# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 15_S145 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Belligirt von C. E. W. Walther. Der Lutheraner. „Gottes Mort und Xuthers Nehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Syuode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Hahrgang 5. Hl. Louis, Mo., den 15. Mai 1849. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben ö vorauszubezahlen und das Poſtgeld N Nur die Briefe, welche tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. ittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. (Eingeſandt von Dr. Sihler.) Zweite Predigt von der heiligen Taufe. Wir haben, meine Lieben, das vorige Mal von dem Weſen und der Wirkung der heiligen Taufe gehandelt und nicht alſo gerhan, wie z. B. die unirten Prediger und Katechismen zu thun pfle⸗ gen; denn dieſe laſſen hier und beim heiligen Abendmahl gern auf der Seite liegen, was denn die heiligen Sacramente eigentlich ſeien, damit ſie in ſolchem Schweigen weder bei Lutheranern, noch bei Reformirten mögen anſtoßen, ſondern beiden gerecht ſeien. Dagegen fallen ſie alsbald auf den Gebrauch der Sacramente und die nothwendige Herzensbeſchaffenheit Derer, die derſelben ſich be⸗ dienen. Wir dagegen haben ſolchen Weg nicht gewählet, ſondern ſind ehrlich zu Werke gegangen und haben zuerſt dargethan, was die heilige Taufe ſei und was ſie wirke. Und dieſes iſt auch hoch von Nöthen; denn obwohl man in irdiſchen Din⸗ gen das Weſen einer Sache nicht zu erkennen braucht, um ſich ihrer recht zu bedienen — wie z.B. Irdermann des gemeinen natürlichen Waſſers zum Trinken, Kochen und Waſchen ſich bedient, ohne zu wiſſen, was das Waſſer eigentlich ſei — ſo iſt dies doch in geiſtlichen Dingen ſchlechthin unmöglich; und kein Menſch kann den rechten Gebrauch von ſeiner Taufe machen und den Miß⸗ brauch meiden, der nicht wiſſe, was ſie ſei und was ſie wirke. Oder iſt es z. B. wohl möglich, daß ein Menſch in der Anfechtung ſich ſeiner Taufe als des Gnadenbundes getröſte, den der getreue Gott mit ihm darin gemacht, wenn er gar nicht weiß, daß in der heiligen Taufe der majeſtätiſche glorwürdige Gott ſich ſo väterlich zu dem armen Sünder herabgelaſſen und ihn an Kindes Statt angenommen hat? Wird ein ſolcher Menſch denn nicht vielmehr in die Gefahr gerathen, auf gut ſchwärmeriſch in dem Stückwerk ſeiner Bekehrung und Heiligung, obwohl vergeblich, Ruhe und Troſt zu ſuchen? Wie aber das Wiſſen von dem Weſen und Wirken der heiligen Taufe nothwendig vorauf⸗ gehen muß, ehe man lernt, derſelben heilſamlich umd ſeliglich gebrauchen, ſo muß nothwendig auch jenem Wiſſen der rechte Gebrauch der heiligen Taufe und die rechte Vermeidung des Miß⸗ brauchs folgen, dieweil es im Chriſtenthum über⸗ haupt ſich mehr um das Thun, als um das Wiſ⸗ ſen handelt. So laſſet uns nun unter dem gnädigen Bei⸗ ſtande Goties des Heiligen Geiſtes nach Marcus 16, 16. und auch mit Rückſicht auf die Angriffe und Schmähungen der Taufſchwärmer mit ein⸗ ander handeln: I. Von dem Nutzen des rechten gläu⸗ bigen Gebrauchs der heiligen Taufe. II. Von dem Schaden des Mißbrauchs oder Nichtgebrauchs derſelben. 