# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 15_S149 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Von einem Kanzelliede kommt in den älteren Kirchenorrnungen ſelten eine Spur vor, nur einige ſchreiben namentlich für die Feſttage an dieſer Stelle Lieder vor, wie: „Nun bitten wir den Hei⸗ ligen Geiſt“, „Es woll' uns Gott genädig ſein.“ Das Lied nach der Predigt findet ſich in den meiſten Kirchenordnungen und zwar, wenn Communion gehalten wurde, nur als Schluß der Handlung des Worts, daher die durchgängige Beſtimmung, daß dieſes Lied „ſich auf die Predigt ſchicke“, folglich ſollte es nicht ſchon eine Vorbe⸗ reitung zur Communion bilden, für welche ein be⸗ ſonderer Anfang vorgeſchrieben war. Zum Schluß des ganzen Gottesd ienſies, und namentlich nach gehaltener Communion, läßt nur die eine Hälfte der Kirchenordnungen das Lied ſingen „Verleih uns Friede gnädiglich“ (das ver⸗ deutſchte Da pacem) oder „Erhalt' uns, HErr, bei deinem Wort“; die andere Hälfte der Kirchen⸗ ordnungen läßt nur mit dem Segen ſchließen. Unter die andern, öfter gebrauchten Geſangſtücke mit Ausſchluß derer, welche bei der Communion vorkommen, gehört die Litanei, welches Wort ſeiner Abſtammung nach ein demüthiges und fle⸗ hendes Bitten bedeutet; ſie enthält einzelne in kurze Sätze gefaßte Bitten, die der Kirchendiener vortrug und welche die Gemeinde mit dem Kyrie eleiſon beantlbortete. Sie hat ihren Grund in 1 Tim. 2, 1. ff.: „So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen zuerſt thue Bitte, Ge⸗ bet, Fürbitte“ u. ſ. w. Schon im zweiten Jahr⸗ hundert hatte in der griechiſchen und römiſchen Kirche die Litanei, als das allgemeine Kirchenge— bet, ihre Stelle zwiſchen der Predigt und der Abend⸗ mahlsfeier. Dem Inhalte, nicht aber den Worten nach, ſtimmt die griechiſche Litanei mit der römi⸗ ſchen und lutheriſchen überein, und die Geſtalt, welche ſie noch hat, ſtammt aus dem ſechsten oder ſiebenten Jahrhundert; ſier fängt nemlich mit dem Kyrie eleiſon an und ſchließt damit; ſie nimmt auch am Schluſſe das „Agnus Dei“ oder das „Chriſte, du Lamm Gottes“ auf, reihet eine ge⸗ wiſſe Anzahl verwandter Bitten an einander und fügt einen angemeſſenen Gebetsruf hinzu, als: „HErr, erbarme dich“, oder: „Behüte uns“ u. ſ. w. In dieſer Geſtalt überſetzte Dr. Luther die Litanei aus der lateiniſchen in die deutſche Sprache, na⸗ türlich mit Auslaſſung alles deſſen, was ſich auf den Heiligendienſt und dergleichen bezog; ſo er⸗ ſchien ſie zuerſt im Jahre 1529 und wurde von da an in allen lutheriſchen Kirchen gebraucht und zwar nach dem Vorbild der alten Kirche als das der Gemeinde zukommende Kirchengebet für die ganze Chriſtenheit. Daher wurde die Litanei nach Dr. Luthers Angabe (X, 1758. von zwei Chören geſungen, oder 1—2 Chorkna⸗ ben intonirten die Bitten und die Gemeinde antwortete und auf dieſe letztere Weiſe wurde ſie urſprünglich an den meiſten Orten geſungen, wozu der Gebrauch, daß der Prediger intonirte und der Chor antwortete, nur einen Uebergang bildete und nie bleibend wurde; nirgend aber kommt es in der lutheriſchen Kirche vor, daß der Prediger die Litanei abgeleſen hätte. Hinſichtlich des kirchlichen Gebrauchs derſelben, beſtimmen die Kirchenord⸗ 149 nungen im allgemeinen folgendes: Sie ſollen als das allgemeine Kirchengebet an allen den Sonn⸗ und Feſttagen im Hauptgottesdienſte, wenn nem⸗ lich keine Communicanten vorhanden ſind, nach der Predigt von der Gemeinde geſungen werden, außerdem wenigſtens einmal in jeder Woche, entweder in der Sonn abends⸗ oder Sonntagsvesper, oder nach einer Wochenpredigt, ſo wie an den beſtimmten Bettagen; jedesmal folgte darauf eine Intonation mit vorgeſchriebener Bittcollecte und dem Amen; übrigens geſtatten mehrere Kirchenordnungen, z. B. die pommerſche, daß die Prediger „nach Gelegenheit der Zeit und Noth etliche Verſe in der Litanei kürzen oder auch zuſetzen und ändern“; hieraus ſind die mancherlei Abweichungen in der Form der Litanei zu er⸗ klären. (Fortſetzung folgt.) * Beſchreibung einer Peſt. Friedrich Schatz, ehemaliger Diaconus zu Schweidnitz, hat in ſeinem „Noth und Trau⸗ erſtand der Stadt Schweidnitz“ eine an⸗ ſchauliche Beſchreibung der fürchterlichen Peſt, welche im Jahre 1633 daſelbſt graſſirte, geliefert. — Es lag nemlich damals die vereinigte ſchwe⸗ diſch-ſächſiſch-brandenburgiſche und die kaiſerliche Armee unter Wallenſtein um die Stadt Schweid⸗ nitz, die ſich dadurch im Mittelpunkt beider feind⸗ lichen Heere befand, und in den Händen der Schweden war. Eine gewaltige Menge von Landbewohnern