# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 15_S148 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) dem Vater und dem Sohne, und dem Heiligen Geiſte, wie es im Anfang war und jetzt und im⸗ merdar.“ Es iſt eine Nachbildung ähnlicher Lobpreiſungen im Neuen Teſtamente und beſtand in den erſten Jahrhunderten aus den erſten Wor⸗ ten: „Ehre ſei dem Vater“, um das Jahr 325 aber wurden, im-Gegenſatz gegen die Arianer, die Worte hinzugefügt: „Und dem Sohne und dem Heiligen Geiſte“, wozu ſpäter zu mehrerer Sicher⸗ heit noch der Zuſatz kam: „Wie es im Anfang war und jetzt und immerdar.“ Dieſe Lobprei⸗ ſung iſt auch in die lutheriſche Kirche aufgenom⸗ men und vielfach gebraucht worden, namentlich nach dem Introitus, wo Chor und Gemeinde dies kleine Gloria ſangen. Das Kyrie eleiſon oder HErr, erbarme dich unſer, iſt ein Wiederhall bibliſcher Gebets⸗ ſeufzer, z. B. Pſ. 123, 3.: Sei uns gnädig, HErr, ſei uns gnädig. Matth. 20, 30.: Ach HErr, du Sohn Davids, erbarme dich unſer! Es findet ſich ſchon bei der früheſten griechiſchen Kirche, wo nach dem vom Diakonus geſprochenen Kirchengebet die ganze Gemeinde mit Kyrie elei⸗ ſon antwortete; die römiſche Kirche fügte das „Chriſte eleiſon“ hinzu, ſo daß es nun dreizeilig wurde: „Kyrie eleiſon, Chriſte eleiſon, Kyrie eleiſon“, und ſo gewann es eine Beziehung auf die heilige Dreieinigkeit. Die lutheriſche Kirche nahm faſt allgemein das Kyrie herüber und ließ ihm auch ſeine frühere Stelle nach dem kleinen Gloria. Dagegen ließ ſie aber das Volk am Singen desſelben theilnehmen und ſchied die vor— handenen Kyrie's auf die verſchiedenen Sonn⸗ und Feſttage ſo, daß ſie nur die reinen erſt latei⸗ niſch, bald aber auch in deutſcher Ueberſetzung herüber nahm; ſo enthält das wittenbergiſche Ge⸗ ſaugbuch vom Jahre 1573 acht verſchiedene Ky⸗ rie's. Das bei uns gewöhnliche Kyrie, Gott Vater, wird das Kyrie summum oder das höchſte genannt und ſoll inſonderheit von Trini⸗ tatis bis Weihnachten geſungen werden. Das große Gloria oder Lobpreiſung Got— tes iſt urſprünglich der Lobgeſang der heiligen Engel: „Ehre ſei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menſchen ein Wohlgefallen“, Luc. 2, 14. Schon im dritten Jahrhundert fin⸗ det ſich eine Erweiterung dieſes Gloria, und ſeine Stellung, die es in der griechiſchen und dann in der römiſchen Kirche beim Aufange des Haupt⸗ gottesdienſtes hatte, hat es auch urſprünglich in der lutheriſchen Kirche behalten; ſie ließ den Pre⸗ diger das „Ehre ſei Gott in der Höhe“ intoniren und den Chor mit den Worten „und Friede auf Erden“ reſpondiren und zwar beides in lateini⸗ ſcher Sprache. Eine faſt wörtliche Ueberſetzung des „Hymnus angelicus“ (Lobgeſang der En⸗ gel), den die griechiſche und lateiniſche Kirche als Antwort auf die eben erwähnte Intonation ge⸗ braucht hat, enthält das treffliche, aber wenig be⸗ kannte Lied: „All' Ehr' und Lob ſoll Gottes ſein“, woraus das allbekannte, aber jetzt auch oft gräulich verſtümmelte Kirchenlied: „Allein Gott in der Höh' ſei Ehr'““ entſtanden iſt, deſſen Ver⸗ faſſer nicht, wie oft behauptet wird, Dr. Selnecker ſein kann, da das Lied ſchon im Jahre 1535 ge⸗ 1⁴⁸ So beſtimmen nun die älteſten lutheriſchen Kir— chenordnungen, daß der Prediger intoniren ſoll: „Ehre ſei Gott in der Höhe“, und die Gemeinde antworten: „Allein Gott in der Höh' ſei Ehr'.