1.) Das erſte Stück dieſes rechten Gebrauchs iſt dieſes, daß der gläubige Getaufte durch die heilige Taufe zugleich die Pflicht hat und die Kraft empfängt, den alten Adam, wie unſer Kate⸗ chismus beſagt, durch tägliche Reue und Buße zu erſäufen und zu tödten mit allen Sünden und bö⸗ ſen Lüſten und darin und dadurch zugleich immer mehr ans Licht und zum Leben zu bringen den neuen Menſchen, der nach Gott geſchaffen iſt in rechtſchaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Beides aber geſchieht durch die Kraft und Tu⸗ gend des Heiligen Geiſtes, den der Gläubige durch die heilige Taufe zu bleibender Einwohnung er⸗ langt, auf folgende Weiſe: Zum erſten nemlich treibet der Heilige Geiſt den Getauften an, die tägliche und ſtündliche Sünde reumüthig zu erkennen und vor dem HErrn auf⸗ richtig zu bekennen, ſodann aber aus der Fülle des Verdienſtes Chriſti im Glauben zu nehmen Gnade um Gnade, Vergebung um Vergebung. Darnach hilft derſelbe Geiſt durch und mit dem befreiten und geheiligten Willen des Menſchen, das Fleiſch immer mehr zu bekämpfen und darnie⸗ derzulegen, und rechtſchaffne Früchte der Buße zu bringen, ſonderlich den Glauben durch die Liebe zu bethätigen und in einem heiligen gottſeligen Wan⸗ del die Tugenden deß immer mehr zu verkündigen, der uns berufen hat von der Finſterniß zu ſeinem wunderbaren Licht. Und durch die Gnadenzucht des Heiligen Geiſtes geſchieht es hiebei, daß der Gläubige und Getaufte immer mehr das Wider⸗ ſpiel von dem Willen des Fleiſches zu thun und ſeine böſen Lüſte und Begierden in die entgegen⸗ geſetzten Tugenden zu verwandeln vermag. Denn alſo trägt es ſich zu, daß je länger je mehr aus dem Geizigen ein Wohlthätiger, aus dem Zornigen ein Sanftmüthiger, aus dem Hoffärtigen ein De⸗ müthiger, aus dem Wollüſtigen ein Keuſcher ꝛc. wird. Und in dieſem Werke wachſender Heili⸗ gung in dem Herzen und Leben des Gläubigen und Getauften begibt es ſich zugleich, daß der Heilige Geiſt eben auch durch die heilige Taufe das rechte erhörliche ernſte und beharrliche Beten erweckt und erhält. Wenn aber der Menſch alſo beharret, der Hei⸗ ligung mit allem Ernſt nachjagt, den guten Kampf des Glaubens bis ans Ende kämpft, durch den Geiſt des Fleiſches Geſchäfte tödtet, auch unter dem Kreuz geduldig ausharret und die Hoffnung des ewigen Lebens ohne Unterlaß feſt⸗ hält — dann geſchieht es wiederum durch die Kraft und Tugend der heiligen Taufe, wenn nun das Sterbeſtündlein herzuſchlägt, daß in dem Tode dann auch die Erbſünde völlig ertödtet wird und die heilige Taufe zunächſt an der Seele ihr Werk ausrichtet, daß dieſe aus dem Stückwerk der Hei⸗ ligung zur vollkommenen Heiligkeit gelangt und von den Engeln getragen wird in das himmliſche Paradies. Darnach aber Hei der Auferſtehung der Todten, bei der Vollendung der Wiederge⸗ burt, vollendet ſich auch die heilige Taufe an den Leibern der Heiligen und es gehet dann Epheſ. 5, 29. nach That und Weſen vollkommen in Erfül⸗ lung, daß der HErr Chriſtus ſich darſtellet eine Gemeinde, die nicht habe einen Flecken oder Run⸗ zel oder deß etwas, ſondern daß ſie heilig ſei und unſträflich. 2.) Das zweite Stück von dem rechten Gebrauch der heiligen Taufe iſt dieſes, daß ſie zur Zeit der ſchweren äußerlichen Trübſal und noch mehr der innern geiſtlichen Anfechtung, da eben der Glaube durch Teufel, Welt und Fleiſch mächtig angefoch⸗ ten wird, einen ſonderlichen Troſt gewährt. Es⸗ gibt nemlich im Leben des Chriſten Zeiten, da er nicht eben kann mit ſeinem Gott über die Mauern No. 19.