ſondern auch die kämpfende auf Erden, iſt nicht von dieſer Welt, obwohl die letztere freilich in dieſer Welt iſt, und da ſollen und wollen auch die rechten Diener des HERRN Chriſti nicht von dieſer Welt viel Ehre und Lohn haben; es genüget ihnen voll und überſchwänglich, daß ſie Ehre bei Gott haben, der ſie ſeine „Mitarbeiter“ und „Mithelfer“ nennt in der ſeligen Arbeit, die armen Sünder zu dem Hei⸗ land zu bekehren, aus Verfluchten Geſegnete, aus Verbannten und Verworfenen Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenoſſen, aus verdamm⸗ ten Sclaven des Teufels ſelige Kinder Gottes und Miterben Chriſti zu machen. Es beugt dieſe Ehre von und vor Gott ſie tief in den Staub, daß ſie, die doch von Natur auch ſchnöde ſtinkende Sünder ſind, die aus und von ſich ſelber nichts thun können, als ſündigen — daß ſie, nachdem ſie aus Gnaden durch den Dienſt des heiligen Pre⸗ digtamts ſelber bekehrt ſind zu dem Hirten und Biſchof ihrer Seelen — daß ſie nun ſelber Bot⸗ ſchafter an Chriſti Statt, der Mund und die Hand Gottes an die Menſchen, Engel des HERRN Zebaoth, Haushalter über Gottes Geheimniſſe, Nachfolger der Propheten, des HErrn Chriſti und der heiligen Apoſtel ſein ſollen. Da halten ſie es denn auch für lauter Ehre bei Gott, wenn ſie ge⸗ würdigt werden um Chriſti willen von der Welt Schmach zu leiden und fürchten ſich vielmehr Lob und Lohn von ihr zu empfangen, als Haß und Verachtung; denn die Welt liegt im Argen und hat nur das Ihre lieb. Wie aber die treuen Die⸗ ner Chriſti allein bei und vor Gott ihre Ehre ſu— chen, und nicht bei der falſchen, treuloſen Welt, ſo ſuchen ſie bei dieſer auch keinen Lohn, ſondern allein bei dem frommen und getreuen Gott, der ihnen einen ſo herrlichen zwiefachen Gnadenlohn verheißen hat. Dieſer iſt aber zuerſt auf Erden jede durch ihren Dienſt und Amt von der Gewalt des Satans zu dem HErrn gründlich und recht⸗ ſchaffen bekehrte Seele, darnach aber im Himmel eine beſondere Herrlichkeit, als geſchrieben ſiehet: „Die Lehrer aber werden leuchten wie des Himmels