“ Die Salutation (Begrüßung) oder das „der HErr ſei mit Euch“ entſtand ſchon frühzeitig aus dem bibliſchen Gruß „Friede ſei mit Euch“. In den alten Kirchenordnungen findet ſich dieſer Zuſuf nicht nur vor der Eingangscollecte, ſondern Schlußcollecte, zum Theil auch vor der Verleſung des Evangelii. Dieſen Gruß, „der HErr ſei mit Euch“, ſoll die Gemeinde mit dem Gegengruß „und mit deinem (nämlich des Predigers) Geiſte“ erwidern, wie dies ſchon in dem früheſten Alterthum geſchah. Die Verſieul oder kurze bibliſche Verſe, auch Antiphonien oder Wechſelgeſänge genannt, weil der Prediger einen Theil eines bibliſchen Ver⸗ ſes ſingend anhebt und mit dem anderen die Ge⸗ meinde ſingend antwortet. Ein ſolcher Verſicul oder Antiphonie findet ſich in den alten lutheri⸗ ſchen Agenden nie vor der Eingangs-, ſondern nur vor der Schlußcollecte; den Intonationen ſowohl, als den Reſponſorien wird nach dem Vor⸗ bild der römiſchen Kirche häufig, außer in der Faſtenzeit, das „Alleluja“ (lobe den HErrn) hin⸗ zugefügt. Die Collecten oder kurzen Gebete, welche der Diener der Kirche vor dem Altare in ſeinem und der Gemeinde Namen ſingt, indem er mit den Worten anhebt: „laßt uns beten“ — und welche die Gemeinde im Stillen mitbeten und am Schluſſe mit dem Singen des „Amen“ als ihr Gebet bekräftigen ſoll. Der Urſprung dieſer Col⸗ lecten ſchreibt ſich aus dem apoſtoliſchen Zeitalter her, indem ſchon Tertullian und Juſtin ihrer er⸗ wähnen. Die jetzt gewöhnlichen Collecten, na⸗ mentlich die für die Feſte, ſowie die für jeden Tag der Woche, ſollen größtentheils von Gregor dem Großen (6tes Jahrhundert) herſtammen. Ver⸗ gleicht man damit die vielen in neurer Zeit ver⸗ faßten Collecten zu den einzelnen Evangelien und Epiſteln, ſo wird man bald ihren großen Abſtand von den früheren, ſowohl dem Inhalte, als der Form nach erkennen. Mit vollem Recht und ohn⸗ geachtet des Widerſpruches von Seiten der Re— formirten, hat die lutheriſche Kirche bis auf die neueſte Zeit die Collecten nicht verleſen, ſondern abſingen laſſen, weil, wie ſchon oben bemerkt wor⸗ den iſt, das gutgeſungene Wort nicht nur deut⸗ licher gehört, ſondern auch andächtiger mitgebetet werden kann. Die Geſangweiſe aber, wie ſie alle älteren Agenden auf das Genaueſte vorſchreiben, hat Dr. Luther aus dem gregorianiſchen Geſang, den er von ſeiner künſtlichen Verderbniß reinigte, wieder hergeſtellt, und wie viel er ſelbſt auf ſolchen Altargeſang hielt, geht aus ſeinem bekannten der⸗ ben Ausſpruch hervor: „Einen Prediger, der nicht ſingen kann, ſeh' ich gar nicht an.