hatte ſich in die Stadt geflüchtet, wodurch das Elend nur deſto größer wurde. Da⸗ von erzählt nun Schatz alſo: „Auf dem Ringe und allen Gaſſen der Stadt waren bei Tag und Nacht ein erbärmliches Heu⸗ len und Winſeln gehört. Eins ſchrie nach Brod, das andere nach einem Trunk Bier oder Waſſer und was dergleichen Jammergeſchrei mehr gewe⸗ ſen. Ihrer viele, denen die Hitze den Kopf einge⸗ nommen, liefen in bloßen Hemden in der Stadt umher mit ſolchem ungeberdigem Geheule, daß es einen Stein in der Erde erbarmen mögen. Da lagen theils Todte, theils mit dem Tode ringende Leute untereinander haufenweiſe auf den Gaſſen. Sonderlich um das Striegauer Thor vorm Schloſſe war ein ſolcher Wuſt und Menge der todten Kör⸗ per zu ſehen, als ob vor etlichen Tagen ein großes Scharmützel daſelbſt wäre vorgegangen. Und zu geſchweigen der andern engen Gaſſen, ſo haben auf dem Ringe, auch vornehmſten Gaſſen der Stadt, die Leichen zu 3, 4, 6, 8, auch wohl 14 Tagen, wegen Mangel der Todtengräber, unbe⸗ graben liegen müſſen. Auf dem Ringe bei der Wachtſtuben ſtand ein Sarg mit einer Leiche gan⸗ zer vierzehn Tage lang, bis endlich der Gift der aufgeſchwollenen Leiche den Sarg aufgeſprengt, nicht ohne ſonderes Grauen und Abſcheulichkeit. Sonſten lagen überall viel todte Körper, daß man auf die Letzt faſt nicht mehr Raum gehabt, neben denſelben hinzugehen, ſondern wohl gar darüber ſchreiten müſſen. Wie einem da zu Muthe ſein kann, wird jeder Vernünftige leicht erachten. Der Kreuzgang lag voller Kranken, Todten und mit dem Tode Ringenden, untereinander, erſchrecklich anzuſehen; maßen denn etliche 100 Perſonen darinn geſtorben. Weil die Hering- und Platz⸗ bäckerbuden ums Rathhaus voller Todten ge⸗ legen, ſind ſie gar abgeräumt worden, daß nicht mehr Kranke ſich hinein legen können. Weil auch die Peſt und Sterbensnoth endlich ſogar überhand genommen, daß manchen Tag an 150 bis 200 und ſonderlich den 25ſten Auguſt über 200 Per⸗ ſonen in der Stadt geſtorben, ſo iſt durch den Trommelſchlag ausgerufen worden, daß alle Sol⸗ daten ſich hinaus ins Lager begeben, und die Stadt wegen des großen Sterbens und Geſtanks meiden ſollten. ö In der Apotheke war faſt nichts zu bekommen, und was etwa noch vorhanden war, konnte doch nicht zubereitet werden, ſintemal die grimmige Peſt auch diejenigen nicht verſchont, die täglich mit denen, wider die Gift ſonſt dienenden Arzneien umgegangen. Ohne Zweifel wären, menſchlicher Weiſe zu reden, viele hundert Menſchen beim Le⸗ ben erhalten worden, wenn ſie nothwendige und bequeme Arzneimittel bei der Hand gehabt hätten. Aber da mangelte es an Medicis, an Arzneien, an Laboranten in der Apotheke, ja faſt an allem, was man bedurfte und haben ſollte. Vom Mor⸗ gen bis auf den Abend war ein ſolch Gedrängniß um die Officin, daß manches wohl einen halben Tag und länger warten und doch ohne Arznei oft mußte zurückgehen. Bisweilen haben ſich inner⸗ halb zwei Tagen an 3, auch wohl 400 Receptzet⸗ tel zuſammengehäuft; da doch wohl kaum eine Perſon ſich in der Apotheke befunden, welcher alles zuzurichten unmöglich geweſen. Alſo geſchah es, daß ihrer Vielen die geſchwinde Gift das Herz eingenommen, auch wohl gar abgeſtoßen, ehe nur die Receptzettel in die Officin übergeben, will ge⸗ ſchweigen zubereitet werden können. Das war ein Jammer, der ſich nicht vergeſſen läßt. — Aus dem Rath und Schöppenſtuhl ſind an neun Perſonen durch die Peſt weggerafft worden. Die Orgel in der Pfarrkirche konnte etliche Wochen nach einander wegen tödtlichen Hintritts, Abgangs und Mangel dieſer Kunſterfahrnen Perſonen beim Gottesdienſte nicht geſchlagen werden. Bei der Schule ſind alle Collegen mit Tode abgegangen, alſo daß auf die Letzt faſt niemand die Seinigen mit gewöhnlichen Leichenceremonien zur Erde konnte beſtatten laſſen: Sumnia, es hatte das An⸗ ſehn, als ob es um die ganze Stadt Schweidnitz geſchehen wäre, und der unbarmherzige Menſchen⸗ würger keines Menſchen verſchonen ſollte. Wie denn auch Jeder ſeines Lebens ſich verziehe, und alle Stunden und Augenblicke ſich des Todes ver⸗ ſah, daher alles ganz einſam, traurig und betrübt ausgeſehen. — Man hat keine gewiſſe Anzahl derer durch Hun⸗ ger und Peſt hingerafften Perſonen haben können. Zwar 14,000 hat man befunden, derer ſo von den Todtengräbern gemerkt und angegeben wor⸗ den, aber zum wenigſten noch ſo viel Leichen ſind heimlich von den Ihrigen in die Gärten vor und in der Stadt, wie auch in die Schanzen begraben worden. Denn da man in der Stadt nicht genug Todiengräber haben konnte, hat ein Jedes die