“ Die Verleſung der Epiſtel und des Evangelii entſpricht der Einrichtung des alt— teſtamentlichen Gottesdienſtes in den Synagogen, worin zuerſt eine Stelle aus dem Geſetz und dann auch vor der Präfation, ſowie meiſt vor der ſungen worden iſt, da er erſt drei Jahre alt war. ein Abſchnitt aus den prophetiſchen Büchern vot— geleſen wurde; dieſe Weiſe kommt ſchon ſchr fuhe A in der Kirche vor, weshalb ſie auch in allen luthe⸗ riſchen Kirchenordnungen vorgeſchrieben iſt und zwar ſo, daß beides vor dem Altare, wie die Col⸗ lecte und aus ähnlichem Grunde, nicht geleſen, ſondern geſungen wurde, wozu die Melodien ebenfalls in den meiſten alten Agenden vorgeſchrie⸗ ben ſind. Von dem Gebrauche aber, anſtatt des Evangelii einen andern bibliſchen Abſchnitt oder eine ſogenannte Lection zu verleſen, findet ſich in den älteſten Agenden keine Spur. 4. Das Credo und Patrem, welches bei dem öffentlichen Gottesdien ſte erſt vom fünften Jahr⸗ hundert an vorkommt, nahm die lutheriſche Kitche aus der römiſchen anfänglich in lateiniſcher Sprache auf und überſetzte es dann, indem ſie den Prediger nach Verleſung des Evangelii das Credo oder „Ich glaub' an Einen Gott allein“ intoniren und den Chor mit dem Patrem oder „Allmäch⸗ tigen Vater“ u. ſ. w. reſpondiren ließ; an dit Stelle des letzteren trat ſpäter das von Dr. Luther verfaßte Kirchenlied: „Wir gläuben all' an Einen Gott“, doch ging demſelben immer die erwähnte Intonation des Predigers voraus. Die Kirchenlieder, welche nicht an allen Sonn⸗- und Feſttagen (wie das Kyrie, Allein Gott, der Glaube), ſondern nur zu gewiſſen Zeiten ge⸗ ſungen wurden, müſſen hier noch beſonders er⸗ wähnt werden. Die lutheriſche Kirche fand in der römiſchen eine Menge Geſangſtücke vor, die aber nur in der lateiniſchen Sprache verfaßt und zum alleinigen Gebrauch des Chores beſtimmt waren; davon nahm ſie beſonders die Sequenzen, ſo ge⸗ nannt, weil ſie auf das Alleluja nach der Epiſtel folgten, in ihren Gottesdienſt auf und zwar anfänglich ſo, daß erſt eine lateiniſche Sequenz von dem Chore und dann ein deutſches Lied von der Gemeinde geſungen wurde, bis allmählich die lateiniſchen Sequenzen in deutſche Kirchenlieder umgewandelt wurden; ſo ſind die Lieder: „Komm, Heil'ger Geiſt“ und „Es iſt gewißlich an der Zeit“ Bearbeitungen der Sequenzen „Veni, sancte spiritus“, und „Dies- irae, dies illa.“ Damit aber bei der Wahl der zu ſingenden Lieder eine gewiſſe Gleichheit ſtatt fände und allen Mißgri- fen möglichſt vorgebeugt würde, haben die alten Kirchenordnungen auch deshalb Vorſchriften ge⸗ geben und die Lieder „De tempore“ oder die auf eine gewiſſe Zeit im Kirchenjahre geſungen wer⸗ den ſollen, namhaft gemacht. Anſtatt des Introi⸗ tus, den faſt alle Kirchenordnungen mit einem deutſchen Liede zu vertauſchen erlauben, ſollte z. B. an Weihnachten geſungen werden: „Gelobet ſeiſt du, JEſu Chriſt“ oder „Ein Kind iſt uns geboren heute.“ Die ſogenannten Morgenlieder werden in keiner der älteren Kirchenordnungen erwähnet und eignen ſich auch nicht für den Anfang des öffentlichen Gottesdienſtes. An der Stelle des ſpätern ſogenannten Hauptliedes finden wir na— mentlich Bitt- und Danklieder, z. B. für die Oſter⸗ zeit: „Chriſt iſt erſtanden von der Marter alle“, für die Adventzeit: „Lob ſei dem allerhöchſten Gott“, auf die gewöhnlichen Sonntage: „Gott der Vater wohn' uns bei“ u. ſ. w.